Verfasst von Haiko Kàcserik-Maczek am 17.01.08 01:18:00 - 0 Kommentare

Interview - Jerry Bruckheimer

Leserwertung (1): 5.0 / 6
Der wahrscheinlich erfolgsreichste Produzent Hollywoods stellte sich vielen Fragen. Er sprach über Geld, über zahlenmäßige Begrenzungen für Fortsertzungen, Nicolas Cage und natürlich über "Pirates 4". Sind sie überrascht über Kassenerfolge wie "Das Vermächtnis der Tempelritter" oder ahnen Sie das vorher?

Es erstaunt mich jedes mal, wenn sich ein Film als Kassenschlager entpuppt. Ich weiß nie, was geschehen wird. Wer behauptet, dass er einen Riesenerfolg einfahren wird, der lügt, da man das nie wissen kann.  

Wie fühlt man sich, wenn man solche Summen einspielt?

Nun, eigentlich beeinflusst einen das wenig. Natürlich, man macht Geld und das ist prima, aber es geht vor allem um die Arbeit. In meiner Karriere habe ich nie etwas des Geldes wegen getan. Ich mache keinen Film, um viel Geld zu machen, das kann man ja nicht absehen. Man kann nur machen, was einem gefällt, und auf den Erfolg hoffen.

Wie lange hat es nach "Das Vermächtnis der Tempelritter" gedauert, bis Sie an eine Fortsetzung gedacht haben?

Ich glaube das war 3 oder 4 Monate nach Start des Films, als wir feststellten, dass wir einen ziemlich großen Erfolg geerntet hatten und das Publikum wohl einen Folgefilm gut aufnehmen würde.

Gibt es eine zahlenmäßige Begrenzung für Sequels und wenn ja, wann weiß man, dass man das Limit erreicht hat?

Ich denke mal, es ist das Publikum, dass es einen wissen lässt. Sehen sie, zu wie vielen Filmen hat es überhaupt mehr als 3 Sequels gegeben? Doch wohl nur bei Star Wars.

Sie haben in der Vergangenheit bereits verschiedene Sequels produziert. Haben Sie eine Liste von Dos and Don'ts?

Unbedingt achten sollte man darauf, eine spannende Geschichte zu erzählen, ohne zu wiederholen, was man das Mal davor gemacht hat, und dass man die Charaktere weiterentwickelt. Und was man lieber unterlassen sollte, das weiß ich eigentlich nicht. Bislang waren alle Sequels recht erfolgreich.

Wie schwer ist es, die Handlung für eine zweite Episode zu entwerfen?

Das ist immer schwierig. Doch das Autorenteam hatte den Einfall, die Story auf dem Tagebuch von John Wilkes Booth aufzubauen. Aus diesem Tagebuch sind ja 18 Seiten verschwunden.

Demnächst werden auch "Indiana Jones 4", "Die Mumie 3" und "Illuminati" in die Kinos kommen. Was unterscheidet "DAS VERMÄCHTNIS DES GEHEIMEN BUCHES" von all diesen Filmen?

Bereits der erste Film unterschied sich von den anderen und das wollen wir auch weiterhin so halten. Letztendlich ist es eine Frage der Charaktere, ob sie einem sympathisch sind und man dann auch noch einen packenden Plot, spannende und dramatische Momente zu sehen bekommt. Nicolas ist ein ganz hervorragender Schauspieler und zusammen mit Ed Harris und Helen Mirren ergibt das neben all den anderen eine schillernde Besetzung.

Sie haben viel mit Nicholas Cage gearbeitet. Was macht ihn als Darsteller so attraktiv?

Keine Frage, Nick ist ein fabelhafter Schauspieler. Er hat einen Oscar gewonnen und kann sowohl in sehr ernsten Filmen überzeugen als auch sehr komisch sein. Er verfügt also über ein enormes Repertoire und ist zudem in der Lage, sehr unterschiedliche Charaktere auszufüllen.

Sie waren der erste Produzent, der das Risiko einging, ihm eine Titelrolle in einem Actionfilm zu geben. Was veranlasste Sie dazu?

Er ist sehr groß und immer toll in Form. Er hat also den Körper dafür und außerdem die richtige Einstellung.

War der Zusammenhalt in der Besetzung wichtig?

Es ist in der Tat sehr wichtig die Stimmung im Team aufrecht zu erhalten. Das gilt vor der Kamera wie dahinter. Bei beiden Filmen ist uns das gelungen. Bei den "Pirates of the Caribbean"-Filmen verhielt es sich genauso.

Wollten alle Schauspieler wieder mitmachen?

Die Erfahrung zeigt, dass die Schauspieler wegen der Arbeit am Film und der Tatsache, einen Erfolg daraus gemacht zu haben, wieder zurückkommen. Jon ist ein wirklich netter Kerl und wir haben ein Klasse Team zusammengestellt, weshalb alle Schauspieler Spaß haben. Es ist also recht leicht, wieder alle zu vereinen.

Können Sie uns was zu den Neuzugängen in der Besetzung sagen?

Es ist wirklich großartig, dass wir Helen Mirren und Ed Harris, mit dem ich bereits zusammengearbeitet hatte, bekommen konnten. Helen ist eine außergewöhnliche Schauspielerin und hat erst kürzlich einen Oscar erhalten. Es ist wirklich schön, wenn man mit solchen Talenten ein bereits hochtalentiertes Team bereichern kann. Drei Oscar-Preisträger sind im Film dabei und auch Ed war schon mehrmals nominiert.

Es hieß, dass Helen nicht zum Empfang der Königin konnte, weil sie mit Dreharbeiten zu ihrem Film beschäftigt war.


Das stimmt. Sie war bei Dreharbeiten am Mount Rushmore, einer der Schlüsselszenen im Film. Das konnte sie unmöglich unterbrechen, und wollte es auch nicht. In der Presse wurde es völlig überzogen dargestellt. Im Grunde genommen ein, war das keine Meldung wert. Sie war bei der Arbeit und Punkt.

Haben Sie zu Beginn der Arbeiten an einem Film bereits im Hinterkopf, dass dies bei einem Erfolg der Grundstein für weitere Episoden sein kann?

Bei diesem Film haben wir eigentlich nicht daran gedacht. Bei den "Pirates of the Caribbean"-Filmen war von Anfang an klar, dass wir weitere Folgen machen wollten. Ich denke, bei "Das Vermächtinis der Tempelritter" lag es am überwältigenden Kassenerfolg, dass wir eine Fortsetzung ins Auge fassten.  

Machen Sie sich Sorgen um künftige Einspielergebnisse angesichts der Tatsache, dass sich Ihre Zielgruppe der 16-24jährigen jetzt für etwas anderes interessiert? Die tummeln sich im Internet oder spielen mit ihren Playstations…

Nun ja, das Publikum kam zu "Transformers", zu "Pirates" und auch zu "Harry Potter". Die Leute gehen schon ins Kino. Wenn man etwas wirklich Unterhaltsames zeigt, dann wird das Publikum einfach kommen. Das Nachsehen wird all das Zeug haben, was dazwischen liegt.

Wie es aussieht, kommt ein neuer 3D-Trend auf. Haben Sie mal darüber nachgedacht, diese Technik einzusetzen?

Ja, beim Film "G-Force" (ein Mix aus Live-Action und Animation über Spezialeinsatzkommandos mit speziell genetisch gezüchteten Meerschweinchen), den wir ab September drehen, haben wir mal darüber gesprochen, aber ich bin mir noch nicht sicher, ob wir das einsetzen wollen oder nicht.

Wird es eine 4. Folge von "Pirates of the Caribbean" geben?

Jeder Mensch muss einmal verschnaufen. Vorerst arbeiten wir an diesem Film, danach stehen noch zwei andere Produktionen an und wenn wir damit fertig sind… wer weiß? Möglich ist es, doch wir wissen es noch nicht, da alles von der Filmidee abhängt und auch davon, ob die Schauspieler mitmachen wollen.

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