ThorriZ am 15.02.07 01:55:20 - 0 Kommentare

300, eine Zahl erhitzt die Gemüter

Relevante Personen: Zack Snyder, Gerard Butler

Relevante Filme: 300

"300" - diese Zahl steht wohl für den kontroversesten Film der diesjährigen Berlinale, und dass obwohl er außer Konkurrenz des Wettbewerbs läuft und während des Festivals seine Weltpremiere feiert. Gespaltener können die Reaktionen auf einen Film wohl nicht sein: nach der Pressevorführung waren im Kino Buhrufe von einigen Journalisten zu hören und bei der Premiere im Berlinale-Palast gab es schon bei einigen Szenen während des Films Beifall und während des Abspanns wurde ebenfalls geklatscht. Es folgten Standing-Ovations, als das Filmteam auf die Bühne trat, so dass Regisseur Zack Snyder regelrecht sprachlos war und sich beim Publikum dafür bedankte, dass sie den Film so gut aufgenommen haben. Und mal ehrlich, welcher Filmfan gibt eingentlich etwas darauf, was Journalisten sagen oder schreiben. Schließlich sind es die Fans die einen Film erfolgreich machen, oder ihn floppen lassen. Eins scheint jedoch klar: dieser Film existiert nach dem Motto "hate or love it", also entweder findet man ihn genial oder grottenschlecht, ein "mittelmäßig" scheint es nicht zu geben. Ich denke wenn man sich nicht auf solch einen Film einlassen kann oder will, wem das alles zu viel Blut und Gewalt ist, der sollte sich den Film einfach nicht ansehen, so einfach ist das und das ist auch die Meinung die Regisseur Snyder während der Pressekonferenz vertreten hat.

Aber worum geht es eigentlich in diesem Film der die Gemüter so dermaßen erhitzt? Es geht um eine große Schlacht, eine Schlacht, die um 480 vor Christus stattfand, es geht um die Schlacht bei den Thermopylen. In dieser Schlacht stehen sich Griechen und Perser gegenüber, insbesondere tritt eine kleine etwa 300 Mann zählende Schar von Spartanern einem über 100.000 Mann starken persischen Heer entgegen. Zwischen diesen beiden Gruppen entbrennt eine ungleiche Schlacht, die in die Geschichte eingegangen ist, die von Heldenmut und Aufopferung berichtet und die viele Leben kostete und äußerst blutig war. Dies wurde von Zeitzeugen wie dem griechischen Historiker Herodot niedergeschrieben. Bereits 1962 wurde diese Geschichte von Rudoph Maté verfilmt und dieser Kinofilm inspirierte den Kult-Comicautor Frank Miller zu seiner Version dieser Geschichte, die schlicht und einfach "300" heißt. Regisseur Zack Snyder wiederum ließ sich für seinem Film von diesem Comic inspirieren und hat ihn in einem einzigartigen und bahnbrechenden visuellen Stil umgesetzt. Ob einem die Story nun gefällt oder nicht, aber was der Regisseur visuell mit diesem Werk geschaffen hat ist einfach großartig und Gerard Butler als König Leonidas ist auch unschlagbar, dazu kommt noch eine tolle Musik.

Zu Beginn der Pressekonferenz wurde Regisseur Zack Snyder jedoch gleich mit der fehlenden historischen Korrektheit seines Filmes konfrontiert. Zwei Journalisten bemängelten, dass der Film falsch und zu einseitig sei und die Perser als böse dargestellt und diffamiert würden. Aber mal ehrlich, es handelt sich um einen Unterhaltungsfilm, wie Gerard Butler richtig bemerkte, der niemals den Anspruch erhoben hat historisch korrekt zu sein. Der Film basiert auf einem Comic und Zack Snyder wollte einfach einen "coolen" Film drehen, der ihm persönlich gefallen musste und er entschied sich dabei nun einmal dafür die spartanische Sichtweise zu verwenden. Der Filmprozess machte ihm auch viel Spaß, obwohl er sechs Jahre seines Lebens dafür investierte. Vielleicht sollte er ja einen zweiten Film drehen, der die Schlacht aus Sicht der Perser schildert - Clint Eastwood lässt grüßen. Aber im Ernst, bei diesem Film geht es einfach darum im Kino Spaß zu haben und nicht irgendeine politische Debatte darüber zu führen, also Hirn auschalten, Popcorntüte in die Hand nehmen und dieses visuelle Meisterwerk einfach genießen. Ermöglicht hat diesen Film übrigens ein Produzententrio, das die selben Vorstellungen von einem "coolen Film" hatte wie Snyder selbst. Es sollte kein typisches Sandalenepos werden, sondern ein einzigartiger Film, der diesen Mythos wieder aufleben lässt. Snyder wollte keine hollywoodtypische Version auf die Leinwand bringen und auf problematische Szenen verzichten. Er wollte die Gewalt so intensiv darstellen, er wollte, dass Leonidas Sex hat und er wollte die Perser nicht anders nennen, nur um mögliches politisches Konfliktpotential zu entschärfen, er wollte also nicht mit dem Studio verhandeln, sondern den Film nach seinen eigenen Vorstellungen realisieren.

Gerard Butler erzählte, angesprochen auf die perfekten Körper im Film, dass er, sowie auch alle anderen Spartaner-Darsteller, ein hartes körperliches Training dafür absolvieren musste. Aus historischen Überlieferungen geht hervor, dass die Spartaner einen perfekten Körperbau aufgewiesen haben mussten und um seine Rolle glaubwürdig darzustellen musste er daher auch so perfekt gebaut sein.
Er persönlich sieht den Film im Übrigen als thematische Darstellung von Ereignissen die tatsächlich Geschehen sind und wo es natürlich zwei Seiten und Sichtweisen gibt; die Hauptsache sieht er jedoch darin, dass die Geschichte so erzählt wird, wie sich sich abgespielt hat - von einer Politisierung hält er nicht viel.
Weiterhin berichtete er, dass er alle Action- und Kampfszenen selbst gedreht und die Kampfchoreographie einstudiert hat. Ständig vor einem Bluescreen zu drehen fand er zwar manchmal etwas merkwürdig, jedoch birgt es auch Vorteile, weil er nicht von irgendwelchen Sets abgelenkt wurde und die Schauspielerei so viel intensiver gewesen sei.

"300" ist ein Werk von dem Filmfan Snyder für alle anderen Filmsfans. Ein genialer visueller Stil und eine spannende actiongeladene Story, die dem Zuschauer kaum eine ruhige Minute lässt. Begeisterte Fans nach der Premiere sind wohl ein Indikator für einen kommenden Kassenerfolg.


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