Clint Eastwoods Letters from Iwo Jima - besser als Flags of Our Fathers?
Der letzte Wettbewerbsbeitrag für den heutigen Tag war Clint Eastwoods "Letters from Iwo Jima", der allerdings leider außer Konkurrenz lief. Angesichts der Premiere kam der 76-jährige Großmeister höchstpersönlich an die Spree und brachte seine drei Hauptdarsteller mit: Ken Watanabe, Kazunari Ninomiya und Tsuyoshi Ihara. "Letters from Iwo Jima" ist nur ein Teil des ambitionierten Großprojekts zweier Filme über die Schlacht um Iwo Jima. "Flags of Our Fathers" erzählt die Kriegsgeschehnisse aus der Sicht der Amerikaner. Die Sicht der Japaner erzählt eben dieser "Letters from Iwo Jima".
Clint Eastwood, der ebenfalls im Krieg diente, machte seine ersten Erfahrungen mit japanischen Filmen in den 50er Jahren, wo er noch zum College ging. Er ist der einzige Regisseur, der in der Kategorie 'Bester Regisseur' zwei Oscars gewann, doch über die diesjährige Oscarverleihung wollte er sich lieber nicht äußern. Wie wählt er eigentlich immer diese tollen Stoffe aus? Er entscheidet für sich selber, was interessant sein könnte. Als Schauspieler las er das Drehbuch und fragte sich stets selbst, ob er sich solch einen Film selber anschauen würde. Als Regisseur ist es da sehr ähnlich.
Mit diesem Großprojekt versuchte er sich in die verschiedenen Sichtweisen der Kriegbeteiligten hineinzuversetzen, wie ein Schauspieler, der in eine Rolle schlüpft. Aber warum zwei getrennte Filme? Eastwood las ein Buch, das sein Interesse auf die Sichtweise der Japaner weckte. Er liebt die Herausforderung, daher wollte er den Film in einer fremden Sprache und in einer fremden Kultur drehen. Er lernt immer gerne hinzu, denn: "Wenn du alles weißt, ist es Zeit abzutreten", sagte er. Und warum kein vier Stunden langes Epos? Die Filme zusammen zuschneiden ist leichter gesagt als getan. Er mag dieses Hin- und Herspringen in den verschiedenen Sichtweisen nicht. Er lässt die Filme lieber so, wie sie sind. Clint entschied sich dazu, so viele Farben wie möglich aus dem Film zu verbannen. Mit einer etwas anderen Technik wirkt der Film fast wie ein Schwarz-Weiß-Streifen. Schwarz-Weiß-Filme liebt er, fügte er hinzu. Einen Kriegsfilm in Farbe zu drehen? Da wäre es viel schwieriger die richtige Stimmung zu treffen. Ein Journalist warf ein, dass ein amerikanischer Kollege "Letters from Iwo Jima" als den schlechtesten Kriegs-Propagandafilm seit "Tokyo Rose" bezeichnete. Daraufhin antwortete Clint nur: "Ja, so ist es!" Eastwood interessiert nicht, was die Kritiker sagen, er wollte wissen, was die Kriegsveteranen, die auf Iwo Jima kämpften, zu seinen Film sagen würden und die meisten fanden ihn gut. Während der Produktionsvorbereitungen befand sich die USA ja sozusagen im Krieg, was Clint aber nicht bei den Vorbereitungen beeinflusste.
Bei den Vorbereitungen kam immer mehr heraus, dass der General Tadamichi Kuribayashi, Kommandeur der japanischen Garnison auf Iwo Jima, einen faszinierenden Charakter hatte. Für das Casting in Japan gab es eine extra Person. Kazunari Ninomiya sprach zuerst für eine ganz andere Rolle vor, doch als Eastwood ihn sah, gab er ihm die wichtige Rolle des Saigo. Dann wollten die Kollegen von dem Jungstar hören, was er dazu sagte, doch dieser träumte nur vor sich hin und war perplex, dass auch eine Frage an ihm gestellt wurde. Eastwood, professionell wie er ist, warf lächelnd ein: "Genau deswegen engagieret ich ihn!"
"Letters from Iwo Jima" mit einem wieder einmal wunderbar agierenden Ken Watanabe in der Hauptrolle ist ganz klar der stärkere, emotionalere, dramatischere Film in diesem Großprojekt. Allein stehend fehlt beiden etwas, aber zusammen sind sie ein genialer Regiestreich.
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