SERF am 10.02.07 22:25:57 - 0 Kommentare

Vom Mafiaboss zum Spionageepos - De Niro stellte Der gute Hirte vor

Regisseur Robert De Niro brachte zur Pressekonferenz seines 85 Millionen Dollar teuren amerikanischen Wettbewerbsbeitrags "Der gute Hirte" seinen Hauptdarsteller Matt Damon und Martina Gedeck mit. Die hochkarätig besetzte zweite Regiearbeit von Robert De Niro erzählt in einem epischen Drama die unbekannte Geschichte von der Geburtsstunde der CIA, des amerikanischen Geheimdienstes. Das Spionagedrama gibt das Psychogramm eines besessenen Idealisten wieder, soll jedoch, laut Aussage De Niros, keine Kritik an die Macht der CIA sein. Er liebte einfach das Drehbuch, obwohl es bereits 12-13 Jahre alt war. Er wollte die Tatsachen einfach direkt erzählen. Freuen tut er sich darüber, endlich mal als Regisseur auf der Berlinale auftreten zu können. "Ich fühle mich geehrt ... egal was passiert", sagte der 63-jährige.

Matt Damon schätzt an der Berlinale, dass es nicht so viele Parties gibt. Wegen Dreharbeiten lebte er schon einmal einige Monate in Berlin. Vor allem bewundert er das kulturelle Flair, so der 36-jährige US-Schauspieler, der vor einigen Tagen zahlreiche Szenen für "The Bourne Ultimatum" in Berlin drehte (Bericht). Ob er solche Rollen liebt, wurde er gefragt. Tatsächlich sind solche Filme wie "Syriana" und beispielsweise "Der gute Hirte" ganz unterschiedliche Filme. Ihn reizte besonders die Zusammenarbeit mit Robert De Niro. An Martina Gedeck fand er beeindruckend, dass sie den Ausstattern direkt Tipps gab, wie eine Berliner Wohnung 1945 ausgesehen haben könnte. Die Ausstatter mussten danach viele Dinge aus der Wohnung entfernen, da eine solche Person zu so einem Zeitpunkt diese Gegenstände gar nicht hätte besitzen können.

Die Ära um den Kalten Krieg ist einfach faszinierend. Wir kennen alle die James Bond-Filme, doch De Niro wollte die Ereignisse in eine reale Welt transportieren, so glaubhaft wie möglich darstellen. Martina Gedeck traf er in London. Die Wahl fiel auf sie, weil sie einfach die beste Person für die Rolle war. Ihre Rolle beschreibt die deutsche Schauspielerin als kleinen Film im Film, denn ihr Charakter ist für den Charakter von Matt Damon die letzt Chance einer Person etwas näher kommen zu können. Die Arbeit mit dem amerikanischen Team und insbesondere mit Robert De Niro bezeichnete sie als sehr erfreulich. Sie hat eine Menge dazu lernen können. Sie zog noch einen Vergleich zu den deutschen Produktionen und kam zum Ergebnis, dass man in den Staaten mehr Zeit, mehr Geld und mehr Gelassenheit besitzt, einfach viel professioneller arbeitet. Der Film ist dort ein Kulturgut, was in Deutschland eher auf das Theater zutreffen würde. In Hollywood macht jeder einfach seinen Job und quatscht nicht dem anderen in sein Apartment rein.

Natürlich wurde der Film von einem Journalisten in Zusammenhang mit dem Irakkrieg und dem 11. September gebracht, doch De Niro umging wie so viele auch diese Anspielung ein wenig und räumte ein, dass viele zu diesem Zeitpunkt Fehler gemacht haben. Er findet es viel beängstigender, dass heutzutage immer mehr Länder Nuklearwaffen haben und es den Ländern, die keine haben, immer leichter gemacht wird an welche ranzukommen.

"Der gute Hirte" war ein spannender, abgerundeter Blick in die Gründerzeit der Central Intelligence Agency. Mit fünf Oscarpreisträgern in den Hauptrollen ist er ein grandioses, aber langes (167 Min.!) Spionageepos.


Jetzt kommentieren? / 0 Kommentare


Jetzt hier Kommentar schreiben

Bitte auf gute Umgangsformen achten!! Beleidigungen werden nicht geduldet.