Regisseur Park Chan-wook brachte seinen Cyborg mit
Nach der Vollendung seiner Rache-Triologie kam der südkoreanische Regisseur Park Chan-wook ("Oldboy") mit seinen beiden Hauptdarstellern Lim Soo-jung und Rain (Jung Ji-hoon) an die Spree, um für sein neuestes Werk "Ich bin ein Cyborg, aber das macht nichts" auf der Pressekonferenz den Fragen der Journalisten Rede und Antwort zu stehen. Nicht ganz gewaltfrei, ist der Film dennoch eher zu den romantischen Komödien einzuordnen. Laut eigener Aussage wich der Regisseur immer weiter von der Realität ab und wollte daher sein Interesse weiter auf das mystische und märchenhafte lenken. Und wovon handelt "Sai bo gu ji man gwen chan a", so heißt der Film im Original, nun wirklich? Lim Soo-jung spielt die junge Young-goon, die sich per Pulsaderschnitt und eigener Elektrisierung direkt in die geschlossene Anstalt manövriert. Fortan glaubt sie, sie wäre ein Cyborg, brauche nichts mehr zu essen, müsse nur stets durch Batterien ihre Akkus am Laufen halten. Wäre nicht eine Unnormale genug, so wird auch noch Il-sun (Rain) eingeliefert, der in der Lage ist, anderen ihre Fertigkeiten zu entziehen. Beide verbindet letztendlich eine Romanze, in der die verstorbene Großmutter Young-goons ebenfalls eine große Rolle spielt. Ein Park Chan-wook-Film wäre kein Original, wenn es an Einfallsreichtum fehlen würde. So versucht das Mädchen mit den Maschinen Kontakt aufzunehmen und spricht mit ihnen, trägt das Gebiss der verstorbenen Großmutter, die per Bungee-Band kurzfristig auf die Erde zurückkehren darf.
Lim Soo-jung spielt den Charakter der Young-goon mit ihrer kindlichen Sichtweise. Laut eigener Aussage liebt sie es Charakteren zu spielen, die schwer zu treffen sind, die wie ein leeres Blatt aufgebaut sind und keine Schemata aufweisen. Die Rolle, mit den vielen Freiheiten, war für sie eine große Herausforderung. Sie zählt diese Rolle zu denen, bei denen sie selbst Mühe hat, sie zu verdauen.
Rain ist eigentlich ein Sänger in Korea und liefert mit "Ich bin ein Cyborg, aber das macht nichts" sein erstes großes Filmdebüt ab. Für ihn war es eine Ehre gleich mit einem so bekannten Regisseur arbeiten zu dürfen und als er den fertigen Film auf der Leinwand zum ersten Mal sah, war es für ihn sehr faszinierend. Er hat viel von Park Chan-wook gelernt. Der Regisseur traf den Sänger auf einer Preisverleihung in Korea, wo er auf der Bühne sang und tanzte und die dort anwesenden gestandenen koreanischen Schauspielerinnen zum Staunen brachte. Dieser Effekt war für den Regisseur Grund genug, ihn für die Rolle zu wählen.
Obwohl der koreanische Wettbewerbsbeitrag eine Liebeskomödie ist, kommt die Gewalt nicht zu kurz. Der Regisseur schätzt sich selbst als gewaltlosen Menschen ein, doch der Einfluss der 80er Jahre auf seine Landsleute, die Gewalt zu spüren bekamen, prägten ihn sehr. Das immer wieder starke Frauenrollen in seinen Filmen auftauchen, dazu fällt ihm nur eine Erklärung ein: seine starke Frau. Obwohl sich der Gedanke aufdrängen könnte, wollte er keine politische oder soziale Botschaft in diesem Film einpflanzen, nicht einmal eine Kritik an den technischen Fortschritt üben. Er wollte einfach die Suche nach dem Zweck des Daseins in den Vordergrund stellen. Eigentlich wollte er einmal einen Film drehen, den er auch seinem Sohn zeigen konnte. Diesen hat er auch gesehen, fand ihn aber anscheinend nicht so gut wie "Fluch der Karibik".
Der Film war in Korea selbst kein Erfolg, trotz der tollen Bildgewalt, den genialen Kamerafahrten, einer schönen Geschichte, guten Schauspielern und einem herzergreifenden Ende. Mal schauen, wie weit es der Film in diesem Festival schafft. Der Regisseur hofft jedenfalls, dass sich das Interesse der Europäer für normale Asia-Filme weiter stärkt, denn es gibt nicht nur Filme mit viel Gewalt. Und was plant er als nächstes: Momentan schreibt er an dem Drehbuch "Evil Live", zu deutsch "Fledermäuse", welcher von Vampiren handeln soll. Wird er mit diesem Film zu seinen früheren Erfolgen zurückkehren können?
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