Verfasst von Haiko Kàcserik-Maczek am 02.10.05 20:20:15 - 0 Kommentare

Paradise Now

Moviereporter-Bewertung:
  • 3.0/6 Sterne.
Leserwertung (3): 4.66 / 6

Land Frankreich, Deutschland, Niederlande, Israel

Genre Drama

Laufzeit: 90

Jahr 2005

Webseite
Trailer

Kinostart: 22.09.2005
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Inhalt

"Paradise Now" - ein Werk, das zum Nachdenken zwingt. Moralisch, aber nicht moralisierend, berührend aber nicht sentimental.

Seit ihrer Kindheit sind Khaled (Ali Suliman) und Saïd (Kais Nashef) gute Freunde. Doch nun hat man die Palästinenser zu Selbstmordattentäter bestimmt:

Sie sollen sich in Tel Aviv selbst in die Luft sprengen.

Einen richtigen Abschied von ihren Familien können sie am Vorabend ihres wahrscheinlich letzten Tages in Nablus im Westjordanland (Westbank) nicht richtig zelebrieren, denn ihr Vorhaben muss selbstverständlich streng geheim bleiben.

Am nächsten Morgen werden sie mit den Bomben am Körper an die israelisch-palästinensische Grenze gebracht. Die Operation verläuft allerdings nicht wie geplant: Die beiden Freunde verlieren sich aus den Augen, werden getrennt und sind nun auf sich alleine gestellt.

Khaled kann zur Terrorzelle zurückkehren, wo ihm zwar misstraut, aber dennoch die Bombe abgenommen wird. Währenddessen irrt Saïd auf israelischem Territorium umher. An einer Bushaltstelle wartet er mit jüdischen Siedlern auf dem Bus. Als er neben dem Busfahrer ein kleines Mädchen entdeckt, bekommt er Skrupel und steigt nicht in den Bus. Schließlich entschließt er sich die Operation abzubrechen und ebenfalls in die Terrorzelle zurückzukehren, die natürlich aus Vorsichtsmassnahmen zuvor schon geräumt wurde.

Khaled sucht nach Saïd und trifft bei seinem alten Arbeitgeber zufällig auf Suha (Lubna Azabel). In deren Gespräch erkennt Suha plötzlich das Vorhaben und versucht Khaled von anderen Mitteln zu überzeugen. Khaled, eigentlich der emotional stabilere der beiden Freunde, bekommt plötzlich Zweifel.

In der gleichen Nacht finden Suha und Khaled den erschöpften Saïd auf dem islamischen Friedhof am Grab seines Vaters.

Saïd wird vom Widerstandsführer Abu-Karem (Ashraf Barhoum) noch einmal eindringlich über eine mögliche Fortsetzung der Operation befragt. Khaled ist hingegen über seinen Wunsch nach Rache und der Fortsetzung seines Lebens hin und her gerissen.

Am nächsten Morgen sind die beiden wieder mit Bombengürteln bewaffnet in schwarzen Anzügen auf dem Weg nach Tel Aviv. Dort angekommen will der desillusionierte Khaled die Operation abbrechen. Es gelingt ihm auch per Handy die israelischen Helfer zurückzuholen, doch als er in das Auto einsteigt, bleibt Saïd zurück.

Saïd steigt in einem von israelischen Soldaten und Zivilisten vollbesetzten Bus…

Kritik

"Paradise Now" wurde vom israelisch-palästinensischen Regisseur Hany Abu-Assad gedreht und auf der diesjährigen Berlinale hochgelobt und unter anderem mit dem AGICOA-Preis 'Der Blaue Engel' für den Besten Europäischen Film ausgezeichnet.

Selten hat mich ein Stoff zu so einem tiefsinnigen Gespräch mit meinen Film- und Seitenpartner sowie langjährigem guten Freund Silab Kamawall angeregt wie "Paradise Now". Nicht alleine das Auftauchen einer zweiten Pressemappe auf zahlreichen Pressevorführungen in Deutschland von einer anonymen Gruppe, die den Film verurteilt, war Grund dafür. Der Film regte in uns das politische Herz und seit langer Zeit unterhielten wir uns nicht zuerst über den Film sondern über den Hintergrund und die Intention des Streifens. Wie kommt ein Regisseur dazu, ein solches Thema zu verfilmen? Sicherlich um die Zuschauer auf etwas aufmerksam zu machen, Unsichtbares sichtbar zu machen, eine Diskussion in Gang zu bringen. Das schafft "Paradise Now" allemal.

Zunächst lässt man den Zuschauer drei Tage und zwei Nächte am Leben von Khaled und Saïd - zwei befreundete Palästinenser – teilhaben. In den drei Tagen werden sie plötzlich zu Selbstmordattentätern bestimmt. Saïd hat so seine Zweifel, da er gerade die hübsche Suha näher kennen gelernt hat, doch die Freunde sind sich einig, dass es Gottes Wille ist.

Gottes Wille dürfte ebenfalls die Wahl des Titels unterstrichen haben, denn im Film ist nach der Zündung der Bomben vom Aufsteigen in den Himmel und ins Paradies die Rede.

Zum ersten Mal wird nicht die übliche Sichtweise der n-tv- oder CNN-Nachrichten, die stets von Selbstmordattentätern und deren Opfern berichten, benutzt. Man lernt die andere Seite kennen, die toten Attentäter werden zum Leben erweckt und bekommen ein Gesicht. Die sonst so grausamen Märtyrer werden unerwartet menschlich dargestellt. Man bekommt einen kleinen Einblick über die Zustände der Besatzung und erfährt kurz Menschenschicksale, wie das von Saïds Vater, der als Kollaborateur erschossen wurde oder das von Suhas Vater, der von seinen Landsleuten als Märtyrer gepriesen und im Kampf gegen die Israelis gefallen war. Die gewohnte Seite der Israelis wurde bewusst außer Acht und außen vor gelassen. Die Zusammentreffen des Palästinensers Saïd mit den Israelis werden nur angeschnitten und bleiben so kurz, dass dem Zuschauer keine Zeit bleibt die Israelis näher kennen zulernen. Somit wird ein mögliches Mitgefühl vermieden.

Natürlich darf man Film und Realität nicht vermischen und Aussagen, dass hinter dem Film palästinensische Propaganda steckt, scheinen weit hergeholt.

Kulturell und künstlerisch gesehen schwankt der Regisseur zu sehr zwischen Politthriller, Psychodrama, Western und Gangsterfilm. Er hätte sich lieber auf ein Genre festlegen sollen. So nimmt die gescheiterte Operation an der israelisch-palästinensischen Grenze und die Rückkehr zur Terrorzelle Fahrt aus der Story. Eine unnötige Suchaktion der beiden Freunde plätschert so dahin. Grober Unfug war der Tausch der Ansichten der Protagonisten. Am Anfang des Films war es Saïd, der starke Zweifel an der Operation hatte und Khaled der emotional Stärkere. Man darf nicht außer Acht lassen, das anscheinend Khaled durch die starke Überzeugungskraft von Suha, die andere Mittel für den Widerstand predigt, überzeugt wird, doch ein den ganzen Film gleich bleibender Standpunkt hätte dem Film mehr Tiefe und Stärke gegeben.

"Paradise Now" ist stilistisch, filmtechnisch und politisch weder korrekt noch inkorrekt. Die kräftige Aussage dieses Werks heißt: Leute seht hin, beschäftigt euch mit dem Thema, redet darüber. Keines Falls ruft der Film zu neuen Selbstmordattentaten auf.

Ein Film, den viele nicht missverstehen dürfen, sondern sich eher zu nachfolgenden Gesprächen und Diskussionen anregen lassen sollten.

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Paradise Now

Regisseur

Hany Abu-Assad

Schauspieler

Kais Nashef, Ali Suliman, Lubna Azabal, Haim Abbass, Ashraf Barhoum

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