Apocalypto
Inhalt
Das neue Maya-Epos von Mel Gibson, dem Regisseur von "Braveheart" und "Die Passion Christi"
Der junge Krieger Pranke des Jaguars (Rudy Youngblood) ist der Sohn des Häuptlings eines kleinen Stammes, der friedlich und zurückgezogen in einem kleinen Dorf im Urwald lebt. Sie versorgen sich selbst durch die Jagd nach Urwaldtieren und alles wirkt idyllisch und friedlich, bis sie eines Tages bei ihrer Jagd auf verängstigte Mitglieder eines anderen Stammes treffen – ein böses Vorzeichen?
Die Idylle wird jäh gestört, als kriegerische Mayas im Morgengrauen das Dorf überfallen und die Einwohner gefangen nehmen und verschleppen. Diejenigen, die sich wehren werden gnadenlos getötet – auch der Vater von Pranke des Jaguars verliert bei dem Angriff sein Leben. Kurz vor dem Angriff gelingt es Pranke des Jaguars jedoch noch seine hochschwangere Frau Sieben (Dalia Hernandez) und seinen Sohn Schnelle Schildkröte (Carlos Emilio Baez) vor den Angreifern zu verstecken. Allerdings wird auch Pranke des Jaguars gefangen genommen und seine Familie muss hilflos und ohne Ausweg in dem Versteck zurückbleiben.
Die Gefangenen werden in eine große Maya-Stadt verschleppt. Auf ihrem beschwerlichen Weg kommen sie an großen gerodeten Waldflächen, ausgedörrten Feldern und einem Steinbruch vorbei, in dem unterprivilegierte Angehörige der Mayas und Sklaven unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten müssen. Auf einem Sklavenmarkt werden die Frauen verkauft – den Männern jedoch blüht ein noch viel grausameres Schicksal: sie sollen den Göttern geopfert werden.
Pranke des Jaguars denkt jedoch die ganze Zeit nur an seine Familie, die er schutzlos zurücklassen musste. Gerade als er auf dem Opferaltar liegt geschieht jedoch ein "Wunder", denn plötzlich verdunkelt sich die Sonne. Der Hohepriester der Maya deutet dies als Zeichen der Götter und bricht die Opferung ab. Trotzdem ist die Tortur für die Gefangenen noch nicht vorbei, denn nun treiben die Maya-Krieger einen makaberen Spießrutenlauf mit ihnen: wem es gelingt ein nahe gelegenes Maisfeld zu erreichen ist frei. Pranke des Jaguars gelingt es schließlich das makabere "Spiel" für sich zu entscheiden. Dabei tötet er jedoch den Sohn des Anführers (Raoul Trujillo) und wird selbst verwundet. Dennoch gelingt ihm mit dem unbändigen Willen seine Familie zu retten die Flucht – doch seine Häscher sind ihm dicht auf den Fersen. Eine atemlose Hetzjagd durch den Urwald beginnt…
Kritik
"Eine große Zivilisation lässt sich nur von außen erobern, wenn sie sich von innen schon selbst zerstört hat." – W. DurantNach "Braveheart" und "Die Passion Christi" widmet sich Mel Gibson mit seinem neuen Film "Apocalypto" einem weiteren epischen Stoff. Diesmal versetzt er den Zuschauer in die Zeit, den Lebensraum und die Kultur einer der großen untergegangen Hochkulturen: den Mayas. Er tut dies auf seine unnachahmliche Art und Weise, indem er deren Welt vor dem Auge des Zuschauers regelrecht wieder auferstehen lässt. Der Film spielt zum Ende der Maya-Zeit, kurz vor Eintreffen der spanischen Conquistadores. Zu dieser Zeit führt diese einstmals so hoch entwickelte Kultur jedoch bereits einen degenerierten Lebensstil. Die Maya-Kultur ist voller Kontraste. Auf der einen Seite betrieben sie erfolgreich Ackerbau, bauten ein großes Städtenetz auf und hatten viele Gelehrte in ihren Reihen. Auf der anderen Seite waren sie jedoch ein blutrünstiges Kriegervolk, das dem Aberglauben verfallen war und ihre Götter über alles stellten. Um sie zu besänftigen brachten sie ihnen sogar Menschenopfer dar. Bei dieser Zeremonie schnitt ein Hohepriester, für das Volk gut sichtbar, auf der Spitze eines der klassischen pyramidenförmigen Tempel dem Opfer zunächst bei lebendigem Leib das Herz aus der Brust. Anschließend wurde das Opfer enthauptet und Kopf und Rumpf wurden die lange steile Steintreppe hinunter zum schaulustigen Volk geworfen. Diese Zeremonie zeigt Mel Gibson schonungslos in seinem Film, der im Allgemeinen sehr blutig und nichts für schwache Mägen ist. Aber man muss sich hierbei als Zuschauer immer vor Augen führen, dass der Regisseur keine unnötige Gewalt zur Schau stellt, sondern schlicht die grausame Realität dieser Zeit porträtiert – eine Zeit in der sicher niemand gerne leben würde. Aber warum opferten die Maya auf diese überaus grausame Weise Menschen? Gibson erklärt dies in seinem Film mit einer lang anhaltenden Dürreperiode, so dass in der Maya-Stadt eine große Hungersnot herrscht. Auch das Wasser ist verseucht und verschlimmert die Lage zusätzlich. Daher weiß sich die Führungskaste der Maya nicht anders zu helfen, als die Götter ununterbrochen mit Menschenopfern zu besänftigen, bis sie ein Zeichen von ihnen erhalten. Dieses sieht der Hohepriester in einer kurzen Sonnenfinsternis. Dass die Probleme jedoch "hausgemacht" sind und durch die vielen Menschenopfer noch verstärkt werden, erkennen sie nicht. Der Großteil der Stadtbewohner lebt unter unmenschlichen Bedingungen, vergleichbar mit dem heutigen großstädtischen Kontrast zwischen den Reichenvierteln und den Slums. Zudem werden die Überreste der Menschenopfer einfach außerhalb des Dorfes in eine große Mulde geworfen, oder gar rings um den Tempel aufgetürmt. Sie verwesen dort langsam und verseuchen so den Boden und das Wasser, so dass viele Menschen erkranken. Zudem haben sie für ihre kunstvollen Bauwerke einen irreparablen Raubbau an der Natur betrieben. Dies ist die Schilderung eines Volkes, dass dem Untergang geweiht ist. Als schließlich die Spanier in Mexiko eintreffen sind die Maya längst nicht mehr im Stande sich gegen die Invasoren zu wehren und werden endgültig vernichtet. Allerdings ist zu sagen, dass auch heute noch über vier Millionen Nachfahren der Maya in Mexiko und Mittelamerika leben.
Diese Geschichte verpackt Mel Gibson in einem Actionthriller, der im Prinzip aus einer einzigen großen Hetzjagd besteht. Im Mittelpunkt steht dabei der junge Krieger Pranke des Jaguars, der von den Maya verschleppt wird und seine Frau und seinen Sohn zurücklassen muss. Fortan wird er nur von einem Gedanken angetrieben – die Rettung seiner Familie, denn er weiß die Regenzeit naht und diese würde ohne Hilfe ihren sicheren Tod bedeuten, da sie in einem abflusslosen Erdloch gefangen sind. Ihm gelingt schließlich auch die Flucht aus der Stadt, allerdings wird er von einer Schar feindlicher Krieger verfolgt und zudem ist er auch noch verwundet. Dennoch treibt ihn der Gedanke an seine hilflose Familie trotz größter Schmerzen immer weiter voran – eine heldenhafte Geschichte, die durchaus auch in die heutige Zeit verlegt werden könnte, wodurch sich der Zuschauer noch stärker mit der Hauptfigur identifizieren kann.
Während dieser nervenaufreibenden Hetzjagd befindet sich die Kamera stets an der Seite der Darsteller. Alles, was sie sehen, fühlen und erleben, überträgt sich schonungslos auf das Publikum. Der Dschungel wird so auch zu einem weiteren wichtigen Darsteller im Film. Damit sind auch schon zwei wichtige Stilmittel des Films genannt: eine Kamera, die sich eigentlich ständig in Bewegung befindet und eine sehr visuelle Erzählweise – in "Apocalypto" stehen eindeutig kraftvolle Bilder und weniger die Dialoge im Vordergrund. Für Letztere bedient sich Gibson wie auch schon in "Die Passion Christi" einer längst vergessenen Sprache, nämlich dem Yucatec. Nachdem sein Drehbuch vollendet war, ließ er die Dialoge in diesen alten Maya-Dialekt übersetzen, um so die Authentizität auf ein noch höheres Level zu heben. An dem bestechenden Realismus haben auch die Kostüm- und Maskenbildner entscheidenden Anteil, denn sie haben die vielen Darsteller und Statisten in stundenlanger Kleinstarbeit mit Tätowierungen, Narben, Kopf- und Ohr- sowie sonstigem Körperschmuck verziert – ein Aufwand, der sich wirklich gelohnt hat. Besonders beeindruckend wirkt zudem die Kulisse der Maya-Stadt, die das Leben dieses Volkes mit all seinen Facetten darstellt. Für seine Darstellung dieser untergegangenen Hochkultur, holte sich der Regisseur außerdem auch Hilfe und Beratung von Expertenseite.
Bei der Besetzung griff Mel Gibson anstatt auf bekannte Schauspieler lieber auf unbekannte Gesichter zurück, die dafür jedoch indigener Abstammung sind und authentisch wirken. Hierfür suchten die Filmemacher ganz Mexiko ab, besonders die Yucatán-Halbinsel, dem ehemaligen Herrschaftsgebiet der Maya. Außerdem machten sie sich noch in Südkalifornien, New Mexiko Kanada und auch Mittelamerika auf die Suche nach geeigneten Darstellern, die dem Publikum jedoch vollkommen fremd sein werden. Der Großteil der Darsteller und auch die vielen Statisten wurden tatsächlich in Mexiko gecastet und viele von ihnen haben nie zuvor in einem Film mitgewirkt, was die Dreharbeiten erschwerte.
Die Besetzung der Hauptfigur Pranke des Jaguars, die den Film zu jeder Zeit trägt, war hierbei von besonderer Wichtigkeit. Sie wurde schließlich mit Rudy Youngblood besetzt. Er ist ein Nachfahre der Cherokee-, Cree- und Yaqui-Stämme und gibt in "Apocalypto" ein überzeugendes Filmdebüt. Aufgrund seiner hervorragenden Fitness, war es ihm möglich den größten Teil seiner Stunts selbst auszuführen und das waren nicht gerade wenige, denn Youngblood befand sich im Film fast zu jeder Zeit in Bewegung. Er musste ständig vor seinen Verfolgern weglaufen, mit ihnen kämpfen und sogar einen meterhohen Wasserfall hinunter springen, um nur einige Beispiele zu nennen – es war also von Anfang bis Ende Höchstleistung gefragt.
Die Musik zum Film stammt von keinem Geringeren als Oscarpreisträger James Horner, der auch schon für "Braveheart" mit Mel Gibson zusammen arbeitete. Diesmal ist sie zwar ständig präsent, jedoch niemals hervorstechend oder pompös. Natürlich verwendet er passend zum Thema sehr viele mittel- bzw. südamerikanische Klänge – mir ist dabei besonders die Panflöte in Erinnerung geblieben.
Fazit: Mel Gibson schildert in "Apocalypto" in teilweise äußerst drastischen, blutigen Bildern eine Zivilisation, die dem Untergang geweiht ist. Dabei zieht er durchaus auch Parallelen zur heutigen Gesellschaft. Dennoch birgt der unbändige Überlebenswille des Hauptprotagonisten auch einen Funken Hoffnung und die Chance auf einen Neuanfang.
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Regisseur
Schauspieler
Dalia Hernandez, Mayra Serbulo, Gerardo Taracena, Raoul Trujillo, Rudy Youngblood, Jonathan Brewer, Morris Birdyellowhead, Carlos Emilio Baez, Ramirez Amilcar, Israel Contreras, Israel Rios, María Isabel Díaz, Espiridion Acosta Cache, Iazua Larios, Lorena Hernández, Itandehui Gutierrez, Sayuri Gutierrez, Hiram Soto, José Suárez, Rodolfo Palacios, Ariel Galvan, Bernardo Ruiz, Ricardo Diaz Mendoza, Richard Can, Carlos Ramos, Ammel Rodrigo Mendoza, Marco Antonio Argueta, Javier Escobar, Fernando Hernandez, Maria Isidra Hoil, Aquetzali García, Abel Woolrich, Antonio Monroy, Nicolás Jasso, Ronaldo Eknal, Miriam Tun, Rafael Velez, Diana Botello



Gambit521 / 18.12.2007 21:20:48
Wenn man den Film sieht glaubt mann nicht das 90% der Darsteller noch nie vor der Kamera waren. Ich finde ein gelunger Film von Mr. Gibson hoffe bleibt weiter auf Kurs. Denn so eine Geschichte muss richtig erzählt werden das wird auch hier sehr bemüht.
5 Sternen
Kaspian / 30.12.2007 18:11:28
Mir hat der Film zwar gut gefallen..doch hoffe ich das Mel Gibson mal wieder einen Film wie Lethal Weapon oder Der Patriot bringt.
nicht bewertet
Gambit521 / 04.01.2008 20:49:15
ICH GLAUB ER IST EINFACH ZU ALT FÜR DEN SCHEIß.....
5 Sternen
Jigsaw / 23.04.2008 14:38:55
Meine Meinung ist das ich Gibson lieber vor als hinter der Kamera seh und schließe mich Kaspian da an.Stallone und Ford haben gezeigt das sie noch nicht zum alten Eisen gehören,also warum nicht nochmal Leathal Weapon oder vieleicht Mad Max!
nicht bewertet
DocProc / 07.06.2008 20:12:57
Ich mag Gibson auch lieber vor der Kamera, aber was er hinter der Kamera zustande bringt, alle Achtung... Dieser Film hat mich echt gefesselt!
5 Sternen