Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders
Inhalt
Verfilmung des Weltbestsellers DAS PARFUM von Patrick Süskind1738 bringt eine Magd (Birgit Minichmayr) auf dem Fischmarkt von Paris ein unerwünschtes Kind zur Welt. Zwischen all den Fischresten und Abfällen versucht sie es verschwinden zu lassen, wird jedoch von der Polizei dabei erwischt und festgenommen. Wenig später hängt man sie wegen versuchten Kindsmordes.
Der neugeborene Grenouille verbringt seine ersten Lebensjahre in dem Waisenhaus der Madame Gaillard (Sian Thomas). Den übrigen Kindern ist der Neuankömmling nicht geheuer: er spricht kaum und versucht ständig mit seiner Nase alles zu erriechen.
Mit dreizehn Jahren wird Grenouille an den Gerber Grimal (Sam Douglas) verkauft. Unter höllischen Arbeitsbedingungen muss er das gesundheitsgefährdende Verarbeiten von rohen Tierhäuten zu Leder vollrichten. Der junge wächst mit der Zeit zu einem jungen Mann heran. Auf einer Erledigungstour durch Paris verfällt er dem Duft eines schönen Mirabellen-Mädchens (Karoline Herfurth). Er folgt ihr. Durch seine Gestalt und seinen fehlenden Sinn zur Artikulation schüchtert er die Frau ein und um nicht von Passanten gestört werden zu können, hält er ihr den Mund zu und erstickt sie ungewollt. Sein Glücksgefühl, diesen Duft riechen zu können, verflüchtigt sich sobald mit der Erkenntnis, diesen nicht festhalten zu können. Niedergeschlagen begibt er sich zur Gerberei zurück.
Wenig später lernt Grenouille bei einer Auslieferung den Parfumeur Guiseppe Baldini (Dustin Hoffmann) kennen, dessen Geschäftsumsatz gerade ein Rekordtief erreicht hat. All die Konkurrenten werden immer größer und besser. Selbst seine Stammkunden wechseln zu den Kontrahenten. Durch eine Vorführung seiner expliziten Nase kann Grenouille Baldini dazu bringen, ihn als Lehrling einzustellen. Mit seiner feinen Nase kreiert Grenouille ein Meisterparfum nach dem anderen und das Geschäft Baldini erstrahlt wieder in neuem Glanze. Baldini lehrt ihm die Kunst des Destillierens und die Pflichten eines Parfumers. Doch als Grenouille erfährt, dass man den Duft eines Lebewesens nicht destillieren kann, stirbt er fast vor Kummer. Baldini verrät ihm, dass in der Stadt Grasse gerade neue Methoden angewendet werden und im Gegenzug für unendlich viele Rezept für die perfektesten Parfumvariationen lässt er Grenouille gehen.
Auf der Reise nach Grasse muss Grenouille bestürzt feststellen, dass er selbst nach nichts riecht, so als existiere er gar nicht. Bei Madame Arnulfi (Corinna Harfouch) lernt er die Kunst der Enfleurage. Zufällig begegnet er der schönen Kaufmannstochter Laura (Rachel Hurd-Wood). Ihr Duft erinnert ihn an das Mirabellen-Mädchen, doch dieser ist noch herrlicher und reiner. Schließlich beschließt er, dass vollkommene Parfum zu entwickeln. In den nächsten Wochen kommt es zu weiteren Morden an Mädchen von besonderer Schönheit. Als die Zwillingstöchter seines Freundes Tallien (Guillermo Ayesa) kahl rasiert und ermordet aufgefunden werden, bekommt Antoine Richis (Alan Rickman) große Angst um seine Tochter Laura. Alle Bemühungen zur Flucht schlagen fehl. Kurz darauf kann Grenouille auch das Flakon von Laura zu den zwölf anderen, in denen der Duft der ermordeten Mädchen konserviert ist, stellen und aus allen dreizehn sein Parfum vollenden. Doch Grenouille wird kurze Zeit später gefasst und in die Folterkammer gesperrt. Am Tage seiner Hinrichtung säumen Tausende Schaulustige den Marktplatz von Grasse. Grenouille schafft es im letzten Moment ein paar Tropfen seines vollkommenen Parfums auf sein Handgelenk zu träufeln …
Kritik
DAS PARFUM von Patrick Süskind ist nach Erich Maria Remarques IM WESTEN NICHTS NEUES nicht nur mit 15 Millionen verkauften Exemplaren weltweit der erfolgreichste in deutscher Sprache verfasste Roman, sondern auch noch DAS Schulbuch, das mein Deutschunterricht wie kein Zweites prägte. Umso erwartungsvoller war ich, als ich von dem Versuch, diesen Stoff auf die Leinwand bringen zu wollen, erfuhr. Gleich nach dem der deutsche Produzent Bernd Eichinger den Kultroman 1985 gelesen hatte, wollte er sich die Filmrechte an diesem Buch sichern, doch damals konnte sich Patrick Süskind niemanden vorstellen, der sich diesen umfassenden Stoff filmtechnisch widmen könnte. Es sollten letztendlich noch 16 Jahre vergehen, bis endlich der Münchner Produzent die Filmrechte erwerben und sie einige Jahre später in einer der teuersten deutschen Filmproduktionen verwenden konnte.Dieses Opus Magnum, das als Vorlage diente, erzählt die Geschichte eines Menschen, der in einer Zeit geboren wurde, wo es keine Kanalisation gab, die Menschen so dahinlebten und der unglaubliche Gestank in den Großstädten überwiegte. Wir schreiben das Jahr 1738, es herrscht die Epoche des König Ludwigs XV und wir befinden uns am dreckigsten Ort auf der ganzen Welt, auf dem Fischmarkt von Paris. Hier wird unser Anti-Held Jean-Baptiste Grenouille geboren. Gleich nach der Geburt versucht seine Mutter ihn loszuwerden und unter all den Abfällen und Fischresten verschwinden zu lassen. Doch schon als Neugeborenes tritt er in den Vordergrund, ringt nach Anerkennung und Liebe, in dem er mit lautem Gebrüll auf sich Aufmerksam macht. Von nun an begleiten wir den kleinen Grenouille auf seiner Reise des Erwachsenwerdens, vom Waisenhaus zur Gerberei, über Baldini und der Höhle der Erkennung folgen wir ihm auf seinen Weg nach Grasse.
Wenn Grenouille später als Schatten eines Chamäleons durch die engen schmutzigen Gassen lustwandelt, wird nicht nur seine Nase und das Gefühl für feine Ausdünstungen veredelt, sondern auch die des Zuschauers. Zunächst war ich gespannt auf die filmische Umsetzung der verschiedensten Duftnoten, doch schnell merkte ich, dass nicht darin die Schwierigkeit in der Romanumsetzung bestehen würde, sondern in der Charakterzeichnung des Protagonisten. Die verschiedensten Düfte wurden durch ein makelloses Zusammenspiel von Musik und Optik dargestellt. Die naturgetreue Ablichtung eines Baumes zum Beispiel erweckt sogleich beim Zuschauer den dazugehörigen natürlichen Geruch. Der Protagonist jedoch weist starke authentische Züge auf, redet nicht viel. Ein Zuschauer kann erfahrungsgemäß nur in eine Figur eindringen, wenn sich diese auch äußert. Dieses Problem hätte auch die Basis des Erzählens angreifen können, doch nicht nur der deutsche Regisseur Tom Tykwer, sondern auch Co-Drehbuchautor Andrew Birkin, der schon den nichtverfilmbar geglaubten Stoff von DER NAME DER ROSE gemeinsam mit Bernd Eichinger auf die Kinoleinwand brachte, schafften es Grenouille so agieren zu lassen, dass dieser so gut wie ohne Sprache auskommen konnte. Natürlich war dazu noch das überaus talentierte Schauspiel von Ben Whishaw nötig. Hinzu kommt die Beispiellose Zusammenstellung der Antagonisten Dustin Hoffmann und Ben Whishaw alias Baldini und Grenouille, mit der man die Dramaturgie des Stoffes in den Griff bekam. Wie auch im normalen Leben trifft der alternde Genius auf den immer genialer werdenden jungen Adlatus, die Hollywood-Ikone trifft auf das unbekannte Talent. Obendrein glänzt Alan Rickman, der sich als Richis durch die abgöttische Liebe zu seiner Tochter immer weiter von seinen Mitbürgern abgrenzt, trotz messerscharfen Verstand und starker Intuition es nicht schafft, seine Tochter vor dem Mord zu bewahren. Zahlreiche Jungdarsteller wie Rachel Hurd-Wood als Laura und auch die deutschen Schauspielerinnen Corinna Harfouch als Madame Arnulfi oder Jessica Schwartz als Natalie runden das Ganze ab.
Die hervorragende Arbeit der Set-Ausstatter und des Kostümdesigners Pierre-Yves Gayraud schufen eine Welt, die mit ihren Schauwerten verzaubert, die so echt rüberkommen, dass man sich sogleich auf die Story konzentrieren kann. Im Vordergrund steht nicht die feine Gesellschaft, sondern die historische Realität, die Dunkelheit vor der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts. Licht kam nur von den Kerzen und die Filmemacher hielten sich bei der Lichtsetzung an Maler wie Caravaggio, Joseph Wright of Derby oder Rembrandt um die richtige Atmosphäre schaffen zu können.
Wie in keinem andern Film wird hier die Vorstellung von Ethik behandelt. Man sieht Grenouille, der die Sehnsucht nach Nähe besitzt, jedoch ohne Liebe und Verantwortungsgefühl lebt, keine menschliche Größe hat und doch fängt man an sich mit dem Charakter zu identifizieren und mitzufiebern, was der einzige Schwachpunkt des Streifens ist. Man neigt dazu zu hoffen, dass er das vollkommene Parfum endlich fertig bekommt und hebt sich ab von allen Werten, die man vorher vertrat. Manche Frauenmorde sieht man plötzlich als Mittel zum Zweck an. Die Zecke, wie Grenouille im Buch metaphorisch beschrieben wurde, wird vom bösartigen Menschenhasser zum mitleidserregenden humpelnden Etwas degradiert.
Natürlich findet der Film letzten Endes wie auch schon das Buch den Höhepunkt in der orgiastischen Hinrichtungsszene in der Schlusssequenz in Grasse, an der 750 Statisten mitwirkten.
Fazit:
DAS PARFUM ist kein reiner Kostümfilm und kann sich als allein stehendes Kunstwerk neben dem Buch sehen lassen. Trotz mancher Längen verliert man durch die perfekte Ausstattung schnell die Distanz zur unbekannten Epoche des 18. Jahrhunderts. Ben Whishaw dürfte alle Bedürfnisse, die ehemalige Leser und zukünftige Kinogänger nach dieser Figur haben, decken. Trotz altertümlicher Geschichte und seiner historischen Verpflichtungen benutzt der Film eine zeitgemäße Filmsprache. Für mich DIE Buchverfilmung des Jahres!
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Regisseur
Schauspieler
Ben Whishaw, Dustin Hoffman, Alan Rickman, Rachel Hurd-Wood, Paul Berrondo, Carmen Contreras, Sam Douglas, Alba Fer, Sara Forestier, Carlos Gramaje, Corinna Harfouch, Karoline Herfurth, Birgit Minichmayr, Sian Thomas, Reg Wilson, Andrés Herrera, Simon Chandler, David Calder, Richard Felix, Michael Smiley, Perry Millward, Alvaro Roque, Franck Lefeuvre, Jaume Montané, Timothy Davies, Joanna Griffiths, Jessica Schwarz, Harris Gordon, Anna Diogene, Joachim Kerzel, Thomas Lenox, Francesca Piñón, Bernd Rumpf, Otto Sander



mye / 10.12.2007 16:33:16
eine super verflmung eines genialen romans/ besonders die ganze stimmung, der look, die atmosphäre haben mir in tykwers verfilmung gut gefallen
5 Sternen
AnthonyDiNozzo / 04.06.2008 14:08:39
Schöner Film!
Buch ist wie immer um einiges besser, aber im grunde gut umgesetzt.
5 Sternen
Chinchillakiller / 07.06.2008 22:17:08
Ich sehe das auch so! Das Buch ist so perfekt, das die Verfilmung nicht besser werden konnte. Das meiste wurde gut umgesetzt, aber gelesen sollte man es trotzdem mal.
4 Sternen
Gambit521 / 23.07.2008 03:46:24
Ja aber so erst mal das Buch hinbekommen sehr gut Leistung
nicht bewertet