Lovesong für Bobby Long
A Love Song for Bobby Long
Inhalt
Ein perfektes Spielfilmdebüt der Regisseurin bringt uns einen bemerkenswerten amerikanischen Film, der sich Zeit lässt seine Geschichte zu erzählen. Ein Vergnügen, dass in unserer kurzlebigen Zeit noch lange anhalten wird. Gekrönt mit einer weiteren atemberaubenden schauspielerischen Leistung von Scarlett Johansson.Prolog
Als ich Lovesong für Bobby Long unvoreingenommen im Kino sah, wusste ich nicht, worauf ich mich einließ, war letztendlich so begeistert, dass am Ende nicht wie üblich eine meiner herkömmlichen Inhaltsangaben mit normaler Länge herauskam, sondern eine mit Überlänge, konnte mich aber nicht dazu bringen, etwas zu kürzen. Beim Schreiben des Inhalts merkte ich gar nicht, wie viele Wörter ich verfasste, da der Film mich auch noch nachträglich so faszinierte. Somit habe ich mich ausnahmsweise dazu durchgerungen für Euch zwei Inhaltsangaben zu präsentieren. Zu einem eine offizielle kurze und meine. Viel Vergnügen!
Kurzinhalt
Als sie vom Tod ihrer Mutter Lorraine erfährt, kehrt Purslane Hominy Will (Scarlett Johansson) nach langer Zeit zurück in ihre Heimatstadt New Orleans. Doch ihre Heimkehr verläuft für die 17-Jährige ganz anders als erwartet. Erst verpasst sie das Begräbnis um einen Tag. Dann stellt sie fest, dass sich der Familiensitz, ein einfaches Holzhaus am Stadtrand, in eine heruntergekommene Bruchbude verwandelt hat. Und zu allem Überfluss muss sie sich auch noch mit zwei fremden Männern arrangieren, die sich im Haus eingenistet haben: mit dem in die Jahre gekommenen Ex-Literaturprofessor Bobby Long (John Travolta) und seinem Schützling Lawson Pines (Gabriel Macht).
Pursys Mutter hat den Dreien das Haus zu gleichen Teilen vermacht, und so entsteht eine unfreiwillige Wohngemeinschaft. Pursy bringt das Domizil nach und nach auf Vordermann – und ist ziemlich genervt von den beiden Männern, die sich als Bohemiens gebärden und behaupten, sie arbeiteten an einem Buch über Bobbys Leben, tatsächlich aber einen feucht-fröhlichen Müßiggang kultivieren. Doch ganz allmählich bildet sich eine eigenwillige Freundschaft zwischen der aufgeweckten Pursy und ihren Mitbewohnern. Und je besser sie sich mit Bobby und Lawson versteht, desto näher kommt sie den bitter-süßen Geheimnissen, die ihre alte Heimat für sie birgt ...
Inhalt
New Orleans. Eine kleine Gruppe von Trauernden steht am Grabe der verstorbenen Sängerin Lorraine Will und zelebriert den letzten Abschied. Zeitgleich in Florida sitzt die junge Purslane Hominy Will (Scarlett Johansson) in Panama City in einem schäbigen Trailer und stopft eine große Menge an Erdnussbutter in sich hinein als ihr Freund Lee (Clayne Crawford) nach 'Hause' kommt und ihr eröffnet, dass vorhin erneut wie schon vor einigen Tagen jemand angerufen hat, um sie über den Tod ihrer Mutter zu informieren. Wütend über ihren Freund packt Purslane ihre Sachen und will nach New Orleans fahren.
Kurze Zeit später steht sie vor einer heruntergekommen Bruchbude in New Orleans, welche eins das einfache Holzhaus ihrer Familie war. Doch dies ist nicht nur die einzige Überraschung, verblüfft stellt sie fest, dass das Haus nicht leer ist, sondern anscheinend hat ihre Mutter das Haus ihr und ihren alten Mitbewohner, dem in die Jahre gekommenen Ex-Literaturprofessors Bobby Long (John Travolta) und seinem Schützling Lawson Pines (Gabriel Macht), zu gleichen Teilen vermacht. Das sagt ihr Bobby jedenfalls. Schlimmer noch, sie hat die Beerdigung ihrer Mutter verpasst. Sie zeigt ganz offen ihre Abneigung gegenüber den beiden Männern, die sich wie es scheint selbst von der Umwelt isoliert haben und so dahin leben. Es hält sie nichts mehr an diesem Ort. Sie nimmt den kleinen Koffer, den sie von Bobby im Auftrag ihrer Mutter bekommen hat und fährt zum Busbahnhof. Dort angekommen setzt sie sich und blättert in den Büchern, die sich im Koffer befanden. Ein Buch und dessen Inschrift weckt ganz besonders ihre Aufmerksamkeit, der Roman "Das Herz ist ein einsamer Jäger". Gemächlich ändert sich ihre Einstellung und sie kehrt schließlich zum Haus zurück.
Die aufgeweckte 17-jährige bekommt zügig zu erfahren, dass das Leben, dass die beiden vorgeben zu leben nicht ganz der Wahrheit entspricht. Sie behaupten, dass Lawson ein Buch über Bobby Longs Leben schreibt, doch die Fassade bröckelt immer mehr und schon bald bemerkt sie, dass die beiden sich von morgens bis abends hemmungslos betrinken, in der Bar "Rock Bottom" abhängen oder sich mit Gleichgesinnten über Gott und die Welt unterhalten. "Rock Bottom" wird von Georgianna (Deborah Kara Unger) geführt, die eine offene Beziehung zu Lawson unterhält.
Purslane, die von allen nur Pursy genannt wird, hat für die Männer nur Spott und Hohn übrig und meistens kommt sie mit der offenen und oft verletzenden Art von Bobby nicht klar. Pursy versucht trotzdem einen Neuanfang zu starten, sie räumt das Haus auf, macht es sauber, streicht es von Außen und sucht sich obendrein noch einen Job als Kellnerin.
Als eines Tages Bobby für ein paar Tage völlig von der Bildfläche verschwindet, kommen sich Pursy und Lawson näher. Sie eröffnet ihm, dass sie früher einen Traum hatte, sie wollte Röntgenassistentin werden. Lawson spricht über sein Buch. Beide schließen eine Vereinbarung: er verspricht ihr weniger zu trinken, wenn sie wieder zur Schule geht und ihren Abschluss macht.
Plötzlich taucht Bobby wieder aus dem Nichts auf und offenbart den Grund seiner Abwesenheit: Er hat seine alten Beziehungen spielen lassen und hat Pursy die notwendigen Schulpapiere besorgt. Sie weiß nicht so recht, was sie von alldem halten soll, steht aber schließlich am ersten Schultag sichtlich nervös pünktlich auf. Bobby nimmt ihr die Nervosität und es kommt zu der ersten herzlichen Begegnung zwischen den beiden, zum Abschied gibt sie ihm einen Kuss auf die Wange. Abends jedoch will sie die Schule wieder hinschmeißen, weil sie sich dort nicht Wohlfühlen konnte.
Doch der Sommer weicht dem Herbst und Pursy geht immer noch zu Schule. In einer kalten Nacht eröffnet Bobby Pursy, dass er seine Kinder vermisse. Pursy erzählt ihm dafür, dass sie sich liebend gern an ihre Mutter erinnern würde, es aber nicht konnte und deswegen immer Erinnerungen an sie erfand, die sich jetzt schon wie echt anfühlten.
Der Weihnachtsabend kommt immer näher und bei einem gemeinsamen Tanzabend bietet Georgianna Lawson an, bei Ihr für die Zeit der kalten Tage einzuziehen. Doch Bobby schockiert alle in einem leicht betrunkenen Zustand. Er sagt, dass Lawson weit davon entfernt ist, Georgianna zu lieben. Alle sind erstaunt, doch das ungleiche Paar verabschiedet sich später im Regen mit dem Wissen, dass ihre Beziehung keine Zukunft hatte.
Abends tröstet Pursy den verzweifelten Bobby, der Angst davor hat, dass Lawson für immer weggeht. Nicht nur Schuldgefühle plagen Bobby sondern auch Schmerzen im Unterleib, denn schon seit einer ganzen Weile hat er Blut im Urin, weigert sich aber einen Arzt aufzusuchen. Als Lawson heimkehrt setzt er sich an den Kamin und erzählt Pursy mit feuchten Augen von dem tragischen Ereignis, das ihn für alle Zeit mit Bobby zusammengeschweißt hat. Als Lawson Bobby kennen lernte, war er ein beliebter Professor mit Frau und Kindern. Lawson war damals verliebt und im Begriff zu heiraten, als eines Abends ein gemeinsamer Bekannter in einer Barschlägerei den beiden eröffnete, dass er mit Lawsons Freundin schläft. Bobby fing einen Schlag ab, der eigentlich Lawson galt. Danach richtete er den Bekannten so zu, dass er an seinen Verletzungen starb. Kurz darauf, am selben Abend lief Bobbys kleiner Sohn unbeaufsichtigt auf der Straße umher und wurde überfahren. Da Bobby zu spät nach Hause kam, gab seine Frau ihm die Schuld am Tod ihres Sohnes und wollte ihn daraufhin nie wieder sehen.
Die drei verbringen mit all ihren Freunden und Bekannten ein harmonisches Weihnachten und kurz darauf ist Bobby endlich bereit, sich im Krankenhaus untersuchen zu lassen. Er sagt, es wäre nur eine Niereninfektion gewesen und dass er alles überstanden hätte.
Frühling. Pursy geht mit einem Schulfreund aus und zwar in ein Lokal, in dem ihre Mutter gesungen haben soll. Sofort wird sie von einigen Gästen erkannt, da sie große Ähnlichkeit mir ihrer Mutter haben muss. Den Erzählungen der Gäste über ihre Mutter entnimmt sie, dass ihre Mutter sie sehr geliebt haben muss und dass einige erfundene Erinnerungen anscheinend doch wahr sind.
Plötzlich taucht ungebetender Besuch auf, Pursys Exfreund Lee kommt sie besuchen und bringt ein Anwaltsschreiben mit, aus dem Pursy entnimmt, dass ihre Mutter das Haus nicht allen drei sondern nur ihr allein vermacht hat. Wütend auf die Beiden schmeißt sie sie achtkantig raus und will das Haus verkaufen. Doch beim Aufräumen entdeckt sie in einer Kiste alte an sie gerichtete Briefe ihrer Mutter. Sie hat sich nie getraut sie abzuschicken. Sie liest sie und aus ihnen gehen dramatische Enthüllungen hervor …
Kritik
KritikInspiriert durch den damals noch unveröffentlichten Roman des Autors Ronald Everett Capps, der zum Teil unter dem Titel "Off Magazine Street" publiziert wurde, gab Shainee Gabel mit Lovesong für Bobby Long ihr Spielfilmregiedebüt und bringt uns mit selbigen den wohl außergewöhnlichsten Independentfilm der letzten Jahre. Zuvor brachte sie 1997 eine Dokumentation heraus, in der auch Robert Redford im Credited Cast auftaucht. Robert Redfords Der Pferdeflüsterer war es auch letztendlich, der sie auf Scarlett Johansson aufmerksam gemacht hatte. Sie hoffte, dass sie eines Tages Scarlett für die Rolle der Pursy überzeugen könnte. Fünf Jahre vergingen zwischen dem Erstellen der ersten Drehbuchfassung und dem Beginn der Dreharbeiten. Und obwohl das Finanzieren des Films sich als äußerst schwierige Aufgabe herausstellte, kann sie mit einem beachtenswerten Cast glänzen. Neben Scarlett Johansson konnte sie noch den großen John Travolta für ihr Projekt begeistern, der mit der Verkörperung von Bobby seit langem mal wieder eine dramatische Rolle in einem 'kleinen' Film übernahm. Zwei Jahre nach Der Pferdeflüsterer las Scarlett zum ersten Mal das Drehbuch und zeigte sofort Interesse, den Part der Pursy zu übernehmen. "Shainee schließt Leerstellen nicht mit Worten", erklärt Scarlett ihre Faszination über das Drehbuch. "Die Stille zwischen den Figuren, aber auch die Dinge, die sie sagen, sind mit so vielem aufgeladen. Sie ist eine brillante Autorin. Das Drehbuch ist wunderschön." Schließlich wurde Scarletts Mutter und gleichzeitig auch Managerin Melanie Johansson ebenfalls von der Faszination angesteckt und half Shainee bei ihren Bemühungen, die Finanzierung dieses Projekts zu sichern und fungierte am Ende selbst als Co-Produzentin.
Ungewöhnlich schwimmt Lovesong für Bobby Long gegen den hektischen Strom Hollywoods, der scheinbar am liebsten alles mit sich reißen würde. Er spiegelt die jetzige hektische Zeit sehr gut wieder. Heutzutage folgt ein Katastrophen- und Actionfilm dem anderen, jedoch Filme, die ihre Storys ruhig und sachlich rüberbringen werden immer weniger. Lovesong für Bobby Long geht sage und schreibe 119 Minuten, wirkt aber an keiner Stelle öde, langweilig, oder einschläfernd. Da macht es nichts, wenn die Kamera am Anfang des Films einem über die Strasse schlürfenden John Travolta mehrere Minuten lang folgt. In unserer kurzlebigen Zeit wird der Film noch lange wirken. Er erzählt die Geschichte zweier Gruppen von Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und wie es der Zufall will alle aufeinander treffen. Zu einem haben wir die junge Pursy, die von Scarlett Johansson verkörpert wird, die nach einem meiner Meinung nach viel zu hochgejubelten Das Mädchen mit dem Perlenohrring hier einmal mehr wieder richtig gut agiert. Zwar muss sie neben dem grandiosen und endlich auch mal wieder singenden John Travolta, der Bobby spielt und dem weitgehend noch nicht so bekannten Gabriel Macht, der der Figur Lawson Leben einhaucht, sich mächtig ins Zeug legen, überzeugt aber in jeglicher Hinsicht und wurde dafür dieses Jahr mit einer Golden Globe-Nominierung belohnt. Gerade diese wunderbare Kombination an Schauspielern und die schöne Musik machen den Film so sehenswert. Gemixt mit unglaublichen Dialogen werden die Charaktere so authentisch, dass man meint, im Geschehen miteinbezogen zu sein. Mit einer großen Liebe zum Detail bringt uns die Regisseurin eine unbekannte Welt - das Leben New Orleans - näher, sogar die Hitze der Südstaaten wird spürbar. Der Film handelt von verpassten Chancen und dem Drang nach Veränderungen. Hoffnungen werden gleich von Tragik unterdrückt. Die Literatur trifft auf die Liebe, nicht sexueller Natur, sondern die zwischenmenschliche Liebe spielt eine große Rolle. Drei verschiedene Leute auf kleinem Raum, die alle etwas verbindet und der Zuschauer folgt ihnen auf deren Reise und Suche nach dieser Verbindung. Gegenseitige Abhängigkeit und Männerfreundschaft gehen in einander über. Was es letztendlich mit dem 'Lovesong' für Bobby Long auf sich hat, erfährt man nur im Kino ...
Fazit:
Lovesong für Bobby Long ist endlich mal wieder ein Independentfilm, der mich von Anfang an beeindruckt hat. Eine ansprechende Story wird von einer wohltuenden Schauspielerriege zum Leben erweckt. Ein grandioses Filmdebüt der Regisseurin Shainee Gabel.
Vergesst Garden State! Lovesong für Bobby Long - der Geheimtip dieses Jahres!


