Syriana
Inhalt
Ein Polit-Thriller bei dem man eigentlich gar nicht wissen möchte, was hier nun reine Fiktion zur Anreicherung der Handlung ist, und welche dieser Handlungen tagtäglich Wirklichkeit sind.CIA-Agent Bob (George Clooney) verpatzt eine Mission und dabei kommt eine Rakete abhanden. Wieder zurück in Langley lässt man ihn spüren, dass man das nicht so schnell vergessen wird. Doch dann ergibt sich für ihn eine Möglichkeit zur Rehabilitierung: Er soll in Beirut den Prinzen Nassir (Alexander Siddig) "eliminieren". Die USA sähen lieber seinen jüngeren Bruder auf dem Thron.
Währendessen möchten zwei Ölriesen fusionieren, was dem größeren (amerikanischen) Partner in Lage versetzen würde, in Kasachstan plötzlich Ölförderrechte zu haben, ganz zu schweigen von der kleinen Pipeline, die da noch als Bonbon obendrauf käme. Doch eine solche Aktion muss von der Kartellbehörde abgesegnet werden und um im Vorfeld nach potentiellen Schwachstellen in beiden Systemen suchen zu lassen wird Anwalt Bennett Holiday (Jeffrey Wright) darauf angesetzt. Nachdem der zunächst verdächtig wenig, eigentlich gar nichts, findet, merkt er, dass er auf ein Wespennest gestoßen ist.
Zur gleichen Zeit wird man Zeuge, wie es armen und reichen Arabern im Ausland ergehen kann: Die einen leben in Saus und Braus während die anderen in Containern im Exil leben, um Geld nach Hause schicken zu können. Die einen wissen nicht, wo man die Yacht denn dieses Wochenende am besten ankern lässt, während die anderen schikaniert werden und dann in einer Ausbildungsstätte für Selbstmordattentäter das Paradies auf Erden finden.
Dazwischen sehen wir, wie Bryan Woodman (Matt Damon) unter nicht ganz leicht verdaulichen Umständen zum Berater von Prinz Nassir wird und merken muss, dass er seine Meinung über den Prinzen revidieren muss: Nassir ist nicht nur der ältere der beiden potentielle Erben, sondern auch der vernünftigere. Er möchte einige Reformen durchführen, die sogar bis zum Wahlrecht der Frauen reichen. Doch mit diesem neuen Selbstverständnis kommt auch die Frage auf, warum muss man immer mit den Amerikanern zusammenarbeiten, wenn es um Öl geht? So schließt Nassir Verträge mit den Chinesen ab, weil diese einfach die besseren Konditionen bieten. Doch das sollte sich als großer Fehler für den Prinzen herausstellen. Womit wir wieder beim neuen Auftrag für Bob sind.
Kritik
Klingt kompliziert – ist es auch. Stephen Gaghan, der bereits mit seinem Drehbuch für "Traffic" einen Oscar gewann, beweist hier wieder sein Talent für parallel ablaufende Handlungsstränge. Der Film beginnt als Episodenfilm und erst nach und nach laufen die Linien zusammen auf das unvermeidbare Ende zu. Mit Stephen Gaghan für Drehbuch und Regie, und Robert Elswit hinter der Kamera hat sich ein Traumdou gefunden. Elswit führte bereits bei "Magnolia" die Kamera und tobt sich dieses mal so richtig aus. Die Kameraeinstellungen und die Wahl der jeweiligen Kameraart stimmen einfach jedes Mal. Selbst die Aufnahmen mit der Handkamera sind gelungen und vermitteln dem Zuschauer das Gefühl, bei dieser Szene direkt daneben zu stehen.Doch gerade diese Authentizität könnte für Kinogänger mit schwachen Nerven mindestens ein Mal zu viel werden. Eine Folterszene ist so realistisch geworden, dass sogar Hartgesottene in ihren Sitzen nervös hin und her rutschen. Gaghan und Elswit gelingt es, nicht nur die Angst vor der eigentlichen Folter, sondern auch den Ekel zu transportieren. Ob man dies nun als ungeschminkten Realismus oder als plumpe Gewaltdarstellung sehen möchte, ist jedem selbst überlassen.
Die Art und Weise der Darstellung ist jedoch in Syriana oft wider Erwarten eines amerikanischen Mainstreams. Bewusst wird mit den Erwartungen des Zuschauers gespielt. Die vorsorglichen und braven Konzernleiter der Ölfirmen entpuppen sich als Gesellschaft, die Korruption zum gemeinsamen Hobby erklärt hat. Die Selbstmordattentäter werden nicht als unmenschliche Monster dargestellt, sondern man bekommt einen Einblick, wie und warum jemand fanatisiert werden kann. Weil ein arabischer Prinz nicht mit den Amerikanern zusammenarbeiten möchte, heißt das noch lange nicht, er sei gegen pro-westliche Reformen.
Ebenfalls interessant bei der Darstellung ist die Wahl der Drehorte und der Ton. Permanent befindet man sich an einem anderen Ort. Da wird von der Grillfeier eines amerikanischen Ölmagnaten mal eben in die Wüste geschwenkt. Erstaunlicher Weise wird dabei auch die Sprache geändert. Statt wie sonst üblich, Attentätern dem Kinovolk verständliche Worte in den Mund zu legen, zieht Gaghan es vor, sie in ihrer Muttersprache reden zu lassen. Allerdings muss man sich dann beeilen, den Untertext noch mit lesen zu können.
Generell muss man sich bei diesem Film sehr konzentrieren. Seine größte Stärke ist auch gleichzeitig seine größte Schwäche. Der Versuch, die Komplexität des Ölgeschäftes und die amerikanischen Verwicklungen darin darzustellen, ist so gut gelungen, dass man sich schnell in dieser Komplexität verlieren kann. Jede noch so kurze Szene, jede Dialogzeile kann entscheidend für das Verständnis des weiteren Films sein. Wer Popkorn-Kino mag, wird sich in diesem Film nicht wohl fühlen und sollte sich die sieben Euro fürs Ticket sparen. Wer jedoch Filme zum mitdenken möchte, wird in Syriana einen der besten Filme des Jahres sehen.
Ebenfalls lobenswert ist die Besetzung. Obwohl die schauspielerische Leistung durch die Bank gut ist, muss man hier die beiden Zugpferde hervorheben. George Clooney und Matt Damon verlassen hier gewohntes Terrain. Matt Damon mal nicht als jugendlichen Draufgänger, sondern als hart arbeitenden Familienvater zu sehen, hat positiv überrascht und auch noch überzeugt. Auch George Clooney bewies Mut zur Veränderung und läuft mit mindestens 10 Kg mehr auf den Hüften und einem Vollbart durchs Bild, was sehr gut zum Charakter des desillusionierten alten Hasen passt.
Fazit: Ein erschreckend realistischer Film über das Ölgeschäft und seine politischen Verstrickungen, der jedoch nicht für den Mainstream geeignet ist. Wer mit seinen Freunden Filme diskutieren mag, ist hier genau richtig.
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Regisseur
Schauspieler
George Clooney, Matt Damon, Amanda Peet, Michelle Monaghan, Susan Allenback, Nicholas Art, Luke Barnett, Robert Randolph Caton, David Clennon, Chris Cooper, Bob Fajkowski, Anna George, Gina Gershon, John Higgins, Steven Hinkle, William Hurt, Christopher McDonald, Fritz Michel, Max Minghella, Tim Blake Nelson, Kaveh Sari, Greta Scacchi, Alexander Siddig, Mark Strong, Elisa Triani, Amr Waked, Jeffrey Wright
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Kenny / 17.02.2008 00:21:58
Streckenweise schwer zu verstehen. Traffic, das Gegenstück zu Syriana und beschäftigt sich mit dem Handel und der Politik von Drogen anstatt mit der Ölgeschichte. Beides sind globale Themen, jedoch finde ich Traffic leichter zu verstehen. Aber auf jeden Fall sehenswert, auch wenn man ihn sich vielleicht zweimal anschauen muss.
nicht bewertet