Verfasst von André Gabriel am 06.03.06 22:22:00 - 3 Kommentare

The Devil's Rejects

Land USA

Genre Action, Horror, Thriller

Laufzeit: 101

Jahr 2005

Webseite
Trailer

Kinostart: 01.12.2005
Moviereporter-Bewertung:
  • 5.5/6 Sterne.
Leserwertung (8): 5.0 / 6
zu Favoriten hinzufügen

Inhalt

Das Sequel zum Erstlingswerk von Robert Cummings, aka Rob Zombie - The Devil`s Rejects knüpft lose an die Geschichte aus Zombie`s Haus der 1000 Leichen an.

Um die Familie Firefly etwas näher zu beschreiben sollte man wohl warten, bis es dunkel wird, denn dann kommt die Geschichte erst so richtig zur Geltung. Nun ja, ein detailiertes Firefly-Portrait ist allerdings auch bei Tageslicht erschreckend genug, würde man meinen, wenn man einen der beiden Filme gesehen hat.

Der Film beginnt schon äußerst stylisch, zumindest hinsichtlich des Geschmacks eingefleischter Horrorfans. Ein deformiertes Familienmitglied mit verbranntem Gesicht und einer sackähnlichen Maske darüber (den kennen wir übrigens auch schon aus House of 1000 Corpses) zieht eine nackte Frauenleiche über die staubige Erde, als plötzlich die Sirenen etlicher Polizeiwagen auftauchen. Doch statt so schnell wie möglich in die andere Richtung zu rennen, bleibt der Gebranntmarkte einfach im Schutz einiger Bäume stehen und beobachtet die ungewünschten Besucher, die sich auf den Weg zur Farm der Familie Firefly machen, um diese endlich hoch zu nehmen. Das letztendliche Ergebnis: eine wüste Schießerei, einige Tote, ein festgenommenes Familienmitglied und der Rest der Familie ist von nun an auf der Flucht (gemeinsam mit dem legendären Captain Spaulding, brillant gespielt von Sid Haig), was auch gleichzeitig die grobe Handlung von The Devil`s Rejects bedeutet.

Natürlich muss auf dem Weg ihrer Flucht auch willkürlich eine Familie als mehrköpfige Geisel genommen werden. Nun ja, um den Leidenschaften der Fireflys gerecht zu werden, sollte man doch erwähnen, dass es nicht wirklich darum geht, Geiseln zu haben, sondern vielmehr um das Ausleben sadistischer Vorlieben. Vorlieben, die sich beispielsweise in der Bedingung für einen Toilettenbesuch zeigen - Bedingung: der Schwiegermutter eine saftige Ohrfeige geben und anschließend der Geiselnehmerin einen Kuss auf die Wange... mit Worten wie mir geht es richtig gut.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Inhalts von The Devil`s Rejects ist die Figur Sheriff Wydell (William Forsythe), der noch immer nicht mit dem Tod seines Bruders (aus dem ersten Teil) zurecht kommt und nun zu einer eigens psychopathischen Selbstjustiz-Kampfmaschine wird und die Familie jagt.

Kritik

War der Erstling (House of 1000 Corpses) noch Verbeugung und Hommage vor den Wonnen des Grindhouse-Kinos, hat The Devils`s Rejects jetzt die Essenz der Vorbilder (am offenkundigsten: The Hills Have Eyes und I Spit on Your Grave) verinnerlicht. Auf diesem äußerst brutalen und herzlosen Roadtrip wird nicht mehr wissend in Richtung Publikum gezwinkert. Sick bis zum Anschlag zelebriert Zombie die unangenehmen Freizeitbeschäftigungen der Familie des Killer-Clowns Captain Spaulding, während sich um den kaum weniger kranken Sheriff Wydell eine Vigilantentruppe schart, die bei ihrem Vorhaben, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, ganz biblisch vorgeht. Was den Film nicht freundlicher macht – vielmehr treibt er uns die Farbe aus dem Gesicht, wie ein, tja, White Zombie.

Wer sieht aus wie eine Mischung aus einem ausgebuddelten, seit zwei Monaten verwesenden Pudel und einem explodierten Wischmob und hörte, wenn Mutti ihn ruft, auf den Namen Robert Cummings? Genau, kein anderer als Mr. Rob Zombie himself (laut.de).

Rob Zombie - als Kind, so heißt es, wurde er von seiner Mum immer nur ständig vor den Fernseher gesetzt, wo er sich dann einen Horrorstreifen nach dem anderen reinzog. Seine spätere Band hieß dann White Zombie, doch nach dem Erfolg seines ersten Soloprojekts im Jahr 1998 mit dem Titel Hellbilly Deluxe blieb er dabei und trat fortan nur noch Solo auf (übrigens: in House der 1000 Leichen kann man auch einige Tracks von Rob Zombie persönlich hören).
Was kann dieser Rob Zombie nun als Filmemacher leisten? Man muss ehrlich sagen: viel mehr als man erwarten würde. Denn (Achtung: Spoilergefahr) die Tatsache, dass der deformierte Typ zu Beginn des Films erst am Ende wieder auftaucht, dafür aber recht wichtig ist und man ihn bis dato sehr wahrscheinlich vergessen hat, so dass es durchaus eine Art gelungene Überraschung darstellt, spricht schon mal für eine gute Idee des Drehbuchautors... na, sie können es sich denken... Rob Zombie. Und Regie-technisch? Auch da gibt es einige Ideen, die er ganz gut inszeniert hat; zum Beispiel die Gegenüberstellung des rachsüchtigen Cops, der vorm Spiegel steht und immer wieder predigt, dass er der rechte Arm Gottes ist. Diese Szenen wechseln ständig mit der Darstellung der -noch immer auf freiem Fuß- Familie Firefly, die zur selben Zeit ausgiebig mit Koks, Alkohol, lauter Musik und Cannabis feiert. Eine gelungene Gegenüberstellung der beiden sich schneidenden Inhaltskomponenten.

Der Film ist wirklich sehr hart, wobei man nicht erwarten sollte, dass hier im Minutentakt gemordet wird. So gehen die Fireflys nicht mit ihren Opfern um. Vielmehr spielen sie mit ihnen, was nicht selten auch in sexueller Hinsicht gemeint ist. Diese Art von Tabulosigkeit ist es auch, die dem FSK besonders viel "Freude" bereiten wird. Man könnte auch sagen, dass der Film realistisch ist, denn wir alle wissen, wieviele Psychopathen es auf dieser Welt gibt, die so oder ähnlich handeln... wahrscheinlich Tag für Tag.

The Devil`s Rejects kann im Endeffekt nur den richtigen Genrefans gefallen oder denjenigen Besuchern, die über solche Filme lachen können, das alles möglicherweise als eine sehr eigene Art von schwarzem Humor verstehen (apropos Humor: es gibt einige Szenen, die richtig lustig sind). Moralapostel und absolute Verteidiger der menschlichen Würde (auch in der Kunst) sollten natürlich einen großen Bogen machen, das ist ebenso logisch wie es logisch ist, dass man nach House of 1000 Corpses im Grunde genommen weiß, was einen erwartet. Wobei die Filme von ihrer Aufmachung her völlig verschieden sind. Der erste Teil ist abgedrehter und bei weitem nicht so realistisch; dafür aber dennoch um einiges besser, reiner Horror eben.

Es ist nicht der wahre Splatter, der einem in The Devil`s Rejects geboten wird. Sicher, es ist schon äußerst makaber, wenn einem weiblichen Opfer das abgeschnittene Gesicht ihres frisch gebackenen, nun aber sichtlich toten, Ehemanns vor die Nase gehalten und dann auch noch als Maske übergezogen wird. Nur wurde uns eben nicht gezeigt, wie das Gesicht abgezogen wurde. Und außerdem kennen wir das ja auch schon aus The Texas Chainsaw Massacre. Nein, wie gesagt, die Grausamkeit spiegelt sich in der völlig gleichgültigen Haltung der Familie Firefly gegenüber ihren Opfern wider. Denen ist wirklich vollkommen egal, welche Qualen die Menschen leiden, die sie als Geiseln nehmen - sei es in physischer oder in psychischer Hinsicht.
Ebenfalls gravierend für den FSK: die ständige, immer wieder kehrende, dauerpräsente Verwendung des Wortes f... - als würde Rob Zombie versuchen, den Rekord von Casino einzustellen.

Das Ende ist wirklich gut gelungen. Und das nicht allein durch die kleine Überraschung, von der ich schon berichtet habe. Also erneut ein Kompliment an den Scriptwriter Zombie, der dem Publikum ein richtig sehenswertes und stylisches Finale liefert.

Und die Darsteller? Nun, dabei handelt es sich erwartungsgemäß um ein Ensemble recht unbekannter Schauspieler, die aber allesamt eher positiv als negativ auffallen. Mehr muss man auch nicht sagen, doch wenn man einen aus der Riege hervorheben möchte, so ist es wohl Sid Haig, der die wohl schäbigste und widerwärtigste Clownfigur der Filmgeschichte darstellt (schlimmer als Gacy).

Das Fazit fällt positiv aus. Gut, ich persönlich sehe generell sehr gern Horrorfilme und weiß, dass dieser Film nur denjenigen Besuchern richtig gut gefallen wird, die eben eine gewisse Leidenschaft für solche Filme aufbringen können. Das ist gewissermaßen eine Voraussetzung für The Devil`s Rejects.


Jetzt kommentieren? / 3 Kommentare

  1. mye

    mye / 09.12.2007 13:47:57

    geniale fortsetzung/ haus der 1000 leichen gefällt mir vom stil her noch mehr, das ist einfach purer horror, hier haben wir ja irgendwie eine art road-killer-movie... allerdings der absoluten extraklasse


    6 Sternen

  2. Jigsaw

    Jigsaw / 05.04.2008 22:54:22

    Was will man dazu noch sagen,der Film spricht für sich.Jeder der sich Horrorfilm Fan nennt kommt an diesem Film net vorbei.


    6 Sternen

  3. Kai

    Kai / 13.04.2008 11:29:01

    The Devil's Rejects hat mir bombastisch gefallen, kann ihm nur jeden empfehlen der ansatzweise dem Genre Horror verfallen ist. Rob Zombie goes wild.


    5 Sternen


Jetzt hier Kommentar schreiben

Bitte auf gute Umgangsformen achten!! Beleidigungen werden nicht geduldet.