Verfasst von André Gabriel am 30.09.07 13:23:24 - 5 Kommentare

Halloween - Die Nacht des Grauens

Land USA

Genre Horror

Laufzeit: 91

Jahr 1978

Webseite
Trailer

Kinostart: 25.10.1978
Moviereporter-Bewertung:
  • 6.0/6 Sterne.
Leserwertung (6): 5.5 / 6
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Inhalt

Ein Klassiker des Horrorgenres.

1963 - Halloween - Haddonfield.
Michael Myers ist sechs Jahre alt. Seine Eltern sind nicht zu Hause und seine Schwester Judith vergnügt sich in ihrem Zimmer im ersten Stock des Einfamilienhauses mit ihrem Freund. Auf der Veranda leuchtet uns die Fratze eines ausgehöhlten Kürbis zu. Aus der Sicht des Jungen beobachten wir das Haus, betreten die Küche, nehmen ein Messer aus einer Schublade und sehen schließlich den Freund der Schwester, der das Haus verlässt. In dieser Halloweennacht tötet der sechs-jährige Michael Myers seine Schwester.

Michael kommt ins Smith's Grove Warren County Sanatorium. Der Psychiater Dr. Sam Loomis nimmt sich dem Jungen an und versucht über Jahre hinweg, Kontakt mit ihm aufzunehmen... vergeblich. Vielmehr kommt er zu dem Schluss, dass dieser Junge nicht "heilbar" ist, er erkennt das wahrhaft Böse in Michael Myers und sagt beispielsweise im Laufe des Films zu Leigh Brackett, dem Sheriff von Haddonfield: „Ich habe 8 Jahre lang versucht, mit ihm Kontakt zu bekommen, dann nochmal 7 Jahre, um zu verhindern, dass er jemals wieder auf freien Fuß gesetzt wird. Ich wusste zu gut, was sich hinter diesen Augen verbirgt, das absolut Böse“.
1978 kehrt Michael Myers nach Haddonfield zurück... auf der Suche nach Laurie Strode.

Kritik

Es gibt diese ganz besonderen Filme, auch in einem Genre, dass von vielen wohl eher als minder beachtungswürdig eingestuft wird. Die Rede ist vom wunderbaren Genre Horror. Und manchmal geschieht es eben, da werden Filme gedreht, die nicht nur gegenwärtig beeindrucken können, sondern über eine jahrelange Zeitspanne hinweg von der Mehrheit als "überaus gelungen" betrachtet werden. Aber was macht einen solchen Film zu einem Klassiker oder zu einem Kultfilm seines Genres? Es ist die folgende Auszeichnung: wenn ein Film als Paradebeispiel für ein gesamtes Genre fungiert und in cineastischen Gesprächen immer wieder Erwähnung findet, wenn man andere Filme an eben diesem einen Film misst, ihn für Vergleiche heranzieht... und im Endeffekt doch nur zu dem Entschluss kommt, dass jene anderen Filme gegen diesen einen Klassiker oder Kultfilm abstinken.

John Carpenter's im Jahr 1978 erschienener Horrorfilm Halloween ist ein solcher Klassiker und seine Hauptfigur, Michael Myers, hat längst Kultstatus erreicht in der Reihe der außergewöhnlichen Leinwandmörder wie Jason Vorhees aus Freitag, der 13. oder Freddy Krueger aus Nightmare on Elm Street. Wobei Halloween das Slashergenre anders angeht. Freitag, der 13. beispielsweise verhält sich inhaltlich wie der typische Slasher-, man könnte auch sagen Abschlachtfilm. In blutiger Regelmäßgkeit werden die Darsteller und Darstellerinnen zu Opfern, die möglichst originell und unterschiedlich vom Killer ermordet werden... das Prinzip eines Klischee-Slashers, natürlich hier und da durch inhaltiche Rafinesse verfeinert wie in Freitag, der 13. zum Beispiel die Tatsache, dass man den Killer bis zum Schluss nie sieht, nicht einmal mit eigentlich obligatorischer Maske. Halloween aber setzt auf Atmosphäre.

Ich persönlich verehre das Halloweenfest, mein Herz macht also schon einen Sprung, wenn ich einen ausgehöhlten Kürbis auf einer Veranda stehen sehe. Damit ist für mich natürlich die subjektive Grundlage geschaffen, um Halloween genießen zu können. Schon der Vorspann, in dem wir einen solchen ausgehöhlten und mit einer Kerze erleuchteten Kürbis sehen, während Cast und all die anderen wichtigen Namen eingeblendet werden und die sagenhaft gute, eigens zum Klassiker avancierte Halloween-Musik zu hören ist, kann in dieser Hinsicht punkten. Wir bewegen uns langsam auf die orange Fratze zu und schließlich erlischt die Kerze im Kürbisinneren... toll. So leicht erzeugt man eine gelungene Atmosphäre.
Dann die legendäre Anfangsszene, in der wir das Geschehen meist aus der Sicht des jungen Michael Myers sehen. Schon in diesen ersten Szenen wird eine Idee des Regisseurs John Carpenter deutlich... das Verschmelzen von Zuschauer und Killer, denn nicht nur einmal sehen wir durch die Augen von Michael Myers oder schlichtweg an seiner Person vorbei oder über seine Schulter hinweg. Natürlich ist Carpenter nicht der Erfinder dieser Methode, aber er reizt sie in Halloween aus. Dieses Prinzip hängt eng mit einem anderen Aspekt zusammen, der Halloween charakterisiert: Michael Myers verbringt einige Zeit mit dem Beobachten seiner Opfer, die ihn wiederum dabei ertappen, wie er zwischen wehenden Laken steht und zum Fenster des Zimmers hoch schaut, in dem Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) sich aufhält, wie er halb hinter einer Hecke steht oder langsam mit dem Auto an ihr und ihren Freundinnen vorbei fährt. Man hat das Gefühl, Michael Myers ist stets präsent, eine Art Übermacht, als wäre er den Opfern immer einen Schritt voraus. Sein unbedingtes Verlangen nach Laurie Strode wird dahingehend natürlich schnell deutlich und mit den Freundinnen Annie (Nancy Kyes) und Lynda (P.J. Soles), deren Freunde sowie den Kindern Tommy Doyle (Brian Andrews) und Lindsey Wallace (Kyle Richards) haben wir die weiteren potenziellen Opfer. Warum Michael überhaupt hinter Laurie her ist, erfahren wir übrigens entweder erst im zweiten Teil oder in einer Szene der Extended Version, die rund zehn Minuten länger ist. In dieser Szene besucht Dr. Loomis (Donald Pleasence) den jungen Michael im Smith's Grove... mehr soll aber nicht verraten werden, nur so viel: die Antwort steht auf der Innenseite der Tür von Michael's Zimmer.
Manche werden diesen Aspekt auf Dauer auch als Längen im Film betrachten, denke ich. Aber nicht umsonst genießt Halloween gerade in Horrorfilm-Fachkreisen ein hohes Ansehen. Der Film verzichtet auch auf den übermäßigen Einsatz von Kunstblut und setzt eben mehr auf die angesprochene Atmosphäre und dem Herausbilden des unbedingten Bösen, das Michael Myers vorantreibt (aber dazu später noch mehr). So vergehen etliche Minuten, bevor es in der Halloween-Nacht zum erneuten Töten kommt.

Die Figur Michael Myers. Während Jason erbarmungslos slasht und Freddy Krueger fiese Terrorspielchen mit seinen Opfern spielt, bevor er sie tötet, schafft es Michael Myers, einen ganz anderen Charakter auszubilden und so eine andere Faszination zu übertragen. Michael Myers ist das Böse. Daran ist nicht zu zweifeln. Er spricht nicht. Er rennt nicht. Er ist einfach da, wo er sein muss, handelt aber nicht nur nach Instinkt, das beweisen die vielen "Beobachtungs-Szenen". Er steht wieder auf, nachdem er beispielsweise mit einem Messer in den Bauch gestochen wird (die ebenso legendäre Schrankszene mit Laurie Strode). Phasenweise (und erst recht in den Sequels) erscheint Michael Myers beinahe unsterblich, eine andere Interpretation erscheint mir aber sinnvoller und auch passender. Michael Myers wird vorangetrieben von einem uneingeschränkten Willen. Ihm fehlt aber jedes Motiv. Er ist schlichtweg böse.

Ich wusste zu gut, was sich hinter diesen Augen verbirgt, das absolut Böse - Dr. Sam Loomis

Ein wichtiger Faktor ist die Musik. Gut, Musik ist in den meisten Filmen ein sehr bedeutender Bestandteil, aber die typische Halloween-Klaviermusik ist längst ebenso zum Kultfaktor avanciert wie der Film an sich. Wie ein roter Faden zieht sich diese simple, aber atmosphärisch unheimlich dichte Melodie durch den Film und begleitet den Zuschauer sowohl gleich zu Beginn als auch am Ende und natürlich in allen kommenden Teilen der Reihe.

Der Cast: ihre Rolle als Laurie Strode hat Jamie Lee Curtis den Titel als Screamqueen beschert, den sie durch diverse weitere Horrorfilme (The Fog, Prom Night) verteidigen konnte. Es hat sich inzwischen natürlich gänzlich verändert, aber damals war der Name Jamie Lee Curtis ein eher unbekannter. Folglich hatte Carpenter auch zunächst eine andere Darstellerin für Laurie Strode im Blick: Anne Lockhart. Folgendes soll Carpenter gesagt haben: "Jamie Lee war nicht die erste Wahl für die Rolle der Laurie. Ich hatte keine Ahnung, wer sie war. Sie war 19 und zu der Zeit in einer Fernsehsendung zu sehen, aber ich schaute gar kein Fernsehen". Als Lockhart ihr Engagement wegen anderer filmischer Verpflichtungen absagen musste und man schließlich fest stellte, dass die junge Jamie Lee Curtis die Tochter von Janet Leigh war, die schon im Hitchcock-Klassiker Psycho brillierte, entschied man sich für die noch unausgereifte Darstellerin und traf damit eine rundum glückliche Entscheidung, denn Curtis schafft es, ihrer Figur völlig unterschiedliche Facetten glaubhaft zu verleihen. Zum einen die unerfahrene aber höchst sympathische Laurie, die auf dem besten Weg ist, eine Bilderbuch-Hausfrau zu werden. Zum anderen die leicht (auf-)rebellierende, Gras rauchende Laurie, die sich zumindest gedanklich nicht damit abfinden möchte, dass alle anderen ihren Spaß haben, während sie Babysitten muss. Wiederum zum anderen die starke Laurie, die sich vom Killer nicht einfach unterkriegen lässt und zur Gegenwehr ansetzt, um sich und die Kinder zu beschützen. Alles in allem war Jamie Lee Curtis ein Glücksgriff und man kann sich kaum mehr eine andere Darstellerin in der Rolle vorstellen.
Damals schon eher ein bekannter Name war Donald Pleasence, der den Dr. Loomis mimt. Nicht nur im ersten Teil übrigens, Pleasence ist auch gleich bei den direkten frühen Sequels mit an Bord. Lobenswert ist, meiner Ansicht nach, die Tatsache, dass es ihm ohne Umschweife gelang, Dr. Sam Loomis immer in der gleichen Art und Weise zu spielen, obwohl zwischen den Dreharbeiten der einzelnen Teile manchmal Jahre lagen. Donald Pleasence verstarb am 2. Februar 1995.
Der Rest vom Cast durchläuft gekonnt die Sparten "sympathisch", "unauffällig" und "ordentlich". Ein Name muss aber unter allen Umständen erwähnt werden: Debra Hill, die gemeinsam mit John Carpenter das Drehbuch verfasst hat.

Man sieht: Halloween - Die Nacht des Grauens ist nicht nur an sich -als filmisches Meisterwerk- ein Kultprodukt, auch die Namen hinter dem Projekt laufen zum Teil in diese Richtung. Und während es Jamie Lee Curtis -bezogen auf das Genre Horror- als junge Darstellerin gelang, diesen Status zu erreichen (ähnlich dem männlichen Pendant Robert Englund), ist der Name John Carpenter in diesem Sinne neben "Regiegrößen" wie Wes Craven (A Nightmare On Elm Street, Scream), George A. Romero (Night of the Living Dead) oder Tobe Hooper (The Texas Chain Saw Massacre) anzusiedeln.

Fazit:
John Carpenter's Halloween legt keinen Wert auf ausgereifte Gore-Effekte und jede Menge Kunstblut, sondern besticht allein durch eine schon auf den ersten Blick angsteinflössende weiße Latexmaske und einen Filmkiller, dessen Taten sich nicht einmal nach dem beinahe immer zutreffenden Rachemotiv-Muster richten. Ein Killer, der schon in jungen Knabenjahren mit dem Morden begann und nach seinem ersten Mord wie in Trance wirkt. Ein Killer, der in geregelten familiären Verhältnissen aufgewachsen ist und einen Psychologen nach jahrelanger "Zusammenarbeit" nur zu dem Entschluss kommen lässt, dass er auf ewig weg gesperrt gehört.

Jetzt kommentieren? / 5 Kommentare

  1. Nightwalker

    Nightwalker / 04.12.2007 19:43:02

    Alt, unblutig, nicht teuer, aber dennoch gut und spannend. Zum Ende wird er immer besser.

    7/10


    4 Sternen

  2. mye

    mye / 10.12.2007 17:17:52

    für mich ein klassiker und kultfilm im genre HORROR... und DER slasher schlechthin... die atmosphäre, die musik, das alles (in der summe) erscheint mir einzigartig und unerreicht


    6 Sternen

  3. Feuerfrucht

    Feuerfrucht / 10.12.2007 17:39:26

    Der Film ist einfach nur klasse! Was an Brutalität fehlt, wird durch Spannung perfekt ausgeglichen. Muss ja nicht immer ein Splatter sein. ;)


    6 Sternen

  4. Veremar

    Veremar / 10.12.2007 18:32:37

    Für mich absolut Kult was Horror angeht (schon wen man 2 Sekunden lang die Melodie hört muss man an Michael denken). Es passiert ja im Grunde nicht viel aber die Spannung die aufgebaut wird ist unglaublich.


    nicht bewertet

  5. Jigsaw

    Jigsaw / 05.04.2008 11:23:09

    Wegweisender Veteran des Horrorfilms,ein absolutes muß.John Carpenter Rules!!!Ich bin gespannt auf Rob Zombies Remake,wir werden sehen ob er sich mit dem Meister auf eine Stufe stellen kann.


    6 Sternen


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