Verfasst von André Gabriel am 22.09.07 00:01:46 - 5 Kommentare

Postal

Moviereporter-Bewertung:
  • 3.5/6 Sterne.
Leserwertung (11): 3.45 / 6

Land Deutschland, USA, Kanada

Genre Komödie, Satire

Laufzeit: 90

Jahr 2007

Webseite
Trailer

Kinostart: 18.10.2007
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Inhalt

Uwe Boll präsentiert Postal - ein mutiges Wagnis

Als gestresster Mitbürger Amerikas muss man sich von Zeit zu Zeit einfach mal abreagieren. Postal dreht der Kleinstadt Paradise City den Rücken zu und macht es sich demnächst endlich auf der großen Kinoleinwand bequem.

Genervt von der spießigen Gemeinde im beschaulichen Städtchen Paradise City, geht der Postal Dude erschütternden Feldzug durch die belebten Straßenzüge. Nicht nur Katzen, Anwohner und Polizisten legen sich mit dem smarten Helden an, selbst Osama Bin Laden ist angesichts solcher Dreistigkeit erzürnt.

Kritik

Ein heftiger Verbalkonter in Richtung eines wired.com-Autoren, bestätigende Aussagen über seine von Medienseiten höchst dreist formulierte Finanzierungsmethode seiner Filme mit Nazi-Gold, ein (Promotion-)Boxkampf, zu dem er seine schärfsten Kritiker in den Ring geladen hat, um diese dann kräftig zu vermöbeln - Uwe Boll durchstreift die Medienlandschaft meist als unerwünschter Gast... und wird mit seinem neuen Film Postal noch direkter, noch radikaler, noch kontroverser.

Die Zuschauer, die auf der kleinen Presse-Gästeliste standen und am Abend ins UCI-Kino in Berlin-Friedrichshain kamen, wussten, welcher Film auf sie wartet. Alle anderen Kinogänger dürften weder vom Erscheinen des Regisseurs Uwe Boll, noch vom abendfüllenden Programm gewusst haben, denn es wurde einfach eine Sneakpreview mit der leider etwas späten Pressevorstellung kombiniert.

Der Ruf von Uwe Boll ist im Laufe seiner Karriere eher über holprige Wege geschritten und fast schon an einem Abgrund angelangt, ein Ort, von dem es für viele Kritiker kaum mehr einen Weg zurück gibt. Ja, so erscheint es teilweise, wenn man sich andere Reviews anschaut: eine schlechte Bewertung, die sich wie ein roter Faden in einem Film durch als Beiträge zieht, die sich den Werken von Uwe Boll widmen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der eine oder andere nicht doch bereits das Feld der Objektivität geräumt hat und von einem eher vorgeprägten Standpunkt aus schreibt, kritisiert und bewertet. Aber das nur am Rande.
Wollen wir uns dem Film widmen. Postal. Auch hier, wie in der Vergangenheit schon so oft (Bloodrayne, House of the Dead) und auch für die Zukunft längst entschieden (Far Cry, Tunnel Rats), hatte Uwe Boll eine Videospielvorgabe. Das Game Postal ist in Deutschland indiziert. Nach allem, was ich darüber gehört habe, denn gespielt habe ich es -leider, denn anschauen kann man es sich ja mal- noch nicht, ist Postal vergleichbar mit der beliebten Spielreihe GTA. In GTA rasselt die gespielte Figur stets in kriminelle Machenschaften, würde man dem Spiel ein Genre zuordnen, dann wäre dies wohl in erster Linie Crime. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Quentin Tarantino bei einer GTA-Verfilmung eine Menge Spaß haben (und wir später natürlich auch), aber auch dies nur am Rande. Man hat die Option, einfach in der riesigen Spiellandschaft umher zu fahren oder umher zu wandern und allerhand Unsinn zu treiben. Man kann gesittet Auto fahren und sich wie ein braver Bürger verhalten, aber auch mit allen möglichen Waffen und Fahrzeugen ein Blutbad anrichten. Geht man das Spiel ein wenig ernster an, dann sind etliche Aufträge zu erfüllen. Ebenso in Postal. Entweder die Missionen oder einen Amoklauf. Wobei Postal angeblich noch einige Schritte weiter gehen soll.

Videospielverfilmungen und Uwe Boll, das gehört einfach zusammen... wie eben für viele auch schlechte Filmen und Uwe Boll zusammen gehören. Mir persönlich hat House of the Dead, den ich damals auf dem Fantasy-Filmfest begutachtet habe, überhaupt nicht gefallen. Auch das Sequel, hier hat Boll nur die Produktion übernommen, war kaum besser. Die restlichen Filme kenne ich leider nicht, habe aber vor allem negatives gehört. Was in Zukunft auf uns wartet: nun, der Trailer zu Dungeon Siege sieht gar nicht mal schlecht aus und kann mit einem durchaus ansehnlichen internationalen Cast aufwarten, den Horrorfilm Seed möchte ich unbedingt sehen, mit Far Cry kommt ein Film in die Kinos, der jede Menge Action verspricht und Tunnel Rats wagt sich an ein neues Subgenre.

Was bringt uns nun sein aktueller Film Postal, der laut Angaben des Regisseurs in Cannes sozusagen eine eher seltene Auszeichnung in Form von standing ovations bekam. Etwas, das Uwe Boll dazu führte, von seinem Film in den höchsten Tönen zu sprechen; in etwa: "einer der witzigsten und wichtigsten Filme der letzten zehn Jahre" und im Wortlaut "Beim Filmmarkt in Cannes hat Postal Standing Ovations bekommen. Kein anderer Film hat jemals Applaus bekommen, weil es ja nur Filmeinkäufer im Screening sind. Es ist einer der besten Filme aller Zeiten". Mit einem Schmunzeln begegnet man solchen Aussagen natürlich in Anbetracht der vergangenen Einspielergebnisse seiner Filme schon, aber "kennt" man Uwe Boll ein wenig, weiß man, dass solche Sprüche nicht ungewöhnlich sind. Herr Boll, hat man nicht selten das Gefühl, spricht nun einmal exakt das aus, was ihm durch den Kopf geht... positiv, da absolut ehrlich, würden manche sagen... in Anbetracht der Tatsache, dass dabei aber auch mitunter ausgesprochen wird, was vielleicht nicht ausgesprochen werden sollte, da es grenzüberschreitend ist, könnte man dieser Ehrlichkeit zumindest auch streckenweise negativ gegenüber treten. So soll er zum Beispiel auf die Frage, wie respektvoll er mit den Geschehnissen des 11. Septembers, den Opfern und den Angehörigen umgehe, geantwortet haben: "Warum, die meisten sind doch tot?". Ich bin der Meinung, dass man so etwas nicht sagen sollte. Die Frage ist nur: glauben jetzt alle da draußen, dass Uwe Boll deshalb ein kaltherziges Arschloch ist, dann sehen sie die Sache vermutlich falsch. Ich denke nicht, dass Herr Boll in einem Gespräch mit einem Angehörigen eines Todesopfers solch eine Äußerung tätigen würde. Möglicherweise irre ich mich, aber das ist gegenwärtig meine Ansicht. Was Uwe Boll mit seinem Film Postal vor allem möchte: "Es ist an der Zeit, einen Film wie Postal zu drehen, denn nach dem 11. September ist die gesamte Stimmung in Filmen in eine Art Selbstzensur gedrückt worden. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist in den USA verloren gegangen, aber die Leute haben es satt und wollen endlich wieder Komödien, die die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten wie die alten Monty Python Filme". Diesen Aspekt wirft er in Interviews auch immer wieder auf. Postal ist eine radikale Komödie, angereichert mit politischer Satire, die der aktuellen Situation, wie sie Uwe Boll schildert, in Form von tabubrechenden Szenen in die Fresse haut. Es werden Kinder erschossen. Es werden Juden beleidigt. Es werden Hakenkreuze gezeigt. Es werden religiöse Witze gemacht.
Postal ist zweigeteilt. Zum einen haben wir die schwarz-humorige Seite, die reine Komödie Postal, die vor allem mit Fäkalwitz ähnlich den Niveaulos-aber trotzdem unheimlich lustig-Komödien à la American Pie daher kommt. Zum anderen einen Film, der politisch anprangernd sein möchte und dies auch tatsächlich schafft. Eine Szene, in der ein Selbstmordattentäter sich umbringt, um einen einzigen Menschen zu töten, zeigt doch auf gelungene Weise das Idiotische an einem solchen Terrorakt. Oder die Anfangsszene im Cockpit des Flugzeugs: sicher ist es gewagt, sozusagen eine Alternativmöglichkeit für die Geschehnisse des 11. Septembers zu liefern, aber die Terror-Kritik wird trotzdem (wenn auch in humoristischer Form) äußerst deutlich, wenn die Terroristen ihre Handlungen von der Anzahl der Jungfrauen abhängig machen. Es gibt noch einige andere Szenen, in denen der Film tatsächlich satirisch wird. Und das ist die Stärke von Postal. Denn es sterben nicht einfach nur Kinder, sie geraten sozusagen in den Schusshagel, als praktisch alles außer Kontrolle gerät und jeder auf jeden schießt. Warum diese Szene nicht als Kriegs-Symbol werten? Eine Reihe Zivilisten fallen einem Kriegszustand zum Opfer, darunter jede Menge Kinder. Warum beim ersten filmtoten Kind den kopf schütteln und sich schon halb im Sessel hoch stemmen, um das Kino zu verlassen? Wenn Kinder in einem Kriegsdrama sterben, fühlen wir mit, sind emotional aufgewühlt. Postal ist aber kein Kriegsdrama. Hier werden einem diese Szenen eben in einem anderen Rahmen geliefert, das Symbol ist aber deutlich zu erkennen. Nehmen wir die oft obligatorische Moralszene am Schluss des Films, in der der Postal Dude eine Rede an die Menge hält, eine Rede, die in den meisten Filmen in dieser Form kitschig und aufgesetzt wirkt. Hier irgendwie nicht. Fragt mich nicht, warum. Ich weiß nur, dass man hier nicht das Verlangen hatte, den Typen aufgrund seiner aufgequollenen Worte aus der Leinwand zu zerren, um ihn gemeinsam mit dem Drehbuchautor, der dieses anstrengende Gerede verzapft hat, in einen dunklen Raum zu sperren. Übrigens heißt der Drehbuchautor von Postal Uwe Boll. Also, in dieser wie auch in schon genannter Hinsicht (Postal als Satire) ein Kompliment an eben diesen. Aber nochmal zur Ansprache des Protagonisten gegen Ende des Films: nach jener Ansprache wird das Feuergefecht einfach fort geführt, im Sinne von "der Mensch versteht es einfach nicht". Vielleicht klingen manche Interpretationen auch weit hergeholt, aber ich bin definitiv nicht auf der Suche nach solchen Symbolen, ich habe sie tatsächlich gesehen.

Die schlicht-komödiantische Seite des Films kommt hingegen ein wenig zu kurz. Der Film ist schon witzig, aber er ist nicht -wie versprochen- einer der witzigsten Filme der letzten zehn Jahre. Es gibt Phasen, die einer humoristischen Durststrecke gleichen und auch nicht die ganz großen Brüller. Dafür aber einige Lach- und Schmunzelszenen, die -gepaart mit den satirischen Einlagen- zu einem Film wachsen, der kein ganz großer Wurf ist, der aber gelungen erscheint. Einige werden das Kino verlassen, andere kringeln sich möglicherweise vor Lachen... und wieder andere sehen den Film als das, was er ist: ein medialer Schlag gegen alles und jeden, die Verfilmung des unangefochtenen Rechts, seine Meinung zu sagen. Eben genau das, was Uwe Boll proklamiert.

Fazit: wer ein unglaubliches George Bush-Double sehen will, wer sich mit der Radikalität "anfreunden" kann und nicht völlig entsetzt darauf reagiert, was Uwe Boll, der übrigens einen Gastauftritt hat, dem Zuschauer in Postal phasenweise zu sehen gibt, wer die Szenen richtig verstehen kann und nicht nur die Oberfläche entgeistert anstarrt, der kann mit Postal seine Freude haben und anschließend sogar noch darüber nachdenken.

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  1. Nightwalker

    Nightwalker / 02.12.2007 12:50:03

    Postal Kritik:[Spoiler mitenthalten!!!]

    Ich muss zuerst sagen ich hab vorher noch nie einen Boll-Film gesehn, weder noch kenne ich das Game. Deshalb hatte ich auch nicht so Erwartungen wie andere die schon Filme von ihm gesehen haben.
    Also...

    >Ich werde alles tun um verdammt nochmal aus Paradise rauszukommen, wirklich alles wenns sein muss!!< >>OK f*ck mich in den Ars*h<<

    Mit harten, derben Sprüchen geizt der Film nicht. Den solche ähnlichen Sätze wie das Zitat oben kommen ständig vor!!
    Aber auch mit harten Bildern, wie z.B das Erschießen von Kleinkindern wird gespielt!

    Trotzdem ist es irgentwie eine lustige Art wie die Bilder,Sprüche gezeigt wurden. Mit dem Grund fand ich den Film auch so gut!!

    >Sam, Sam erinnerst du dich an den Sachen mit dem Flugzeug? Erinnerst du dich??? Kinderkram!!<

    Kinderkram ist es auf keinen Fall!! Aber es hat einen Hintergrund! Viele harten Anspielungen haben eine tieferen Sinn, denn man erstmal finden muss. Es veranschaulicht zudem Szenen die im Alltag passieren, aber die dann ziemlich veralbert werden.

    Mir gefällt halt sowas, man muss es ja nicht allzu ernst sehen, wie es somanche tun.

    Die Story ist vollkommen in Ordung. Zwar totall übertrieben aber gut aus den Brocken - Alltag, Terror, Politik,usw auf witzige Art und Weise zusammengeflickt [wie schon erwähnt]. Die Schauspieler passen ebenfalls in ihre Filmrollen.

    Deshalb:
    8,5/10 religiösen Gruppen, die die Welt zugrunde richten wollen!


    5 Sternen

  2. mye

    mye / 04.12.2007 10:14:17

    mir gefällt dein kommentar, vor allem der satz: "es veranschaulicht zudem Szenen die im Alltag passieren, aber die dann ziemlich veralbert werden" - das ist ja auch ein punkt, den ich in der review angesprochen habe. man darf eben nicht komplett oberflächlich an den film heran gehen, darf sehen, wie jene, in denen die kinder erschossen werden, nicht nur als das bewerten, was man in diesem moment sieht, sondern das symbol erkennen, das sich dahinter verbirgt. ich denke eben schon, dass sich uwe boll eine menge dabei gedacht hat.


    4 Sternen

  3. DocProc

    DocProc / 18.03.2008 15:25:41

    Also um ehrlich zu sein, bin ich schon irgendwie oberflächlich an den Film ran gegangen, und bin trotzdem auf meine Kosten gekommen... Der Film ist einfach sau lustig, klar sind viele Scenen echt hart, aber wer das bei soeinem Film ernst nimmt ist bei Postal einfach fehl am Platz!


    4 Sternen

  4. mye

    mye / 19.03.2008 10:36:02

    ja, und außerdem steckt zum teil ja wirklich aussage hinter den szenen, auch wenn das viele wahrscheinlich nicht wahr haben wollen, weil sie boll für einen hirnlosen proleten halten, zum einen ist bzw. war er das im interview nicht und zum anderen sehe ich, wei gesagt, tatsächlich zum teil einen sinn/ ein symbol hinter den szenen


    4 Sternen

  5. Zoidberg

    Zoidberg / 18.08.2008 18:25:01

    Ein paar witzige Sachen waren dabei, aber größten Teils hat mir Boll wieder sein nicht vorhandenes Talent gezeigt.


    2 Sternen


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