Garden State
Inhalt
Wann haben sie das letzte Mal etwas Einzigartiges, noch nie dagewesenes getan?Andrew "Large" Largeman (ZACH BRAFF) ist Mitte zwanzig, schlägt sich als Fernsehschauspieler in Los Angeles durch und hat seit neun Jahren sein Zuhause im "Garden State" New Jersey nicht mehr gesehen. Zwischen ihm und seinen Eltern, dem Psychiater Gideon Largeman (IAN HOLM), und seiner an den Rollstuhl gefesselten depressiven Mutter, liegen 3000 Meilen – und eisiges Schweigen. Als seine Mutter überraschend stirbt, wird es für Large Zeit, heimzukehren. Zumindest für ein Wochenende, an dem ihn nicht nur die Konfrontation mit seinem Vater erwartet, sondern auch alte Freunde wie Totengräber Mark (PETER SARSGAARD) – und neue Bekannte wie Sam (NATALIE PORTMAN). Mit ihrer Wärme und Furchtlosigkeit gelingt es Sam, Large auf einen Selbstfindungstrip aus seinem Schneckenhaus zu locken. Nach zwei Tagen hat Large nicht nur seine Mutter und alte Gewohnheiten beerdigt, in ewige Abgründe geblickt und die Liebe gefunden, sondern auch festgestellt, dass Zuhause nicht zwangsläufig der Ort ist, an dem man geboren wird...
Kritik
"Überraschungserfolg", "Sleeper-Hit" - so bezeichnen Medienmenschen gerne Filme, von denen man sich eigentlich nicht viel mehr erwartet hat als das ungefähre Wiedereinspielen der Produktionskosten. "Garden State", das Regie- und Autoren-Debüt des US-Serien-Stars Zach Braff ("Scrubs"), lief im Juli des vergangenen Jahres gerade mal in drei Städten (Los Angeles, New York und Toronto) an und war aufgrund stetig wachsender Popularität im September 2004 letzten Endes in über 800 Kinos der USA zu sehen. Mittlerweile spielte der Film, der in der Presse ob des auffällig trägen Erfolgskurvenverlaufs mit dem Langzeit-Kultfilm-Phänomen "Donnie Darko" verglichen wird, mehr als 26 Millionen Dollar ein, bei Produktionskosten von 2.5 Millionen Dollar.Schauspieler, die sich für gute Regisseure und Geschichtenerzähler halten, und somit natürlich einen Film drehen, bei dem Sie selber als Hauptdarsteller agieren und auch hinter der Kamera stehen, gehen meist schief. Dies hat viele Gründe, aber es gibt natürlich auch die Ausnahmen, da sei z.B. Clint Eastwood genannt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die komplette Arbeit bei seinen Filmen zu übernehmen. Was erwartet man dann von einem Sitcom-Darsteller, der bisher eher den lustigen Dr. John "J. D." Dorian in der Tv-Sitcom "Scrubs" spielte? Man erwartet alles, aber nur nicht so einen Film wie "Garden State".
Braff schafft es das ganz normale Leben, mit den alltäglichen Problemen und Schicksalsschlägen in eine zauberhafte Komödie mit philosophischen Tiefgang zu verpacken. Er beantwortet mit seinem Regiedebüt in sehr schönen Bildern viele Fragen des alltäglichen Lebens. Was macht das Leben lebenswert? Worin stecken die Freuden am Leben? Was bedeuten Freunde und Familie im Leben? Diese und andere Fragen stellt sich wohl jeder irgendwann im Leben, viele finden darauf keine Antwort, oder zumindest nicht auf Anhieb. Es müssen schon ganz besondere Ereignisse passieren, um auf die Antwort nach den gestellten Fragen zu kommen. Braff macht diese Erkennungsphase im Film durch. Zu Anfang ist er noch ein lethargischer, desillusionierter, tabletten-abhängiger, gescheiterter Schauspieler, der in seinem Leben absolut keinen Freudenschimmer entdecken kann. Er hat durch die vielen Tabletten verlernt und vergessen, was es heißt zu lachen, oder seine Gefühle auszudrücken. Das Leben ist eine triste, weiße Einöde ohne jegliche Gefühle. Als er sich entschließt zum Begräbnis seiner Mutter in seine Heimatstadt "Garden State" New Jersey zu fahren, lässt er alle Tabletten zu Hause, und begibt sich sozusagen auf Entzugskurs und Entdeckunsgreise.
Was zuerst wie eine altbekannte normale Geschichte beginnt, wird mit der Zeit doch sehr persönlich und tiefgründig. Wir erleben ein paar Tage in Andrews Leben, seine Heimatstadt, die sich nicht verändert hat, seine Schulfreunde, die immer noch zu ihm halten, seinen Vater, der ihm die Schuld an einem Unfall gibt und ihm nicht verzeihen will. Das Leben ergreift Andrew mit vollen Zügen, als er Sam (Natalie Portman) kennen lernt. Sam ist eine notorische Lügnerin, mit dem Herz am rechten Fleck und einem unheimlich sympatischen Lachen. Sie sieht in allem das Positive, belügt sich und ihre Umwelt, um einzigartig und originell zu wirken, schafft sich dadurch eine lebendige Traumwelt, in der sie sich wohl fühlt. "Das ist die Gelegenheit für Dich, mal was zu machen, was noch keiner vor Dir je gemacht hat, und das niemand wiederholen wird, solange die Menschheit existiert."[Sam] Sie bringt Andrew bei zu lachen, das Leben in vollen Zügen zu genießen, für den Moment zu leben, mit sich selbst im Einklang zu sein, und schließlich und endlich gegen Ende eventuell auch zu weinen. "Du bist gerade total wonanders, oder?" [Sam]. Bezaubert durch den Charme und den Humor von Sam gibt Andrew langsam seinen isolierten Zustand auf, und beginnt zu fühlen. Ohne es zu bemerken, und durch die schiere Energie und die Freude am leben ausgelöst, welche von Sam ausgeht, verliebt sich Andrew in sie. Als die Beiden dann zusammen mit Andrews altem Schulfreund Mark (Peter Sarsgaard), welcher fast den ganzen Tag Dope raucht, als Totengräber die Leichen um Schmuck und Wertgegenstände erleichtert, und sein Leben doch in vollen Zügen genießt, eine existenzverändernde Tour machen, bei dem Mark noch ein Abschiedsgeschenk für Andrew besorgen will, ist es voll und ganz um Andrew geschehen. "Das ist es. Das ist das Leben." [Andrew]
Manchmal brauch es im Leben radikale Wege und Schicksalsschläge, um wieder an sich und das Leben zu glauben. Manchmal reichen auch kleine Andeutungen aus, um die Gedanken des Menschen ins Rollen zu bringen, manchmal reicht es auch einfach aus ins Kino zu gehen und sich einen schönen Film anzuschauen. Genauso ein Film ist "Garden State", die Wärme, das Glücksgefühl, welches der Film beim Zuschauer erzeugt ist schon geradezu magisch. Man betrachtet die Welt aus einem völligen anderen Blickwinkel aus, und geht das Leben wieder mit mehr Elan und Freude an.
Es ist schon erstaunlich was Zach Braff als sein Erstlingswerk, da auf die Beine gestellt hat. Regie, Drehbuch und Hauptdarsteller in einem, das alles hat Braff mit bravour gemeistert. Seine Charakter kommt wirklich ohne viel Reden aus, manchmal steht er nur da, und bewegt sich nicht. Diese Einstellungen werden meist mit ruhiger Kameraführung gezeigt, die das ruhige Innenleben von Andrew perfekt wiederspiegeln. Braff war früher mal ein professioneller Fotograf, und von daher versteht er es Bilder mit den richtigen Motiven, Farbgebung und Blickwinkeln zu erzeugen. Diese Bilder tragen sehr positiv zum Gesamteindruck des Films bei.
Die absolute Glanzleitung jedoch liefert Natalie Portman ab. Es soll ja Menschen geben, die sich bisher ihrem Charme entziehen konnten, aber nach diesem Film wird jeder sie lieben. Sie spielt zwar nur "das Mädchen von Nebenan", das aber in so einer charmanten und lebensechten Weise, dass man sich in fast jeder Szene aufs Neue in sie verleibt. Schauspielerisch durchaus mit ihrere Leistung in "Hautnah - Closer" zu vergleichen, schafft sie es jedoch hier mit ihrer Darstellung der energiegeladenen, sympathischen und witzigen Sam, sämtliche Herzen für sich zu gewinnen.
Ein anderer großer Star des Films ist der Soundtrack, und hier muss man wieder Braff für seine geniale Wahl der Songs würdigen. Ausgestattet mit einem exquisiten Line-Up an atmosphärischem Old-School-Stoff (Nick Drake, Simon & Garfunkel), Indie-affinen Big Names (Coldplay, The Shins) und angesagten Down-Beat-Bastlern (Zero 7, Thievery Corporation) verkaufte sich "Garden State - Music From The Motion Picture" in den USA bislang mehr als 700.000 mal und konnte sich in den Top 30 der Billboard Album Charts platzieren. Ausserdem wurde er erst jüngst mit dem Grammy für den besten Soundtrack 2004 ausgezeichnet ("Best Compilation Soundtrack Album From A Motion Picture, Television Or Other Visual Media").
Das und vieles mehr spricht für die Klasse des Films.
Fazit:
Eine hinreißende Komödie über das Leben als Twentysomething, voller komischer Momente, bizarrer lebensechter Situationen, liebenswerter Charaktere, aufrichtiger Ehrlichkeit und einem brillanten Darstellerensemble, sowie einem fantastischen Soundtrack. Ein wunderbarer Film über die schönen Seiten im Leben. Manchmal sind es eben die kleinen Sachen im Leben, die das Leben lebenswert machen. "Garden State" steht für dieses wundervolle Gefühl, die Welt umarmen zu wollen und jedem seiner Mitmenschen ein Lächeln zu schenken. Prädikat: Wertvoll.
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Regisseur
Schauspieler
Natalie Portman, Peter Sarsgaard, Zach Braff, Kenneth Graymez, George C. Wolfe, Austin Lysy, Gary Gilbert, Jill Flint, Ian Holm, Alex Burns, Jackie Hoffman, Michael Weston, Christopher Carley, Armando Riesco, Amy Ferguson, Trisha LaFache



Rusty / 17.12.2007 18:11:01
ein unterhaltsamer film, mehr aber auch nicht.
2 Sternen
siBBe / 17.12.2007 20:34:01
der ist viel mehr als nur "unterhaltsam", genial und tiefgründig passt da eher!
6 Sternen
Rusty / 17.12.2007 21:16:48
hm tiefgründig und genial? naja für manche war er tiefgründig, aber der ist nie und nimmer ein genial. was war denn daran genial? genial sind andere filme, aber auf keinen fall dieser.
dann müsstest du schon weiter ausführen, was für dich daran genial war?
2 Sternen
mye / 17.12.2007 21:53:32
dieser film hat alles: extrem gute lacher, er funktioniert also als "komödie" richtig gut/ mehr als sympathische charaktere, allein portmans rolle ist doch so genial gezeichnet/ ganz viel gefühl, die vater-sohn-geschichte nur am rande, dann die lebenskrise von braffs figur und der weg zurück ins leben/ das drehbuch ist klasse: ein abstürzendes flugzeug und inmitten dieser panik starrt braffs figur ruhig und ausdruckslos in eine richtung, kaum zu übertreffende symbolik/ etliche wunderbare momente, allein die szene, in der portmans figur steppt, ganz groß, gänsehaut ohne ende, immer wieder, und dazu die musik... eine jahrhundertszene/ fazit: ein klarer sechs-sterne-film und eine meisterleistung von braff, der regie führt, das script verfasst, die musik auswählt, die hauptrolle spielt... großes lob in dieser hinsicht und für sein händchen für tiefgreifende und emotionale momente, die buchstäblich unter die haut gehen/ für mich ist der film ganz klar ein drama, nichts komödie oder so, sicher, der ist verdammt lustig, aber er ist keine komödie, dann eben ein "lustiges drama" :)
6 Sternen
Rusty / 17.12.2007 22:06:03
Das kann ich auf keinen Fall bestätigen. Wenn du einmal ein richtiges Drama sehen willst, solltest du dir "Das Haus aus Sand und Nebel" anschauen. Dieser Film müsste ja dann 12 Sterne verdienen, wenn Garden State von dir 6 bekommt. ;-)
Ich bleibe dabei, mehr als 2 Sterne hat er nicht verdient.
2 Sternen
Tyler / 17.12.2007 22:22:23
naja man sollte nun auch nicht hier reinrassiges drama "house of sand and fog" mit ner romantic "drama" comedy vergleichen. und na klar ist der film nicht jedermanns geschmack, aber rein objektiv ist es ein verdammt gutgemachter film, nicht nur die technische seite, sodnern eben halt auch drehbuch, story, schauspieler, dialoge etc. allein für diese aspekte müsste es mind. 4 sterne von jedem geben, und naja wenn man sich die userbewertungen des filmes bei allen großen filmseiten anschaut, dann findet ihn alle schon als sehr guten film, also immer mit bestwertungen.
aber wie gesagt ist vielleicht nicht jedermanns story.
6 Sternen
mye / 18.12.2007 12:07:09
da hat er recht: der kommt im allgemeinen sehr gut an... und naja, klar habe ich "house of sand and fog" gesehen und finde ihn auch definitiv gut, aber garden state ist als gesamt-kunstwerk für mich genrell wesentlich besser/ ich meine: es ist immer so, wir geben hier subjektive meinungen zum besten, klar sind die auch unterschiedlich, wobei sich bei garden state wie gesagt doch schon recht viele darüber einig sind, dass es ein hammer-independent-film ist :)
6 Sternen
Kraizee / 01.06.2008 23:15:52
Ein fantastischer Film, den ich heiß und innig liebe.
6 Sternen
Kaspian / 01.06.2008 23:48:47
Oh, ist einer von den Filmen bei denen ich allein im Kino saß. War aber so Begeistert das ich ihn längst auf DVD hab und Zach Braff for Bilbo Beutlin vote...*g*
6 Sternen
ADAMGOLDNIK / 01.06.2008 23:50:56
Ein schöner Film.
Mir gefällt dieser Film. Manchen leuten gefallen solche Filme nicht.
Was solls. Jeder hat eigene Meinungen.
5 Sternen