Die Frauen von Stepford
The Stepford Wives
Inhalt
Keine Kriminalität, keine Verfeindung - die vermeintlich perfekte Welt; umgeben von prächtigen Villen, sattgrünen Bäumen - und Menschlichkeit?The Stepford Wives (Originaltitel) ist ein Remake des aus dem Jahr 1975 stammenden gleichnamigen Films. Die Autorin Ira Levin lieferte die Romanvorlage. Inhalt der damaligen Geschichte war eine Schar skrupelloser Männer, die ihre Frauen gegen willenlose Androiden austauschen. Zur damaligen Zeit wirkte jene Thematik sehr erschütternd auf die Bevölkerung und Leserschaft und ließ in den USA eine regelrechte Angst vor Robotern entstehen. Das filmische Original verfolgte inhaltlich einem Genremix aus Horror und Science-Fiction, das von Regisseur Frank Oz gedrehte Remake ist hingegen eher eine Mischung aus Comedy und Drama.
Joanna Eberhard (Kidman) ist nicht nur ehrgeizig, sondern auch sehr erfolgreich in ihrem Beruf als Fernsehproduzentin. Realityshows sind ihr Programm, vergleichbar mit den gegenwärtigen Dissmissed oder Frauentausch. Der Film beginnt mit einer Kundgebung, einem riesigen prachtvollen Saal, Hunderten von Zuschauern, einer überzeugten Joanna Eberhard, die ihr neues Projekt vorstellen möchte, und einem Mann, der einst an einer ihrer Shows teilgenommen hat. Schon in diesen ersten Szenen wird uns deutlich, dass es sich hierbei nicht nur ums Handlungsvordringen handelt, nein, vielmehr erleben wir eine kurze, aber klar hörbare, Kritik an dem momentanen Boom jener realistischen Fernsehshows. Angefangen mit Big Brother bis hin zum "Ekel-TV" a la Dschungelcamp. Drehbuchautor Paul Rudnick hat scheinbar etwas gegen diese medialen Neuerungen, denn sonst hätte Kidmans Figur auch in einer anderen dominierenden Branche tätig sein können - hauptsache erfolgreich, emanzipiert müssen die Frauen von Stepford einmal gewesen sein.
"Stepford ist keine Stadt, es ist eine Einstellung" (Frank Oz, Director)
Jener Kandidat der Pilotfolge ihrer neuen Show erhebt sich also brüllend von seinem Sitz und richtet seine Worte konsequent in Richtung der auf dem Podium stehenden Joanna, die erst einmal versucht, dagegen zu reden. Doch aus der vorerst rein verbalen Konsequenz wird bitterer Ernst, als der gestrafte Mann eine Waffe zieht. Hintergund: in der neuen Sendung geht es um Treue und um eine mögliche Schwäche in Situationen sich darbietender Gelegenheiten - Es Geht Auch Besser lautet der Titel der Show, an deren Ende sich ein Paar für das gewohnte Leben oder die in der Sendung proklammierten Alternativen entscheiden muss. Nun ja, sie können sich wohl denken, was geschehen ist. Während er sich für das Leben mit seiner Frau entschied, rief sie nur noch "es geht auch besser" und befand sich längst in den Armen eines muskulösen jungen Mannes, der auch Mitglied der Chippendales sein könnte. Kurzum: aus rein psychologischer Sicht natürlich nachvollziehbar, dass er nun die Schuld für das Ende seiner Familie beim Ursprung sieht - bei Joanna Eberhard.
Stepford ist fiktiv. Und dennoch präsent - in Gedanken, Lebensauffassungen. Der Film ist im Groben, von seiner Aussage her, ein gesellschaftskritischer Beitrag und behandelt die Emanzipation der Frauen im Allgemeinen. Das ist das vorherrschende Thema. Oder doch nur das Augenscheinliche?
Joanna überlebt den persönlichen Anschlag, wird aber im Folge dessen gefeuert. Die pure Ernüchterung senkt sich wie ein eisernes Laken über ihr nieder, doch sie hält zumindest noch so lang die Fassung bis sich die Fahrstuhltüren der Büroräume des Senders schließen. Dann die Explosion in Form von hysterischem Kreischen und wir werden an die Szene aus American Beauty erinnert, in der Annette Bening ihrem Frust und ihrer Enttäuschung über das nicht verkaufte Haus lautstark den Weg in die Freiheit ebnet, um anschließend wieder völlig die Fassung zu erlangen.
Auch das Familienleben von Joanna und Walter (Broderick) hakt an so manchen Stellen. Primärer Vorwurf von der männlichen Seite: sie würde zu viel Zeit und Schweiß in ihren Beruf investieren, dafür aber proportional weniger in die Beziehung (nur so als Anhaltspunlt: die Beiden hatten seit ungefähr einem Jahr keinen Sex mehr). Joanna, frisch gekündigt und einem Nervenzusammenbruch gefährlich nahe, lässt sich von Walter dazu überreden, in eine andere Stadt zu ziehen, raus aus der Großstadt New York in eine eher abgelegene Gegend - Ziel ist das wohlhabene und wunderbar unkomplizierte Stepford in Connecticut.
Regisseur Frank Oz, der neben Die Frauen von Stepford auch in The Score und Bowfingers Große Nummer Regie geführt hat, ist Yoda aus Star Wars und auch in Episode III zu sehen.
Für The Stepford Wives hatte er einen unwahrscheinlich hochkarätigen Cast zur Verfügung, allen voran sicher die wohl zu den populärsten weiblichen Schauspielerinnen der Gegenwart zählende Nicole Kidman, die hier wie immer eine makellose Leistung abliefert. Doch es wären noch weitere Darstellerinnen zu erwähnen, das heißt, vor allem zwei Frauen, die in Stepford schauspielerisch sowas von aufgehen, dass es eine reine Freude ist, ihnen zuzusehen: Glenn Close, schlicht wunderbar, die die Gattin des Kopfes von Stepford mimt. Überzeugt von allem, was diese Stadt ausmacht, und in keinster Weise bereit, auch nur eine Winzigkeit an Veränderung eindringen zu lassen, stürmt Glenn Close -stets heiter lächelnd und verspielt oder dümmlich kichernd- dem Zuschauer als menschlicher Roboter entgegen, um am Ende ihr wahres Gesicht zu zeigen. Einfach fantastisch. Bette Midler, ebenfalls gerade erst in Stepford eingezogen und so ganz das Gegenteil zu den blonden Modepüppchen, die den weiblichen Teil der Bevölkerung ansonsten ausmachen - neben Joanna natürlich. Midler spielt eine Schriftstellerin, deren Romane die wohl schrägsten Titel der Literaturgeschichte tragen. Auch sie stemmt sich vehement gegen das in Stepford herrschende Frauenideal, das man mit einem Wort erklären kann: altbacken. Doch rein darstellerisch liegen die Frauen in diesem Film eindeutig vorne, was definitiv nicht heißt, dass irgendeiner hier negativ auffällt und auch Christopher Walken macht seine Sache wieder einmal gewohnt gut, aber es ist eben das weibliche Dreiergespann um Nicole Kidman, Glenn Close und Bette Midler, das The Stepford Wives angenehm brillant dominiert.
Gerade erst die neue Villa bezogen, wird Joanna schnell klar, dass etwas nicht stimmen kann mit der Stadt Stepford, in der es keine Kriminalität, keinen Lärm und keinen Schmutz gibt. Allein die Schriftstellerin Bobby (Midler) und der schwule Dave (Bart) scheinen "normal" zu sein. Es beginnt eine stille Suche, ein leises Schnüffeln nach den Geheimnissen um Stepford, wozu sie auch genügend Gegelegenheiten haben, denn tagsüber verbringen die Männer die meiste Zeit in einem nur für sie zugelassenen Club, wo sie Whiskey trinken, Zigarren rauchen, Videospiele spielen und Wettkämpfe mit jeglicher Form von technischen Geräten starten, während ihre Frauen Staub saugen, Fenster putzen, Einkaufen gehen oder sich im ruhigen "Literaturkreis" treffen, um über die neueste Modezeitung oder Schmuckkollektion zu tratschen - der Film Die Frauen von Stepford verfolgt die gängigen Klischees, verpackt diese in eine sowohl humorvolle, als auch angehaucht dramatische (eher leichte Kost, was aber nicht negativ zu werten wäre, denn so erhalten wir eine Form von Dramatik, die eher unterschwellig und angenehm ist und nicht auf bewegende Bilder oder Dialoge, sondern auf eine Aussage setzt) Kiste und schenkt jedem Zuschauer somit ein rundherum gelungenes, typisches Hollywoodprodukt.
Die Musik ist ohne Ausnahme passend zum Inhalt und zum gesamten Setting von Stepford und seinen Bewohnern, also dem generellen 70er Jahre-Stil, gewählt. Der Score rundet somit vortrefflich ab.
Wer nun einen dem Original nahe kommenden Thriller erwartet liegt falsch und würde sicher enttäuscht werden, denn das ist der Film schlicht und einfach nicht. Hierbei handelt es sich um Comedy und untermalende Dramatik, die sich in der Moral des Films äußert. So ist es demnach nur verständlich, dass der Film eben eher auf diese Ironie, diese nicht zu übersehende Abnormalität der Frauen von Stepford setzt, nicht auf Gänsehautszenen und ständige Spannung. Wer den Film hinsichtlich seines Originals bewertet, macht einen Fehler, ganz eindeutig, man kann ihn sicher vergleichen (oder sollte auch, denn immerhin ist es ja ein Remake), den Vorreiter aber nicht in die Bewertung mit einbringen und das im Jahr 2004 entstandene Produkt als losgelösten eigenen Film betrachten.
Nicole Kidman musste die Dreharbeiten zu dem Politthriller Die Dolmetscherin - The Interpreter (Review) im Zuge einiger Extrashootings für Die Frauen von Stepford um einige Tage unterbrechen.
Um an das Original zu erinnern, hören wir zu Beginn des Films den Song 1975, das Jahr, in dem auch das Original The Stepford Wives anlief.
Kritik
Fragen sie sich einmal, wie sie sich das perfekte Leben vorstellen. Im Geheimen, wenn sie nicht dazu stehen wollen oder öffentlich, wenn es ihnen egal, was andere sagen. Selbst einige Frauen trauern dem gesellschaftlichen Ideal der damaligen Zeit entgegen, auch wenn es naheliegend erscheint, dass sich wohl mehr Männer mit dieser "Art zu leben" vereinbaren können.Die Frauen von Stepford (2004) ist ein Film, der allgemein unheimlich Spaß macht. Das detektivische Dreieck (Kidman, Midler und Bart), das hinter die Geheimnisse von Stepford kommen möchte, ist in jeder Sekunde lustig und kein einziges Mal überflüssig. Geniale Schauspieler (vor allem Schauspielerinnen), eine Geschichte ohne Längen und ein überraschendes Finale machen den Film zu einem netten, ansprechenden, humorvollen, aber in seiner Aussage dennoch wichtigen Popcornabendkino, das auch mehrfach zu wiederholen wäre.
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Regisseur
Schauspieler
Nicole Kidman, Matthew Broderick, Bette Midler, Glenn Close, Christopher Walken, Roger Bart, David Marshall Grant, Jon Lovitz, Dylan Hartigan, Fallon Brooking, Faith Hill, Matt Malloy, Kate Shindle, Tom Riis Farrell


