Oldboy
Inhalt
Ein südkoreanischer Rachefilm, der lose auf einem achtbändigen japanischen Manga basiert.Versetzen sie sich in diese makabre Situation. Jemand, irgendjemand, denn sie wissen definitiv nicht um wen es sich handelt, kidnappt sie und sperrt sie in ein Zimmer. Sie werden mit Essen und Kleidung versorgt, sogar, auch wenn es unter einer Art Narkose vonstatten geht, gewaschen. Aber die Fragen sind es, die sie Tag für Tag plagen; zum einen. Die Fragen nach dem warum - natürlich, denn wie lässt sich dieses abstruse Szenario mit Menschenverstand erfassen oder gar erklären? Zum anderen ist es die Zeit, die sie um den Verstand bringt. Jeder Tag, der vergeht, liefert dem in die Höhe wachsenden Fragezeichen Nahrung, das sich mit der verdammten Zeit auseinandersetzt und irgendwann müssen sie im Minutentakt rätseln, um den Nebel zu lichten, der sich über die Tageszeit gesenkt hat, gar über die Jahreszeit.
Regisseur Chan-Wook Park (Sympathy for Mr. Vengeance) hat akribische Arbeit geleistet, wenn es darum geht, einem Film von der ersten Sekunde an nicht nur Spannung zu verleihen, sondern ein Interesse in den Gedanken des Zuschauers zu wecken, dass man liebend gerne vorspulen möchte. Die Tatsache, dass nicht allzu viele Filmminuten verstreichen bis sich der Protagonist Oh Dae-Su (Min-Sik Choi) in seinem persönlichen Verlies befindet, wirkt unheimlich erhellend hinsichtlich der Frage: wie ziehe ich den Zuschauer in diesen buchstäblichen Bann. Die Antwort erscheint simpel. Eine schnelle und direkte Konfrontation ist scheinbar -und eigentlich ist es auch logisch- intensiver in ihrer Wirkung, als diese sorgsam zusammengewürfelten Einleitungsszenen, die eher ermüden, denn Lust auf das bekanntliche Mehr machen.
"Auch wenn ich schlimmer bin, viel schlimmer als jedes Tier, habe ich denn nicht wenigstens das Recht zu leben?"
Oh Dae-Su ist Geschäftsmann und Familienvater. Der Geburtstag seiner Tochter steht an, doch er muss auf einem Polizeirevier erst einmal seinen Alkoholrausch unter Kontrolle bringen. Die Engelsflügel, die er seiner Tochter schenken wollte, schnallt er sich in seiner wütenden Rage selbst um und liefert einen äußerlich humorvollen Tanz, der aber auch etwas von seiner Seele preiszugeben scheint. Das Bild ist irgendwie surreal, es wirkt unecht, sticht sich auf einer Ebene aus, die im Endeffekt wieder darauf deuten lässt, dass so möglicherweise das Leben von Oh Dae-Su aussieht. Was ich meine ist folgendes: Chan-Wook Park schafft eine Atmosphäre, liefert bereits diese Menge an Dramatik, die uns zu verstehen gibt, dass es sich hier -in Oldboy- nicht um einen reinen Actionfilm handelt.
Die grobe Struktur ist sicher der Rachefeldzug, auf den uns das Filmplakat, beziehungsweise der Hammer auf dem Poster und das dazugehörige wutverzerrte Gesicht der Hauptfigur, schon eindrucksvoll aufmerksam macht. Die handlungstragende Figur ist Opfer einer speziellen und unwahrscheinlich grausamen Art von Folterung, die weniger physischer, dafür aber, was in gewissen Fällen schlimmer sein wird, seelischer, also psychischer Natur ist. Denn bedenken sie das Schicksal: nicht nur sein individuelles Schicksal steht hier im Vordergrund, nein, vielmehr die Tatsache, dass er für Jahre brutal aus dem Leben seiner Frau und seiner Tochter gerissen wurde; der familiäre Aspekt ist ausschlaggebend.
Es vergehen geschlagene 15 Jahre, die er ohne jeglichen menschlichen Kontakt in einem eizigen Zimmer verbringt - dem Verlies seiner Vergangenheit.
Oh Dae-Su bearbeitet die Wände des Raumes, der ihn Tag für Tag umzingelt, mit den bloßen Fäusten, möglicherweise um sich zu beschäftigen, eine Art Eigentherapie, doch ein anderer Beweggrund drängt sich mehr auf. Aus seinen gealterten Fäusten sollen stählerne Waffen werden, Waffen, die ihm den Weg seiner Rache ebnen. Und noch immer weiß er nicht, wer den Schatten seines Peinigers trägt.
"Den Geschmack von 15 Jahren werde ich nie vergessen"
An dieser Stelle sollte auch mal ein beträchtliches Lob an die asiatische Filmbranche gerichtet werden. Ergebnisse wie Arahan oder auch die Horrorfilme The Grudge und The Ring haben unser Interesse inzwischen mehr als geweckt und ich bin mir sicher, nein ich weiß, dass dieser Anstieg noch lange kein Ende gefunden hat; vielmehr ist es so, dass aus jenem Interesse in vielen Genreliebhabern längst oder in baldiger Zukunft eine Leidenschaft aufkeimt. Der asiatische Film, besonders diejenigen Exemplare, die aus dem südkoreanischen Raum zu uns herüberschwappen, ist nicht nur auf einem guten Weg.
Die einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein Fernseher, und das aus gutem Grund. Denn eines Tages erfährt er, dass seine Frau ermordet wurde, er sieht Bilder seiner Heimat, Bilder, die ihn erinnern lassen... und Bilder, die ihn Trauern lassen und das Gefühl, es der Bestie, der ihm all dies angetan hat, heimzuzahlen, wächst unerbittlich.
Nach fünfzehn Jahren das plötzliche Ende und Oh Dae-Su findet sich auf dem Dach eines Hochhauses wieder. Er ist nicht allein. Ein geheimnisvoller Mann (Dae-Yun Lee) steht auf der Brüstung, scheinbar zum Sprung bereit; die Geschichte wirkt surreal. Dann erhält er von dem Fremden, nachdem er ihn gedrückt, berührt, mit ihm gesprochen hat (Sehnsüchte einer langjährigen Isolierung), ein Portemonnaie, das nicht minder mit Geldscheinen bestückt ist, sowie ein Mobiltelefon. Freiheit liegt vor ihm und verhält sich doch wie ein erneutes Gefängnis, denn in fünfzehn Jahren hat er es fast verlernt, sich wie ein Mensch zu benehmen, die Anwesenheit anderer Menschen richtig einzuordnen... auf den Punkt gebracht - Oh Dae-Su ist derjenige, der sich fremd fühlt, unsicher des eigenen Verhaltens wegen.
Am 2. September im Jahr 2004 feierte der Film Oldboy seine Deutschlandpremiere, doch ob er nun die subjektiven Meinungen des Publikums angesprochen hat oder nicht, so war er dennoch auf den Filmfestspielen äußerst erfolgreich und heimste bei den internationalen Filmfestspielen in Cannes den großen Preis ein; und doch wurde er von der französischen Presse regelrecht zerrissen und auf einen brutalen Actionfilm reduziert, einem Genreverständnis, das Oldboy in keinster Weise nahe kommt.
Neben der herausragenden schauspielerischen Leistung des Hauptdarstellers Min-Sik Choi und der Geschichte an sich ist vor allem die Filmmusik unheimlich lobend zu erwähnen. Man muss gar nicht allzu viel dazu sagen, um den Zuschauer erst gar nicht auf eine bestimmte Fährte zu bringen, die im Endeffekt nicht stimmt, es reicht, wenn ich ihnen hiermit versichere, dass sie sich auf die Musik im Speziellen freuen dürfen.
Kritik
Das Fazit fällt durchweg positiv aus. Oldboy ist ein grandioses Filmerlebnis, eine seriöse Mischung aus Drama und Action, teilweise recht brutal, doch wen dies nicht stört, der wird ein angenehmes Treffen mit Oldboy haben, sowohl in visueller als auch in inhaltlicher Hinsicht.Übrigens: wie so oft ist auch eine amerikanische Version unter der Leitung von Justin Lin geplant - Oldboy (US-Remake).
Jetzt kommentieren? / 0 Kommentare
Regisseur
Schauspieler
Min-Sik Choi, Ji-Tae Yoo, Hye-Jung Gang, Dae-Han Chi, Dal-Su Oh, Byoung-Ok Kim, Seung-Shin Lee, Jin-Seo Yoon, Dae-Yun Lee, Tae-Gyung Oh, Yeon-Suk Ahn, Il-Han Yoo


