Der weiße Hai
Der weiße Hai
Der weiße Hai (engl. Jaws, wörtlich „Kiefer“) ist ein US-amerikanischer Spielfilm von 1975, der unter der Regie von Steven Spielberg gedreht wurde. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Peter Benchley, der darin Vorfälle an New Jerseys Küste im Jahre 1916 verarbeitet. Zusammen mit dem zwei Jahre später erschienenen Krieg der Sterne läutete der Film die Ära des Blockbuster-Kinos in Hollywood ein und gilt bis heute als einer der besten Thriller. Der Film schildert die mörderischen Attacken eines gigantischen Hais, der einen beliebten Badestrand terrorisiert. Drei Männer jagen das Tier auf hoher See.
Handlung
Nach der tödlichen Attacke eines weißen Hais auf eine junge Schwimmerin drängt Polizeichef Martin Brody auf eine Schließung der Strände des fiktiven Seebades Amity. Er stößt jedoch bei der Stadtverwaltung auf taube Ohren, weil der Bürgermeister befürchtet, ein menschenfressender Hai könne dem Tourismus schaden. Erst nachdem drei weitere Menschen dem Hai zum Opfer fallen und auch Brodys ältester Sohn den Kiefern des Hais nur knapp entrinnt, beschließt der Polizeichef, den Hai gemeinsam mit dem Meeresbiologen Hooper und dem Haifänger Quint zur Strecke zu bringen.
Trotz Brodys Abneigung gegen Wasser, Quints Abneigung gegen Hooper und Hoopers Abneigung gegen Haijagden gelingt es den Dreien, den Hai aufzuspüren, der das Boot dann scheinbar gezielt aufs Meer lockt und immer wieder angreift. Nachdem Hooper in einem zu Wasser gelassenen Haikäfig die Flucht antreten musste, wird Quint Opfer des Hais. Brody kann den Hai schließlich töten, indem es ihm gelingt, dem Hai zunächst eine Druckluftflasche zwischen die Zähne zu schieben und diese bei einem weiteren Angriff durch einen Gewehrschuss zur Explosion zu bringen.
Entstehungsgeschichte:
1916 ereignete sich bei New Jersey eine Haiunfallserie mit fünf Opfern. Heute ist man sich ziemlich sicher, dass damals mindestens vier verschiedene Haie und davon zwei verschiedene Arten (Weiße Haie und Bullenhaie) beteiligt waren, da der Bissradius an den Opfern verschieden groß war und drei der Unfälle sich in einem Fluss ereigneten. Damals aber setzte sich für lange Zeit der Irrglaube durch, dass nur ein einzelner Hai der "Täter" war und dieser sich auf Menschen spezialisiert hatte. Für Peter Benchley, den Autoren der Romanvorlage, boten diese Geschehnisse, neben weiteren Unfallserien und der damaligen These von dem Einzeltäter, die erste Inspiration. Er war fasziniert von dem Gedanken an einen riesigen Killerhai, der ortstreu war und es auf Menschen absah.
Benchley machte dann in den 1960er-Jahren für eine Zeitschrift ein Interview mit einem populären Haifischer (Frank Mundus), der gerade vor New Yorks Küste einen großen, zwei Tonnen schweren Weißen Hai erlegte. Mundus ging mit der Harpune auf Haijagd. Quints Boot, die „Orca“, war ein identischer Nachbau von Mundus „Cricket II“. Einziger wesentlicher Unterschied zwischen Quint und Mundus ist, dass Mundus nie auf der U.S.S Indianapolis diente, wie Quint im Roman.
1970/71 fand Benchley einen Verleger, der ihn bezahlte. Und so begann er zu schreiben und die Erfolgsstory nahm einen Anfang. Benchley hatte eine spannende Geschichte geschrieben und geschickt Phantasie und Reales miteinander vermischt. Das Buch wurde zu einem Erfolg.
Hintergründe zum Film:
Die Produzenten Dick Zanuck und David Brown waren begeistert von dem Buch und wollten unbedingt die Rechte an der Geschichte kaufen, egal was es gekostet hätte, wie sie meinten. Sie taten dies auch, obwohl sie wussten, dass diese Geschichte alles andere als einfach zu verfilmen sein würde und sie keine konkrete Idee von der Umsetzung hatten. Da sie auch schon Spielbergs zweiten Spielfilm Sugarland Express produziert hatten, war die Frage nach dem Regisseur schnell geklärt. Spielberg las das Buch und war ebenfalls begeistert, da er es auch als eine Unterwasserfortsetzung seines Filmes Duell ansah.
Benchley arbeitete sein Buch in ein Drehbuch um und gab es Spielberg. Howard Sackler wurde noch mit eingebunden und änderte die Handlung so, dass Spielberg überzeugt war und für dieses Filmprojekt unterschrieb. Für einzelne Szenen wurden die Dialoge dann später von weiteren Personen umgeschrieben bzw. erweitert: von John Milius und dem Schauspieler Robert Shaw, der Quint spielt. Spielberg hatte die Rolle des Haifängers Quint zunächst Lee Marvin angeboten, der jedoch abgelehnt hatte.
Um den Hai glaubwürdiger präsentieren zu können, wurden die weltbekannten Haifilmer Ron und Valerie Taylor engagiert, welche vor Australien echte Haiaufnahmen machen mussten. Die Haie sind dort in der Regel aber „nur“ 4-5 Meter lang, während der Filmhai eine Größe von 7-8 Metern aufwies. Dadurch ergab sich ein Problem, da bei einer Szene ein Mensch im Käfig sein musste und dann der Größenunterschied der Haie zu auffällig gewesen wäre. Spielberg schlug vor, einen kleinen Käfig zu bauen und einen kleinwüchsigen Mann dafür zu engagieren. Dieser hatte jedoch keine Taucherfahrung und zudem große Angst. Schließlich klappte es dann aber doch noch.
Die Taylors hatten weiterhin den Auftrag, eine Aufnahme zu liefern, in der ein Hai den Käfig attackiert. Es verging über eine Woche ohne auch nur eine im Ansatz brauchbare Aufnahme. Zufällig schwamm dann ein großer weißer Hai über den leeren Käfig hinweg und verfing sich in der Kette, die den Käfig mit dem Boot verbunden hatte. Der Hai geriet in Panik und versuchte sich mit aller Kraft aus der misslichen Lage zu befreien. So kamen die gewünschten Aufnahmen zustande. Da bei dieser Aufnahme der Käfig leer war, änderte man das Drehbuch entsprechend ab.
Der Effekt bei der Anfangsszene, als die Schwimmerin vom Hai hin und her gezerrt wird, entstand, indem der Schauspielerin ein Kabel um die Hüften gebunden wurde. Das Kabel ging in zwei Richtungen und wurde an den Enden von mehreren Leuten gehalten. Bei der Szene rannten diese am Strand hin und her.
Die Szene, als der Mann in der kleinen Bucht im Ruderboot dem Hai zum Opfer fällt, war anfangs anders gedreht worden. Ursprünglich befand sich der Mann blutüberströmt im Maul des Hais, wurde von ihm einige Meter mitgeschleift und hielt dabei den Sohn von Chief Brody in den Händen, bis der Hai mit seinem Opfer abtauchte. Spielberg änderte diese Szene jedoch ab, da er sie für zu blutrünstig und geschmacklos hielt und sie somit nicht zum ersten Drittel des Films passe.
Erwähnenswert ist auch die Szene, bei der man den Hai zum ersten Mal richtig zu sehen bekommt. Der Chief wirft Blut und Fischabfälle ins Meer, um den Hai zu ködern. Dabei reißt er einen flotten Spruch, welcher der allgemeinen Entspannung dient, als plötzlich der Hai unerwartet hinter dem Chief auftaucht und Kopf über Wasser umher schnappt. Der Chief bemerkt ihn, bewegt sich schockiert und langsam rückwärts Richtung Quint und sagt dabei den legendären Satz: Wir werden ein größeres Boot brauchen. Dieser Satz sei von Scheider improvisiert gewesen und wurde zur Filmzitatlegende.
Einen Zwischenfall gab es bei der Szene, als die Fässer von dem Hai Richtung Orca gezogen werden. Das Motorboot, das die Fässer in Wirklichkeit zog, fuhr zu schnell und riss die Vorrichtung, welche für diesen Trick an der Orca befestigt war, mitsamt der Planke aus dem Rumpf. Dies hatte zur Folge, dass Wasser in die Orca strömte und das Boot langsam zu sinken begann.
Der künstliche Hai (von der Filmcrew Bruce genannt. Spielbergs Anwalt hieß Bruce) wurde vom Disney-Trickexperten Robert A. Mattey konstruiert. Ein Angebot der Toho Company Japan (Godzilla), mit Miniaturmodellen zu arbeiten, wurde abgelehnt. Der mechanische Hai sollte im Film zunächst öfter zu sehen sein, aber er erwies sich als störanfällig und war praktisch die ganze Zeit funktionsunfähig. Unterstützt von der suggestiven Musik von John Williams konnte der Regisseur mit der dann gewählten Erzählstrategie das Bedrohungsgefühl sogar noch steigern. Erst im Finale des Films ist der Hai minutenlang zu sehen.
Am Ende des Films, als die Überreste des Hais langsam zum Grund sinken, baute Spielberg das genau gleiche gurgelnde Geräusch ein, wie er es auch schon am Ende von „Duell“ tat, als der Truck in die Schlucht stürzte.
Der weiße Hai gilt sowohl als einer der Klassiker des Horror- als auch des Actionfilms. Er ist unter anderem im Kontext der Rache-der-Natur-Welle der 70er-Jahre zu sehen, deren andere Werke er jedoch nicht nur technisch, sondern vor allem auch in Bezug auf Erzählweise, Dramaturgie und Spannungserzeugung weit überragt.
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