Verfasst von Thorsten Meiritz am 24.09.07 22:44:45 - 2 Kommentare

Operation: Kingdom

The Kingdom

Moviereporter-Bewertung:
  • 4.5/6 Sterne.
Leserwertung (8): 4.37 / 6

Land USA

Genre Action, Drama, Thriller

Laufzeit: 110

Jahr 2007

Webseite
Trailer

Kinostart: 11.10.2007
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Inhalt

Packendes Actiondrama mit oscarprämierter Starbesetzung und brisanter Thematik.

Es ist ein schöner Tag in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad. In einer abgeschotteten amerikanischen Wohnsiedlung findet gerade ein Baseballspiel statt, als plötzlich Terroristen einen Polizeiwagen in ihre Gewalt bringen und wahllos auf Häuser und Menschen feuern. Als sich ein weiterer, als Polizist verkleideter, Terrorist in die Luft sprengt, sterben unzählige unschuldige Menschen, darunter viele Kinder. Noch am selben Abend, während die Aufräumarbeiten in vollem Gange sind, geschieht das Unfassbare: ein weiterer verheerender Sprengsatz zündet und reist viele weitere Menschen in den Tod, darunter auch vor Ort ermittelnde FBI-Beamte. Das blutige Fazit dieses Tages: mehr als 100 Tote und weit über 200 zum Teil schwer Verletzte.
Normalerweise fallen amerikanische Staatsbürger, die auf ausländischem Grund und Boden zu Schaden kommen, in den Zuständigkeitsbereich des FBIs. Diesmal ist die Lage jedoch weitaus heikler als üblich, denn die amerikanische Regierung will sich nicht in die saudi-arabischen Angelegenheiten einmischen, schließlich sind die Vereinigten Staaten vom arabischen Öl abhängig. FBI-Agent Ronald Fleury (Jamie Foxx), will sich damit jedoch nicht abfinden, denn sein guter Freund kam bei der Anschlagsserie ums Leben. Er macht einige seiner Kontakte geltend und erhält schließlich die Genehmigung nach Riad zu fliegen. Begleitet wird er von dem Sprengstoffexperten Grant Sykes (Chris Cooper), von der forensischen Spezialistin Janet Mayes (Jennifer Garner) und dem Analytiker Adam Leavitt (Jason Bateman).
Schon bei der Ankunft weht ihnen ein rauer Wind entgegen, denn die einheimischen Ermittler wollen den Fall nicht aus der Hand geben, so dass das FBI-Team ständig bei Ermittlungsversuchen gebremst wird. Erst ein Gespräch mit dem saudischen Prinz gibt ihnen freie Hand. Unterstützung erhalten sie von Colonel Al Ghazi (Ashraf Barhom), der sie auf dem unbekanntem Terrain führt. Durch die Ermittlungsarbeit gerät das Team jedoch selbst ins Fadenkreuz der Terroristen…

Kritik

"The Kingdom", so der Originaltitel des Films, ist die englische Kurz-Bezeichnung für das Königreich Saudi-Arabien. Die Idee zum Film kam dem Schauspieler und Regisseur Peter Berg im Jahr 1996 nach dem verheerenden Anschlag auf die Khobar Towers in Khobar, Saudi-Arabien, bei dem 19 Amerikaner, sowie ein Saudi starben und 372 weitere Menschen verschiedener Nationalität verletzt wurden. Dieses Ereignis markierte einen der bis dato schlimmsten anti-amerikanischen Angriffe in dieser Region und den erstmaligen Versuch einer Zusammenarbeit zwischen dem FBI und Saudi-Arabischen Ordnungskräften. Berg hielt die Idee einer solchen Zusammenarbeit zwischen Polizeikräften verschiedener Kulturen und Religionen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, für einen interessanten Filmstoff. Tragischerweise hatte er nach einem weiteren Anschlag in Saudi-Arabien im Jahr 2003 die Möglichkeit vor Ort für seinen Film zu recherchieren. Seine Filmidee wurde von Autor Matthew Carnahan in ein konkretes Drehbuch umgemünzt. Dieser setzte sich für Recherchezwecke mehrmals mit Sprengstoffspezialisten und Anti-Terrorexperten des FBI zusammen. Die Agenten berichteten ihm aus erster Hand von ihren Erfahrungen über die Anschläge in Khobar, im Jemen, auf die U.S.S. Cole und die Attentate auf die U.S. Botschaften in Nairobi und Daressalam. Dadurch war er in der Lage sein Drehbuch so authentisch wie möglich zu gestalten.

Herausgekommen ist eine Mischung aus Actiondrama und Rachethriller, gepaart mit einer politisch brisanten Thematik. Dabei ergreift der Film allerdings keine Partei, sondern sucht die Schuld auf beiden Seiten, so dass es nicht zur klassischen Rollenverteilung zwischen Gut und Böse nach dem amerikanischen Selbstverständnis kommt, was besonders durch die finale Szene des Films deutlich wird. Gewalt erzeugt Gegengewalt und Hass schürt noch stärkeren Hass, so lange man nach der Devise Auge um Auge und Zahn um Zahn verfährt. Wie bereits erwähnt wird Authentizität groß geschrieben, denn sowohl die gewaltigen Explosionen, als auch die Feuergefechte sind an Realismus kaum zu überbieten. Letztere haben mich persönlich zeitweise an die äußerst realistischen Feuergefechte in "Black Hawk Down" erinnert. Ein besonderes Highlight in punkto Action ist sicherlich der furiose etwa 20-minütige Showdown des Films. Für einige Zuschauer wird jedoch sicherlich die oftmals verwackelte Kameraführung à la "Bourne" störend sein, die auf den, in jüngster Vergangenheit immer beliebter werdenden, Einsatz von Handkameras zurückzuführen ist. Hierbei hat sich Berg scheinbar Rat bei Regieass Michael Mann geholt, der als Produzent des Projekts in Erscheinung tritt. Mit Hilfe dieses Stilmittels soll der Zuschauer noch stärker in das Geschehen eingebunden werden und alles hautnah miterleben. Für die Kameraarbeit war im Übrigen Mauro Fiore zuständig, der schon in solch erfolgreichen Filmen wie "The Island", "Tears of the Sun" oder auch "Training Day" für diese Arbeit verantwortlich zeichnet. Neben der Action und den politischen Verwicklungen fühlt man sich in einigen Passagen des Films an die "CSI" Serien erinnert, besonders wenn die forensische Spezialistin Meyes bei ihrer Arbeit gezeigt wird. Wer allerdings von "Operation: Kingdom" ein zweites "Syriana" erwartet, der ist an der falschen Adresse, denn die politischen Verwicklungen zwischen den USA und Saudi-Arabien spielen nur oberflächlich angekratzt. Der Film setzt eindeutig stärker auf die Actionkarte und das Aufeinanderprallen zweier unterschiedlicher Kulturkreise. Die Dreharbeiten fanden sogar teilweise im Nahen Osten statt, jedoch nicht in Riad, sondern in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, die damit erstmals für einen Filmdreh Pate stand. Viele Szenen wurden jedoch in Arizona, in der näheren Umgebung der Stadt Phoenix nachgestellt. Weitere Dreharbeiten fanden in Washington D.C. statt.

Die illustre Schauspielerriege wird von Oscarpreisträger Jamie Foxx angeführt. Er spielt den FBI-Agenten Ronald Fleury, der der Leiter des vierköpfigen Spezialistenteams ist, dass nur widerwillig die Genehmigung der U.S. Regierung für einen Geheimtrip nach Riad erhält. Fleury wird dabei von persönlichen Gründen angetrieben, denn er will Rache für seinen FBI-Freund, der bei dem Anschlag ums Leben kam. Durch diesen Todesfall wird seine Sichtweise auf den amerikanischen "Krieg gegen den Terror" nachhaltig verändert. Für die Filmemacher war schnell klar, dass sie Foxx für die Hauptrolle gewinnen wollten. Durch das Mitwirken von Michael Mann, der schon mehrmals mit dem afroamerikanischen Schauspieler zusammenarbeitete, stand die angestrebte Zusammenarbeit unter einem guten Stern. Mann händigte Foxx das Drehbuch schließlich am Set von "Miami Vice" aus und Foxx sagte nach dem Lesen sofort begeistert zu.
Unterstützung erhält Jamie Foxx von Chris Cooper, einem weiteren Oscargewinner. Er verkörpert den Veteranen und ist so etwas wie eine Vaterfigur für das Team. Grant Sykes ist ein Sprengstoffexperte, der von Bomben besessen ist und versucht Sprengstoffattentate nachzustellen, um den Tätern auf die Schliche zu kommen.
Damit ist die preisgekrönte Besetzungsliste jedoch noch nicht am Ende, denn mit Jennifer Garner und Jason Bateman sind zudem zwei Golden Globe Gewinner mit von der Partie. Sowohl Garner als auch Bateman haben bereits früher mit Regisseur Peter Berg zusammen gearbeitet. Garner, die mit der Actionserie "Alias" Erfahrung in diesem Genre sammelte, macht eine gute Figur als toughe FBI-Agentin und Forensikerin Janet Mayes. Bateman verkörpert den Analytiker Adam Leavitt und ist ein wenig für den Humor im Film verantwortlich.
Abgerundet wird die Riege der Hauptdarsteller durch zwei hervorragende israelischstämmige Schauspieler: Ashraf Barhom verkörpert Colonel Al Ghazi und Ali Suliman agiert als Sergeant Haytham. Sie sind die beiden wichtigsten Verbündeten des FBI-Teams und helfen bei der Aufklärung des Falls. Sowohl Barhom, als auch Suliman waren in dem preisgekrönten Drama "Paradise Now" zu sehen. Auch die Nebenrollen sind mit Jeremy Piven oder auch Danny Huston hochkarätig besetzt. Alle Schauspieler, die in Kampfsequenzen agieren, mussten zuvor ein Waffen- und Kampftraining absolvieren. Neben den Darstellern wurden mehr als 3000 amerikanische Statisten mit persischer, türkischer saudi-arabischer oder ähnlicher Abstammung engagiert um Polizisten, Soldaten oder Zivilisten zu spielen, bekleidet mit authentischer Kleidung, die eigens aus Arabien importiert wurde.

Die Musik des Films wurde von dem gefeierten Komponisten Danny Elfman beigesteuert. Sein melodischer Score tritt besonders in den Actionsequenzen eher in den Hintergrund zurück. Lediglich die ruhigen Passagen gehen direkt ins Ohr und erinnern zeitweise ein wenig an "Syriana". Abschließend möchte ich noch den innovativen Vorspann lobend erwähnen. Die Namen von Cast und Crew sind in eine Zeitleiste integriert, die die wichtigsten Ereignisse aus der gemeinsamen Geschichte der USA und Saudi-Arabiens schildert.

Fazit: "Operation: Kingdom" gelingt durchaus der Spagat zwischen gut inszeniertem Actionthriller und ansprechender Story. Zudem macht die tolle Besetzung den Film sehenswert. Die brisante politische Thematik ist gerade in heutiger Zeit aktuell. Allerdings wird der Film nicht jedem Zuschauer schmecken, da er nicht die klassische amerikanische Sicht der Dinge auf den "Krieg gegen den Terror" einnimmt.

Jetzt kommentieren? / 2 Kommentare

  1. eddy

    eddy / 11.03.2008 17:10:25

    Fand den Film ja nicht mal so schlecht.Ist aber schon ein heikles Thema.War schon ein bisel viel Ami Propaganda dabei.


    nicht bewertet

  2. Kai

    Kai / 25.04.2008 11:04:37

    Das Ende war immernoch ziemlich genial mit dem Dialog. Hatte vorallem was wahres.
    5/6


    5 Sternen


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