Verfasst von Thorsten Meiritz am 23.02.07 22:07:52 - 4 Kommentare

Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht

The Last King of Scotland

Moviereporter-Bewertung:
  • 5.5/6 Sterne.
Leserwertung (11): 4.90 / 6

Land USA, Großbritannien

Genre Drama, Historie, Thriller

Laufzeit: 123

Jahr 2006

Webseite

Kinostart: 15.03.2007
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Inhalt

Forest Whitaker in einer elektrisierenden Charakterstudie über einen der brutalsten Diktatoren unserer Zeit – Idi Amin.

Schottland, 1970. Der junge Arzt Nicholas Garrigan (James McAvoy), hat gerade seinen Doktortitel erworben, doch gemeinsam mit seinem Vater will er nicht praktizieren. Vielmehr zieht es ihn in die Ferne. Er will Abenteuer in einem fremden, exotischen Land erleben und dort helfen, wo seine Hilfe dringender benötigt wird. So verschlägt es ihn in eine Krankenmission in Uganda – ein Land, dass sich bei seiner Ankunft gerade im Umbruch befindet, denn der alte korrupte Machthaber wurde von den Militärs unter der Führung von General Idi Amin (Forest Whitaker) abgelöst – ein Mann fürs Volk wie es landläufig heißt. Unterstützung erhielt Amin dabei von den Briten, denen der pro-kommunistische Ex-Machthaber ein Dorn im Auge war.
Eines Tages wird Garrigan zu einem Unfall gerufen, in den auch Präsident Amin verwickelt ist. Dabei hinterlässt der junge Arzt einen bleibenden Eindruck bei dem Staatsoberhaupt. Amin engagiert ihn kurzerhand als Leibarzt für sich und seine Familie. Dadurch dringt Garrigan immer weiter in den Dunstkreis Amins und damit ins Zentrum der Macht vor. Er kann nun hinter die Fassade blicken, die der charismatische Diktator aufgebaut hat, der nach außen stets freundlich, charmant und volksnah wirkt und es versteht die Massen zu verführen. Doch hinter dieser Maskerade verbirgt sich eine zutiefst verstörte Seele, denn Amin wird von Verfolgungswahn und Depressionen geplagt. Seine Feinde und Regimegegner lässt er kurzerhand beseitigen. Vor den Gräueltaten verschließt Nicholas zunächst jedoch einfach die Augen. Er lebt ein Leben in Saus und Braus, wilde Partys, teure Autos, leichte Mädchen – er ist von Amins Lebensstil einfach fasziniert und gerät immer mehr in seinen Bann. In der Zwischenzeit ist er zu einem der wichtigsten Berater des Präsidenten aufgestiegen.
Immer mehr Menschen verschwinden spurlos und Amin verliert mit der Zeit mehr und mehr sein Ansehen – besonders bei der ausländischen Presse ist er als Schlächter verschrien. Nicholas plagt mehr und mehr sein schlechtes Gewissen, da ein Teil dieser brutalen Maschinerie geworden ist. Zu allem Übel lässt er sich auf einer der Partys auch noch mit Kay (Kerry Washington), einer von Amins Frauen ein. Nicholas steckt in der Klemme und er sieht nur einen Ausweg: er muss fliehen und das Land verlassen…

Kritik

"Ich selbst halte mich jedenfalls für den mächtigsten Mann der Welt" – Idi Amin.

Idi Amin, ein Name den nicht jeder auf Anhieb kennen wird und doch war er einer der brutalsten Diktatoren unserer Zeit. In dem 1970er Jahren stürzte er Uganda in eine Katastrophe und war während seiner Regierungszeit für den Tod von geschätzten 300.000 Ugandern verantwortlich – eines der grausamsten Terrorregime Afrikas. Er gesellt sich somit historisch Gesehen zu fanatischen Diktatoren wie Hitler, Stalin oder auch Pol Pot, um nur einige zu nennen. Aber Amin war doch anders – eine äußerst kontroverse historische Figur.
Der Ex-Boxer stammte aus armen Verhältnissen und bahnte sich langsam seinen Weg nach oben. Ein wichtiger Meilenstein dabei war das britische Militär, in dem er lange Zeit diente. Und die Briten waren es auch, die ihm bei seinem erfolgreichen Putsch 1971 gegen Machthaber Milton Obote unterstützten. Mit seinem unbändigen Stolz und seinem einigartigen Charisma machte Amin die Welt glauben, dass er in der Lage sei, dass erst kurz zuvor unabhängig gewordene Uganda zu einer echten afrikanischen Nation zu machen. Er erhielt weltweit Unterstützung nach seinem geglückten Staatsstreich und selbst das britische Außenministerium bezeichnete ihn als "vorzüglichen Mann und… guten Fußballer". Doch sie alle sollten sich täuschen, denn hinter der strahlenden Fassade steckte ein sehr ver- und gestörter Mann. Er war zutiefst paranoid, wurde von Verfolgungswahn und Depressionen geplagt, er vertraute lediglich seinen engsten Beratern und selbst diesen nur sehr argwöhnisch. Seine politischen Gegner oder Kritiker ließ er einsperren oder beseitigen. Die Rede von grausamer Folter und gar Akten von Kannibalismus machte besonders in der ausländischen Berichterstattung die Runde – Amin geriet mehr und mehr in Verruf. Seine Fassade begann immer stärker zu bröckeln und plötzlich zeigte sich seine gefährliche Seite, denn er wurde zum extremen Nationalisten und wies 50.000 in Uganda lebende Asiaten aus, weil sie seiner Meinung nach sein Land ausbeuteten. Er begann kleine Gefechte mit Nachbarstarten zu führen und er unterstützte sogar die PLO bei einer Flugzeugentführung. Im Laufe seiner Amtszeit steigen Inflation und Armut immer stärker an, so dass es zu bewaffneten Aufständen und Putschversuchen kommt. 1979 flieht Amin schließlich ins Exil, wo er 2003 verstirbt.

Forest Whitaker verkörpert mit einer wahren Glanzleistung die Rolle des kontroversen Diktators. Er versteht es als Verführer der Massen zu agieren und seinen Charme spielen zu lassen, so dass man sich als Zuschauer wirklich in seinen Bann ziehen lässt. Alle anderen Facetten dieses vielschichtigen Charakter stellt er ebenfalls gekonnt dar. Ohne mit der Wimper zu zucken gelingt es ihm von einem Extrem seines Charakters ins Andere zu fallen, ohne Vorwarnung. Zudem stimmt auch seine äußere Erscheinung erstaunlich genau mit der des ugandischen Ex-Diktators überein, wie Archivaufnahmen am Ende des Films zeigen – kein Zweiter hätte diese Rolle so perfekt ausfüllen können. Der 45-jährige afroamerikanische Schauspieler wurde für seine Rolle, für die er nebenbei erwähnt sogar Suaheli lernte, bisher mit Preisen überhäuft: er gewann unter anderem den BAFTA-Award, den SAG-Award und auch den Golden Globe. Zu Recht erhielt er auch eine Nominierung der Academy of Motion Pictures Arts and Sciences für die diesjährige Verleihung des Oscars. Alles andere als ein Sieg Whitakers wäre gelinde gesagt eine Überraschung, wenn nicht sogar eine Enttäuschung, denn seine Darbietung ist wirklich phänomenal. Wer noch mehr über Whitaker wissen möchte, den weise ich an dieser Stelle auf unser Personenspecial hin.

So viel zum wahren Teil des Films, der auf dem gleichnamigen Roman des Autors Giles Foden basiert. Die Inspiration für den Titel "The Last King of Scotland" erhielt er von einer weiteren Aussage des Diktators, der sich selbst einmal so bezeichnete Den tatsächlichen Begebenheiten und der realen Figur Idi Amins fügte Foden mit dem jungen schottischen Arzt Nicholas Garrigan eine fiktive Figur hinzu. Diese wurde auf der Grundlage mehrerer westlicher Personen erschaffen, die Idi Amin tatsächlich nahe waren, zum Beispiel einem britischen Ex-Soldaten, der als einer der engsten Vertrauten des Diktators galt und Amin hatte tatsächlich einen schottischen Leibarzt. Dank der Figur des Nicholas Garrigan kann der Zuschauer sich auf eine Reise in das Zentrum eines der am meisten gefürchteten Terrorregime Afrikas begeben. Anfangs sollte es einfach eine Reise in ein exotisches Land werden, voller Abenteuer, Spaß …und Frauen. Zudem will der ehrgeizige, idealistische junge Arzt lieber an einem Ort helfen, an dem die Menschen wirklich Not leiden. So fällt seine Wahl auf Uganda. Als er dort ankommt hat General Idi Amin gerade einen erfolgreichen Staatsstreich durchgeführt. Garrigan besucht eine der Reden Amins und ist sofort von ihm und seinen Vorstellungen und Ideen begeistert. Als er Amin durch einen Unfall genauer kennen lernt und dieser ihn als persönlichen Leibarzt engagieren möchte und ihn sogar bittet bei dem Aufbau eines neuen Gesundheitssystems behilflich zu sein, kann der junge Arzt gar nicht anders, als dieses Angebot anzunehmen. Er lässt sich wie alle Anderen von Amins charmanter Art und seinem berauschenden Lebensstil blenden. Zu spät erkennt er die wahre, psychisch gestörte und gefährliche Natur Amins. Zu allem Überfluss fühlt er sich auch noch zu einer von Amins Frauen hingezogen. Als diese von Nicholas geschwängert wird ist es bereits zu spät. Amin bekommt Wind von der Affäre und nimmt grausame Rache an Garrigan. Wird es ihm trotzdem gelingen aus dessen Fängen zu entfliehen…?

Die Rolle des jungen Schottischen Arztes spielt der aufstrebende schottische Darsteller James McAvoy. Dieser wirkte in der Fantasyverfilmung "Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia" mit und wurde so einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Nun glänzt er in der Rolle des idealistischen lebensfrohen Arztes, der sich in einem Alptraum wieder findet. McAvoy füllt hierbei jedoch nicht nur die Rolle des Erzählers aus, sondern er ist mittendrin im Geschehen und wird ein Teil der Handlung, obwohl er eine fiktive Figur verkörpert. Auf diese Weise folgt ihm der Zuschauer bereitwillig in die "Fänge der Macht". Seine Naivität, seine Selbstherrlichkeit und seine Eitelkeit machen ihn ohne Absicht zum Mittäter und am Ende richtet er viel mehr in Uganda an, als er jemals beabsichtigt hatte.

In weiteren Nebenrollen sind unter anderem Gillian Anderson, dem deutschen Publikum sicherlich aus "Akte X" bekannt und Kerry Washington zu sehen.

In Szene gesetzt wurde dieses politische Drama, das gleichzeitig eine faszinierende Charakterstudie ist, von dem als Dokumentarfilmer bekannt gewordenen schottischen Regisseur Kevin Macdonald. Dieser erhielt für seinen Film "Ein Tag im September", die großartige Dokumentation der Ereignisse bei den Olympischen Spielen 1972 in München, im Jahr 1999 einen Oscar in der Kategorie "bester Dokumentarfilm". Nun begibt er sich erstmals gekonnt auf Spielfilmterrain. Dabei greift er auf einen narrativen Erzählstil, sowie eine ruhige Kameraführung zurück. Trotz der Schilderung eines gefürchteten Terrorregimes verzichtet er beinahe vollständig auf die Darstellung von expliziter Gewalt. Er deutet sie vielmehr subtil an, durch das Verschwinden von Menschen oder die Andeutung von Brutalität, was jedoch auf den Zuschauer nicht minder aufwühlend wirkt. Explizite Gewalt zeigt er nur an zwei oder drei Schlüsselstellen des Films. Macdonald war es besonders wichtig, dass der Film an Originalschauplätzen in Uganda realisiert wird. Hierfür benötigte er die Zustimmung und Unterstützung der Bevölkerung und natürlich auch der Regierung des Landes. Beides erhielt er letztendlich. Das Filmteam stellte während der Dreharbeiten jedoch auch fest, dass es in Uganda noch immer Anhänger oder Sympathisanten Amins gibt. Die Originalschauplätze in Uganda tragen einen großen Teil zu der perfekten Atmosphäre des Films bei.

Ein weiterer Pluspunkt des Films ist seine schöne Musik. Der Soundtrack bietet einen tollen Mix aus afrikanischen Klängen, sowohl rhythmische, die zum Tanzen anregen, als auch schöne, berührende Balladen. Hauptdarsteller Forest Whitaker hat ebenfalls zwei Stücke beigesteuert, denn das Multitalent hat sich während der Studienzeit neben der Schauspielerei auch mit der Musik beschäftigt und eine Ausbildung zum Sänger genossen.

Fazit: Kraftvolles politisches und menschliches Drama, eine einzigartige elektrisierende Charakterstudie – "Der letzte König von Schottland – in den Fängen der Macht" vereint beides miteinander. Die hervorragende Performance der beiden Hauptdarsteller, besonders aber die von Forest Whitaker als Idi Amin, machen aus der guten Story vollends einen filmischen Hochgenuss.

Jetzt kommentieren? / 4 Kommentare

  1. Veremar

    Veremar / 09.12.2007 14:32:42

    Forest Whitaker spielt die Rolle des Idi Amin wirklich überzeugend, auf jedem Fall eine schauspielerische Glazleistung. Auch die anderen Rollen sind gut besetzt, ein spannender Skript und gute Filmmusik. Auf jedem Fall empfehlenswert.
    Dokumentarisch eines der besten Filme!


    nicht bewertet

  2. mye

    mye / 09.12.2007 15:21:24

    mir hat der film auch sehr gut gefallen und ja, forest spielt die rolle absolut überzeugend/ zwar hätte es mich mehr gefreut, wenn leo dicaprio für seine leistung in blood diamond gewonnen hätte, aber die auszeichnung ist schon verdient


    5 Sternen

  3. Kaspian

    Kaspian / 19.12.2007 00:13:46

    Ich seh Ghostdog und Panic Room mit ganz ganz anderen Augen...


    6 Sternen

  4. stallone

    stallone / 25.12.2007 09:51:14

    Whitaker hat den Oscar mehr als verdient für diese Leistung. Der Film ist sehr interessant, aber die schauspielerische Leistung von Whitaker macht den Film noch interessanter und spannender!


    nicht bewertet


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