Verfasst von Thorsten Meiritz am 21.01.07 19:18:57 - 0 Kommentare

Arthur und die Minimoys

Arthur et les Minimoys

Land Frankreich

Genre Abenteuer, Animation

Laufzeit: 102

Jahr 2006

Webseite
Trailer

Kinostart: 25.01.2007
Moviereporter-Bewertung:
  • 4.0/6 Sterne.
Leserwertung (2): 4.0 / 6
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Inhalt

Der zwölfjährige Arthur begibt sich aus Not auf die Reise in die Welt der Minimoys, kleine Wesen, die seinen Garten bewohnen. Luc Bessons vorerst letztes Kinoprojekt ist ein halbanimierter Familienfilm

Der elfjährige Arthur (Freddie Highmore) wird von seinen "viel beschäftigten Eltern" in ein Internat abgeschoben und auch die Ferien verbringt er nicht bei ihnen, sondern bei seinen Großeltern. Doch über dem idyllischen Anwesen in Connecticut schwebt ein dunkler Schatten, denn Arthurs Großvater Archibald (Ronald Crawford) ist seit einigen Jahren spurlos verschwunden. Daher lebt Arthur nur mit seiner Großmutter (Mia Farrow) und dem Hund Alfred dort zusammen.
Arthur ist von den Abenteuern und dem Erfindungsreichtum seines Großvaters fasziniert und eifert ihm nach. An seinem zwölften Geburtstag erzählt ihm seine Großmutter die Geschichte der Minimoys, ein winzig kleines Volk, das mit seinem Großvater Freundschaft geschlossen hat. In den Aufzeichnungen seines Großvaters entdeckt er die Zeichnung der bildhübschen Prinzessin der Minimoys, Selenia, von der er sofort fasziniert ist. Außerdem erzählt ihm seine Großmutter auch von einem Schatz, den sein Vater als Dank von einem afrikanischen Stamm erhielt und der irgendwo, gut versteckt, im heimischen Garten vergraben sein soll. Als Arthur erfährt, dass seine Großmutter große Geldsorgen hat, und dass ein rücksichtsloser Grundstücksmakler binnen 48 Stunden eine Zwangsräumung einleiten wird, sieht Arthur nur noch einen Ausweg: er muss den Weg ins Reich der Minimoys und den Schatz des Großvaters finden. Mit Hilfe versteckter Hinweise, die sein Großvater hinterlassen hat, gelingt es ihm schließlich die Pforte ins Reich der Minimoys zu öffnen. Doch was dann geschieht, damit hat er nicht gerechnet, denn um diese Welt betreten zu können wird er selbst geschrumpft und in einen Minimoy verwandelt.
Bei seiner Ankunft platzt er ausgerechnet in die Zeremonie, die Prinzessin Selenia zur Königin der Minimoys machen soll, und diesen Frevel lässt ihn die stolze Prinzessin auch spüren. Doch wenig später fallen feindliche Moskitos in ihr Reich ein und Arthur bewährt sich im Kampf. Das Reich wird durch den Bösen M. bedroht und so machen sich Selenia, ihr jüngerer Bruder Beta und Arthur gemeinsam auf eine abenteuerliche Reise durch den heimischen Garten, um dem gefürchteten Tyrannen die Stirn zu bieten und um den Schatz des Großvaters zu suchen, denn dieser befindet sich ausgerechnet in Nekropolis, dem Reich des Bösen M…

Kritik

"Arthur und die Minimoys" erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen, der die Welt der Elfen betreten muss, um seiner geliebten Großmutter zu helfen. Der kleine Arthur meistert dabei mit viel Mut, Herz und Cleverness bravourös ein Abenteuer nach dem anderen. Dass er dafür auf wenige Millimeter Größe geschrumpft wird tut seinem Heldenmut keinen Abbruch, zumal in der Welt der Minimoys die Kinder genauso groß wie viele der Erwachsenen sind, was seine Aufgabe ein wenig erleichtert. Im Reich der Elfen trifft er auf viele phantastische Wesen und macht die Bekanntschaft neuer Freunde. Da wäre natürlich zunächst die süße Elfenprinzessin Selenia, in die er sich bereits zuvor auf einer Zeichnung verguckt hat. Sie verhält sich ihm gegenüber jedoch zunächst sehr abweisend und hält nichts von dem "Eindringling". Sie ist eine sture, stolze Prinzessin, die sich auch ihrer Haut zu erwehen weiß, was sie auch muss, denn das Schicksal ihres Volkes liegt in ihren Händen. Auf ihrer gemeinsamen Reise kommen sich Arthur und Selenia allerdings allmählich näher. Ihr jüngerer Bruder Beta wird zu Arthurs bestem Freund. Er ist ein gemütlicher, etwas dicklicher, kleiner Elf, der durch seine Tollpatschigkeit für den Humor während des gemeinsamen Abenteuers sorgt. Dennoch besitzt auch er ein großes Herz und Mut. Natürlich muss es in der Geschichte auch einen Bösewicht geben. Er tritt in Gestalt von Maltazard auf, der von den Minimoys nur der "Böse M." genannt wird, denn es bringt Unglück seinen Namen auszusprechen. Maltazard ist ein Abtrünniger Minimoy und lebt in seinem eigenen Reich mit Namen Nekropolis. Er hasst die Minimoys und sucht ständig nach einem Weg sie zu vernichten. Wird es den drei Freunden gelingen sein Vorhaben zu verhindern?
Sicherlich erscheint die Story ein wenig an "Alice im Wunderland" angelehnt  und auch Filme in denen der Hauptdarsteller schrumpft sind seit "Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft" oder auch dem letztjährigen "Lukas der Ameisenschreck" nichts Neues, aber durch seine Art und die Kombination aus Real- und Animationsfilm ist der Film in gewisser Hinsicht einmalig.

Regisseur Luc Besson, der durch Werke wie "Nikita", "Léon - Der Profi" oder "Das fünfte Element" weltweiten Ruhm erlangte, hat mit "Arthur et les Minimoys" einen außergewöhnlichen Genre-Mix aus Real- und Animationsfilm geschaffen, der gleichzeitig mit 65 Millionen Euro der teuerste europäische (Teil)Animationsfilm aller Zeiten ist und sich hinter den aufwendigen Hollywoodproduktionen nicht zu verstecken braucht. Die Verwirklichung des Projekts verschlang ganze sieben Jahre. Alles begann mit einem Foto, das Besson und Co-Produzent Emmanuel Prévost von dem Künstler Patrice Garcia geschickt bekamen. Die Geschichte zu den Fotos steuerte Garcias Frau Céline bei. Daraufhin veröffentlichte Luc Besson das Buch "Arthur und die Minimoys" welches auf den Ideen von Céline Garcia beruht und von Patrice Garcia illustriert wurde. Es folgten noch drei weitere Bände mit den Titeln "Arthur und die verbotene Stadt", "Arthur und die Rache des Maltazard", sowie "Arthur und der Krieg der zwei Welten". Schnell reifte in Besson natürlich auch die Idee diese Bücher zu verfilmen. Bevor das aufwendige Projekt endgültig in Angriff genommen wurde entstand zunächst ein kurzer Pilotfilm, dann folgten die Vorbereitungsarbeiten für den Kinofilm, die Erschaffung der 3D-Welt, danach der Dreh der Realfilmszenen und schließlich in der Postproduktion die Vertonung mit den Dialogen und der Musik.

Durch den Film beschreitet ein Realfilm-Regisseur erstmals den Weg einen Animationsfilm in Szene zu setzen. Zuvor kamen die Regisseure von Animationsfilmen aus den Reihen der Computeranimateure und waren somit mit der Technik vertraut. Im Fall von "Arthur und die Minimoys" war dies nicht gegeben und daher musste eine neue Lösung gefunden werden. Sie lag darin, dass Besson mit Hilfe des Pilotfilms, den er mit richtigen Schauspielern drehte, der Animationsabteilung einen Weg vorgab und ihnen verdeutlichte, wie er sich die Realisierung der Szenen vorstellte. Außerdem vertonte Besson die Storyboardzeichnungen von Patrice Garcia mit Anleitungen, auf die die Animateure jederzeit zurückgreifen konnten.
Der nächste Schritt bestand in der Erschaffung der photorealistischen 3D-Welt der Minimoys, welche in einem nahtlosen Übergang mit den Realfilmszenen stehen musste. Hierfür wurden zunächst Modelle der Umgebung angefertigt, die dann fotografiert und schließlich in ein 3D-Modell umgewandelt wurden. Dadurch erscheinen die Oberflächen und Texturen besonders realistisch. Selbst die Animation des Wassers, die für Computeranimateure beinahe jedes Mal einem Alptraum gleicht, ist gut gelungen. Innerhalb der Miniaturwelt mussten zudem zwei verschiedene Welten gestaltet werden. Zum einen die Welt der Minimoys, die aus natürlichen, lebendigen  Komponenten und Objekten besteht und beinahe einen floralen Stil aufweist. Im Kontrast dazu steht Nekropolis. Die Welt Maltazards besteht aus leblosen Objekten wie Steinen, Metall oder auch aus recycelten Produkten der Menschen. Diese beiden Welten stehen in völligem Kontrast zueinander. Der Film spielt sich eigentlich jedoch in einer Welt ab, die wir alle kennen, aus dieser Perspektive allerdings wohl kaum einmal gesehen haben, denn aus der Sicht der Minimoys mutet der heimische Garten eher wie ein undurchdringlicher Urwald an und seine Bewohner wirken durch die Makroperspektive teilweise sehr viel Furcht erregender.
Die einzelnen Figuren bedurften natürlich besonderer Aufmerksamkeit – einige nahmen jedoch weniger Zeit in Anspruch als andere. Am längsten feilten die Animateure an Selenia, denn die Prinzessin der Minimoys musste einfach perfekt werden. Hier muss man der Animationsabteilung ein großes Kompliment aussprechen, denn das niedliche Elfenmädchen wird sicherlich das Herz vieler kleiner Zuschauer erobern. Dieses Kompliment kann man aber auch getrost auf die gesamte Animation ausdehnen, die wirklich gut gelungen und schön anzusehen ist.

Die Realfilmszenen wurden erst zum Ende der Produktion abgedreht. Dabei entstand das Set der Farm nicht an einem Originalschauplatz in Connecticut, sondern in einer idyllischen Gegend in der Normandie, die den 1960er Jahre Look des Films ideal erzeugen konnte.
Als Darsteller des realen Arthur wurde der 14-jährige britische Darsteller Freddie Highmore verpflichtet. Er war zuvor unter anderem in "Wenn Träume fliegen lernen" oder "Charlie und die Schokoladenfabrik" zweimal an der Seite von Superstar Johnny Depp auf der Leinwand zu sehen. Freddie versteht es den cleveren und abenteuerlustigen Zwölfjährigen zu verkörpern und macht auch an der Seite seiner renommierten Filmgroßmutter eine gute Figur. Bei Letzterer handelt es sich um keine Geringere als die erfahrene Hollywoodschauspielerin Mia Farrow. Der mittlerweile 60-jährige Aktrice ist eine ideale Besetzung für Arthurs warmherzige Großmutter, die sich trotz all ihrer Sorgen rührend um ihren geliebten Enkelsohn kümmert und versucht ihm die Eltern zu ersetzen. Das Verschwinden ihres Mannes macht ihr sehr zu schaffen, doch die Lebensfreude von Arthur tröstet sie ein wenig über ihren Verlust hinweg und auch Hund Alfred macht ihr, zwar nicht immer, aber sehr oft große Freude. Und vielleicht gibt es ja auch ein Wiedersehen mit ihrem geliebten Mann?

Im der englischen Fassung des Films leihen neben Freddie Highmore Stars wie Madonna, Robert De Niro, Harvey Keitel, Chazz Palminteri, Emilio Estevez, Snoop Dogg und David Bowie den kleinen Elfen ihre Stimmen. Für die deutsche Fassung konnten unter anderem Nena und "Tokio Hotel" Frontmann Bill Kaulitz gewonnen werden. Ob Bill Kaulitz hierbei wohl seine Frisur weiter geholfen hat, die der von Arthur als Minimoy doch sehr ähnelt?

Den Score zum Film steuerte einmal mehr Eric Serra bei, der schon des Öfteren mit Luc Besson zusammen arbeitete. Diesmal wurde er dabei von Besson zu einer anderen Herangehensweise "gezwungen", oder sagen wir lieber inspiriert, denn er sollte seine Stücke komponieren ohne dabei etwas vom Film zu sehen. Außerdem war es für ihn ungewohnt ein großes Orchester zu dirigieren und sogar einen Chor anzuleiten. Dennoch ist das Ergebnis als gelungen zu Bezeichnen, eine Mischung aus pompösen und nahezu magischen Klängen.

Fazit: "Arthur und die Minimoys" ist eine gelungene Mischung aus Real- und Animationsfilm, die den Zuschauer in eine phantastische Welt voller phantastischer Wesen und Abenteuer entführt. Ein Kinoerlebnis, das nicht nur junge Zuschauer in seinen Bann ziehen wird, sondern durch die gut gelungene Animation auch geneigte Erwachsene gut unterhalten kann. Zwei weitere Fortsetzungen sind bereits geplant.

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