Verfasst von Michael Schied am 13.05.06 17:42:24 - 0 Kommentare

The Terrorist

Moviereporter-Bewertung:
  • 5.5/6 Sterne.
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Land Indien

Genre Bollywood, Drama

Laufzeit: 95

Jahr 1999


Kinostart: unbekannt
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Inhalt

The Terrorist (Indien: 1999)

Malli (Ayesha Dharker), eine junge Frau von 19 Jahren, hat in tamilischen Freiheitskämpfen als Kind ihre ganze Familie verloren. Sie wird in eine Gemeinschaft von Guerillakämpfern im südindischen Dschungel aufgenommen, findet hier ein Zuhause und wird zur Kämpferin ausgebildet. Sie ist der Idee des Terrorismus, wie sie von ihrem Führer propagiert wird, völlig ergeben. Und sie zeigt gnadenlose gegen gegen alle, die dieser Idee zuwider handeln. Als ein wichtiger indischer Politiker plant die Region zu besuchen, wird sie für ein Selbstmordattentat ausgewählt. Sie ist glücklich, weil sie glaubt mit dieser Tat dem Namen ihres Bruders, der als Märtyrer für die Bewegung starb, Ehre erweisen zu können. Die zweitägigen Reise durch den Dschungel zu dem Ort des Attentats und ihr Aufenthaltes vor der Tat, im Hause von Bauersleuten, lassen sie die Begegnung mit den Menschen und der Natur auf eine neue Art erleben und erschüttern ihr Weltbild Am Tag des Attentats bereitet sie sich jedoch entschlossen auf ihren Opfergang vor....

Kritik

THE TERRORIST ist die zweite Regiearbeit Santosh Sivans, der als einer der besten Kameramänner Indiens gilt. Er ist Gewinner von 7 indischen Film Awards. Er arbeitete mit den größten indischen Regisseuren z.B. mit Adityar Bhattacharya (Raakh) und Mani Ratnam (Irivar, Dil Se). Der im südindischen Chennai/Madras geborene Sivan bewegt sich ohne Mühe zwischen dem künstlerischen und dem kommerziellen Kino. Direkt nach THE TERRORIST, den er in 17 Tagen und überwiegend mit Laiendarstellern für die unglaublich geringe Summe von 50.000 $ gedreht hat, führte er Regie und die Kamera bei dem Riesen-Bollywood-Projekt ASOKA. Sivan kommt aus der südindischen Tamil-Filmindustrie, die sowohl im Bezug auf Inhalte, als auch hinsichtlich der strafferen Produktionsweise eine große Konkurrenz zur Hindi-Filmindustrie darstellt. Große Namen des indischen Kinos kamen und kommen von dort, z.B. der Regisseur Mani Ratnam und der Musiker A.R. Rahman, die den indischen Film nachhaltig beeinflusst haben.
THE TERRORIST gilt als einer der besten zeitgenössischen Filme aus Indien. Thematisch angeregt wurde Shantos Sivan zu dem Projekt durch die Ermordung Rajiv Ghandis (1991). Er sagt hierzu: "Ein Filmemacher kann Dinge nicht ändern. Wir können nur auf etwas die Aufmerksamkeit lenken. ... Deshalb konzentriere ich mich auf das Individuum. Es ist leichter über eine Individuum zu sprechen als über das ganze System. In dem ich zeige, was sie durchmacht, beginne ich mich zu fragen, wie jemand so etwas tun kann, und was sie dazu bringen könnte, es nicht zu tun." Sivan Santosh führte nicht nur Regie, sondern er arbeitete auch am Drehbuch mit, besorgte den Schnitt und führte die Kamera. Auf allen westlichen Festivals, auf denen er gezeigt wurde war THE TERRORIST äußerst erfolgreich. John Malkowitch sah den Film in der Jury des Cairo Festivals 1998, wo die Arbeit auch den Preis für den besten Film und die beste Regie erhielt. Er hielt den Film als: "One of the most memorable films I've seen in years". Durch dessen persönlichen Einsatz fand der Film schließlich auch einen Verleih in den USA.

Kritik
Obwohl der Film das hochpolitische Thema Terrorismus behandelt, argumentiert er nicht politisch sondern nimmt die Sichtweise seiner Hauptfigur ein. Der Film lässt uns die Welt und das Geschehen mit ihren Augen sehen. Es gibt keinen erklärenden, rechtfertigenden oder wertenden Subtext.Wir sind völlig frei unsere Haltung zum Dargestellten zu wählen. Der ganze Prozess wird mit wenig Worten erzählt. Indem er nur mit natürlichem Licht arbeitet, erschafft Sivan Bilder von großer visueller Kraft und atemberaubender Schönheit. Die Hauptdarstellerin, das Herz und die Seele des Films, trägt mit ihrer intensiven Präsenz die Geschichte. Ihre Schönheit, ihr überzeugendes Spiel sind herausragend. Wunderbar ergänzt der Sound, überrealistische Naturgeräusche, die Bilder auf einer anderen Ebene. Einzig die an vielen Stellen suggestive Synthesizermusik empfand ich als störend. Szenen und Bilder dieses Films brauchen meiner Meinung nach diese etwas dick aufgetragene Emotionalität nicht. Sie sind von sich aus immens stark, direkt und berührend.

Empfehlung
Schönheit, Berührung, Weisheit, Spannung, dieser kleine Film vereint alles, was ein großes Werk ausmacht und ich empfehle, rückhaltlos ihn anzusehen. Jenseits der wunderbaren Bilder liegt die Schönheit des Films darin, dass er dem Terrorismus ein menschliches Gesicht verleiht , infühlsam einen Prozess sichtbar macht und uns eine tiefe Erfahrung miterleben lässt. Er hilft uns, Menschen und uns selbst besser zu verstehen. Mir hat der Film zum erstenmal wirklich bewusst gemacht, dass wir Menschen unabhängig wovon wir geprägt, verletzt, enttäuscht oder gehirngewaschen wurden, immer die Möglichkeit einer eigenen Entscheidung, den freien Willen haben, wie wir mit unserem Leben umgehen wollen. Deshalb ist mir dieser Film so besonders wichtig.

Dies ist eine Gastkritik von Karin Kaiser 


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