Verfasst von Thorsten Meiritz am 06.07.07 05:17:48 - 9 Kommentare

Ratatouille

Moviereporter-Bewertung:
  • 5.0/6 Sterne.
Leserwertung (16): 4.75 / 6

Land USA

Genre Animation, Familie, Komödie

Laufzeit: 110

Jahr 2007

Webseite

Kinostart: 03.10.2007
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Inhalt

Jeder kann kochen – auch eine Ratte.

Remy ist mit einem außerordentlich scharfen Geruchssinn gesegnet. Er ist in der Lage alle Zutaten eines Essens nur aufgrund seiner feinen Nase zu erkennen. Als er dann auch noch den berühmten Pariser Chefkoch Auguste Gusteau im Fernsehen sieht und sein Motto "Jeder kann kochen" verinnerlicht, scheint sein Berufsweg vorgezeichnet zu sein – er will unbedingt Koch werden. Die ganze Sache hat jedoch einen winzigen Haken: Remy ist eine Ratte!
Gemeinsam mit seiner Sippe, die von seinem Vater Django angeführt wird, lebt Remy auf dem Land in der Nähe eines alten Hauses. Ganz rattentypisch ernähren sie sich von den Abfällen der Menschen – besonders Remys Bruder Emile stopft alles in sich hinein was er finden kann. Remy ist jedoch anders als die anderen Ratten. Er weigert sich Abfall zu essen und geht lieber auf Beutezug im Haus einer alten Dame, obwohl sein Vater ihn eindringlich vor den bösen Menschen gewarnt hat. Jedoch stiehlt er sein Essen nicht einfach, sondern er beginnt neue Dinge damit zu kreieren – ganz im Sinne seines großen Vorbildes Gusteau.
Eines Tages werden Remy und sein Bruder jedoch von der alten Dame erwischt, die sofort kurzen Prozess mit den ungeliebten Nagern machen will. Dadurch bringt Remy jedoch nicht nur sich, sondern seine ganze Sippe in Gefahr, die fluchtartig ihren Unterschlupf evakuieren muss. Während der Flucht wird Remy von seiner Familie getrennt. Ganz allein endet er in einem abgelegenen Teil der Kanalisation, wo er lediglich Gusteaus Kochbuch zur Unterhaltung hat. Bei seinem Studium des Buches wird Auguste plötzlich in seiner Imagination lebendig. Der Chefkoch wird fortan zu seinem Mentor und gleichzeitig zu seinem Gewissen. Er ist es auch, der Remy zu seinem berühmten Gourmet-Restaurant führt.
Als dieser einen Blick in die Küche des Restaurants wirft, sieht er wie der tollpatschige Küchenjunge Linguini etwas von der Suppe verschüttet und bei seinem Versuch den Schaden zu reparieren selbige total verdirbt. Der kleine Nager nutzt die Gunst der Stunde und macht die Suppe zu einer kulinarischen Köstlichkeit, die Linguini schlagartig zum neuen Starkoch macht, was besonders dem Chef de Cuisine, Skinner, ein Dorn im Auge ist.
Nun steckt Linguini jedoch in der Klemme, denn er kann gar nicht kochen. Kurzerhand tut er sich mit Remy zusammen und gemeinsam stellen sie die Welt der Pariser Haute Cuisine auf den Kopf…

Kritik

Disney und Pixar machen wieder einmal das Unmögliche möglich, denn bisher war eine Ratte als Koch ja wohl mehr als nur undenkbar. Ganz im Gegenteil, eine Ratte in der Küche ist nicht nur ungeliebt, sondern wäre gleichzeitig ein Verstoß gegen die strengen Hygienevorschriften, die sogar zur Schließung eines Restaurants führen könnte. Mit Ratten verbinden die meisten Menschen sowieso eher ein Ekelgefühl: sie sind schmutzig und können gefährliche Krankheiten übertragen. Damit sind sie eigentlich nicht gerade die geeigneten Tiere aus denen der Titelheld eines Filmes stammen könnte. Zwar hatte Walt Disney schon immer eine Affinität zu Nagetieren, man denke bloß an Mickey Mouse, jedoch stellten Ratten in den Filmen und Comics bisher eher die Bösewichte dar. Neben der eigentlichen Animation lag die Hauptschwierigkeit sicherlich darin die Ratten liebenswert und doch noch als echte Ratten erscheinen zu lassen, die sich so verhalten, wie es Ratten auch in Wirklichkeit tun.

Dieser Aufgabe widmet sich einmal mehr der Animationsspezialist Brad Bird, der sich bereits zuvor mit Filmen wie "Der Gigant aus dem All" oder "Die Unglaublichen" einen Namen in der Animationsbranche gemacht hat. Auch diesmal erzählt der Regisseur eine unglaubliche Geschichte in fantastisch animierten Bildern. Besonders die Ratten wurden mit viel Liebe zum Detail animiert. Das Fell wirkt beinahe fotorealistisch; selbst im nassen Zustand sieht es noch sehr realistisch aus, was in früheren Filmen oftmals noch ein Problem darstellte. Auch die Mimik der Ratten ist sehr gut gelungen – hierbei sticht natürlich die Hauptfigur Remy besonders ins Auge. Und eben jenen kleinen Nager schickt Regisseur Bird in ein unglaubliches Abenteuer, denn Remy träumt davon Koch zu werden und verfolgt dieses Ziel konsequent. Hierin liegt sicherlich auch eine der "höheren" Aussagen des Films: wenn du ein Ziel im Leben hast, dann arbeite darauf hin, auch wenn es noch so hoch erscheint, und lass dich auch nicht von möglichen Rückschlägen davon abbringen. So landet Remy schließlich in der Küche eines Pariser Haute-Cuisine Restaurants. An dieser Stelle ein erneutes Lob an die Animateure, denn auch in der Restaurantküche legten sie viel Wert aufs Detail und erschufen eine eigene kleine Welt in der sich Remy nach belieben austoben kann. Allerdings ist der kleine Nager dabei auf Hilfe angewiesen. Diese findet er in dem tollpatschigen Küchenjungen Linguini, der vom Kochen absolut keine Ahnung hat. Jedoch hält man ihn für den Schöpfer von Remys Kreation, und so ist er schließlich auf dessen Hilfe angewiesen. Somit erzählt "Ratatouille" also auch die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Allerdings besteht bei dieser Freundschaft ein gewaltiges Kommunikationsproblem, denn Remy kann Linguini zwar verstehen, umgekehrt ist von Remy jedoch nur ein unverständliches Piepsen zu vernehmen. Die Lösung besteht darin, ohne zuviel verraten zu wollen, dass Remy die Kontrolle über Linguinis Bewegungen übernimmt, ähnlich einer Marionette, was bisweilen sehr lustig aussieht und zu Slapstickeinlagen führt. Diese beiden Figuren sind durch ihre Außenseiterrolle miteinander verbunden. Schließlich erzählt der Film auch noch eine Familiengeschichte, denn Remy ist zwischen seiner Sippe, die er nicht vor den Kopf stoßen möchte und seinem Traum hin und her gerissen. Sein Vater hat kein Verständnis für seinen Traum und warnt ihn eindringlich davor sich in die Welt der Menschen zu begeben, mit denen er bislang nur schlechte Erfahrungen gemacht hat. Remy jedoch möchte seinen Traum einfach nicht aufgeben und versucht seinen Vater davon zu überzeugen, dass nicht alle Menschen böse sind. Stichwort Menschen. Die Animation der Menschen im Film wirkt, sicherlich gewollt, wie oft in Animationsfilm karikaturartig überspitzt und alles andere als fotorealistisch, abgesehen einmal von den Haaren, die besonders bei Linguini sehr gut gelungen sind. Das Umfeld der Figuren, die Restaurantküche habe ich bereits angesprochen, insbesondere die Animation der Stadt Paris sieht einfach fantastisch aus. Hier hat Disney Pixar einmal mehr Maßstäbe gesetzt, die die Animationstechnik ein weiteres Stück voran gebracht hat. Neben der Detailverliebtheit ist ebenfalls positiv anzumerken, dass es während des Films immer wieder zum Wechsel von ruhigen mit actionhaltigeren Passagen kommt, so dass es dem Zuschauer nie langweilig wird und stets der Spannungsbogen aufrecht erhalten wird. Interessante Kamerafahrten, sofern man bei einem Animationsfilm überhaupt davon sprechen kann, werden ebenfalls angeboten. Es wirkt schon sehr interessant einer Ratte auf Schritt und Tritt zu folgen.

In der Küche trifft Remy neben Linguini auf viele weitere Charaktere. Die wichtigsten sind hier zweifelsohne der Chef de Cuisine, Skinner, und Colette, die einzige weibliche Köchen des Restaurants. Skinner ist ein kleiner cholerischer Mann, der sein Größenproblem mit einer übergroßen Kochmütze und seiner lauten Stimme zu kompensieren versucht. Dass plötzlich ein blutiger Anfänger der neue Stern am Kochhimmel sein soll, ist ihm ein Dorn im Auge. Er versucht mit allen Mitteln Linguini zu diskreditieren, erst recht, nachdem er dessen Geheimnis erfährt. Colette nimmt sich auf Geheiß von Skinner Linguinis an und führt ihn in die Geheimnisse des Kochens ein. Sie ahnt wie alle anderen nichts von dem kleinen Helfer, den der unbeholfene Küchenjunge an seiner Seite hat. Colette ist eine äußerst toughe Frau, die sich ihre Position als eine der wenigen Köchinnen in der von Männern dominierten Branche hart erkämpft hat, was Linguini anfangs auch zu spüren bekommt. Eine weitere wichtige Figur des Films ist der Restaurantkritiker Anton Ego, mit dessen Urteil der Erfolg eines Restaurants steht und fällt. Auf seine Kritik hin verlor das "Gusteaus" einen seiner fünf Sterne und befand sich fortan auf dem absteigenden Ast. Als er von dem neuen Wunderkoch erfährt, gibt er dem Restaurant eine allerletzte Chance. Natürlich darf man bei den wichtigen Figuren auch Auguste Gusteau, den legendären, jedoch leider verblichenen Star-Koch des Films nicht vergessen. Er prägte den Slogan "Jeder kann kochen", der für Remy zur Lebensmaxime wird. Außerdem tritt Gusteau immer wieder als Remys imaginärer Lehrmeister und als sein Gewissen in Erscheinung – ähnlich wie es Obi-Wan Kenobi in "Star Wars" bei Luke Skywalker tat. Hier lag eine weitere Schwierigkeit in puncto Animation, denn Gusteau ist nicht gerade schlank und dennoch durfte er als eine Figur, die Remys Phantasie entspringt, nicht schwerfällig wirken, sondern musste leicht wie eine Feder schweben können.

Im Zusammenhang mit Animationsfilmen spielt bekanntlich die Synchronisation eine zentrale Rolle. Für "Ratatouille" standen einige namhafte Stars, aber auch Pixar-interne Mitarbeiter parat. Remy, der unbestrittene Hauptdarsteller des Films, wird in der Originalfassung von dem Stand-Up Comedian Patton Oswalt gesprochen. Oswalt dürfte vielen Fans als Spence Olchin aus der beliebten US-Sitcom "King of Queens" bekannt sein. Er war schon lange ein Fan der Disney Pixar Filme, so dass für ihn, wie auch für seine Filmfigur Remy, ein Traum in Erfüllung ging. Linguini wird von Lou Romano synchronisiert, er ist ein Pixar-Mitarbeiter, der zuvor als Produktionsdesigner an "Die Unglaublichen" mitwirkte und in früheren Produktionen einige kleinere Synchronparts übernahm. "Ratatouille" kann aber auch mit namhaften Hollywoodstars aufwarten und hat mit Sir Ian Holm und Peter O’Toole zwei wahre Filmlegenden mit an Bord geholt. Holm leiht dem Chefkoch Skinner seine Stimme und O’Toole spricht den Restaurantkritiker Ego. Mit Brad Garrett als Gusteau und Janeane Garofalo als Colette, wurden zwei weitere namhafte Comedy-Stars engagiert.
Für die deutsche Synchronfassung stellt Fernsehkoch Tim Mälzer unter anderem seine Stimme zur Verfügung.

Die Musik zum Film stammt aus der Feder von Michael Giacchino, der bereits zuvor mit Regisseur Brad Bird für "Die Unglaublichen" zusammen arbeitete. Zu seiner weiteren Vita zählen unter anderem die Scores zu den TV-Hit-Serien "Lost" und "Alias", sowie natürlich der Soundtrack zu "Mission: Impossible III". Für "Ratatouille" verwendet der Komponist natürlich der Location gemäß die typischen melodischen Pariser Klänge. Aber auch die actionhaltigeren Szenen hat er passend mit dynamischen Klängen untermauert.

Fazit: "Ratatouille" bietet auf höchstem Niveau Unterhaltung für die ganze Familie. Wie von Disney Pixar auch nicht anders zu erwarten war ist die Animation fantastisch gelungen. Die Story weiß den Zuschauer zu unterhalten und die vielen lustigen, teilweise sogar slapstickartigen Szenen runden das tolle Gesamtbild ab. Der Film startet in Deutschland erst im Oktober und wenn dann schlechtes Wetter herrscht, spricht sicherlich nichts gegen einen Familienausflug ins Kino, jedenfalls nichts in filmischer Hinsicht.

Jetzt kommentieren? / 9 Kommentare

  1. CReber

    CReber / 06.12.2007 12:50:04

    Kann gar nicht verstehen, dass der so eine neutrale Userwertung hat. Ich bin großer Disney Fan und das war einer der allerbesten Filme.


    6 Sternen

  2. Kaspian

    Kaspian / 06.12.2007 15:57:12

    Fürn Koch is der Film einfach ne Offenbarung...die Ratte zeigt das Kochen kein klinkerklunker-Beruf is....
    Habn scho zweimal gesehen und ist ein gleich beim Erscheinungstagpflichtkauf....


    6 Sternen

  3. siBBe

    siBBe / 06.12.2007 17:20:06

    Der Film war auf jeden Fall gut. Persönlich stehe ich aber mehr auf den Shrek Humor oder generell auf Animationsfilme aus dem Hause Dreamworks


    4 Sternen

  4. mye

    mye / 09.12.2007 14:25:17

    hatte nicht allzu viel erwartet und wurde dann sehr positiv überrascht - im endeffekt ein wirklich toller, unterhaltsamer animationsfilm


    4 Sternen

  5. Avatar_50

    Fruechtchen / 29.12.2007 10:09:42

    Der Film war supi. Würde ihn mir jederzeit wieder anschaun :-))


    5 Sternen

  6. Veremar

    Veremar / 29.12.2007 13:33:11

    Die Story ist einfachoriginell und witzig,ich fand den Film wirklich gut!


    4 Sternen

  7. eddy

    eddy / 19.02.2008 17:20:30

    Fand ihn sehr gut.Coole Animation,coole Gags.Mehr kann man nicht sagen.5 Punkte


    5 Sternen

  8. Xylon

    Xylon / 19.02.2008 18:51:14

    Ein wirklich schöner Film!! Toller Animationsfilm seit Ice Age .. Witzig, humorvoll >> einfach genial!

    Nicht umsonst hab ich es als Avatar :D Auch 5 Sterne!


    5 Sternen

  9. DocProc

    DocProc / 24.05.2008 13:19:27

    Echt der Wahnsinn wie genjal der animiert ist, mir persönlich nur ein bisschen zu wenig Gags, ansonsten echt ein schöner Familien Film!


    3 Sternen


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