Verfasst von Thorsten Meiritz am 13.01.06 17:11:48 - 0 Kommentare

Die Stunde der Patrioten

Patriot Games

Moviereporter-Bewertung:
  • 4.5/6 Sterne.
Leserwertung (3): 4.0 / 6

Land USA

Genre Action, Drama, Thriller

Laufzeit: 117

Jahr 1992

Webseite
Trailer

Kinostart: 05.06.1992
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Inhalt

Jack Ryan vereitelt ein Attentat einer IRA-Splittergruppe auf Mitglieder der königlichen Familie und gerät so selbst ins Visier der Attentäter.

Der Analytiker Jack Ryan (Harrison Ford) hat mittlerweile seinen Dienst bei der CIA quittiert und unterrichtet nun an einer amerikanischen Militärakademie. Für einen Gastvortrag zur veränderten Lage in der Sowjetunion wird er an eine Londoner Akademie eingeladen.

Als er sich mit seiner Frau Cathy (Anne Archer) und seiner Tochter Sally (Thora Birch) in der Nähe des Buckingham Palace treffen will gerät er in eine unkontrollierbare Situation: Eine IRA Splittergruppe führt unter der Leitung von Brigadekommandeur Kevin O'Donnell (Patrick Bergin) einen Anschlag auf Lord Holmes (James Fox), ein Mitglied der königlichen Familie, aus.

Besorgt um seine Familie und als ehemaliger Marineinfanterist greift Ryan beherzt ein und vereitelt den Anschlag, wobei er selbst verwundet wird. Er erschießt zwei der Terroristen und verhilft der englischen Polizei dazu einen weiteren fest zu nehmen – es ist Sean Miller (Sean Bean), dessen Bruder Paddy von Ryan erschossen wurde.

Miller wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Noch im Gerichtssaal schwört er Ryan Rache für seinen ermordeten Bruder. Bei der Überführung in das sicherste Gefängnis Englands wird Miller von seinem Freund und Anführer Kevin O’Donnell befreit und außer Landes geschafft. Ihr Weg führt sie zu Beschaffungs- und Ausbildungszwecken zunächst ausgerechnet nach Amerika. Angetrieben von unsäglichen Hassgefühlen gefährdet Miller die eigentliche Mission und kennt nur noch ein Ziel: Rache an dem Mann der seinen Bruder umgebracht hat!

Er selbst lauert Ryans Familie auf und beauftragt einen Killer der Gruppe damit Jack zu ermorden. Cathy und Sally verunglücken durch Millers Schuld auf der Autobahn und Ryan entgeht nur knapp einem Attentat. Er wendet sich an seine ehemaligen Freunde bei der CIA unter anderem Admiral James Greer (James Earl Jones) und macht Jagd auf die Attentäter

Kritik

"Die Stunde der Patrioten" behandelt das Thema Terrorismus. Im Blickpunkt steht der zur damaligen Zeit (1992) schwelende Konflikt zwischen den nach Unabhängigkeit strebenden katholischen Nordiren und den protestantischen Engländern, die das Territorium Nordirlands für sich beanspruchen. In diesen historischen Konflikt gerät die Hauptfigur Jack Ryan unversehens hinein, da er ein Attentat auf ein Mitglied der Königsfamilie verhindert. Damit wären wir bei einem weiteren Thema das vom Film behandelt wird: Zivilcourage! Ryan greift ohne zu zögern und ohne großartig über sein Handeln nachzudenken in die Szenerie ein, hauptsächlich zum Schutz seiner Familie, aber auch weil ihm der feige Überfall schlicht und einfach gegen den Strich geht. Er riskiert dabei sein eigenes Leben und wird so zum "Held". Wer kann das heutzutage schon von sich behaupten? Wie würden sie oder wie würde ich in dieser Situation reagieren? Leider gibt es in der heutigen Zeit zu viele Menschen die sich einfach wegdrehen wenn Unrecht in ihrer unmittelbaren Nähe geschieht, aus Angst um ihr leibliches Wohl, was man ja auch durchaus verstehen kann, aber zum Glück gibt es auch immer wieder Ausnahmen!
Einige Kritiker stellten den Film als anti-irisch dar, ich bin jedoch der Meinung das nicht die Iren im Allgemeinen verurteilt, sondern dass nur die Mittel mit denen einige Gruppen für die Unabhängigkeit kämpfen an den Pranger gestellt werden. Der politische Arm der IRA, die Sinn Fein, wird ebenfalls im Film erwähnt – Sinn Fein bedeutet im Irischen soviel wie "Wir selbst".

Der Film lebt besonders von seiner Spannung und der schauspielerischen Leistung der beiden Protagonisten oder sagen wir besser Antagonisten Harrison Ford und Sean Bean. Die beiden liefern sich im Verlauf des Films einen unerbittlichen Kampf auf Leben und Tod, der eine aus Rache, der andere zum Schutz seiner Familie. Über das Schaffen des mittlerweile 62-jährigen Harrison Ford habe ich bereits in der Review zu Das Kartell einiges berichtet. Der britische Schauspieler Sean Bean verkörpert in diesem Film Fords Gegenspieler. Er weiß als, aus seiner Sicht patriotischer und für Gerechtigkeit kämpfender "Glaubenskrieger" zu überzeugen und auch als eiskalter Rächer macht er eine gute Figur. Der Charakter den er im Film darstellt, wird von Beginn an von Hass geleitet, denn sein Vater wurde in Belfast von britischen Soldaten erschossen. Kevin O’Donnell, ein Freund seines Vaters und gleichzeitig IRA-Mitglied, nimmt sich seiner und seines Bruders an und bildet sie für die Gruppe aus (die Abkürzung IRA steht im Übrigen für "Irish Republican Army"). Sein Part in "Patriot Games" war für Bean die erste große Hollywood-Rolle. 1995 gelang ihm dann als Bond-Bösewicht in "Goldeneye" der endgültige Durchbruch auf der Leinwand. Weitere Berühmtheit erlangte er durch die "Der Herr der Ringe" Trilogie, in der er den Boromir verkörperte. Demnächst wird er in Michael Bays "The Island" im Kino zu sehen sein.
In weiteren Nebenrollen sind wie in allen Jack Ryan Filmen (abgesehen von Der Anschlag) James Earl Jones als Admiral James Greer, Patrick Bergin als Brigadekommandeur Kevin O’Donnell und Samuel L. Jackson, der zu dieser Zeit noch am Anfang seiner Karriere stand, zu sehen.

Regisseur Phillip Noyce inszeniert "Die Stunde der Patrioten" gradlinig und ohne viele Special Effects. Die Action beruht überwiegend auf der physischen Kraft der Darsteller. Noyce bindet in diesem Film die Familie von Jack Ryan stärker ein und zeigt dem Zuschauer mehr von dessen Privatleben und eine gewisse Verletzlichkeit des Protagonisten, natürlich zum einen durch dessen Schussverletzung am Anfang des Films, aber auch durch seine Familie, über die er angreifbar ist. Noyce übernahm danach auch die Regie für "Das Kartell".
Die Vorlage zum Film stammt abermals von Bestsellerautor Tom Clancy, der sich jedoch nach der ersten Scriptversion von dem Projekt distanzierte.
Der Score wurde von James Horner komponiert, den ich ebenfalls bereits in der Review zu "Das Kartell" erwähnt habe. Unterstützt wurde er von einer traditionellen irischen Band namens "Clannad", die einige einprägsame Lyrics beisteuerte.

Gerüchten zufolge wurde Alec Baldwin, der Jack Ryan in "Jagd auf Roter Oktober" (The Hunt for Red October) verkörperte, entweder wegen seines unprofessionellen Verhaltens während der Dreharbeiten oder wegen seiner zu hohen Gagenforderung durch Harrison Ford ersetzt. Ein weiteres Gerücht besagt, dass Baldwin das Script zu "Patriot Games" nicht mochte – in der offiziellen Version hieß es, dass er lieber eine Theaterrolle wahrnehmen wollte, als erneut in die Rolle des Jack Ryan zu schlüpfen.
Die Romane von Clancy sind eigentlich in umgekehrter Reihenfolge gedacht, denn "Die Stunde der Patrioten" ist ein Prequel zu "Jagd auf Roter Oktober". Da Harrison Ford allerdings älter ist als Alec Baldwin wurde kurzerhand ein Sequel daraus gemacht.
Die Crew durfte als erste überhaupt im echten CIA-Hauptgebäude filmen.
In dem Originalroman von Tom Clancy war der Prinz und die Prinzessin von Wales, sowie deren Baby das Ziel des vereitelten Anschlags.

Ich denke "Die Stunde der Patrioten" ist ein durchaus gelungener Thriller mit einigen gut akzentuierten Actionsequenzen, der sein Hauptaugenmerk allerdings eher auf die schauspielerische Leistung legt. Der Film bietet jede Menge Spannung, aber auch einiges an Dramatik und Gefühl.

Viel Spaß beim Film!

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