Verfasst von Thorsten Meiritz am 19.11.06 01:05:11 - 2 Kommentare

Eine unbequeme Wahrheit

An Inconvenient Truth

Moviereporter-Bewertung:
  • 5.0/6 Sterne.
Leserwertung (7): 5.14 / 6

Land USA

Genre Dokumentation

Laufzeit: 100

Jahr 2006

Webseite
Trailer

Kinostart: 12.10.2006
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Inhalt

Seit Jahren geistert der globale Klimawandel durch die Medien – dieser Film zeigt wie akut die Problematik tatsächlich ist!

"Eine unbequeme Wahrheit" folgt dem Vortrag von Al Gore, dem Mann der beinahe Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika geworden wäre, zur Thematik des globalen Klimawandels. Gore zieht mit seiner „Show“ von Land zu Land und Stadt zu Stadt, um jeweils ein leider nur kleines Publikum vor dem globalen Klimawandel zu warnen und dessen Auswirkungen zu verdeutlichen. Diese ausgeklügelte Multimediapräsentation ist eine Mischung aus harten wissenschaftlichen Fakten, aufrüttelnden Bildern und einer guten Prise Humor – gepaart mit der unglaublichen Bühnenpräsenz von Al Gore.
Der Film beginnt mit einer kurzen Einführung in die Thematik. Wie kommt es überhaupt zum globalen Klimawandel, was ist der Treibhauseffekt und wie sehen dessen Auswirkungen aus. Danach folgen schockierende Bilder, die die Auswirkungen der Klimaerwärmung verdeutlichen: schmelzende Gletscher, abbrechende Eisschollen, ausgedörrte von tiefen Furchen durchzogene Böden – um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Präsentation dramatischer Bilder und Simulationen gipfelt in der bislang größten Naturkatastrophe, die die Vereinigten Staaten von Amerika heimgesucht hat: der 2005er Hurrikan Katrina, der New Orleans heimsuchte und beinahe komplett zerstörte.
Im nächsten Teil macht Gore auf die tragende Rolle Amerikas bei der Produktion von Treibhausgasen, allen voran CO2 aufmerksam, auf den schlechten Umweltstandard der Industrie und insbesondere auf die veralterte Automobiltechnologie im weltweiten Vergleich. Man darf nicht vergessen, dass es sich hierbei um einen amerikanischen Film handelt, der sich in erster Linie an die Amerikaner richtet und daher besonders amerikanische Probleme fokussiert.
Im letzen Teil seiner Präsentation zeigt Gore die missverständliche Medienberichterstattung auf. Die Wissenschaftler sind sich längst einig, dass es keinen Zweifel an einer anthropogenbedingten Klimaerwärmung gibt, nur in der Massenmedienberichterstattung werden immer wieder Zweifler zitiert – Gore spricht in diesem Zusammenhang von einer (absichtlichen) Fehlinformation. Schließlich gibt er Beispiele was man ohne viel Aufwand ändern könnte, was es für Möglichkeiten zur Reduzierung der CO2-Produktion gibt.
Der Vortrag wird immer wieder von dokumentarischen Aufnahmen Al Gores unterbrochen. Sie zeigen die ganz persönliche Seite dieses Mannes und verdeutlichen seine Beweggründe sich so sehr für die Rettung des Planeten – unser aller Heimat – einzusetzen.

Kritik

"Das Problem ist nicht unser mangelndes Wissen. Sondern unsere feste Überzeugung von Dingen, die falsch sind."Mark Twain

Wer erinnert sich nicht an das Jahr 2000 und an die höchst umstrittene Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten? Zwei Männer traten gegeneinander an: George W. Bush, der Sprössling des einstigen Präsidenten der USA und Al Gore, der unter der Ägide von Bill Clinton der amerikanische Vizepräsident war und auf eine lange politische Karriere zurückblicken konnte. Alles entschied sich schließlich in Florida und wie die Wahl letztendlich Ausging ist uns allen bekannt. Aber anstatt seinem Kontrahenten in der Opposition die Hölle heiß zu machen tat er etwas völlig Unerwartetes: er zog sich aus dem politischen Leben zurück um die Menschen auf die äußerst akute Problematik der weltweiten Klimaerwärmung aufmerksam zu machen. Hierfür zieht er mit seiner Präsentation von einer Stadt in die andere, von Land zu Land und von Kontinent zu Kontinent. Ohne großen Wirbel hat Gore seine Show über 1000 Mal präsentiert: in überfüllten Schulhallen und Konferenzräumen von Hotels, in kleinen und großen Städten hoffte er darauf, sein Publikum aufzurütteln und aufzuklären über eine Bedrohung, die zur größten Katastrophe in der Geschichte der Menschheit werden könnte. Aber was brachte ihn auf diese Idee?

Gore befasste sich schon früh mit dieser Thematik während seiner Studienzeit. Er versuchte auch immer wieder während seiner politischen Laufbahn hochrangige amerikanische Politiker auf die Gefahren aufmerksam zu machen und sich Gehör zu verschaffen – leider ohne Erfolg. Letztendlich gaben wohl drei Dinge in seinem Leben den Ausschlag sich mit der "Rettung der Welt" zu befassen. Einer der Gründe war der schwere Unfall seines damals sechsjährigen Sohnes der Al Gore zum Nachdenken anregte, womit er seine Zeit nützlich verbringen könnte. Der zweite Grund ist der Tod seiner geliebten älteren Schwester, die aufgrund ihres Zigarettengenusses an Lungenkrebs verstarb – die Gores bauten auf ihrer Farm seit jeher Tabakpflanzen an. Den dritten Grund habe ich bereits genannt: die Niederlage bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2000. Seitdem setzt sich Al Gore dafür ein die Menschen weltweit, aber insbesondere seine amerikanischen Landsleute auf den globalen Klimawandel aufgrund von anthropogen erzeugten Treibhausgasen aufmerksam zu machen.
Der Film bietet wissenschaftlich korrekte Fakten in einer massenwirksamen Verpackung für jedermann. Beispielsweise wird der Treibhauseffekt in einem kurzen Cartoon erklärt, der scheinbar vom "Simpsons"-Macher Matt Groening geschaffen wurde – die Figuren sehen jedenfalls danach aus. Gepaart mit Al Gores rhetorischen Fähigkeiten und seiner großen Leinwandpräsenz entstand ein ausdruckstarker Dokumentarfilm, der mitreißend ist und zum Nachdenken anregt. Der Blick auf die persönliche Seite Gores rundet das Bild vollends ab.

Aber wie kam es überhaupt zu der Idee seine "Show" als Film für die große Leinwand zu produzieren? Filmproduzent Lawrence Bender war einer der begeisterten und beeindruckten Zuhörer bei einer von Gores Präsentationen, gemeinsam mit der führenden Umweltaktivistin Laurie David, die auch selbst Gastgeberin für zwei der "Gore-Shows" war.

"Als ich die Präsentation von Gore sah, war mir sofort klar, dass dies eine gute Basis für einen fantastischen Film sein würde; wir waren alle überzeugt, dass die bewegenden Wahrheiten, die Gore präsentiert, einem viel größeren Publikum bekannt gemacht werden sollten."Lawrence Bender

Um dieses Vorhaben zu verwirklichen, taten sich David und Bender mit Scott Z. Burns zusammen, der ein preisgekrönter Autor und Regisseur in der Werbebranche ist. Jeff Skoll von Participant Productions, der jungen Produktionsfirma, die sich auf provokante Stoffe spezialisiert hat und im vergangenen Jahr Filme wie "Good Night and Good Luck" oder "Syriana" veröffentlichte, wurde als weiterer Partner gewonnen.
Gemeinsam besuchten sie dann einen von Al Gores Vorträgen und kamen schnell zu dem Schluss daraus einen Film zu machen. Nun war es an der Zeit Gore auch von dem Projekt zu überzeugen, was schließlich auch sehr schnell gelang, denn Gore realisierte alsbald, dass seine Präsentation, mit der er auf der Bühne Hunderte oder vielleicht Tausende von Menschen erreichen konnte, im Kino das ein Millionenpublikum beeinflussen könnte.
Als Regisseur wurde Davis Guggenheim verpflichtet, der bislang sehr erfolgreich im amerikanischen Fernsehen tätig war für Serien wie "24" oder auch "Alias". Mit seinem Filmstil gelingt es ihm, dass der Film zu keiner Zeit langatmig oder gar langweilig wird, obwohl es ja eigentlich nur um Wissenschaft geht. Durch die kontinuierliche Einstreuung von Szenen aus Gores Privatleben, verleiht er dem Film einen persönlichen und intimen Touch.

"Ich war völlig begeistert und wollte, dass diese Geschichte möglichst viele Menschen erreicht und das möglichst schnell. Als Filmemacher träumt man davon, dass einen eine Story sofort anspringt; ich hatte das Gefühl, dass ich in meinem Leben nur darauf gewartet hatte, diese Geschichte umzusetzen."Davis Guggenheim

Guggenheim und Gore bauten während der Dreharbeiten eine immer enger werdende persönliche Beziehung auf, so dass auch wirklich intime Details aus dem Leben Gores in den Film einflossen.
Anfangs hatten die Filmemacher große Bedenken, wie der Film wohl vom Publikum und auch von den Kritikern aufgenommen werden würde, denn im Prinzip dreht er sich ja "nur" um die Themen globale Erwärmung und Al Gore. Aber schon bei seiner Premiere beim Sundance Film Festival wurde er mit stehenden Ovationen gefeiert und alle Zweifel waren auf einen Schlag ausgeräumt. Al Gore hat auch ein Buch mit demselben Titel veröffentlicht, dass ab Oktober auch als deutsche Fassung erhältlich sein wird.

Fazit: "An Inconvenient Truth" ist eine kraftvolle und nachdenklich stimmende Dokumentation, die sich nicht nur jeder Amerikaner ansehen sollte. Der Kampf gegen globale Klimaerwärmung und gegen die Produktion von Treibhausgasen benötigt dringend einen prominenten und charismatischen Fürsprecher und hat diesen in Al Gore gefunden.


Jetzt kommentieren? / 2 Kommentare

  1. Veremar

    Veremar / 29.12.2007 13:38:58

    Eine interessante Dokunebtation, egal ob man den Theorien zustimmt oder nicht.


    5 Sternen

  2. Gambit521

    Gambit521 / 23.07.2008 05:16:44

    Ja und Al gore ist wieder im Rennen


    nicht bewertet


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Eine unbequeme Wahrheit (An Inconvenient Truth)
United International Pictures

Regisseur

Davis Guggenheim

Schauspieler

Al Gore