Verfasst von Michael Schied am 29.04.06 13:46:12 - 0 Kommentare

Mughal-e-Azam

Moviereporter-Bewertung:
  • 5.5/6 Sterne.
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Land Indien

Genre Bollywood, Drama, Krieg, Romanze

Laufzeit: 198

Jahr 1960


Kinostart: 05.06.1960
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Inhalt

"Mughal-e-Azam" (1960/2004)

Jalal-ud-din Mohammad Akbar (Prithviraj Kapoor), Großmogul von 1556 bis 1605, hat Indien zu Größe und Ansehen geführt. Sein Sohn Prinz Salim (Dilip Kumar), den seine Frau Maharani Jodha Bhai (Durga Kote) erst nach Gebeten von Sufi-Heiligen gebar, hingegen ist von ausgelassener und aufsässiger Natur. Er übertritt die Grenzen des Respekts, was für die Zukunft Indiens nichts gutes erahnen läßt. Akbar schickt Salim in den Krieg, damit der Charakter des jungen Prinzen gestählt wird. Nach 14 Jahren kehrt dieser als siegreicher General an den Hof zurück, bleibt jedoch seinem poetischen Wesen treu. Bei den Feierlichkeiten zu seiner Rückkehr lernt Salim eine Tänzerin kennen, die Akbar als Dank für ihre Kunst den Namen Anarkali (Madhubala) gibt. Salim und Anarkali verlieben sich in der Folge ineinander, und Prinz Salim plant, Anarkali zur nächsten Herrscherin Indiens zu machen. Kaiser Akbar, den Prinzipien und der Verantwortung verpflichet, fürchtet um den Fortbestand des Reiches. Gemäß Akbars verhindert der soziale Stand eine solche Verbindung, die darüber hinaus zu Unruhen in der Provinz Ajmer und der Rebellion der Rajputen um ihren Führer Durjan Singh (Ajit) führt. Akbar stellt Salim das Ultimatum, Anarkali abzuschwören. Es kommt zum Bruch, und Akbar und Salim stehen sich im Kriegsfeld gegenüber. Salim verliert diesen Krieg und soll nun hingerichtet werden. In letzter Minute bietet Anarkali ihr Leben im Tausch gegen das Leben Salims an. Nun wird Akbar von einer Hofdame, die zugleich die Mutter von Anarkali ist, an ein Versprechen erinnert, das dieser ihr zur Geburt Salims gegeben hat. Sie hat bei Akbar einen Wunsch frei, appelliert an seine Gerechtigkeit und fleht nun um das Leben ihrer Tochter.

Kritik

Hintergrund
Die Liebesgeschichte zwischen Prinz Salim und der Tänzerin Anarkali an sich ist nicht überliefert: Sie regt jedoch seit jeher die Phantasie des Landes an. Mughal-e-Azam zählt mit 3 Millionen US-Dollar (40 Millionen nach Stand des Jahres 2004) zu den aufwendigsten und teuersten Filmproduktionen Indiens. Es spielen die bekanntesten Schauspieler der Zeit: Prithviraj Kapoor, der Gründer des Kapoor-Filmklans, Madhubala, die "Venus" von Bollywood und Dilip Kumar, der König der Tragödie im indischen Kino. Neun Jahre dauerte schließlich die Produktion, die jetzt vorliegt. Regisseur Asif ließ es in diesem Projekt an nichts sparen. Asifs Drang nach Perfektion erhielt einen weiteren Auftrieb, als im Jahre 1957 die Farbtechnologie in Indien Einzug hielt. Er drehte nun die Szenen in Farbe und plante, die bereits abgedrehten Szenen nochmals zu produzieren. Die Geldgeber des Films verloren jedoch die Ungeduld. So gelang für über vierzig Jahre eine Fassung des Films in das Bewußtsein Indiens, die zu 85% aus Schwarz-und-Weiß- und zu 15% aus Farbszenen bestand. Im Jahre 2004 ließ die Produktionsfirma jedoch die Pläne Asif Wirklichkeit werden und nach 30monatigen Arbeiten wurde eine restaurierte kolorierte Fassung fertiggestellt.
Mughal-e-Azam zählt zu einem der klassischen Epen des indischen Kinos und ist der viert erfolgreichste Film aller Zeiten. Der Film beginnt und endet mit der Reliefkarte Indiens und unterstreicht eine nationalistische Bedeutung des Projekts. Er erinnert gerade an diejenige Periode des Landes, die in der Nehruschen und muslimischen Geschichtsschreibung als eine Blüteperiode in Kunst, Kultur und Architektur gilt. Diese Periode wird oft als ein Beispiel des religiosen Frieden und Toleranz herangezogen, um die nationale Botschaft der Einheit zwischen Hindus und Muslimen zu vermitteln.

Kritik
Mughal-e-Azam schwelgt geradezu in graziösen Bildern der Zeit Akbars. Eine poetische Sprache, reich an Gleichnissen läßt den Zuschauer an diesem Erbe teilhaben. Hier gelingt es Asif, die geschichtlichen Begebenheiten und Ereignisse mit heutigen Themen zu verbinden. Die Frage des Verhältnisses des Einzelnen und seinen persönlichen Wünschen zu Pflicht, Gehorsam und Verantwortung ist das Thema des indischen Kinos schlechthin. "Mughal-e-Azam" stellt anhand der historischen Vorlage der legendären Liebe zwischen Salim und Anarkali hier eine Reihe von wichtigen Fragen und übermittelt Botschaften. Zunächst stellt der Film die Institutionen der Pflicht und der sozialen Ordnung als solche nicht infrage. Für die Nation ist persönliches Glück zurückzustellen. Die Liebe zwischen Salim und Anarkali ist zum Scheitern verurteilt. Ja sie wird mit dem Zerfall Indiens gleichgesetzt. Jedoch stimmt der Film hoffnungsvoll. Es dominieren Appelle, um die Liebe zu kämpfen und die Klassenschranken (zumindest) anzuzweifeln. (Salim): "Liebe, die sich fürchtet, ist nicht Liebe, sondern Lust und Sünde." Einer der berühmtesten Lieder des indischen Kinos, dargestellt von Madhubala im kaiserlichen Glasspalast, klingt ähnlich: "Was ist Furcht im Angesicht von Liebe." Salim schließt mit den Worten persönlich sein Leben ab, "für Wahrheit und Liebe Opfer zu bringen und das Herz über Reichtum (zu stellen)". Der Film kann folglich die Haupthelden, die auch im wirklichen Leben eine Affäre hatten, nicht in Verzweiflung oder Tod zurücklassen, sondern er sucht einen menschlichen Ausweg. Die Schauspieler überzeugen. Madhubala ist zauberhaft. Dilip Kumar besticht durch seine Präsenz -oft durch einfaches Schweigen. Ein wichtiges Prinzip wird durch die Hofdame, Mutter Anarkalis, eingeführt. Sie fordert Akbars Gerechtigkeitssinn heraus. Damit wird dem Film eine positive Wendung gegeben, auch wenn Salim und Anarkali sich trennen. Das Netto-Resultat dieser Philosophie mag widersprüclich sein, jedoch verläßt der Zuschauer im Gedanken an die Größe Akbars und Indiens mit einem guten Gefühl den Kinosaal.

Empfehlung
Bilder, Sprache und Musik sind die wichtigen Faktoren in Asifs Film. Der Film ist teilweise nostalgisch, was ihn für den einen oder anderen möglicherweise lang erscheinen läßt. Vielleicht hätte der Film hier gekürzt werden können, doch dann wäre er einiger schönen Bilder und Einstellungen beraubt worden. Der Zuschauer wird, wie auch immer, von diesen eingenommen sein.

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