Tal der Wölfe - Irak
Kurtlar Vadisi - Irak
Inhalt
Vom Fernsehen auf die große Leinwand - Türkische Serie sorgt im Kino für Furore.4. Juli 2003: Ein türkischer Militärposten im Nordirak erhält Besuch von den amerikanischen Nato-Partnern. Soweit nichts Ungewöhnliches. Aber dann geschieht etwas, das das türkische Volk bis heute nicht vergessen hat: Die Amerikaner führen die türkischen Soldaten mit Säcken über den Köpfen ab auf einen Truck und verweisen sie des Landes. Die Demütigung sitzt tief; so tief, dass einer dieser Soldaten lieber sterben möchte, als noch länger mit der Schande zu leben. Er schreibt einen Abschiedsbrief an seinen Bruder, in dem er ihn bittet, für ihn Gerechtigkeit walten zu lassen und den Verantwortlichen für diese Aktion, Sam Marshall (Billy Zane), zu bestrafen. So macht sich Agent Polat Alemdar (Necati Sasmaz) mit seinem Team auf den Weg. Zur gleichen Zeit feiert Leyla im Irak ihre Hochzeit. Als traditionell dabei in die Luft geschossen wird, nutzen amerikanische Soldaten dies als Vorwand, die Gesellschaft als Terroristen verhaften zu lassen. Dabei kommt es zu einem Unglück: Ein kleiner Junge stupst immer wieder das Gewehr eines Soldaten an, so lange bis sich bei der Automatik-Waffe ein Schuss löst. Der Anblick des toten Kindes verursacht ein Massaker. Leyla schwört Rache. Als sich zufällig Leylas und Polats Wege kreuzen, beschließen sie, Sam Marshall gemeinsam zu stoppen.
Kritik
Es fing schon an der Kasse an: „Sind Sie sich sicher? Der Film ist auf Türkisch.“ Ja, ich war mir sicher und habe mir das Untertitel-Lesen angetan. Die politische Diskussion um den Film hat mich neugierig gemacht. Eine Seite sagt, es werde blinder Anti-Amerikanismus propagiert, die andere Seite meint, Amerikaner haben sich schon weitaus schlimmeren Stereotypbildern in eigenen Action-Filmen bedient; und ich muss gestehen, dass jeder Jean-Claude van Damme-Film der letzteren zu 100% Recht gibt. Auch wenn man die Qualität der beiden Filme zunächst nicht miteinander vergleichen kann, so musste ich doch sofort an den Film München denken: Es beginnt mit einer wahren Begebenheit, die eine tiefe Demütigung für ein Volk darstellt. Das Volk möchte Rache und bekommt sie auch. Bei Tal der Wölfe wird nur der Hauptdrahtzieher verfolgt, in München werden auch die Hintermänner ermordet. In Tal der Wölfe weiß man, dass er es war, in München sind sich nicht einmal die Agenten sicher. So viel zum Thema Steine im Glashaus werfen. Doch natürlich strotzt der Film nur so vor Amerika-Kritik: Die Soldaten wissen, dass in die Luft zu schießen bei Hochzeiten eine Tradition ist und trotzdem wird die Gelegenheit auf eine brutale Razzia gleich genutzt. Die Verhafteten der Hochzeitsgesellschaft werden nach Abu Greihb gebracht und dabei werden Szenen mit nackten Gefangenen und einem Lyndie England-Klon nachgestellt. Politisch versteckt sich aber schon hinter den ersten Szenen des so genannten „Hood Events“ einiges an Brisanz: Man könnte meinen, Amerikaner wären schlechte Verlierer, wo doch genau drei Monate vorher die Türkei es abgelehnt hatte, die US Army auf ihre nordirakischen Militärstützpunkte zu lassen.Der ganze Frust wird jetzt auf Antagonist Sam Marshall (köstlich: Billy Zane spricht Türkisch!) projiziert und der liefert jede Menge Gründe, warum man ihn nur hassen kann. Die Ziele, die er perfide verfolgt sind dabei eigentlich simpel: Gekonnt spielt er Turkmenen, Kurden und Araber gegeneinander aus, so bleiben die Ölfelder für die Amerikaner. Auf dem Weg dahin nimmt er jede Gelegenheit wahr, sich persönlich zu bereichern und wenn wir schon dabei sind können wir ja noch versuchen, das Christentum zu verbreiten. Damit wären wir beim Thema Religion, das in Tal der Wölfe eine eigene Rolle spielt. Es wird deutlich gemacht, dass wirklich jeder „Dreck am Stecken“ hat: Ein Moslem begeht ein Selbstmordattentat, ein Christ legt alles andere als Nächstenliebe an den Tag und ein Jude wird selbst zum Dr. Mengele. Dem Film Antisemitismus zu unterstellen liegt zwar nahe, aber wer dem Film aufmerksam folgt, merkt, dass hier wirklich jeder sein Päckchen zu tragen hat. Selbst das unsinnige Bekämpfen der moslemischen Glaubensbrüder untereinander wird angesprochen. Tal der Wölfe hat immer wieder ein Identitätsproblem. Der Film kann sich nicht entscheiden, ob er jetzt ein kritischer Film sein möchte, der zum Nachdenken anregt, oder ob er ein reißerischer Action-Film mit platten Dialogen sein möchte. Für beides hätte der Film Potential. Da gibt es einen Scheich, der sich glaubhaft gegen Selbstmordattentate und Geiselmorden vor laufenden Videokameras ausspricht und deutlich macht, dass das nichts mit dem Islam zu tun hat. Da sitzen ein Christ und ein Jude zusammen und diskutieren, wer das ältere Anrecht auf das Paradies hat. Bei dieser Szene bleibt einem das Lachen fast im Halse stecken. Doch prompt kommt wieder der seichte Search&Distroy-Film durch wenn patriotische Sprüche geklopft werden, die dem deutschen Kinogänger nicht zugänglich sind und eher Kopfschütteln als Zustimmung hervorrufen. Die Zerrissenheit lässt sich eventuell damit erklären, dass der Film eine Auskopplung der gleichnamigen TV-Serie ist, die seit 3 Jahren in der Türkei läuft und dort Kultstatus genießt. Man versuchte sich wohl an dem Spagat, sowohl dem niveaugewöhnten Kinopublikum, als auch den Serienfans gerecht zu werden. Eine kleine Bemerkung am Rande: Bei allem Gehabe, man wolle nicht wie der Westen sein, fiel mir trotzdem der Titelheld auf. Polat ist erstaunlich „stylisch“; Frisur, Hut, Mode, Gestik und der obligatorische schwarze BMW sehen für mich sehr westlich aus. Im Laufe des Films erhält man immer wieder Einblicke in die verschiedenen Mentalitäten und das heutige irakische Alltagsleben, wie zum Beispiel aus Befreiern Besatzer wurden, die nachts überfallartig Privatwohnungen durchsuchen. Dass dabei ein tiefes Ehrgefühl verletzt wird, sieht man auf CNN nie. Das politisch Gefährliche (FSK 18 ist nicht der Film selbst, sondern, die Einstellung mit der die Zuschauer ins Kino gehen. Jede Zielgruppe kann seine eigene Botschaft bestätigt sehen.
Fazit: Ein interessanter Blick auf die andere Seite für jene, die sich nicht von den Untertiteln und so manchen urpatriotischen Dialogen vergrämen lassen.
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Regisseur
Schauspieler
Bulbul Altinkafes, Necati Sasmaz, Billy Zane, Ghassan Massoud, Gürkan Uygun, Bergüzar Korel, Kenan Çoban, Erhan Ufak, Diego Serrano, Gary Busey, Spencer Garrett, Tito Ortiz, Nusret Senay, Tayfun Eraslan, Ismet Hürmüzlü


