Godforsaken
Van God Los
Inhalt
Der holländische Beitrag in Sachen Gangster-Crime-Film erzählt die Geschichte eines Jugendlichen, der mit dem Leben, das sich seine Mutter gewünscht hat, nicht zufrieden ist. Eine Unzufriedenheit, die neue Gleisen legt… und ihn auf die falsche Bahn bringt.Van God Los aka Godforsaken ist eine reine Grandwanderung hinsichtlich der Frage, ob es sich lohnt, diesen Film zu sehen oder nicht. Als ich die Videothek betrat hat es nicht lange gedauert bis ich den Film im Regal habe stehen sehen. Was war es, das mich gelockt hat, das mein Interesse geweckt hat? Ich denke das Cover; gepaart mit meiner Leidenschaft für solche Filme… ja, ich denke diese Mischung hat mich nicht lange zögern lassen, Godforsaken -oder besser die kleine, weiße Karte darunter- mit zur Kasse zu nehmen.
Stan (Weeber) lebt in einem riesigen Haus, umgeben von teuren Möbeln und teuren Gegenständen. Die Preise bezüglich der Kleidung der Mutter haben sich ebenso vervielfacht; seit sie mit dem Zahnarzt zusammen ist, dem "Stiefvater" von Stan - "Bist du nicht der Sohn von dem Zahnarzt?", heißt es immer wieder und Stan hasst diese Frage, denn nein, dieser Mann soll nicht den Titel Stiefvater erhalten. Nicht umsonst lässt Regisseur Pieter Kuijpers die beiden nicht ein einziges Wort in dem Film wechseln.
Von seiner Aufmachung, von seinem Genre her hat mich Godforsaken ein wenig an Blood In Blood Out erinnert, da auch hier versucht wird, Crime und Drama unter einen Hut zu bekommen. Allerdings muss man sagen, dass es Taylor Hackford, Regisseur von Blood In Blood Out (Bound By Honor), definitiv besser gelungen ist. Das heißt nicht, dass Godforsaken richtig schlecht ist, aber eben schon mal nicht so gut wie der von mir auserwählte Vergleichsfilm.
"Lass nie jemanden zu nahe an dich herankommen, niemals"
Ich möchte den Film also in Hinsicht des Genres in zwei Teile splitten und diese jeweils einzeln betrachten und bewerten: erstens Drama - schon von Beginn an werden uns die Sorgen von Stan nahe gebracht. Doch wissen wir nicht, dass es sich vorerst nur um banale oberflächliche Probleme handelt. Was viel tiefer sitzt ist der fehlende Kontakt zu seinem leiblichen Vater, das kann ich, denke ich, sagen, ohne damit etwas zu verraten. Tja, in Sachen Drama möchte der Film so einiges und schafft es auch immer wieder, Einzelschicksale einigermaßen tragisch darzustellen, was mich im Endeffekt aber nicht gänzlich überzeugt hat; nicht zuletzt, da die Darsteller nur mittelmäßig sind und vor allem die verzerrte, gewaltverherrlichende Fratze von Maikel Verheije (Gernandt) geht einem irgendwann, wenn man sie dann zum fünfhundertsiebenundsechzigsten Mal gesehen hat, auf den Geist; obwohl er in so manchen Szenen etwas aufblitzen lässt, das schauspieltechnisch gar nicht so übel ist. Nun ja, Stan selbst schaut auch hin und wieder völlig dümmlich in die Kamera und entzieht der Figur somit jegliche Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit, ist aber nicht die ganze Zeit über schlecht. Und der Punker und Junkie (nur er merkt es nicht) Sef (Wittermans) nervt eigentlich nur.
So, nun bin ich ein wenig vom eigentlichen Thema abgekommen. Also… Drama: alles geschieht letztlich zu plötzlich, der Film hat keine gute Einleitung und da einige Szenen zudem auch recht unrealistisch erscheinen, verliert die erhoffte Dramatik von Van God Los an Wirkung.
Nun zum Thema Crime: leider sieht es an dieser Stelle noch schlechter aus. Nun gut, während Blood In Blood Out mein Vergleichsfilm bezüglich der Dramatik des Films war, ist es in Sachen Crime der Genrefilm schlechthin: Pulp Fiction (ja ich weiß, das ist ungerecht, aber man muss sich eben mit den Besten messen). Ich verlange wirklich von keinem Film, dass er den Status von Quentin Tarantinos Geniewerk erreicht, denn das ist in etwa so unmöglich wie das Erreichen eines Weltmeisterschaftfinales der Nationalmannschaft von Holland… ohne einmal zu spucken. Nein, aber zumindest ansatzweise hätte da ja etwas kommen können, das in seiner eigenen speziellen Art und Weise überzeugt. Doch außer den bekannten Schusshaltungen (ausgestreckter Arm, kein Zögern) wurde der Film äußerst stillos inszeniert; nichts, woran ich mich im Nachhinein besonders erinnere, mal abgesehen von der wohl absurdesten Szene des Films, in der Anna Sprengers (Schijf) ins Bild kommt, der Situation wegen eigentlich ziemlich fertig sein müsste, man als Zuschauer schon gespannt ist, was sie nun sagen wird, und dann sagt sie: "Ich muss zur Toilette"… und ich habe eine wunderbare Überleitung zum nächsten Manko des Films gefunden (sie ahnen es) -genau, die Dialoge oder besser die Synchronisation. Also, ein Wort dazu: unterirdig.
Wie schon am Anfang erwähnt bewegt sich die Qualität des Films auf einer ziemlich dünnen Leine, fällt aber nicht wirklich in die Tiefe, sackt ab und zu ein wenig ab, kann sich aber immer wieder halten, um am Ende… Fazit abwarten.
Stan lernt den Amateurgangster Maikel kennen, der dann und wann ein krummes Ding mit Sef dreht, der Junkie, dem man nicht sagen darf, dass er ein Junkie ist. Stan wird zu einem spontanen Gehilfen Maikels, den es nicht viel Mühe kostet, den jungen Mann auch weiterhin für sich und seine Vorhaben zu gewinnen. Von nun an sind sie eine Gang (ja ganz recht, sie hören hier ein wenig Ironie aus den Worten heraus), die sehr bald ein erstes Opfer findet, woraufhin sie prompt und ohne jegliche Ausbildung zu Auftragskillern eines Türken namens Osman (Torun) werden… eine steile Karriere, meine Herren. Und die Dinge nehmen ihren Lauf und steuern in relativ kurzer Spieldauer auf ein Finale hin, das wiederum überrascht (ich erinnere an die dünne Leine, die am Schluss wieder etwas dicker wird). Das Ende ist wirklich in Ordnung und liefert uns auch einen Zusammenhang zu Bildern, die wir anfangs gesehen haben, aber nicht einordnen konnten. Ein winziges Geheimnis wird gelüftet, kein herausragender Effekt wie in The Sixth Sense und dennoch… ja, der Schluss bereinigt einiges.
Auch dieser Film soll auf einer wahren Begebenheit beruhen: als Vorbild diente hier eine reale Bande, die in dem Jahr 1999 in Venlo und Umgebung ihr Unwesen getrieben haben soll. Und noch ein Detail: auf dem DVD-Cover ist zu lesen, dass Van God Los die niederländische Antwort auf Natural Born Killers sei, doch mit dem selbst gewählten amerikanischen Vorbild hat der Film außer der Altersfreigabe nun wirklich rein gar nichts gemeinsam.
Kritik
So muss ich zu dem Fazit kommen, dass Godforsaken kein Muss ist, es aber nicht der filmische Weltuntergang ist, wenn man ihn sich denn anschaut. Der Film ist nicht gut, hat sich im Endeffekt aber doch vom holländischen Goudastatus abgehoben. Allerdings wären da manche Filme des Genres zu bevorzugen - alles, was Quentin Tarantino je gedreht hat oder jeden Film, an dem er in jedweder Form beteiligt war, City Of God, Blood In Blood Out, um nicht alle zu nennen.Jetzt kommentieren? / 0 Kommentare
Regisseur
Schauspieler
Egbert Jan Weeber, Tygo Gernandt, Angela Schijf, Mads Wittermans, Selma Avkapan, Tamer Avkapan, Marnie Blok


