Adams Äpfel (2005)
Adams æblerHandlung
Eine Komödie über Gutmenschen und Unverbesserliche.
Es geht um den überzeugten Gutmenschen Ivan, ein Landpfarrer in der dänischen Provinz, dessen Barmherzigkeit vor nichts und niemandem Halt macht. Ivan resozialisiert in seiner Oase der Nächstenliebe überführte Straftäter. Als es den überzeugten Alt-Neonazi Adam, einen 40-jährigen Erbärmling, in Ivans Kirche verschlägt, sind die Rollen klar verteilt - scheinbar. Doch in Anders Thomas Jensens Filmen kommt es häufig anders als man denkt. Schon sehr bald wird deutlich, dass Adam, der eigentlich unter der wohligen Behaglichkeit seiner Hitlerbildchen die Resozialisierungsmassnahme aussitzen will, der ignoranten Gutmütigkeit des Pastors nicht gewachsen ist.
Besetzung / Stab
Regie
Kritik
Meinem ehemaligen Physiklehrer gebührt Dank. Wieso? Er brachte mich auf diese Filmperle, als er mal wieder nicht unterrichten wollte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich wenig bis gar keinen Schimmer vom dänischen Film. "Mads Mikkelsen - ja, mal von gehört, mehr aber auch nicht. Ulrich Thomsen? Nie gehört..." Das sollte sich mit diesem Film schlagartig ändern. Wenn man sich bei Komödien bisher nur mit britischen, amerikanischen oder den deutschen 0815-Filmen beschäftigt hat, so wird der dänische, schwarze Humor, wie er oft in dänischen Filmen vorkommt, einen zunächst schocken. Sicherlich ist das nicht jedermanns Geschmack, aber zumindest reinschauen lohnt sich, besonders bei "Adams Äpfel", denn der hat es wirklich verdient!
Im ersten Viertel des Films fragte ich mich eigentlich nur, was ich von "Adams Äpfel" halten soll. Ein Pfarrer und ein Neonazi in einem Auto, die "How Deep Is Your Love" von Take That hören. Seltsam? Ist es auch. Sehr sogar. Zunächst dachte ich ja, dass es sich tatsächlich um ein Drama handeln würde. Aber diese ungewohnt, komischen Situationen, die ich sonst noch nirgends gesehen hatte... wow! Weitere Beispiele sieht man bereits im Trailer.
Als reine schwarze Komödie ist "Adams Äpfel" jedoch auch nicht zu sehen, sicherlich ist auch der dramaturgische Faktor des Films passend vorhanden. Eine fröhlich, lockere Stimmung kommt bei "Adams Äpfel" jedoch nicht auf, was hier positiv zu sehen ist. So kommen die überaus plumpen Witze und die Situationskomik noch überraschender und wirken gleich doppelt. In gewissen Szenen gibt es sogar Punkte, wo man wirklich nicht genau weiß, ob man nun Lachen soll, da ernste Themen auf eine gewisse Weise total ins Lächerliche gezogen werden, was positiv aufzunehmen ist (Beispiel: Szenen mit Ivan's Sohn und dessen Erläuterungen zu ihm).
Das Ganze wird zusätzlich von einem angenehm ruhigen Score untermahlt, zwischendurch läuft auch immer mal wieder "How Deep Is Your Love". Sehr amüsant. Die deutsche Synchronisation kann sich durchaus sehen lassen, wirkt sie doch bei fast allen Charakteren glaubhaft. Bis auf eine Ausnahme - die Nebenrolle des Arabers Khalid wird zu gekünstelt und klischeehaft gesprochen, leider. Das fällt in einigen Szenen schon ziemlich auf, schade drum.
Die darstellerische Leistung der Hauptakteure hat mich wahrlich beeindrucken können, darunter besonders Mads Mikkelsen als Pfarrer Ivan. Die Ignoranz, die der Charakter benötigt, wird bestens rübergebracht und man kommt einige Male wirklich ins Staunen. Ich hoffe, Mikkelsen wird international noch erfolgreicher, so dass wir Ihn öfter auch in unseren Kinos sehen können (demnächst in "Valhalla Rising"). Sein Talent hat er ja bereits im "Bond"-Film "Casino Royale" als Bösewicht beweisen können, wenn er dort auch etwas zu kurz kam.
Hauptdarsteller Ulrich Thomsen (spricht übrigens fließend Deutsch, weshalb er auch in vielen deutschen Produktionen mitwirkt) weiß ebenso zu überzeugen, was sich in seiner hin- und hergerissenen Rolle auch zeigen kann. Ihn kann man im ersten "größeren" Film von Tom Tykwer, "The International", sehen. Das ist meines Wissens seine erste Rolle in einer großen Hollywood Produktion. Der Rest des Casts ist auch in Ordnung, sticht aber sonst nicht sonderlich heraus, so dass man genauer darauf eingehen müsste.
Der Film bietet uns also eine tolle Geschichte, wobei Adam, unser Hauptcharakter, beim Brechen von Ivan's Glauben feststellen muss, dass er an sich selbst zweifeln muss und an dem was er tut. Adam ist also mit Sicherheit nicht nur ein tumber Neo-Nazi, sondern erweist sich als äußerst intellektuell (also keine falschen Erwartungen hegen). So weiß er immer was zu tun ist und wie er die Verhältnisse weiter aufklären kann, wodurch die Story gut vorangetrieben wird. Es entstehen keinerlei Längen und es kommt auch keine Langeweile auf.
Das Ende des Films, oder besser gesagt das letzte Viertel, wartet mit einigen Wendungen auf, mit denen man so nicht gerechnet hätte. Dabei will der Regisseur auf keinen Fall zu viel, es passt alles. Nur wirklich gegen Ende hin war bereits absehbar wie der Film sich fortsetzt, was jedoch nicht sonderlich schlimm sein sollte.
Fazit: Alles in allem ist Anders Thomas Jensen eine tolle, tiefschwarze und auch dramatische Komödie gelungen, die ich persönlich so noch nicht gesehen habe. Für mich ist das in jedem Fall Anlass, mich mehr dem dänischen bzw. skandinavischen Film zu widmen. Wer also offen für neue, frische Komoedien ist - ansehen!

Kommentare
tarantino
geschrieben am 05.12.2009 um 20:58:53
KULT made in Dänemark!
Anders Thomas Jensen schreibt und dreht nur Kult.
Guybrush
geschrieben am 13.12.2009 um 16:13:00
oh was hab ich gelacht....
TheSmurf
geschrieben am 14.12.2009 um 15:23:00
Hab ihn von nem Freund empfohlen bekommen und hab herzlich gelacht! Die Dänen wissen schon was sie tun. Geiler Film
NeoData17
geschrieben am 14.12.2009 um 15:27:05
Der Film ist einfach ummwerfend...
KingKong
geschrieben am 15.12.2009 um 12:44:28
Ein dänisches Meisterwerk!
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