Verfasst von André Gabriel am 28.03.06 17:09:56 - 0 Kommentare

Owning Mahowny

Moviereporter-Bewertung:
  • 4.5/6 Sterne.
Leserwertung (1): 4.0 / 6

Land Kanada

Genre Drama

Laufzeit: 104

Jahr 2003

Webseite
Trailer

Kinostart: 07.10.2004
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Inhalt

Nach einer wahren Begebenheit, die 1987 bereits in dem Roman Stung: The Incredible Obsession of Brian Molony aufgearbeitet wurde.

Das Jahr 1980. Dan Mahowny (Philip Seymour Hoffman) arbeitet in einer angesehenen Bank in Toronto, Kanada. Er wurde erst kürzlich befördert, gilt als unbestrittenes Talent in seinem Fach. Seine Arbeitskollegin Belinda (Minnie Driver) ist auch zugleich seine Partnerin. Gerade erst haben sie eine neue gemeinsame Wohnung bezogen.
Dan Mahowny ist spielsüchtig. Zu Beginn des Films hat er bei seinem Buchmacher Frank Perlin (Maury Chaykin) 10300 Dollar Schulden. Mahowny wettet auf alles. Er besucht Pferderennen, setzt auf Sportvereine und fliegt regelmäßig nach Atlantic City oder auch mal abwechslungsweise nach Las Vegas, um die hiesigen Spielcasinos zu besuchen und die gesamte Nacht über Black Jack, Würfeln oder Roulette zu spielen.
Im Laufe des Films erleben wir den finanziellen Abstieg von Dan Mahowny, der sich nicht zu seiner Spielsucht bekennt und stattdessen immer von finanziellen Problemen spricht. Auch leidet die Beziehung zu Belinda darunter, kapselt er sich doch in seinem Rausch nahezu völlig von der Außenwelt ab. Und doch steigt er selbst zum "Starspieler" auf, als Victor Foss (John Hurt), Casinoboss in Atlantic City, feststellt, wie scheinbar emotionslos Mahowny Unmengen an Geld in seinem Casino verspielt.
Nur wie kommt dieser Durchschnittsverdiener an so viel Geld? Und an dieser Stelle setzt das ein, was die wahre Person Mahowny in den Jahren 1980 und 1982 berühmt gemacht hat, hat er doch für den größten Bankbetrug in der Geschichte Kanadas gesorgt, indem er falsche Schecks ausstellt und sich das Geld dann selbst auszahlt.

Owning Mahowny - nach einer wahren Begebenheit.

Kritik

Anfang der 90er Jahre in Toronto hat ein einziger Mann innerhalb von achtzehn Monaten die Bank, in der er selbst angestellt war, um rund 10 Millionen Dollar betrogen. Für dieses Verbrechen musste Brian Molony für sechs Jahre ins Gefängnis - Brian Molony, der seit seinem zwölften Lebensjahr keine 72 Stunden vergehen ließ, ohne eine Wette zu platzieren.

So viel also zu den Hintergründen. Nun zu der filmischen Umsetzung von Regisseur Richard Kwietniowski mit dem Titel Owning Mahowny, der bei näherem Hinsehen eindeutig clever ausgesucht wurde, ergibt sich aus dem Nachnahmen Mahowny durch bloßes Buchstabenumsetzen doch das Wort How Many.
Zehn Millionen Dollar soll der Film gekostet haben und man fragt sich ernsthaft, wo denn all das Geld geblieben ist. Nun ist das in Anbetracht der Filminhalte eine durchaus schmunzelhafte Frage, die aber dennoch berechtigt ist. Owning Mahowny ist rein filmisch betrachtet simpel gestrickt und verzichtet auf großspurige Inszenierungen und besondere Effekte. Was sich jetzt wie eine Kritik anhört, ist im Stillen ein Lob, denn solche Filme benötigen auch nichts anderes als eine direkte, eine geradlinige Erzählweise und Handlungsabfolge. Da ist es schon bemerkenswert genug und absolut ausreichend, dass zu Beginn die Niagarfälle gezeigt werden, die dann am Ende des Films noch einmal erhebliche Bedeutsamkeit erlangen, stellt dieser gemeinsame Trip von Dan und Belinda zu den Niagarafällen doch das weitere Zusammenbleiben der Hauptcharaktere aus und isoliert den kranken Protagonisten zugleich indirekt von seiner Sucht. So kann man also festhalten, dass Kwietniowski alles richtig gemacht hat und zudem wurde auch der Score gut ausgewählt.

Am besten gefallen hat mir die durchgängige Art und Weise, wie hier die Spielsucht dargestellt wurde - nämlich als das, was es ist: als Rausch. Der Zuschauer erlangt ein gutes Gefühl davon, was scheinbar im Kopf eines Menschen wie Mahowny vorgeht, wenn dieser am Roulettetisch sitzt. Der Nervenkitzel, die Anspannung, all das waltet im Falle von Dan Mahowny allerdings nur unterschwellig. Hervorzuheben ist an dieser Stelle die Szene, in der er sich mit Belinda und Freunden in deren Wohnung befindet. Nebenbei läuft ein Basketballspiel, auf das er gewettet hat. Seine Mannschaft gewinnt auch, jedoch nur mit einem Punkt Differenz... für einen Sieg Mahownys hätten sie mit mindestens zwei Punkten Unterschied gewinnen müssen. Damit das noch nicht alles ist: kurz vor Spielende hat die Siegermannschaft zwei Freiwürfe vergeben. Nun muss man sich nur in diese Situation versetzen und spürt schon innerlich den Drang, vor Ärger und Wut kräftig gegen die Wand zu schlagen. Nicht Mahowny. Er ist ruhig, nach außen hin immer ruhig. Er lässt lediglich den Kopf hängen, kehrt für einige Sekunden in sich. Und der Zuschauer spürt, dass es ihm gar nicht mal um das Gewinnen hoher Summen geht, sondern schlichtweg um den Kick, um genau das, was da gerade mit ihm passiert ist, als er die letzten Sekunden des Spiels beobachtet hat. Einzig und allein die Tatsache, dass er das Geld, welches er verliert, eigentlich nicht besitzt, lässt ihn innerlich verzweifeln. Doch würde all das Geld tatsächlich ihm gehören und er könnte buchstäblich aus dem Vollen schöpfen, ich vermute, dann würde sich Dan Mahowny überhaupt nicht über verlorene Dollar ärgern. Ein weiteres Indiz wäre die Szene, in der er tatsächlich neun Millionen Dollar in Atlantic City gewinnt, aber so lange weiter spielt, bis diese wieder verschwunden sind.

Ein weiteres Kompliment geht an den Drehbuchautor Maurice Chauvet. Und zu den Gründen ziehe ich dieselbe Szene heran, von der ich gerade schon gesprochen habe. Denn immer wieder gibt es Dialoge oder einzelne Sätze im Film, die wunderbar mit den Inhalten und der Aussage korrelieren. So sagt der Moderator nach dem Basketballspiel beispielsweise so etwas wie: nun ja, sie haben mit einem Punkt gewonnen... aber das reicht ihnen ja natürlich. Ja, ihnen schon, aber Mahowny nicht. Von dieser Sorte gibt es einige Aussagen im Film, Gespräche oder Gedankenfetzen, die teilweise sehr gut gewählt wurden, um dem Film die entsprechende Tiefe zu verleihen, um die Bilder zu unterstützen und wichtige Symbolik hinein zu bringen.

Nun aber zum Höhepunkt des Films: Philip Seymour Hoffman. Ein Schauspieler, der zumindest von der Academy kaum Beachtung fand, jetzt aber -und diese Auszeichnung ist längst überfällig- im Jahr 2006 endlich den Oscar für die beste männliche Hauptrolle erhielt (Capote). Hoffman ist das, was ich einen rundum perfekten Schauspieler nennen würde, hat er doch die Gabe, seiner Figur so immens viel Echtheit zu verleihen, dass dieser Charakter nahezu aus dem Fernseher oder aus der Leinwand springt, um dir als Zuschauer die Hand zu geben und sich vorzustellen. Philip Seymour Hoffman, einer der größten gegenwärtigen Charakterdarsteller.

Fazit: Owning Mahowny ist ein guter Film, ein gelungenes Drama über einen spielsüchtigen Mann, der in seinem Rausch sogar seine Partnerin vergisst oder vielmehr die Liebe zu ihr. Erst nach dem Spiel ist er wieder ganz bei Sinnen und sieht dann auch die Fehler, die er gemacht hat. Nur seine Sucht selbst sieht er nicht und wälzt das eigentliche Problem auf finanzielle Probleme ab. Bemerkenswert ist aber die Ruhe, die er dabei ausstrahlt. Da verzockt er regelrecht neun Millionen gewonnene Dollar und bekommt noch immer keinen Wutausbruch. Die Gründe dafür wurden aber bereits erläutert. Dennoch macht diese Eigentschaft den Charakter des Protagonisten so interessant. Er ist nicht der typische Klischeespieler, der Suchtmensch an sich, der währenddessen noch einige Drinks oder gar Drogen zu sich nimmt. "Sogar" eine kostenlose Prostituierte schickt er mit den Worten "Ich liebe nur eine Frau" wieder nach Hause, was den Menschen Dan Mahowny auch so überaus sympathisch macht. Und trotzdem ist er krank. Er muss eben nur zu seiner Krankheit stehen. Das allerdings geschieht erst, als seine kriminellen Machenschaften auffliegen. Owning Mahowny, ein gutes Portrait eines eher untypischen Spielers, brillant dargestellt vom überragenden Philip Seymour Hoffman.

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