Rocky Balboa
Inhalt
Rocky - Die Sechste!Rocky Balboa (Sylvester Stallone) bekommt die einmalige Chance noch einmal in den Ring zu steigen, um gegen den amtierenden Schwergewichtsweltmeister Mason "The Lion" Dixon (Antonio Tarver) anzutreten.
Kritik
Zum sechsten Mal verkörpert Sylvester Stallone den Boxer Rocky Balboa. Nach einem sehr schlechten fünften Teil wollte Stallone einen würdigen Abschied für seine Figur, die er aus finanzieller Not Mitte der 70er Jahre erschaffen hatte. Und dieser Abschluss der Reihe ist ihm absolut gelungen.Wurde Stallone, der einmal mehr Autor, Regisseur, Hauptdarsteller sowie Produzent des neuen Films ist, zuerst belächelt, dass er trotz seines fortgeschrittenen Alters noch einmal die Boxhandschuhe anziehen will, belehrte er mit dem abgelieferten Resultat alle Kritiker eines Besseren. Ein sehr gutes Boxer-Drama kam heraus, in dem nicht der Boxsport selbst im Vordergrund steht, sondern das Alt-werden und Veränderungen im Leben eines ehemaligen Champs. Frei nach dem Motto „Du kannst alles schaffen, egal wie alt du bist. Du musst es nur wollen“.
Einiges erinnert an den sehr guten ersten Film, der längst Kultstatus erreicht hat. Das sagt auch Stallone selbst, dass er mit „Rocky Balboa“ zurück zu den Wurzeln wollte und ihn an Teil eins anlehnen will. So geht Rocky an alte Schauplätze des ersten Teils zurück, woran man schnell sieht, wie sich die Zeiten geändert haben. Die Tierhandlung, in der seine Frau gearbeitet hat, ist nur noch eine Ruine, die Eishalle mittlerweile abgerissen. So fühlt sich auch der alte Schwergewichtsmeister und trauert der Guten Alten Zeit nach, bis ihm sein Schwager und Freund Paulie, der einmal mehr grummlig wie eh und je von Burt Young gespielt wird, die Augen öffnet. Er sagt ihm, dass die Alten Zeiten vorbei sind, und wir im Jetzt leben und Rocky sich damit abfinden muss. Daraufhin lernt er die Bardame Marie (wieder) kennen. „Wieder“, weil er sie aus Teil 1 noch in Erinnerung hat. Damals brachte Balboa die 12 jährige Marie nach Hause, woraufhin sie ihn wüst beschimpft. Allerdings hat auch sie sich verändert und hat nun einen Sohn. Irgendwie fühlt Rocky sich für sie verantwortlich, und hat jemanden gefunden, der ihn an die bereits erwähnten glorreichen Tage erinnert und verbringt viel Zeit mit ihr. Man könnte schon sagen, dass hier eine kleine Romanze eingebaut wurde, allerdings, und das ist die Schwäche des Drehbuchs, wird diese schön aufgebaut, um dann am Ende zu verpuffen und nicht wirklich aufgelöst wird.
Der Film beginnt schon, wie die alten Teile: Die bekannte Melodie erklingt und der Rocky Balboa Schriftzug läuft über das Bild. Dann sieht man einen Boxkampf. Nein, nicht Rocky´s letzten Kampf (in den vorangegangenen Teilen sah man immer die letzten Boxszenen des vorangegangenen Films und die Handlung setzte danach ein). Dies wäre unrealistisch, da mittlerweile 15 Jahre ins Land gezogen sind. Man sieht einen Kampf des neuen Schwergewichtsweltmeisters Mason Dixon, gespielt von einem echten Boxer. Dem Halbschwergewichtler Antonio Tarver. Sein Charakter wird gleich eingeführt als ein erfolgreicher, aber dennoch unpopulären Boxer. Nach einem schnellen K.O.-Sieg wird er ausgebuht und die Kommentatoren sprechen von seiner Dominanz im Ring, die die Zuschauer alles Andere als unterhaltsam empfinden. Danach bekommt man Eindrücke von Philadelphia zu dem Song „Take You Back“, gesungen von Slys Bruder Frank Stallone. Das selbe Lied war schon in Teil 1 zu hören, nachdem Rocky von der Boxarena nach Hause lief, ebenfalls zu Beginn des Films.
Rocky´s Gegner Mason Dixon ist Gott sei Dank nicht der typische Filmbösewicht. Nein, Tarver spielt seinen Charakter nicht so großkotzig wie seinerzeit Mr. T als Clubber Lang, aber auch nicht so kalt wie Dolph Lundgren als Ivan Drago. Dixon ist ein Boxer, der in jungen Jahren bereits alles erreicht hat und weiß, dass es niemanden gibt, der ihm nur annähernd das Wasser reichen kann. Darum geht er zurück zu den Wurzeln und will ein Boxer mit einem richtigen Boxerherzen werden, den die Massen lieben. Sein Alter Trainer sagt ihm, dass es immer einen besseren gibt. Dies versteht Dixon aber erst, nachdem er eine Lehrstunde im Ring vom alten Meister persönlich bekommen hat.
Stallone hat dem Boxer für diese Rolle kein schauspielerisches Können abverlangt, so dass Tarver die Paar Zeilen Text mit Bravur meistert. Offensichtlich hat er aus Rocky V gelernt und mutet dem Sportler dahingehend nicht zu viel zu. Im restlichen Teil des Films lässt Tarver dafür die Fäuste sprechen.
Der Boxkampf ist übrigens nicht gespielt. Stallone und Tarver boxen wirklich. Sly bekam dabei sichtlich ganz schön was ab, musste Tarver aber mehrmals animieren, ihn wirklich zu treffen, da der Boxer sich sehr zurück gehalten hatte. Schläge, die nicht getroffen haben, wurden in der Nachproduktion auch nicht mit Soundeffekten unterlegt.
Besondere Gänsehautstimmung kommt bei eben diesem finalen Kampf in Las Vegas auf. Die Fans auf den Rängen sind echte Boxfans, die eigentlich auf einen echten Boxkampf warten. Stallone wollte die Kulisse aber nutzen, um zu drehen. Als er im vollen Rocky-Outfit in die Arena lief, begannen die Fans ohne Zutun der Filmcrew zu gröhlen: "ROCKY, ROCKY, ROCKY!".
"So eine Stimmung kannst du nicht künstlich erzeugen" sagte Stallone in einem Interview hinterher „Das ist einfach echt und authentisch“. Als sein Gegner Mason Dixon einlief spielte sich das selbe ab: Ohne Animation der Crew wurde er maßlos ausgebuht und ausgepfiffen. Dazu sagte Tarver "Damit muss man einfach rechnen, wenn man gegen Rocky in den Ring steigt".
Stallones Sohn im Film wird diesmal von Milo Ventimiglia absolut glaubwürdig gespielt. Anders als in Rocky V ist also nicht Slys Leiblicher Sohn Sage Stallone als sein Filmssohn dabei.
Rocky jr. hat zu seinem Vater eine schwierige Beziehung, die ebenfalls zu Beginn des Films gezeigt wird. Rocky sr. will mit seinem Sprössling Zeit verbringen. Dieser arbeitet mittlerweile bei einer Bank und hat darauf sichtlich keine Lust, weil er der Meinung ist, dass er alles erreichte, nur seinem Namen verdanken kann und lieber selbst Jemand sein will. Also sagt er erst zu, mit seinem Vater zu essen, um dann kurz vorher wieder abzusagen. Rocky nimmt dies sichtlich mit. Als der Kampf zwischen dem Altboxer und dem jungen Champion ansteht, kommt er doch noch zu seinem Vater ins Restaurant, um ihm zu sagen, dass er damit sich und vor allem ihm, Rocky jr., schadet.
Nach einer Standpauke allerdings versteht Junior seinen Dad und versucht nun eine anständige Beziehung zu seinem Vater aufzubauen. Zu diesem Zeitpunkt hat dieser allerdings bereits einige Zeit mit Steps, dem Sohn von Marie, verbracht. Dieser Konflikt, diese Rivalität wird nur kurz angedeutet und hätte sehr viel Potential gehabt, was Stallone leider in Rauch aufgelöst hat. Eine weitere Schwäche des Drehbuchs.
Leider wird auch das Training für den Boxkampf nur in einer Collage gezeigt. Das richtige Training, wie noch in Rocky Teil 1, sucht man vergeblich. Dennoch kommen dem einen oder anderen verschiedene Szenen bekannt vor. Nicht zuletzt die berühmte Treppe zum „Museum of Modern Art“ (Achtet mal auf den Platz, fehlt da nicht die Rocky-Statue, die in Teil 3 ihm zu Ehren aufgestellt wurde?) schleppt sich Sly hinauf, es wird auch wieder auf Rinderhälften eingedroschen. Vor Allem wird aufgrund von Calciumablagerungen in Rockys alten Gelenken auf Krafttraining gesetzt, um so heftige Schläge auszuteilen, damit „sie auch noch seine (Dixon´s) Vorfahren spüren“.
Stallone selbst ist in einer Top körperlichen Verfassung. Er hat sich einiges an Muskeln wieder antrainiert und lässt garantiert den einen oder anderen Mitfünfziger auf den über Sechzig jährigen neidisch werden.
Abschließend noch eine Frage, die sich sicherlich einige stellen werden: Ist Sly zu alt, bzw ist Rocky zu alt und der Film unrealistisch? Ganz entschieden: Nein! Um es mit Stallones Worten zu sagen: "Menschen wir George Foreman oder Mike Tyson machen einen Rocky Balboa glaubwürdig, denn auch die sind trotz ihres Alters noch einmal in den Ring gestiegen".
Stilistisch gibt sich der Regisseur Stallone zurück haltend. Von der Machart sieht der Film wirklich wie eine 80er-Jahre-Produktion aus. Versteht mich nicht falsch. Ich sage damit nicht, dass der Film altbacken und billig wirkt. Nein, das passt zu dem Film und ist einfach nur genial. Nervige Backflashs und Traumsequenzen gibt es diesmal auch keine, was sich positiv auf den Erzählfluss auswirkt. Einzig beim Kampf am Ende versucht Stallone etwas neues: Teilweise in schwarz-weiss gezeigte Szenen, bei denen nur das Blut rot ist.
Leider hat der Film auch einige inhaltliche Fehler, die den Gesamteindruck aber nicht mindern: Während Rocky in Teil 2 nicht mehr Boxen sollte, da er sonst blind würde und in Teil 5, weil er einen Hirnschaden hatte, ist dies nach 15 Jahren anscheinend völlig vergessen. Rocky bekommt heftigste Schläge ab und teilt seinem weitaus jüngeren Gegner auch kräftig aus, der nun weiß, was ein Rocky Balboa drauf hat, egal wie alt er ist.
Fazit:
Rocky Balboa ist ein herrliches, sehenswertes und kultiges Boxerdrama, bei dem Stallone sich selbst ein Denkmal gesetzt hat. Nach dem sehr schwachen "Rocky V" hat "The Italian Stallion" beim sechsten Film einen würdigen Abschied bekommen. Nicht nur alteingesessene Rocky-Fans kommen hier auf ihre Kosten. Und ich spreche aus Erfahrung: Bis zu diesem Film habe ich keinen einzigen Rocky-Film gesehen. Ein riesen Fehler!
Jetzt kommentieren? / 3 Kommentare
Regisseur
Schauspieler
Sylvester Stallone, Burt Young, Antonio Tarver, Geraldine Hughes, Milo Ventimiglia, Tony Burton, A.J. Benza, James Francis Kelly III, Talia Shire, Lou DiBella, Mike Tyson, Henry G. Sanders, Pedro Lovell, Angela Boyd, Lahmard J. Tate, Woody Paige, Jay Crawford, Brian Kenny, Dana Jacobson, Skip Bayless, Charles Johnson, James Binns, Johnnie Hobbs Jr., Barney Fitzpatrick, Jim Lampley, Larry Merchant, Max Kellerman, LeRoy Neiman, Bert Randolph Sugar, Bernard Fernández, Gunnar Peterson, Yahya, Marc Ratner, Michael Buffer, Joe Cortez, Carter Mitchell, Vinod Kumar, Frank Stallone, Tobias Segal, Tim Carr, Matt Frack, Paul Dion Monte, Kevin King Templeton, Robert Michael Kelly, Don Sherman, Stu Nahan, Gary Compton
Relevante Nachrichten
-
Kehrt Rocky doch wieder in den Ring zurück?
-
Sylvester Stallone stellte in Köln Rocky Balboa vor
-
Zweiter Rocky-Trailer!
-
Pop-Sängerin mit Filmdebut in Rocky Balboa?
-
Rocky Balboa Trailer
-
Rocky kehrt nach Philadelphia zurück
-
Erstes offizielle Rocky Balboa Foto
-
Erste Fotos von "Rocky Balboa"
-
Ventimiglia spielt Sohn von Rocky
-
Steven Seagal über Rocky 6
-
Rocky 6 - Drehbeginn bekannt
-
Drehstart von Rambo IV im Januar
-
Teil 6 von Rocky



mye / 09.12.2007 14:26:45
ich war sehr überrascht, denn ich hätte nicht erwartet, dass der neue rocky ein so gutes drama werden würde
5 Sternen
stallone / 10.12.2007 20:45:44
hut ab, dass er in dem alter sich getraut hat nochmal in den ring zu steigen. alleine dafür würde ich dem film einen oscar geben!!!
zumal der film eine schöne geschichte hat.
5 Sternen
Zoidberg / 28.04.2008 11:00:24
War ein guter Film, aber etwas langweilig und zu viel blödes Gelaber. Aber er ist auch ein Boxer und kein Dichter. Rocky bleibt Rocky, hat einfach Kultstatus.
3 Sternen