Verfasst von Thorsten Meiritz am 13.10.06 22:16:04 - 0 Kommentare

Marie Antoinette

Moviereporter-Bewertung:
  • 4.0/6 Sterne.
Leserwertung (2): 6.0 / 6

Land USA

Genre Biografie, Drama

Laufzeit: 123

Jahr 2006

Webseite
Trailer

Kinostart: 02.11.2006
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Inhalt

Marie Antoinette, die historische französische Königin einmal aus einer ganz anderen ungewöhnlichen Perspektive

Am 2. November 1755 wird Erzherzogin Maria Antonia (Kirsten Dunst), die später als Marie Antoinette in die Geschichte eingehen soll in Wien geboren. Am kaiserlichen Hofe wächst die kleine Maria wohlbehütet und von der Außenwelt abgeschottet auf. Schon früh wird sie dem französischen Thronfolger Ludwig XVI (Jason Schwartzman) versprochen, um das Bündnis zwischen Frankreich und Österreich zu festigen – eine reine Zweckehe, wie sie zu diesen Zeiten innerhalb des europäischen Hochadels üblich war.
Als Marie gerade 14 Jahre jung ist, bittet König Ludwig XV (Rip Torn) für seinen Enkel offiziell um ihre Hand. So muss sie ihre geliebte Heimat verlassen, die sie niemals wieder sehen sollte, um in das fremde Frankreich zu ziehen. Schon bereits bei der "Übergabe" der Prinzessin an der österreichisch-französischen Grenze weht ein anderer Wind als am heimischen Hof: alles ist viel Strenger und sie muss alles was sie aus ihrer Heimat mit sich führt zurücklassen, sogar ihren treuen vierbeinigen Begleiter Mops. Als sie schließlich am königlichen Hof in Versailles eintrifft, betritt die naive kleine Prinzessin völlig unvorbereitet eine für sie fremde Welt aus Intrigen, höfischem Gerede, Eitelkeiten und Dekadenz. Kurz darauf wird sie mit Louis-Auguste in Versailles verheiratet – der prunkvollen Zeremonie wohnen alle wichtigen Adelsfamilien Frankreichs bei. Doch schon in der Hochzeitsnacht stellen sich die ersten Probleme heraus, denn ihr frisch angetrauter Gemahl zeigt keinerlei Interesse an ihr und rührt sie nicht einmal an. Fortan lebt Marie-Antoinette in einem goldenen Käfig. Ihr Mann verschmäht sie und geht lieber auf die Jagd. Sie muss den ständig gleichen Tagesablauf über sich ergehen lassen: morgens beim Ankleiden wohnt der halbe Hoffstaat bei, danach folgt der morgendliche Kirchgang und dann ein ausgedehntes Frühstück mit ihrem Ehemann, bei dem sie höchstens ein oder zwei Worte miteinander wechseln. In den Stunden danach vergnügt sich Marie mit einigen Hofdamen, mit denen sie sich angefreundet hat. Zudem wächst der Druck auf sie dem französischen Thronerben einen Nachfolger zu gebären. Sie flüchtet sich in die dekadente Welt des Hofes und legt nur noch Wert auf die neueste Mode und auf ihr Vergnügen beim Spiel und mit ihren Freundinnen, um sich von ihrem Leid abzulenken…

Kritik

Wer in der Schule im Geschichtsunterricht gut aufgepasst hat, der hat sicherlich schon einmal etwas von Marie Antoinette gehört, der jungen französischen Königin, die durch ihren angeblich dekadenten Lebensstil zum Sinnbild des Niedergangs und zum Sündenbock für die französische Revolution gemacht wurde. Von ihr soll auch das Zitat stammen: "Die Leute haben kein Brot? Sollen sie doch Kuchen essen." Sie wird schließlich am 16. Oktober 1793 im Alter von nur 37 Jahren durch die Guillotine hingerichtet. Doch wer war diese Person, um die sich so viele Legenden ranken wirklich? Und vor allen Dingen war sie wirklich diese negative historische Figur, als die sie von Historikern oftmals hingestellt wurde?

Dieser Fragestellung geht die britische Historikerin und Bestsellerautorin Antonia Fraser in ihrer Biographie "Marie Antoinette" über die französische Königin österreichischer Herkunft nach. Sie zeichnet ein ganz anderes Bild von Marie Antoinette. Sie stellt sie eher als naiven Teenager dar, der wohlbehütet am österreichischen Kaiserhof aufwächst und völlig unvorbereitet in das intrigante, dekadente Leben in Versailles entlassen wird. Hier wird sie ständig mit ihrer nichtfranzösischen Identität konfrontiert, denn die "Damen" des Hofes lästern hinter ihrem Rücken über sie.
Nach ihrer prunkvollen Heirat mit "Louis-Auguste", der einmal als Louis XVI den Thron Frankreichs erben soll, findet sie sich schnell im tristen Alltag der Ehe wieder. Sie wird von ihrem Mann verschmäht, der lieber mit seinen Freunden auf die Jagd geht und muss täglich denselben Tagesablauf über sich ergehen lassen: morgendliches Ankleiden in Anwesenheit der "engsten Vertrauten", danach zum langweiligen Kirchenbesuch und schließlich ein gemeinsames schweigsames ausgedehntes Frühstück mit ihrem Ehegatten. Zudem wächst der Druck auf sie dem kommenden französischen König einen männlichen Nachkommen zu schenken. Dieser Druck wird auch noch durch ihre eigene Mutter verstärkt, die sie durch ihre Briefe an die Pflichten gegenüber dem österreichischen Hof erinnert. Marie muss das Bündnis zwischen Frankreich und Österreich mit einem gemeinsamen männlichen Nachkommen endgültig besiegeln. Sie beginnt unter dem wachsenden Druck langsam zu zerbrechen und flüchtet sich gemeinsam mit befreundeten Hofdamen in einen angeblich dekadenteren Lebensstil, aber eigentlich tut sie nur das, was heute alle Teenager gern tun: sie geht shoppen, bzw. lässt sich die neueste Mode aus Paris an den Hof kommen und probiert sie dort mit ihren Freundinnen bei Champagner und süßen Leckereien an – man könnte dieses Szenario auch durchaus in die heutige Zeit versetzen, beispielsweise in eine Edelboutique in Manhattan. Sie tut einfach alles um sich von ihrem Leid und der Langeweile abzulenken, wodurch sie auch mit dem Spielen beginnt.
Der Niedergang des französischen Adels und der Beginn der Revolution sind wohl eher der Tatsache geschuldet, dass Louis XVI plötzlich und unvorbereitet zum König gekrönt wurde und zudem die falschen Berater an seiner Seite hatte. Die Unterstützung der Amerikaner in deren Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten mag zwar strategisch die richtige Entscheidung gewesen zu sein, jedoch wurde dadurch das Land ruiniert und das Volk begann sich gegen Hunger und Armut zu wehren. Es begann am 14. Juli 1789 mit dem Sturm auf die Bastille – wie die Geschichte endet ist bekannt.

Vor diesem Hintergrund und auf dem Buch von Antonia Fraser beruhend, schildert Oscarpreisträgerin Sofia Coppola ihre filmische Geschichte über eine außergewöhnliche junge Frau. Und sie tut dies auch auf außergewöhnliche Art und Weise, denn es handelt sich bei ihrem Film nicht um einen typischen Kostümfilm. Schon die Eröffnungssequenz ist mitnichten von klassischer Musik untermalt, sondern von eher rockigen Klängen, was auf den ersten Blick, bzw. beim ersten Hören etwas fremd anmutet, aber irgendwie auch wieder sehr passend ist. Natürlich sind in dem Film pompöse Kleider, gepuderte Perücken und viel Schminke zu sehen, wie es nun einmal zu dieser Zeit üblich war, aber dennoch versteht es Coppola daraus etwas Frisches und keinen angestaubten Schinken zu machen. Beispielsweise gibt es eine klassische Tanzszene, die jedoch wiederum von rockiger Musik begleitet wird und so eine vollkommen andere Wirkung bekommt. Dem Film fehlt es dennoch auch nicht an Authentizität, wurde er doch an Originalschauplätzen in Versailles gedreht. Durch diesen Realismus wirkt der Film auch zu keinem Zeitpunkt überkandidelt.
Es gelingt der Regisseurin perfekt die Teenagerwelt der jungen Königin darzustellen. Wenn man so Schuh an Schuh stehen und Kleid an Kleid hängen sieht während ihrer ganz privaten Modenschau, so wird sicherlich der Traum der einen oder anderen Frau wahr. Auch die vielen bunten Leckereien die währenddessen aufgetafelt werden regen zum schlemmen an, ein Wunder, dass die Königin bei so vielen Kalorien gertenschlank geblieben ist. Man befindet sich einfach mitten in einem bunten Konsumrausch im Stile des 18. Jahrhunderts und die junge Dauphine war eine wahre Trendsetterin zu ihrer Zeit: Turmfrisuren, teure Geschmeide und ausgefallene Schuhe wurden zu ihren Markenzeichen. Als sie schließlich zur Königin gekrönt wird, sind dem Rausch keine Grenzen mehr gesetzt. Allerdings weiß sich absolut nichts von der Welt außerhalb von Versailles, sondern lebt völlig naiv in ihrem goldenen Käfig. Als sie schließlich von dem Leid der Bevölkerung erfährt und hört wie man über sie redet reagiert sie zutiefst bestürzt und schränkt ihre Geldausgaben sofort ein. Und auch mit ihrer angeblichen Aussage über das Volk wird zumindest in diesem Film aufgeräumt – besagter Satz kam niemals über ihre Lippen. Coppola, die auch das Drehbuch zum Film selbst verfasste und ihn produziert, schafft es einen modernen Film des 21. Jahrhunderts über eine Legende und missverstandene junge Frau des 18. Jahrhunderts, zu kreieren. Bei dem Projekt griff ihr außerdem ihr Vater Francis Ford Coppola als ausführender Produzent unter die Arme.

Der Film hat in Kirsten Dunst einen alles überragenden Star. Die Rolle des naiven Teenagers Marie Antoinette, scheint ihr wie auf den Leib geschrieben zu sein. Sie versteht es perfekt diese Rolle auszufüllen und die einfallsreiche, lebensfrohe Jugendliche, die von natur aus einfühlsam und warmherzig, lebhaft, jung und auffallend modern im Umgang mit ihren Problemen, wie Einsamkeit, Klatsch, Sehnsucht, Liebe und Heranwachsen ist, zu verkörpern. Sie hat eigentlich die gleichen Probleme wie Jugendliche heutzutage, nur findet all das bei ihr auf der großen Bühne von Versailles und vor den Augen der Öffentlichkeit statt. Allein ihre große (vermeidliche) Ähnlichkeit zu der historischen Figur, lässt sie in dieser Rolle äußerst glaubhaft erscheinen. Durch ihr jugendliches Aussehen kann die mittlerweile 24 Jahre alte Darstellerin alle Facetten ihrer Rolle selbst abdecken, von der 15jährigen, die ihre Heimat verlassen muss, bis hin zur liebenden Mutter, die im Graten mit ihrer kleinen Tochter spielt. Nun gut, gegen Ende des Films gereicht ihr diese Jugendlichkeit vielleicht ein wenig zum Nachteil, denn wie 34 Jahre, sah sie nun wirklich nicht aus, aber das nur am Rande. Alles in allem bietet sie aber eine sehr gute Performance. Dunst agierte bereits zuvor in einem Film von Sofia Coppola, nämlich in "The Virgin Suicides" im Jahr 1999. Auch hier verkörperte sie eine Heranwachsende. Größte Bekanntheit errang sie jedoch ohne Zweifel mit den beiden "Spider-Man" Comicverfilmungen und auch in der dritten wird sie wieder mit von der Partie sein.
Der Junge König Louis XVI wird von Jason Schwartzman dargestellt, der der Cousin von Sofia Coppola ist. Auch er liefert eine gute schauspielerische Leistung ab, bleibt jedoch hinter Kirsten Dunst zurück, schon allein weil er nicht so häufig auf der Leinwand zu sehen ist, wie sie. Rip Torn, spielt König Louis XV und Asia Argento, bekannt aus "xXx", seine Mätresse. In weiteren Nebenrollen sind auch Judy Davis, Marianne Faithfull, Danny Huston, Molly Shannon und Steve Coogan zu sehen.

Fazit: "Marie Antoinette" ist ein wahrer Bilderrausch an Originalschauplätzen mit einer tollen Kirsten Dunst in der Hauptrolle. Zudem bestreitet der Film durch den modernen Soundtrack einen ungewöhnlichen Weg. Sofia Coppola gelingt es das Kostümfilmgenre zu entstauben.

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