Verfasst von Michael Schied am 04.03.06 16:59:18 - 0 Kommentare

Sangam

Moviereporter-Bewertung:
  • 5.0/6 Sterne.
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Land Indien

Genre Bollywood, Musical, Romanze

Laufzeit: 238

Jahr 1964


Kinostart: unbekannt
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Inhalt

Sangam (1964)

Inhalt
Gopal (Rajendra Kumar), Sundar (Raj Kapoor) und Radha (Vyjayanthimala) sind seit ihrer Kindheit miteinander befreundet. Tatsächlich stehen jedoch alle drei in einer komplizierten Beziehung zueinander. Radha und Gopal lieben sich, doch auch Sundar fühlt sich zu Radha hingezogen. Angeblich merkt Sundar das leidenschaftliche Verhältnis zwischen Gopal und Radha nicht und setzt seine Heirat mit Radha durch. Gopal wiederum durchkreuzt in seiner freundschaftlichen Verbundenheit zu Sundar diese, scheinbar durch Gott gewollte Verbindung nicht und tritt pflichtbewußt zurück. Zum tragischen Höhepunkt kommt es schließlich, als die drei Beteiligten der Wahrheit gegenüber stehen.

Kritik

Hintergrund
Sangam ist in Allahabad der Ort des Zusammenflusses von drei Strömen: Ganga, Yamuna und der mythologischen Saraswati. Es ist einer der Pilgerorte im Hinduismus und gilt durch die alle zwölf Jahre stattfindende Kumbh Mela als einer der wichtigsten heilsbringenden Stätten in der Welt überhaupt. Jedoch hat dieser Ort auch etwas irreales. Die Saraswati ist nur in Mythen überliefert, Ganga und Yamuna fliessen zwar zusammen, aber ihre Farben vermischen sich nicht. Genauso wie dieser Ort ist Lebensgeschichte der Protagonisten des Films durch den Glauben an Tradition und Pflicht geprägt.
"Sangam" ist der erste Farbfilm des Erfolgsschauspieler und Regisseur Raj Kapoors. Er rückt mit diesem Film von seinen eher sozialen Themen ab und trifft so den neuen Lebensnerv Indiens. Soziale Probleme sind nicht zu lösen, und Indien steht erstmals wieder einem Krieg mit China gegenüber. Hierauf scheinen Religion, Opferbereitschaft und Pflichtbewußtsein sowie Patriotismus eine passende Antwort zu geben. So wurde der Film zu einem Hit und ist bis heute der zehnt erfolgreichste Film aller Zeiten.

Kritik
"Sangam" spricht viele Fragen und Befindlichkeiten der indischen Gesellschaft an und verwebt diese meisterschaft in ein Projekt. Raj Kapoor stellt mit "Sangam" erneut unter Beweis, dass er die Sprache seines Landes spricht. Der Titel allein schon macht diesen Anspruch deutlich: Die Suche nach der kulturellen Identität Indiens. So gibt es im Film unzählige Bezüge auf die ewige und unzerstörbare Ordnung und verpackt dies in ein modernes Ambiente. Der Film an sich ist nicht innovativ, sondern er erzählt das althergebrachte auf perfekter Weise.
Im eigentlichen scheint die Geschichte von Anfang an banal und durchsichtig: Eine oft erzählte Dreiecksgeschichte, wo einer den kürzeren zieht. Wie ein indischer Epos zieht sich diese Geschichte hin und wirkt streckenweise langatmig, für den westlichen Zuschauer sogar ermüdend und in ihrer Naivität zuweilen nicht nachzuvollziehen. Doch hier wird ein altes indisches Thema erzählt, wo persönliches Glück der Pflicht nachgestellt ist. Niemand kann diese Ordnung wirklich anzweifeln. Die Wünsche des Einzelnen spielen hier keine Rolle.
Die Kamera fängt dieses schicksalhafte Geflecht zwischen den drei Helden, gerade während der Songs, gekonnt ein, wobei diese Songszenen überhaupt meisterlich in die Handlung eingebaut sind. Der Titel "Dost Na Raha", Hauptthema des Films, ist bis heute einer der wichtigsten Lieder im Hindi-Kino. Dies allein schon zeigt, dass der Film in seiner Relevanz nichts eingebüßt hat.
Radha verkörpert in dieser von Machos beherrschten Welt die reine (unberührte) indische Frau. Sie sagt hier, dass "das Leben einer verheirateten Frau einem Regenbogen im Sturm gleicht, der wie eine auf dem Wasser gezogene Linie endet, die sowohl ist als auch nicht ist." So sei Liebe auch "Dharma (religiöse Pflicht), das sich in der Heirat entwickelt." Eine Heirat aus (wirklicher) Liebe oder Wiederheirat sei daher für sie ausgeschlossen.
Ein weitere wichtige Rolle spielt in diesem Gefüge von Pflicht und Opfertum der Patriotismus zum heutigen Indien. Sundar ist als dekorierter Kriegsheld der indischen Luftwaffe gegenüber Gopal als Anwalt und potentiellem Unruhestifter wirklich im Vorteil und ist allein schon deswegen in der Oberhand.
"Sangam" ist ein Film, der hier als erster auch Drehorte im Westen bemüht, um andere Ideen einfliessen lassen zu können. In ihren Flitterwochen in Europa stimmt Radha ein freches Lied über ihren "alten" Mann Sundar und seine althergebrachten Ideen an. Doch dabei bleibt es auch. Und selbst dieser harmlose Versuch war von Skandalen geprägt. Die prüde Sängerin Lata Mangeshkar lieh nur mit Widerwillen Vyjayanthimala als Radha ihre Stimme.
Angesichts dieser Postulate für Tradition kann es folglich für Gopal nur einen Ausweg geben, genauso wie der Fluß Saraswati muß er von der Bildfläche abtreten. Sein Freitot und die Übergabe seiner Asche am Sangam erscheint als die einzige Lösung der Situation. Wer also die Geschichte des Films ändern will, so nach dreieinhalb Stunden das eigentliche Fazit des Vorhabens, muß Indien ändern.

Empfehlung
"Sangam" ermöglicht einen Einblick in die traditionelle Sichtweise und Strukturen Indiens, die von nun an die Themen des indische Kino hauptsächlich prägen. Geduld und Ausdauer sind also mitzubringen, um bei der Sache bleiben zu können. Raj Kapoor erweist sich als Meister seines Fachs.

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