Verfasst von Thorsten Meiritz am 19.01.07 12:27:17 - 0 Kommentare

Dreamgirls

Moviereporter-Bewertung:
  • 4.0/6 Sterne.
Leserwertung (2): 5.0 / 6

Land USA

Genre Drama, Musical, Musik

Laufzeit: 130

Jahr 2006

Webseite
Trailer

Kinostart: 01.02.2007
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Inhalt

In einer Zeit, in der die Musik von Weißen dominiert wurde, macht sich eine afroamerikanische Frauenband gemeinsam mit ihrem Manager auf den Weg an die Spitze

Anfang der 60er Jahre. Die "Dreamettes", bestehend aus Effie White (Jennifer Hudson), Deena Jones (Beyoncé Knowles) und Lorrell Robinson (Anika Noni Rose) sind eine kleine aufstrebende afroamerikanische Frauenband, die ihr Können in einer Detroiter Talentshow unter Beweis stellen will. Bei dieser Show ist auch der junge Manager Curtis Taylor Jr. (Jamie Foxx) anwesend, der sofort das große Potential der drei Frauen entdeckt.
Der Soulsänger James "Thunder" Early (Eddie Murphy) ist zu dieser Zeit schon ein gefeierter R&B-Star, der allerdings eine Schwäche für Frauen hat. Gerade erst hat er sich wieder an einer seiner Backgroundsängerinnen vergriffen und steht nun solo da. Sein Manager Marty Madison (Danny Glover) ist daher verzweifelt auf der Suche nach neuen Frauen, die James bei seinen Auftritten unterstützen. Da kommt ihm das Angebot von Curtis, der mittlerweile die "Dreamettes" als Manager vertritt, gerade recht, und so werden die drei Frauen die neuen Backgrundsängerinnen von James "Thunder" Early.
Die darauf folgende Tournee ist zwar ein Erfolg, allerdings kommt Earlys Musik nur bei der afroamerikanischen Bevölkerung an. Daher beschließt Curtis nun auch ihn zu managen und drängt James' alten Manager aus dem Geschäft. Er verpasst Early ein neues Image und auch einen neuen Sound. So und mit Hilfe von Schmiergeldern gelingt es Curtis, den afroamerikanischen Soulsänger bekannt zu machen und sogar in einem der angesagten Clubs in Miami einen Auftritt zu verschaffen. Doch Jimmy kommt bei dem vorwiegend weißen Publikum nicht an, seine Backgroundsängerinnen dafür umso mehr, was Curtis als cleverer Manager natürlich sofort bemerkt. Es folgt die Geburtsstunde der "Dreams". Allerdings macht Curtis nicht Effie mit ihrer markanten Stimme, sondern die bildhübsche Deena zur Leadsängerin, womit Effie zwar unzufrieden ist, sich jedoch zunächst damit abfindet. James Early schickt er derweil wieder auf Tour durch die kleineren Clubs Amerikas.
Der Erfolg scheint Curtis zunächst Recht zu geben, denn die "Dreams" landen einen Hit nach dem anderen. Allerdings nehmen Effies Neid und Missgunst Deena gegenüber ständig zu, bis es zum offenen Eklat kommt und Effie aus der Band ausgeschlossen wird. Die "Dreams" setzen mit dem neuen Mitglied Michelle Morris (Sharon Leal) und gemeinsam mit ihrem Manager Curtis ihren Weg zum Ruhm unaufhaltsam fort, während Effie zur gleichen Zeit in Armut lebt und James "Thunder" Early allmählich in Vergessenheit gerät…

Kritik

Als Anfang der 1980er Jahre das Musical "Dreamgirls" den Broadway eroberte, setzte es Maßstäbe durch einen neuen visuellen Stil und eine Story, die durch bewegende Songs ein intensives menschliches Drama schildert. Prompt wurde es auch mit einem Tony Award ausgezeichnet. Ursprünglich basiert das Musical auf einem Buch und Originalsongs von Tom Eyen nach der Musik von Henry Krieger.
Die Story spielt im Detroit der 1960er und 70er Jahre, also in einer Zeit des Umbruchs, sowohl in der Musikbranche als auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Es ist eine Zeit in der die populäre amerikanische Musik von Weißen dominiert wurde, die einfach, wenn es ihnen passte Songs von schwarzen Künstlern nahmen und sie zu eigenen Hits machten. In der Musikindustrie regierte das Geld und Schmiergelder, sowie Bestechungen waren an der Tagesordnung. In dieser Zeit machten sich einige afroamerikanische Künstler und Manager auf, um dieser Ungerechtigkeit entgegen zu wirken. Dieser Vorgang wurde zusätzlich durch die sozialen Unruhen angefacht. Bürgerrechtler wie Martin Luther King sorgten für die Aufhebung der Rassentrennung. Es war eine Ära geprägt von politischen und sozialen Umbrüchen, die sich in den Figuren der Story widerspiegeln. Neben all diesen großen Veränderungen erzählt "Dreamgirls" aber auch von menschlichen Dramen, von Liebe und dem Streben nach Ruhm, von Loyalität und Verrat und den Auswirkungen auf die Figuren. Der Film zeigt wie sich Menschen durch Erfolg und Ruhm verändern. Das Streben nach Ruhm lässt keine Kompromisse zu – man muss seinen Weg stets verfolgen und sein Ziel vor Augen haben und wie der Film zeigt muss man dafür manchmal auch über Leichen gehen, um in der hart umkämpften Musikbranche erfolgreich zu bleiben. Dass diese Vorgehensweise einen Menschen verändert steht außer Frage und wird deutlich im Film gezeigt.

Bill Condon, der für "Gods and Monsters" den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch erhielt, adaptierte das Musical für die große Leinwand. Er schrieb das Drehbuch und übernahm auch die Regie in Eigenverantwortung. Dabei hielt er sich mit viel Respekt an die Originalshow und verstand es dennoch dem Stück seine eigene Handschrift zu verleihen. Es gelang ihm auch der R&B Musik der 1960er und 70er Jahre einen modernern Touch zu verleihen, ohne sich dabei an den Klassikern zu vergreifen. Allerdings werden in dem Film, wie auch schon im Musical, nicht nur Stücke um des Singens selbst vorgetragen, sondern es werden auch wichtige Teile der Handlung in Gesangsform dargeboten – ein Aspekt, der für Nicht-Musical-Fans sicherlich ungewohnt erscheint. Condon lässt seine Figuren im Film eine nahezu evolutionäre Entwicklung durchlaufen, in der die Schwachen oder Nichtanpassungsfähigen zunächst auf der Strecke bleiben. Und dennoch inszeniert er den Film so, dass sich am Ende ein Kreis schließt, denn die zwei wichtigsten Auftritte, der beim Talentwettbewerb und das Abschiedskonzert finden beide am gleichen Ort statt – im Detroit Theatre. Die Geschichte findet also dort ein Ende, wo sie einst begann.

Wenngleich dem Regisseur schon viele schöne Lieder aufgrund des Musicals zur Verfügung standen, hatte er jedoch von Anfang an im Sinn etwas Neues zu schaffen. Hierfür wandte er sich an den Komponisten der Originalmusik für das Broadway-Stück – Henry Krieger. Für seine Arbeit erhielt dieser eine Nominierung für den Tony Award. Auf Condons Wunsch hin arbeitete er vier neue Lieder aus. Es handelt sich dabei um die Songs "Love You I Do", "Listen", "Patience", und "Perfect World".
Ebenso wollte Regisseur Condon der Choreographie einen moderneren Look verleihen. Dafür wurde Fatima Robinson engagiert, die schon mit Hip-Hop Künstlern wie Outkast, den Black Eyed Peas oder auch "Big Willie" Will Smith zusammen arbeitete.
Für die Kameraarbeit wurde der in Deutschland geborene Tobias Schiessler verpflichtet. Er erzählt die Geschichte, dem Wunsch Bill Condons gemäß, zu Beginn in sehr realistischen,  rauen Bildern, mit allen gewollten Unvollkommenheiten. Wie die Figuren, so durchläuft auch der visuelle Stil eine Veränderung. Für verschiedene Handlungsstränge wurden ebenfalls unterschiedliche visuelle Effekte verwendet. So wird Effies Geschichte nach Verlassen der Band in eher dunklen, erdfarbenen Tönen und die Welt des Showbiz in grellen Pastelltönen geschildert. Zu Schiesslers bisherigen Arbeiten zählen unter anderem "Welcome To The Jungle" und auch mit Hauptdarsteller Jamie Foxx arbeitete er bereits für "Bait – Fette Beute" zusammen.
Ein letztes tragendes Element es Films sind zweifelsohne die Tollen Kostüme, die dem Film den nötigen Look verleihen. Diese wurden von der Oscarnominierten Kostümdesignerin ("Ray") Sharen Davis entworfen. Die Kleindung entspricht der geschilderten Ära, ohne dabei als schlichter Abklatsch zu wirken. Natürlich machen auch die Kostüme die schon mehrfach angesprochene Entwicklung im Film mit. Zu Beginn des Films wirkt sie sehr gewöhnlich, teilweise wie selbst genäht, aber im Laufe des Films wird alles zur Perfektion getrieben, seien es schillernde Bühnenoutfits, Make-Up oder Frisuren und Perücken – alles wirkt bis ins kleinste Detail geplant und produziert. Hierfür dienten Künstler wie die Supremes, Marvelettes, James Brown, Berry Gordy, The Four Tops und The Temptations als Vorbilder.

Neben einem Perfekten Look und einer perfekten Ausstattung sind natürlich die Darsteller der wichtigste Bestandteil des Films. "Dreamgirls" kann hierbei mit einem tollen Ensemble aufwarten, aus dem eigentlich kaum jemand hervorzuheben ist, abgesehen von zwei Ausnahmen: Eddie Murphy und Newcomerin Jennifer Hudson.
Eddie Murphy agiert als R&B Sänger James "Thunder" Early, wie man ihn noch nie zuvor gesehen hat. Er singt und tanzt auf der Bühne, als wenn er im Leben nie etwas anderes getan hätte. Dabei steuerte er viele seiner Bewegungen selbst bei, die er sich durch stundenlanges Videostudium von Auftritten männlicher Künstler aus dieser Epoche abgeschaut hat. Er legt eine elektrisierende Energie bei seinen Performances an den Tag, die eine gewisse Sexualität erkennen lässt. Regisseur Condon spricht in diesem Zusammenhang von einer "Naturgewalt". Dennoch gelingt Early der nationale Durchbruch nie und sein Manager degradiert ihn zu einem Schmusesänger. Er gerät allmählich in Vergessenheit und flüchtet sich in den Drogenkonsum. Auch diese Facette seiner Figur versteht Murphy glaubhaft darzustellen. Zu Recht erhielt er bei der diesjährigen Verleihung der Golden Globes den Preis in der Kategorie bester Nebendarsteller.

In derselben Kategorie erhielt Newcomerin Jennifer Hudson bei den Frauen gleichfalls diese begehrte Goldene Statue. Sie verkörpert das Stimmwunder Effie White – ihre laute durchdringende Stimme ist vielleicht jedoch nicht jedermanns Geschmack, was ihrer Leistung im Film jedoch keinen Abbruch tut. Hudson wurde in den USA durch die TV-Show "American Idol" bekannt. Ihre Figur Effie macht während des Films eine große Wandlung durch. Anfangs ist sie die Leadsängerin der "Dreamettes". Sie ist sich ihrer Talents bewusst und stolziert naiv durchs Leben. Als ihr Deena bei den "Dreams" als Leadsängerin vor die Nase gesetzt wird zerplatzt ihr großer Traum. Neid und Missgunst entzweien sie schließlich von der Band und sie endet vorerst als Sozialhilfeempfängerin. Auch ihre Beziehung zu Manager Taylor geht aufgrund ihres Stolzes und ihrer Uneinsichtigkeit in die Brüche. Nun zeigt sich die verletzliche Seite ihrer Figur, die Hudson ebenfalls gut umzusetzen weiß. Der Song "And I’m Telling You" ist eine Schlüsselszene des Films und legt ihre Seele offen.

Die "Dreams" werden Deena Jones, alias Superstar Beyoncé Knowles angeführt. Diese Rolle ist der Sängerin wie auf den Leib geschneidert, denn einen Teil der Story durchlebte sie selbst, da sie wie bekannt vor ihrer Solokarriere große Erfolge mit der Frauenband "Destiny’s Child" feierte. Wer aber erwartet die typische Beyoncé in dem Film wieder zu finden, der sieht sich getäuscht, denn die Sängerin die ja eigentlich selbst über eine sehr markante Stimme verfügt, hält sich in dem Film ihrer Rolle gemäß zurück, um ihrer Figur einen sanfteren Klang zu verleihen. Besonders im ersten Teil des Films musste sie sich sehr zurückhalten, da sie nicht von Beginn an im Rampenlicht steht. Was nach dem Durchbruch der "Dreams" folgt ist Knowles wohl bekannt und als Cover-Girl macht sie eine gewohnt solide Figur.
Die übrigen "Dreams", bestehend aus Lorrell Robinson und Ersatzfrau Michelle Morris, werden von der mit dem Tony Award ausgezeichneten Broadway-Schauspielerin Anika Noni Rose, sowie von Sharon Leal verkörpert. Lorrell ist so etwas wie die Friedensstifterin der Band, denn wenn immer es Streit gibt versucht sie als Schlichterin aufzutreten, um den gemeinsamen Traum nicht zu gefährden. Sie wird später die Geliebte von James "Thunder" Early. Michelle wird die vierte Sängerin der Band, die Effies Platz einnimmt. Sie verfolgt ihre eigenen Ziele und verliebt sich in Effies Bruder, den Songwriter C.C.

Den rücksichtslosen, erfolgshungrigen Manager Curtis Taylor Jr. stellt Oscarpreisträger Jamie Foxx dar. Er ist ein Geschäftsmann wie er im Buche steht, der zunächst den Verkauf von Cadillacs als Sprungbrett für eine ruhmreiche Zukunft verwendet. Er schreckt jedoch auch nicht vor illegalen Methoden zurück, als es darum geht der afroamerikanischen Musik zum Durchbruch zu verhelfen. Er gründet schließlich seine eigene Plattenfirma "Rainbow Records". Bei seinem Weg nach ganz oben bleiben einige seiner ehemaligen Freunde wie James Earlys langjähriger Manager Marty, Effie und später auch Jimmy Early selbst auf der Strecke. Deena macht er zu seinem Produkt, sowohl auf der Bühne als auch als Ehefrau im Privatleben. Sie ist sein Aushängeschild und personifiziert seinen Weg an die Spitze. Ihre Gefühle bleiben darüber hinaus auf der Stecke. Seinen Ruhm verdeutlicht Taylor mit Hilfe von Statussymbolen, wie seinem neuen Büro in L.A. oder auch seiner Privatvilla. Diese Rolle des Rücksichtslosen Ehrgeizlings verkörpert Foxx gewohnt solide
In weiteren Rollen sind Altstar Danny Glover als James Earlys Manager Marty Madison, Keith Robinson als Effies Bruder und Songwriter C.C. White, sowie Hinton Battle zu sehen, der auch eine Rolle in dem Broadway Musical inne hatte.

Fazit: Für Musical-Fans wird "Dreamgirls" ein wahrer Genuss sein. Alle anderen werden von den vielen Gesangseinlagen wohl irgendwann eher gelangweilt. Die Story einer aufstrebenden Musikband bietet leider auch nicht allzu viel Spannung. Die Performance der Darsteller ist allerdings sehr sehenswert, allen voran Eddie Murphy, der wie ein Wirbelsturm über die Leinwand fegt.

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