Tsotsi
Inhalt
Der Oscargewinner für den besten ausländischen Film 2006.
In einem Ghetto am Rand von Johannesburg lebt der 19-jährige Tsotsi (Presley Chweneyagae) in den Tag hinein. Der Anführer einer kleinen Gangsterbande ist der coole und für seine Brutalität gefürchtete Held des Viertels. Eines Abends sieht er sich drastisch mit den Folgen seiner Gewalttätigkeit konfrontiert: In einem noblen Vorort schießt er auf eine Frau, stiehlt deren Auto und flüchtet mit Höchstgeschwindigkeit, als er plötzlich auf dem Rücksitz ein neugeborenes Baby bemerkt. Vor Schreck baut er einen Unfall und muss seine Flucht zu Fuß fortsetzen. Er könnte das schreiende Kind allein in dem Wrack zurück lassen, doch etwas in ihm sperrt sich dagegen. Also steckt er es in eine Papiertüte und nimmt es mit in seine Welt...
Kritik
Ein Film aus Südafrika machte selten soviel Reden von sich wie "Tsotsi". Der Film begeisterte die Besucher der Film-Festivals von Toronto und Edinburgh, gewann den Oscar 2006 als bester ausländischer Film und wurde für den Golden Globe nominiert.Regisseur Gavin Hood, der selbst aus Johannesburg stammt, in welchem der Film spielt, erschaffte mit "Tsotsi" ein packendes Ghetto-Drama um die Hauptfigur Tsotsi, der in dem Film als Gangster eine große Wandlung durchmacht. 1980 erschien erstmals der gleichnamige Roman von Athol Fugard, welchen Gavin Hood nun mit leichter inhaltlicher Zeitverschiebung verfilmte.
Angesiedelt ist der Film, wie bereits erwähnt, in Johannesburg, der Hauptstadt der Provinz Gauteng in Südafrika. Besonders zu kämpfen hat die Stadt mit der Kriminalitätsrate, welche die höchste weltweit ist. Und im örtlichen Ghetto ist die Hauptperson des Films, Tsotsi, aufgewachsen. Um sich bei all der Armut durchzuschlagen ist er den Weg gegangen, den viele gehen: kriminell werden. Überfälle stehen auf der Tagesordnung von Tsotsi (was übersetzt auch soviel wie "Gangster" bedeutet). Ein Gewissen hat er dabei nicht. Wenn jemand dabei zu Schaden kommt kümmert es ihn wenig. Und so kommt es, dass er bei einem Autodiebstahl eine Mutter niederschießt, nur um wenig später ihr Kind auf dem Rücksitz des Wagens zu entdecken. Zum ersten Mal ist Tsotsi unschlüssig, was er tun soll, und zeigt das erste bischen Menschlichkeit in ihm: Zwar bringt er das Kind nicht der Familie zurück, aber dafür nimmt er es zu sich und gibt sich alle Mühe für das Kind zu sorgen – was für ihn völlig untypisch zu sein scheint. Ein Wandel des Charakters zeichnet sich auf dem sonst so harten Burschen ab. Und genau das macht Tsotsi so interessant: Der Kontrast zwischen der Brutalität, die sich draußen auf den Straßen abspielt, und der emotionalen Seite, die der Hauptcharakter mehr und mehr aufzeigt.
Presley Chweneyagae ist dabei wirklich als Idealbesetzung für "Tsotsi" gewählt worden. Obwohl er mit dem Film sein Leinwanddebüt feiert spielt er so professionell, als würde er dies schon lange tun. Mimik und Gestik wirken jederzeit überzeugend und perfekt in Szene gesetzt.
Was sehr zur Atmosphäre beiträgt ist, dass der Film im Originalton gezeigt wird. Dabei handelt es sich um die Sprache Tsotsi-Taal (vermischt Dialekte wie Tswana, Sotho, Zulu oder Xhosa). Das Mitlesen der Untertiel stört dabei keinesfalls. Der Film gewinnt dabei reichlich an Authentizität, welche durch die englische Sprache so nicht hätte erreicht werden können.
Musikalisch kann Tsotsi auch auftrumpfen. Stampfende, wuchtige Sounds des "Kwaito", der Musik der Ghettokids von Johannesburg, sind überall in dem Film untergemischt und sorgen nochmals für jede Menge Stimmung und erstklassiges Feeling.
Fazit: "Tsotsi" ist ein sehr gutes Ghetto-Drama mit einer stark-emotionalen Seite, einem erstklassigen Hauptdarsteller und guter Musik. Am besten Vergleichen lässt sich der Film mit Fernando Meirelles Meisterwerk "City of God", an welchen Tsotsi zwar nicht herankommt, den Oscar für den besten ausländischen Film in diesem Jahr hat der Film sich aber trotzdem verdient und ist einen Kinobesuch allemal wert.
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Regisseur
Schauspieler
Presley Chweneyagae, Mothusi Magano, Israel Makoe, Percy Matsemela, Jerry Mofokeng, Benny Moshe, Nambitha Mpumlwana, Zenzo Ngqobe, Kenneth Nkosi, Thembi Nyandeni, Terry Pheto, Ian Roberts, Rapulana Seiphemo, Owen Sejake, Jeremiah Ndlovu



Veremar / 15.10.2008 14:27:51
Ich fand den Film wirklich sehr gut. Es ist interessant und behandelt eine ernste Thematik und regt zum Nachdenken auf. Angucken lohnt sich!
4 Sternen