Verfasst von Michael Schied am 03.02.06 21:38:02 - 0 Kommentare

Bobby

Moviereporter-Bewertung:
  • 5.5/6 Sterne.
Leserwertung (2): 4.0 / 6

Land Indien

Genre Bollywood, Drama, Romanze

Laufzeit: 168

Jahr 1973


Kinostart: 27.09.1973
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Inhalt

Bobby (1973)

Raja (Rishi Kapoor), ein Kind aus dem Hause eines reichen Industriellen, wird 18 Jahre alt und seine Eltern geben zu seinem Geburtstag eine Party. Auch zwei nicht geladene Gäste tauchen auf, die frührere Haushälterin und Kindesmutter, Frau Braganza, und ihre 16-jährige Enkelin Bobby (Dimple Kapadia). Raja, aufgrund seines bisherigen Internatslebens ziemlich unerfahren in Sachen Frauen, ist sofort von Bobby angetan. Zwischen beiden entwickelt sich eine Liebesaffäre, die jedoch verschiedenen Belastungen und Anfeindungen ausgesetzt ist. Erst kommt es zum Mißverständnis zwischen Raja und Bobby, dann wird der soziale Status der beiden zum Hindernis. Beide fliehen vor ihren Eltern bis ihre Geschichte schließlich in ein spektakuläres Finale mündet.

Kritik

Hintergrund:
Der große Schauspieler und Filmemacher Raj Kapoor hat gerade mit "Mera Naam Joker" ein finanzielles Desaster erleben müssen. So enschliesst er sich, dem Trend der Zeit zu folgen und auf Unterhaltung zu setzen. Er engagiert seinen Sohn Rishi Kapoor und die noch 14-jährige Dimple Kapadia für sein nächstes Projekt namens "Bobby". "Bobby", eine Liebesgeschichte zwischen Teenagern, trifft den Nerv der Zeit. Prompt wird er zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Noch heute ist er auf Position 8! Rishi Kapoor und Dimple werden über Nacht für eine ganze Generation zu Stars. Wie gesagt, ist das indische Kino seit Mitte der 1960er Jahre wenig bereit, soziale Themen aufzugreifen. Die Hoffnungen der Jahre der Unabhängigkeit weicht Ernüchterung über unerreichte Ziele und zunehmende innergesellschaftliche Konflikte. Die erste Nach-Unabhängigkeitsgeneration wird erwachsen und stellt Fragen zu Moral und Lebensglück. Der Film behandelt so vor allem die Widersprüche der Moderne.

Kritik:
Die Handlung von "Bobby" ist an sich nicht innovativ. Das indische Kino ist voll von Liebesgeschichten, die von Eltern mißbilligt werden. Doch hebt der Film durch seinen Stil, seine Trendsetzung und eine Reihe von Dialogen von ähnlichen Produktionen ab. Wie zu sehen, verstehen die Eltern nicht, was ihre Kinder bewegt. Die indische Familienbande lösen sich langsam und das Gewinnstreben nimmt Überhand. Gleichzeitig hält eine neue Kultur Einzug. 20 Jahre später wird es hierbei im Hindi-Film auch Verbote geben. Doch jetzt ist für die Jugend noch die Zeit der Hoffnungen und des Experimentierens mit dieser (auch westlichen) Kultur. Dimple tritt so in einem Badeanzug auf, Rishi Kapoor ist nackt zu sehen und trägt später ein kultiges Leder-Outfit. Der Film macht teilweise weitgehende Proklamationen, wenn es heißen darf, dass "Kinder mit den Ansichten ihrer Eltern nicht unbedingt übereinstimmen." Auch thematisiert er, wie im späteren Trendsetter "Maine Pyar Kiya" (1989), moralische Konflikte wie Prostitution und Gewalt gegen Frauen. Aber "Bobby" bietet hier eine mutigere Lösung, wenn die Hauptdarstellerin sagt, dass "Frauen des 21. Jahrhunderts sich selbst verteidigen können". Geschickt werden weitere soziale Fragen in die Handlung eingebaut, als Bobbys Vater die hohe Gewinnmargen der Mittlerhändler im Fischhandel zur Sprache bringt. Auch wenn Familie Braganza mit ihrem Kühlschrank hier wirklich nicht mehr als arm zählen kann, steht sie für die Sehnsüchte breiter Schichten. "Wir Arme haben Ehre, Herz und Glück", sagt der Familienvater, dessen Aussage durch einen der Hits des Films "Na Chahoon Sona Chandi" untermauert wird. Der Film scheint jedoch auch dadurch ein Erfolg zu werden, da -wie es im Filmsong "Mujhe Kuch Kahna Hai" heißt- das Neue mit dem Alten noch nicht vollkommen gebrochen hat. Die Rebellion der Jugend wird noch (hier u. a. durch die Einsicht der Eltern angesichts des möglichen Todes der Kinder) gezähmt. Aber immerhin wagt der Film ein Auflehnen gegen Gesetz und Gesellschaft und ruft dazu auf, Chancen nicht vorbeiziehen zu lassen, sondern diese statt dessen zu nutzen.

Empfehlung:
Der Film zählt nicht ohne Grund zu einem der erfolgreichsten Filme Indiens. Er erzählt in flotter Weise von Hoffnungen, der Suche nach Liebe und davon, diese auch einzulösen. Frische schauspielerische Leistungen, kultige Kleidungen und weitere Songs wie "Hum Tum Ek Kamre Mein" und "Main Shayar To Nahin" machten den Film für eine ganze Generation zum Hit, der auch noch heute als gewissermaßen fortschrittlich gelten kann. Für den einen oder anderen mögen dazu die Außenaufnahmen sehenswert sein, denn er nutzt entgegen den Produktionen ab den 1990er Jahre noch ausgiebig die Landschaften Indiens wie auch Kaschmirs (!).

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