Monster
Inhalt
Nach einer wahren BegebenheitRegisseurin Patty Jenkins erzählt eine Liebesgeschichte zwischen zwei selbstzerstörerischen Außenseitern: Aileen Wuornos (Charlize Theron), eine herumreisende Prostituierte, die letztlich ihre Freier umbringt, und Selby Wall (Christina Ricci), die von ihren Eltern zu einer Tante nach Florida geschickt wurde, um dort von ihrer Homosexualität "geheilt" zu werden.
Von Selbstmordgedanken geplagt, landet Aileen in einer Bar, wo sie Selby kennen lernt. Nach anfänglich verneinenden Gesten von Aileens Seite, die Selby sofort davon in Kenntnis setzt, dass sie keine Lesbe ist, als diese ihr nur ein Bier ausgeben möchte, finden die beiden Frauen immer mehr zusammen und verabreden sich erneut. Schließlich kann Aileen ihre junge Freundin dazu überreden, ihr "eine Woche zu geben" und die beiden ziehen gemeinsam los, auf der Suche nach einem glücklichen Leben ohne Prostitution. Um ihre junge Beziehung am Leben zu halten, prostituiert sich Aileen aber weiter, denn jeder Versuch, Arbeit zu bekommen, scheitert. Mit der Zeit entwickelt sie dadurch jedoch eine eskalierende Wut, die sich in einer brutalen Serie von Morden entlädt und sie in den Augen der Medien zu Amerikas erster Serienkillerin macht - einem Monster.
Kritik
"Aileen Wuornos ist die hoffnungsvollste Person, die ich je getroffen habe", sagt Darstellerin Charlize Theron über die im Jahr 2002 für ihre Taten hingerichtete Prostituierte aus Florida.
Um perfekt in die Rolle schlüpfen zu können war nicht nur schauspielerisches Können erforderlich, sondern auch eine äußerliche Veränderung der Hauptdarstellerin, eine Angleichung des Körpers, des Gesichts, nicht nur der Gesten und der Mimik, die Theron letztlich aber, um eine nahezu originalgetreue Darstellung zu liefern, in unverwechselbarer Perfektion gelang. Im Vorfeld aber war es die Make-up-Künstlerin Toni G (hat auch für Ron Howards Der Grinch und Tim Burtons Planet der Affen gearbeitet), die Theron so sehr veränderte, dass sie kaum mehr wieder zu erkennen war (Kontaktlinsen, falsche Zähne, Make-up). Hinzu kam, dass Theron mit dem berühmten Sprachtrainer Brooks Baldwin zusammengearbeitet hat. Ein gelungenes Imitat jener Frau, der als Filmfigur Leben eingehaucht werden sollte, war geboren. Nicht nur Leben, auch Emotionen, doch dafür brauch man kaum Make-up. In dieser Hinsicht ist es allein Charlize Theron, die mit Monster bewiesen hat, dass sie zu den großen weiblichen Darstellerinnen gehört, die ihr Geld in Hollywood verdienen (für Monster: Silberner Bär bei der Berlinale und Oscar für die beste weibliche Hauptrolle bei den Academy Awards). Und an dieser Stelle ein Lob an so viel Engagement, denn für die Rolle der Aileen Wuornos hat sie rund vierzehn Kilo zugenommen.
Zur anderen Darstellerin: Christina Ricci ist ja eine dieser Schauspielerinnen, der man ein bestimmtes Genre schon automatisch zuspricht, wenn man ihren Namen hört. Man denkt an Filme wie Cursed oder The Gathering, also an Horrorfilme, denn -ich möchte ihr nicht zu nahe treten- sie hat irgendwie das typische Horrorfilm-Gesicht, kann wunderbar in Rollen toter Mädchen schlüpfen, sie hat einfach das gewisse Horrorfilm-Etwas. Und dann kam Monster, ein um Längen anspruchsvollerer Film, in dem sie auch mal beweisen konnte, ob sie darstellerisch etwas auf dem Kasten hat, wie man so schön sagt. Und ja, das hat sie. Auch sie scheint für die Rolle der Selby Wall nahezu geschaffen, passt sie doch ausgezeichnet in die Rolle der leicht naiven, jungen Lesbe, die auf der Suche nach Liebe und Lebensglück ist. Durch Monster mutiert Ricci für mich somit von der passenden Genredarstellerin zu einer Darstellerin, die man nur ernst nehmen kann, hat sie doch als Selby grandiose Arbeit geleistet (wenn auch nicht zum ersten Mal, versteht sich).
"Die Leidenschaft, mit der sich Charlize und Patty (Jenkins, Regisseurin von Monster; Anm. des Autors) auf das Projekt stürzten, hat mich schwer beeindruckt" - Toni G
Womit wir beim nächsten Aspekt wären: die Regiearbeit - passend. Mehr kann man wohl nicht sagen. Die Umsetzung passt zum Inhalt, ist Regietechnisch nicht auf höchstem Niveau, doch das erwartet man auch nicht und wäre enttäuscht, wenn es denn so wäre, denn eine besonders ideenreiche, spektakuläre Regietechnik mit unzähligen Kamerafahrten würde nicht mit den wichtigen Inhalten korrelieren und letztlich nur stören. So hat Patty Jenkins also alles richtig gemacht, könnte man sagen, und besticht vor allem dadurch, dass sie die besonders wertvollen Momente im Film sehr gut in Szene setzt - so zum Beispiel die Szene, in der Aileen ihrer Partnerin Selby von ihrem ersten Mord erzählt. Dieser Augenblick der Annäherung, als Selby sie in die Arme nimmt, ist einfach wunderbar und nicht zuletzt ist an dieser Stelle auch ein Lob an die Regisseurin zu richten.
Auch die Musik ist einfach wundervoll, wenn auch so simpel, dass sie erst einmal unter geht. Irgendwann kommt dann der Moment, an dem man merkt: hey, was für eine geniale musikalische Untermalung und ja, auch der Score ist einfach klasse. Sowohl die rein instrumentale Untermalung (meist mit der Gitarre) als auch die gesungenen Songs, die für die einzelnen Szenen ausgewählt wurden.
Von der ersten Minute an fesselnd, ist Monster ein filmisches Highlight, in dem natürlich die darstellerischen Fähigkeiten der beiden Protagonistinnen im Fokus des Beobachters stehen und somit ebenso ausschlaggebend für die positive Wirkung des Films sind. Dennoch, rein inhaltlich ist der Film schlichtweg ein Juwel. Und so ist es primär die Geschichte der beiden Frauen und die Tatsache, dass aus anfänglichem Interesse auf der einen und Suche nach Bestätigung auf der anderen Seite wahrhaftige Liebe wird. Diese schrittweise Annäherung nachdem Aileen beim ersten Zusammenkommen noch etwas klar stellen wollte, ist glaubwürdig und nachvollziehbar. Selby als junges Mädchen, das erleben und lieben möchte und Lee als diejenige, die einen Menschen braucht, der sie auf den Weg geleitet, den sie nicht von allein betreten kann.
Aufgrund der Tatsache, dass hier von wahren Begebenheiten erzählt wird, schafft es der Film, eine gelungene Gradwanderung einzuschlagen. Denn wenn auch fest steht, dass die Taten von Aileen schrecklich sind, vor allem bezogen auf die letzten beiden Opfer, denn wer mit ihrem ersten Opfern Mitleid hat, der sollte sich Gedanken um das strittige Thema Gerechtigkeit machen, entwickelt der Zuschauer ein unglaubliches Mitgefühl und auch jede Menge Sympathie für diese Frau, die als Kind im -wie sagt man so schön- zarten Alter von acht Jahren vom Freund des Vaters vergewaltigt und dann daraufhin vom Vater selbst geschlagen wurde, als sie davon sprach. Vom Leben gebeutelt hat sich Aileen schon dazu entschieden, ihr Leben zu beenden, nur der Wunsch, das letzte Geld für ein Bier auszugeben, sollte sie daran hindern. Was dann folgte war die reine Suche nach Liebe, nach einem Menschen, der die Frau Aileen Wuornos wirklich mochte, sie respektierte, sie tolerierte. Als dieser Mensch dann einen Weg in ihr Leben fand, war der neue Lebensmut deutlich zu spüren, wollte sie sich doch ernsthaft, wenn auch ein wenig naiv und auf falsche Art und Weise, um Arbeit kümmern und mit der Prostitution aufhören. Als diese Versuche scheitern und das Geld knapp wird, bleibt ihr keine andere Wahl, als sich erneut Freier zu suchen, hat sie Selby doch versprochen, sich um sie zu kümmern, die ihretwegen nicht nach Hause zu ihren Eltern gegangen ist. Und so zieht das Leben und das Schicksal erneut einen miesen Strich durch diese Rechnung des Wunsches nach einem "normalen" Leben.
Und alles beginnt mit diesem einen Freier, der zunächst ganz harmlos erscheint, dann aber zu dem wahren Monster des Films mutiert, der die Geschehnisse erst in Gang setzt. Was wie ein Rachefeldzug gegen die böse Männerschar aussieht, entpuppt sich schließlich nicht ganz als das, was es scheint; zumindest nicht nur. Denn es sind im Laufe des Films dann auch Geldsorgen und Existenzprobleme, die Aileen dazu bewegen, neue männliche Opfer zu suchen. Auch wenn es ihr selbst weh tut, letztlich, wenn sie ihr Gewissen nicht mit der Annahme oder Erkenntnis rein waschen kann, dass der Typ, den sie erschossen hat, kein guter Mensch ist. Denn das ist es, was sie mit den folgenden Männern tut - sie sucht förmlich nach einem Grund, ihnen das Leben zu nehmen, um sich selbst und "ihr Mädchen", wie sie Selby im Film nicht selten nennt, ein besseres Leben zu bescheren. Möglicherweise einmal ein Leben am Strand, in einem teuren Haus... ein Leben, wovon Selby träumt und Lee möchte ihr diesen und im Grunde genommen jeden Wunsch erfüllen, ist sie doch so unendlich dankbar, in Selby einen Menschen gefunden zu haben, der sie aufrichtig liebt. Und doch ist es kein Ausnutzen, wie es Selby zwischenzeitlich selbst formuliert, denn man merkt als Zuschauer doch recht deutlich, dass sich das tatsächlich so etwas wie Liebe oder zumindest Gefühle auf beiden Seiten entwickelt haben. Nicht zuletzt durch die beendende Szene, in der Lee, ganz davon überzeugt, dass sie sich damit selbst verrät, all ihre Taten zugibt, um Selby zu schützen... Selby, ihrem Mädchen.
Fazit: Monster ist ein überwältigender Film mit zwei weiblichen Darstellerinnen, die schauspielerisch an ihre Grenzen gehen, was nicht nur auf die Szenen bezogen iat, in denen sie sich körperlich näher kommen. Die Geschichte wirkt, als könnte sie real sein, wie es ja heißt. An den wahren Hintergründen ist eh nichts zu rütteln, aber ob es sich tatsächlich so, wie es der Film zeigt, abgespielt hat, ist ja immer eine andere Frage. Hier wurde teilweise auch an den Schauplätzen gedreht, an denen sich der Mensch, um den es geht, wirklich aufgehalten hat. Auch haben Regisseurin und Hauptdarstellerin im Vorfeld einige Briefe der zum Tode Verurteilten gelesen.
Monster ist direkt und ehrlich, ohne kitschig zu werden. Die Vergangenheitsszenen zu Beginn sind wichtig, doch ebenso wichtig ist es auch, dass diese Vergangenheit nicht in etlichen Szenen weiter ausgebreitet wurde. Andeutungsweise muss zu den Ursprüngen sicher etwas gesagt werden, aber das wurde auch getan und das reicht absolut.
Monster ist tragisch und schön zugleich, in einigen Momenten zumindest. Die Beziehung zwischen Selby und Lee wurde ausreichend erläutert, so dass sie glaubwürdig erscheint, wenn auf die Beziehung, auf das Zustandekommen der Beziehung auch gut und gerne noch ein wenig mehr Augenmerk hätte gelegt werden können, da der Film mit einer Lauflänge von rund 109 Minuten eh viel zu kurz ist.
Was bleibt ist eine hartnäckige Traurigkeit darüber, wie sich die Dinge entwickelt haben, vor allem zwischen Selby und Lee, sowie ein tief sitzendes Mitgefühl und man kann die Frage verstehen, die Aileen dem Richter stellt, als dieser sein Urteil verkündet hat: sie stecken eine Frau, die vergewaltigt wurde, in die Todeszelle?
Denn von Grund auf ist Aileen Wuornos kein schlechter Mensch, keine Mörderin im eigentlichen Sinne; zumindest nicht zu Beginn. Sie ist ein Mensch, der es im Leben in keinster Weise leicht hatte, was ihr nicht das Recht gibt, Männer zu töten, weil Männer sie schlecht behandelt haben, aber was bleibt ist das Gefühl, dass diese Frau ein ruhiges Leben ohne Demütigung und Gefahren solch drastischer Art verdient hätte... mit einem Menschen, der diese Frau lieben kann, so wie sie ist... mit einem Menschen wie Selby.
Jetzt kommentieren? / 0 Kommentare
Regisseur
Schauspieler
Charlize Theron, Christina Ricci, Bruce Dern, Lee Tergesen, Annie Corley, Pruitt Taylor Vince, Marco St. John, Marc Macaulay, Scott Wilson, Rus Blackwell, Tim Ware, Stephan Jones, Brett Rice, Kaitlin Riley, Cree Ivey, Catherine Mangan, Magdalena Manville, T. Robert Pigott, Romonda Shaver, Glenn R. Wilder


