Der Tunnel
Inhalt
Ein spannendes Drama aus der gar nicht so fernen deutschen VergangenheitAm 13. August 1961 schlossen die sowjetischen Truppen die Grenzen zum Westen. Harry Melchior (Heino Ferch), Schwimmmeister der Deutschen Demokratischen Republik, beschließt zwei Wochen später den sowjetischen Sektor Berlins zu verlassen. Dabei hilft ihm der Amerikaner Victorio (Mehmet Kurtulus) und Fred von Klausnitz (Felix Eitner). Harry konnte seine Schwester Lotte Lohmann (Alexandra Maria Lara) nicht davon überzeugen, mit ihm zu gehen. Sie bleibt bei ihrem Mann Theo (Heinrich Schmieder) und ihrer kleinen Tochter Ina (Sarah Kubel) zurück. Kurz vorher versuchte Harrys bester Freund Matthis Hiller (Sebastian Koch) mit seiner Frau Carola (Claudia Michelsen) den Osten durch die Kanalisation zu verlassen. Während der Flucht werden die beiden von einander getrennt. Matthis kann entkommen, doch Carola wird gefangen genommen. Im Westen beschließen die beiden Freunde mit Hilfe von Vic und Fred Harrys Schwester und Matthis Frau rüberzuholen. Sie entwerfen den Plan für einen Tunnel, der unter der Granzanlage direkt in den Osten führen soll. Später stößt Friederike 'Fritzi' Scholz (Nicolette Krebitz) zu ihnen, die ihren Verlobten Heiner (Florian Panzner) rüberschmuggeln möchte. Jedoch haben sie ihre Rechnung nicht mit dem Staatssicherheitsdienst der DDR gemacht. Schon bald ist ihnen der Oberst Krüger (Uwe Kockisch) auf der Spur, der Carola erpresst und sie als Spionin einsetzt ...
Kritik
"Der Tunnel" ist eine aufwendige Produktion der teamWorx Television & Film GmbH und kam als Zweiteiler ins deutsche Fernsehen. Das Budget betrug knappe 6 Mio. Euro, ein Teil davon kam aus dem Filmförderungsfond. Mehr als 7 Mio. Menschen sahen damals den Film auf SAT.1 und aufgrund des Erfolges wurde der Film später in 28 weitere Länder exportiert. In einigen Ländern konnte man den Film sogar in einer 150-minütigen Fassung im Kino sehen. Der Film erzählt eine packende Geschichte und handelt von der noch gar nicht so weit entfernten deutschen Vergangenheit. Mit vielen Gestaltungsmitteln der Bildsprache der Gegenwart ist der Film von Roland Suso Richter offensichtlich an dem Leben von Hasso Herschel angelehnt, der mehr als 1000 Menschen die Flucht aus der DDR ermöglichte und 1962 mittels eines Tunnels 28 Menschen sowie seiner Schwester die Flucht in den Westen arrangierte. Detailgenau und mit Starbesetzung rekonstruierte der Regisseur die Berliner Mauer und erzählt dem Zuschauer in dramatischen Tragödien wie menschenfeindlich sie war. Es entstand ein Drama, das mit zahlreichen Auszeichnungen überhäuft wurde.
Im Mittelpunkt des Dramas steht Harry Melchior, dessen Charakter ersichtlich dem Leben von Hasso Herschel zugeschnitten wurde. Harry ist ein freiheitsliebender Schwimmer aus dem Osten, der nur noch einmal Schwimmmeister werden möchte, um allen Funktionären nochmals vor den Kopf stoßen zu können. Anscheinend war er damals schon bei den Juni-Aufständen aus dem Jahre 1953 involviert. Harry wurde ausgezeichnet dargestellt von Heino Ferch, den man als Albert Speer in "Der Untergang" oder erst kürzlich in dem TV-Zweiteiler "Die Luftbrücke – Nur der Himmel war frei" sehen konnte. Im darauffolgenden Jahr wurde er für seine schauspielerischen Leistungen in "Der Tunnel" mit der Goldenen Kamera als bester internationaler Schauspieler ausgezeichnet.
Als Hauptstrang der Geschichte dienst Harrys Familiengebundenheit zu seiner Schwester, die ihm dazu bringt einen Tunnel in den Osten bauen zu wollen, um sie in den Westen rüberholen zu können. Dieses Vorhaben ist Auslöser für die dramatische Ereignisse in dem Film. Der Bau ist nicht nur spürbar anstrengend, sondern auch gleichzeitig ein Wettlauf gegen die Zeit, gegen das Grundwasser, das den Tunnel einzustürzen droht und gegen den SSD der DDR, der mittels Oberst Krüger alles nur Erdenkliche versucht, den Bau zu verhindern.
Neben Harrys Schicksal gesellen sich zahlreiche andere, denn Harry kann den Tunnel nicht mit seinen drei Freunden alleine errichten. Er braucht Geld und zahlreiche Mitkämpfer. Schließlich finden sich 48 Helfer, die sich an den Bau beteiligen und ihr eigenes Unheil mitbringen. So entstehen unzählige Nebenstränge. Sein bester Freund Matthis will seine Frau rüberholen, die schwanger aufgrund einer missglückten Republikflucht im Zuchthaus sitzt. Obert Krüger nutzt diese Chance und zwingt sie, für den SSD zu arbeiten. Fred von Klausnitz möchte seine Mutter rüberholen. Victorio hingegen ist ein amerikanischer Private, der damals ins befreite Berlin einmarschierte und nun auf seiner Weise versucht das 'befreite Berlin' zu befreien.
Ein weiteres Schicksal bringt später im Film auf tragischer Weise die Menschenfeindlichkeit der Mauer auf dem Punkt. 'Fritzi' hat die vier Freunde bei der Austüftelung des Planes für den Tunnel in einer Bar belauscht, folgt ihnen und will nun beim Bau behilflich sein. Der Grund: sie will ihren Verlobten Heiner die Flucht ermöglichen. Heiner wird auf der anderen Seite zum Bau der Mauer gezwungen und der Zuschauer folgt den beiden den ganzen Film durch wie sie sich anfangs Briefchen über den Stacheldraht zuwerfen, dann über die halberrichtete Steinmauer bis hin zur Schlüsselszene des gesamten Films. Obowhl sie sich beide und der Mauer immer nächer kommen, werden sie immer stärker von einander getrennt. Heiner hat mitbekommen, dass 'Fritzi' im ständigen Kontakt mit einem Harry steht, kann diesen jedoch natürlich nicht deuten. Letztendlich entscheidet er sich in der Schlüsselszene des Films über die Stacheldrahtzäune zu springen und versucht die Mauer zu erreichen. Ein Grenzsoldat schießt ihm in den Rücken. Mit letzter Kraft zieht er sich am Boden zur Mauer, wo auf der anderen Seite seine Verlobte wartet. Die Kamera filmt den Blutenden vom Boden aus, so wird der Zuschauer ganz nah in das Geschehen miteinbezogen. 'Fritzi', die auf der anderen Seite verzweifelt am Boden kniet, wird in Kopfhöhe gefilmt, die Kamera fährt in die Vogelperspektive, eröffnet dem Zuschauer einen dramtischen Blickwinkel, zeigt die Mauer, die beide trennt, senkt sich wieder auf der westlichen Seite ab und vollzieht langsam einen Abgang, der die Einsamkeit von 'Fritzi' noch verdeutlicht. Heiner, der alleingelassen an der Mauer verblutet, seht in diesem fall für Peter Fechtner, der zu den bekanntesten Maueropfern zählt. Diese und andere Bildgestaltungselemente, wie die teilweise Grobkörnigkeit des Bildes, die verwackelten, unsauberen Aufnahmen und die schlechte Beleuchtung lassen "Der Tunnel" nicht nur zum besten Beispiel für Gestaltungsmittel für den Unterricht an Hochschulen und Unis für Film und Fernsehen werden, sondern lassen den Film noch realitätsnaher wirken und machen ihn zum echten Filmhighlight. Leider stehen die 188 Minuten Lauflänge etwas konträr zur Spannung. Hätte man den Film schneller erzählt, schneller geschnitten, stünde das wiederum gegensätzlich zur echten Dauer des Tunnelbaus, doch dies wäre der Spannung nur zugute gekommen.
Fazit:
"Der Tunnel" ist ein echtes Filmhighlight. Nicht umsonst urteilte damals die Los Angeles Times wie folgt: "Der beste deutsche Film seit "Das Boot". Die perfekten Schauspieler können leider nicht viel gegen die Länge des Films tun. Schön anzusehen, perfekte Gestaltungsmittel, doch etwas zu lang. Ein Film, den man sich nicht nur angesichts unserer Vergangenheit nicht entgehen lassen sollte.
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Regisseur
Schauspieler
Heino Ferch, Nicolette Krebitz, Sebastian Koch, Claudia Michelsen, Felix Eitner, Mehmet Kurtulus, Heinrich Schmieder, Uwe Kockisch, Karin Baal, Rainer Sellien, Wolf-Dietrich Sprenger, Sarah Kubel, Florian Panzner, Dorothea Moritz, Ruth Glöß, Wilfried Hochholdinger, Hans Nitschke, Rüdiger Kuhlbrodt, Jürgen Haug, Arno Reckers, Christine Harbort, Gode Benedix, Simon von Parys, Luis Lamprecht, Shaun Lawton, Uwe Zerbe, Frank-Michael Köbe, Reiner Heise, Sebastian Kautz, Pierre René Müller, Christoph Glassbacher, Nico Link, Jonas Hartmann, Timo Blazejewski


