Verfasst von Michael Schied am 08.01.06 23:24:32 - 2 Kommentare

Dilwale Dulhania Le Jayenge

Moviereporter-Bewertung:
  • 4.5/6 Sterne.
Leserwertung (3): 6.0 / 6

Land Indien

Genre Bollywood, Drama, Familie, Komödie, Musical, Romanze

Laufzeit: 189

Jahr 1995

Webseite

Kinostart: 19.10.1995
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Inhalt

"Dilwale Dulhania Le Jayenge" (Indien 1995)

Raj (Sharukh Khan) und Simran (Kajol) sind indischer Herkuft und leben in London. Am Anfang der Geschichte kennen sich beide nicht. Eine einmonatige Reise durch Europa, die sie gemeinsam mit ihren Freunden (u.a. der jugendliche Karan Johar in einer Nebenrolle) unternehmen, wird sie schließlich zueinander führen. Zum Beginn der Reise macht sich Raj noch über Simran lustig, und auch Simran scheint Raj nicht sonderlich ernst zu nehmen. Raj fädelt es irgendwann auf dem Weg der Reise ein, dass beide ihren Zug verpassen. Nun ändert sich das Verhältnis, und sie kommen sich in den Schweizer Bergen näher. Am Ende der Reise wissen beide, dass sie sich eigentlich ineinander verliebt haben. Sie gehen hingegen getrennte Wege. Simrans Leben scheint vorgezeichnet zu sein: Der Vater Simrans (Amrish Puri) hatte die Heirat seiner Tochter bereits in Indien arrangiert. Raj beschließt, um Simran zu kämpfen und die Gunst ihres Vaters, der als typischer Familienpatron auftritt, zu gewinnen.

Kritik

Hintergrund
"Dilwale Dulhania Le Jayenge" (DDLJ) zählt in vieler Hinsicht zu einem wichtigen Film. Er räumte im Jahre seines Erscheines (1995) alle Filmpreise ab und avancierte prompt zum 7. besten Film aller Zeiten. Das war schon eine beachtliche Leistung, wenn in den Jahren von 1985 bis 2005 gerade mal 21 Filme die inflationsbereinigte Liste der besten 200 bereichern konnten. Nach DDLJ war kein Film erfolgreicher.
Nach "Hum Aapke Hai Kaun" im Vorjahr machte DDLJ für den Hindi-Film die Wende nach einer länger andauernden Durststrecke perfekt. DDLJ vereint so vieles, was typisch für einen siegreichen Film der Zeit geworden ist. Weniger das Leben in Indien und die seine Probleme werden behandelt, sondern der Vergleich mit dem Westen wird angestrebt und Patriotismus zu Indien wird propagiert. DDLJ eröffnet als sog. NRI-Film auch ein neues Thema und Markt. NRIs (Non-Resident Indians) sind Inder, die im Ausland leben. Die indische Filmindustrie fängt Mitte der 90er Jahre an, um sie zu buhlen. So sollen in westlichen Kinos wieder indische Filme laufen, um so die Verluste der letzten Jahre durch höhere Einspielzahlen wieder wettzumachen. Überhaupt werden Filmlocations im Westen, allem voran die Schweiz, zu beliebten Kulissen des indischen Films. Der Bürgerkrieg in Kaschmir hatte diese "Notlösung" quasi erzwungen, da hier keine Filme gedreht werden konnten. Als nächste wichtige Filme mit NRI-Problematik gelten in der Folgezeit "Pardes" (1997), "In guten wie in schlechten Tagen" (2001), "Indian Love Story. Lebe und denke nicht an morgen!" (2003), "Swades" (2004). Aber sagen Zahlen und Statistiken auch etwas über die Qualität aus? Denn der von mir so geschmähte "Gadar" zählt z. B. zu einer außerordentlich erfolgreichen Produktion.

Kritik
DDLJ sollte allein schon wegen seines Erfolgs gesehen werden. Und in der Tat ist der Film langen Strecken lang interessant und gut anzusehen. Geschickt werden einige Probleme der indischen Psyche in die Handlung eingebaut und thematisiert. Etwa die Doppelmoral in vielen Familien, als die Mädchen Bravheit vorgeben und beim Eintreffen ihres Vaters in das Haus die Musik von modern in das für den Vater akzeptable alte ändern. Auch die erzwungene Übernachtung der beiden Hauptdarsteller in den Schweizer Bergen deutet die Frage des vorehelichen Sex und Alkoholkonsum an. Hier gibt es dazu einen der passenden Songhits: "Zara Sa Jhoom Lun Main".
Überhaupt lebt der Film oft von seinen Liedern wie "Mere Khwabon Mein", "Tujhe Dekha To Yeh" und "Ho Gaya Hai", die bis heute Kultstatus erreichen.
Auch die Hauptdarsteller Sharukh Khan und Kajol bieten in ihrem dritten der insgesamt sechs Filme, die sie gemeinsam bestreiten, gute Leistungen. Sharukh Khan zeigt noch das, was ihn bekannt gemacht hat. Kajol, die für viele immer noch die Lieblingsschauspielerin darstellt, ist liebenswert.
Doch der Hitstatus des Films weist genau auf seine Problematik hin. Denn ist der Film in den heutigen Zeiten ein Hit, dann muß er auch traditionelle Werte popularisieren. Mußten die Szenen in Europa zaghaft für moderne Ideen herhalten, so setzt der Film in der zweiten Hälfte (nach der Pause) auf das Herkömmliche. Nun baut der Film leider auch ab und wird streckenweise langatmig. Die Szene um das "Karwa Chauth", dem Fasten der Frauen für die Männer, macht schließlich diese Umkehr perfekt. Im Dialog mit Simran stellt die Mutter (ähnlich wie beim anderen großen Hit der Jahre "Hum Aapke Hai Kaun") dann die Rolle der Frau in der indischen Ehe klar: "Frauen sind da, um für Männer Opfer zu bringen." Zwar verhilft die Mutter Simran zur Flucht und der Vater läßt am Ende des Films Simran frei, doch setzt der Film hier, wie so oft, auf ein wie auch immer geartetes Hoffen der Einsicht des Einzelnen als auf wirkliche Veränderung. Für diejenigen, die am Bahnsteig zurückgeblieben sind, ändert sich nichts. Und dies ist eigentlich, folgt man der Logik des "Karwa Chauth", auch bei Simran und Raj so.

Empfehlung
Wie gesagt, der Film ist wegen seiner Bedeutung und Schauspieler sehenswert. Die Handlung wird erst in der zweiten Hälfte streckenweise langweilig. Die Lieder sind ein Hit.

Jetzt kommentieren? / 2 Kommentare

  1. stallone

    stallone / 11.12.2007 19:27:04

    es gibt in indien ein kino da läuft der film heute noch! ein sehr schöner film, aber mich hat die musik mehr faziniert!


    6 Sternen

  2. Veremar

    Veremar / 12.12.2007 12:51:25

    Toller Film, wie vieles aus Bollywood...


    nicht bewertet


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