Verfasst von André Gabriel am 30.05.06 16:13:23 - 2 Kommentare

Flug 93

United 93

Moviereporter-Bewertung:
  • 6.0/6 Sterne.
Leserwertung (9): 4.66 / 6

Land Großbritannien, USA

Genre Drama, Historie

Laufzeit: 111

Jahr 2006

Webseite
Trailer

Kinostart: 01.06.2006
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Inhalt

11. September 2001, vier Flugzeuge wurden entführt, drei von ihnen erreichten ihr Ziel, dies ist die Geschichte des Vierten

Am 11. September 2001 wurde die Welt in ihren Grundfesten erschüttert. Zwei von vier entführten Flugzeugen schlugen ins World Trade Center, eines zerstörte Teile des Pentagons, während das letzte sein Ziel nicht erreichte. Flug 93 schildert in Echtzeit die Ereignisse an Bord dieses Flugzeuges. Regisseur Paul Greengrass (Die Bourne Verschwörung) rekonstruiert die letzten Stunden von United Airlines Flug 93.

Genau um 8:42 Uhr startet Flug 93 in Richtung San Francisco. Permanent pendelt der Film zwischen den einzelnen Orten des Geschehens hin und her. Ob am Boden oder in der Luft, alle Parteien versuchen händeringend eine Lösung herbeizuführen.

Kritik

"Man kann sich auf vielfältige Weise den Geschehnissen von 9/11 nähern. Das Fernsehen kann Ereignisse dokumentieren, noch während sie passieren. Reporter können eine erste Rohfassung der Geschichte schreiben. Historiker können den Zeitrahmen erweitern und Zusammenhänge herstellen. Auch Regisseure übernehmen dabei ihre ganz eigene Rolle. Wenn man ein einzelnes Ereignis intensiv und sorgfältig betrachtet, kann es passieren, dass man eine Struktur entdeckt, die größer ist als die Sache selbst - die DNA unserer Zeit. Darum haben wir diesen Film über Flug 93 gemacht" - Paul Greengrass

Zur Vorbereitung:
wie kann man sich auf einen solchen Film vorbereiten? Greengrass zumindest hat scheinbar alles getan, um eine authentische Umsetzung zu gewährleisten; was sowohl die emotionale, als auch die objektive Seite betrifft, wenn man bei diesem Thema überhaupt von reiner Objektivität sprechen kann. Neben intensiven Gesprächen mit an diesem Tag beteiligten Fluglotsen, dem Militär sowie Zivilisten sind es vor allem die vorbereitenden Gespräche der Angehörigen der Fluggäste und der Crew der Boeing 757, die als Flug 93 in die Geschichte eingegangen ist.
Der Regisseur hat den Film in Echtzeit gedreht, was bedeutet, dass die inhaltlichen Minuten den tatsächlichen Minuten am 11. September entsprechen; was nicht ausschließlich für den Flug 93 gilt, sondern für jedes an diesem Tag entführte Flugzeug.
Man muss sich automatisch die Frage stellen, wie es für die Angehörigen wäre, sich einen Film über das Schicksal der Menschen anzusehen, die sie verloren haben. Bedenkenswert: ein Film wie United 93 möchte nicht unterhalten, sondern berichten und bewegen. Nun gibt es aber auch genug andere Filme, denen reale Begebenheiten zugrunde liegen, bei denen es sich um Genrefilme handelt. Ein Beispiel wäre The Texas Chainsaw Massacre, ein Schocker, der darauf ausgelegt ist, vor allem Horrorfans zu unterhalten. Doch jede wahre Begebenheit hat ihre Opfer und jedes einzelne Opfer hat ihre Angehörigen... ich selbst zähle mich zu den besagten Horrorfans, muss mich aber fragen, wie es auch für diese Angehörigen wäre, würden sie sich einen vermeintlichen Funfilm über jene schrecklichen Geschehnisse ansehen, mit denen sie sich in ihrem Leben ernsthaft auseinandersetzen müssen; sei der Inhalt solcher Filme auch noch so sehr verändert. Umso erfreulicher, wenn man dann liest, dass es dem Regisseur von United 93 wichtig war, vor Drehbeginn die Zustimmung jener über 100 Angehörigen zu bekommen:

"Für uns Angehörige wird das alles nie zu Ende sein. Für das Land und alle, die diese Ereignisse im Fernsehen miterlebt haben, wird diese Sache nie vergessen sein, sondern immer bewegend bleiben. Ein Teil von uns möchte diese Dinge nicht nochmals sehen. Aber ich finde, je mehr Filme es darüber gibt, desto besser. Wir dürfen nicht vergessen. Wir müssen uns erinnern, was da passierte und weshalb es geschah. Wir dürfen uns nicht vormachen, dass so etwas nie wieder geschieht, wenn wir es nur einfach vergessen" - Allison Vadham, Tochter von Passagierin Kristin White Gould

"Es gibt viele Dinge im Leben, die schwierig sind. Aber man tut sie, weil sie einfach getan werden müssen. Für mich ist mein Engagement für diesen Film so eine Situation. Ich wusste, dass ich dabei sein sollte, ganz egal, was sich dadurch für mich verändern wird. Ich habe mit meiner Story zu dem Film beigetragen und kann auf diese Weise meinen Mann in Erinnerung behalten“ - Sandy Felt, Ehefrau des Passagiers Edward

„Ich bin glücklich, dass es diesen Film zum fünften Jahrestag gibt. Ich fände es furchtbar, wenn diese 40 Menschen vergessen würden. Ich habe mir oft überlegt, was Louise in meiner Lage getan hätte. Sie hätte ganz sicher gesagt: ‚Diese Menschen haben verdient, dass man sie ehrt und in Erinnerung behält.’ Ich bin froh, dass ich meinen Beitrag zu diesem Gedenken leisten konnte. Man muss diesen Menschen dafür danken, was sie an diesem Tag getan haben“
- Kenny Nacke, Bruder der Passagierin Louise J. Nacke

Die Integrierung der Angehörigen in das Projekt ging so weit, dass sie auch am Set präsent waren. Sie verrieten Details der Opfer wie beispielsweise die bevorzugte Lektüre, äußerten erfahrungsgemäße Spekulationen darüber, was einzelne Menschen an Bord an Süßigkeiten verzehrt, welche Musik sie wohl gehört und welche Kleidung getragen haben.
Antagonistische und protagonistische Darsteller und Darstellerinnen wurden in getrennten Hotels untergebracht und man entschied sich auch zu getrennten Mahlzeiten, um dem Regisseur und dem Cast die Möglichkeit zu geben, jene Unbekanntheit und Trennung in der Hinsicht zu nutzen, als dass "Furcht" und "Feindlichkeit" nicht wahrhaftig, aber in einem rein arbeitstechnischen Grenzbereich vorhanden waren.

Und da ist noch eine weitere Frage, die man sich stellt: ist es zu früh für diesen Film? Und dann rechnet man kurz zurück und erschreckt, da es ja mittlerweile schon fast fünf Jahre sind, die zwischen den Vorfällen und dem Jetzt liegen. Ein Kollege sagte nach dem Film, dass es ihm immer noch wie gestern vorkommt, wenn er darüber nachdenkt. Und dann überlegt man, jedoch wiederum nur für einen minimalen Augenblick, denn tatsächlich liegt der 11. September 2001 noch wie ein Denkmahl aus massivem Stein in irgendeiner eigens reservierten Ecke des Kopfes und wird wohl dort verharren, jederzeit abrufbar. Mein erster Gedanke an den 11. September 2001: ich selbst bekam die Anschläge nicht zeitgenau mit und erfuhr zum ersten Mal davon, als mir jemand unvorhergesehen mitteilte, dass Manhattan in Flammen steht. Die Erinnerungen sind vielfältig, wenn sie sich auch in einem Punkt gleichen sollten.

Zum Film: Regisseur Paul Greengrass trifft exakt den richtigen Regieton. Denn er inszeniert United 93 nicht als Filmerlebnis. Vielmehr verleiht er dem Film einen dokumentarischen Charakter, eine Tatsache, die diese Umsetzung der Geschehnisse stark vom zweiten Film über den 11. September unterscheiden wird - World Trade Center von Oliver Stone und mit Nicolas Cage in der Hauptrolle. Die Bilder aus United 93 bestechen nicht durch Hochglanz, der Regiestil ist simpel und nah an den Figuren. Man hat das Gefühl, als wäre der Film fast ausschließlich mit Handkameras gedreht worden, ruhige Momente sind selten, oft wechselt die Perspektive nicht durch Schnitte, sondern durch Kameraschwänken. Häufiges, nicht selten schnelles, Zoomen auf einzelne Figuren sowie eine ebenso häufige Nahaufnahme erwecken tatsächlich das Gefühl von persönlicher Nähe, von Wirklichkeit. "Involviertes Sehen" würde ich es nennen und muss noch einmal abschließend sagen, dass diese Art von Inszenierung gut gewählt wurde, um United 93 auf die Leinwand zu bringen.

Man erwartet Gefühlskino. Emotionalität an allen Ecken und Enden, einen tränenreich begleiteten Abspann und jede Menge Gänsehaut. Ohne um den heißen Brei herum zu reden: all das bekommt man als Zuschauer. Nur was ist mit Aufklärung? Mit Dokumentation? Der Film kann schon deshalb nicht aufklärend wirken, da niemand außer der direkt beteiligten Menschen weiß, was an Bord des Flugzeugs vorgegangen ist. Wir wissen lediglich, dass die Maschine nicht ihr Ziel erreicht hat. Weder das der Entführer, noch das ursprüngliche. An dieser Stelle seien die bereits zitierten Worte eines Angehörigen wiederholt: man muss diesen Menschen dafür danken, was sie an diesem Tag getan haben. Eine Ehrung. Ein Erinnern. Ein Wachrütteln... in manchen Fällen.

Es liegt mir fern, einzelne Szenen herauszupicken, die meiner Ansicht nach besonders emotional aufwühlend sind. Das muss jeder selbst fühlen. Sagen kann ich hingegen etwas zu meinen Gedanken und zu meiner Einschätzung des Films im Ganzen. Denn der Flug allein füllt nicht alle Filmminuten. United 93 beginnt mit jenen Männern, die das Flugzeug später entführen sollen. Mit deren Vorbereitungen auf das Attenat: dem Beten. Die Worte zu Gott, im unabdingbaren Glauben gesprochen, sind es, die wie eine vorzeitige Rechtfertigung für ihre bevorstehenden Taten wirken. Das ist die Realität, über die gesprochen werden muss.

Fazit: ein solcher Film kann entweder gelingen oder misslingen, eine Einschätzung, die zugleich als Erklärung für die Bewertung gilt. Ich sehe keine Fehler, die bei der Produktion des ersten (Hollywood-) Films über den 11. September 2001 gemacht wurden. Man hat auf überflüssigen Patriotismus verzichtet, das Störelement schlechthin. Ich habe mitgefühlt, mir stockte wirklich der Atem, ich wurde innerlich gerüttelt, bewegt, aufgewühlt, war wie gelähmt, geschockt und mitgerissen. Die Bandbreite der auf die Emotionalität bezogenen beschreibenden Worte erscheint grenzenlos. Ich saß am Ende mit einem Gefühl in meinem Kinosessel, das mir verriet, soeben einen Film gesehen zu haben, dessen Existenz wichtig ist.
Und am bedeutendsten erscheint mir der Zustand völliger Reflexion.

Jetzt kommentieren? / 2 Kommentare

  1. Feuerfrucht

    Feuerfrucht / 20.01.2008 12:30:56

    Traurig sehr traurig, weil man am liebsten alles verhindern mag. Aber ich glaube die Amis stellen das bissl anderster hin, als es wirklich war. ;))))


    4 Sternen

  2. Gambit521

    Gambit521 / 23.07.2008 05:34:46

    Ja Stimmt Amis halt die wissen ja genau was im Flugzeug war und passiert ist


    nicht bewertet


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