Verfasst von Thorsten Meiritz am 19.12.06 01:23:57 - 0 Kommentare

Die Rotkäppchen-Verschwörung

Hoodwinked

Moviereporter-Bewertung:
  • 3.0/6 Sterne.
Leserwertung (2): 4.5 / 6

Land USA

Genre Animation, Familie, Komödie

Laufzeit: 80

Jahr 2006

Webseite
Trailer

Kinostart: 27.12.2006
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Inhalt

Das klassische Märchen von Rotkäppchen einmal ganz anders.

Tatort: das Haus der Großmutter tief im Wald. Die Verdächtigen: Rotkäppchen, der böse Wolf, ein Holzfäller und Großmutter selbst – und alle haben ein Geheimnis. Überall ist Blaulicht und der Tatort wurde von der Polizei unter der Führung von Chief Grizzly abgeriegelt. Dann trifft auch noch Sonderermittler Nicky Flippers höchstpersönlich ein. Doch was war passiert?
Seit einiger Zeit geschehen merkwürdige Dinge im Wald. Nach und nach werden alle Süßigkeitenrezepte von dem gemeinen "Goodie-Bandit" gestohlen – nur das Rezeptbuch von Großmutter befindet sich noch nicht in seiner Hand. Um das kostbare Buch vor dem Diebstahl zu stützen beschließt Rotkäppchen es zur sicheren Verwahrung in Großmutters Haus zu bringen. Unterwegs hoppelt ihr der Hase Boingo über den Weg, trifft sie auf den Wolf, der hinter ihrem Rezeptbuch her ist und sie bekommt Hilfe von einem singenden Steinbock – das ist zumindest die Geschichte die Rotkäppchen bei ihrem Verhör erzählt.
Der Wolf, der wie sich herausstellt als Reporter arbeitet erzählt die Geschichte jedoch ein wenig anders und kann seine Unschuld mit Hilfe von Fotos beweisen, die sein Assistent Twitchy geschossen hat – ein viel zu schnell redendes Eichhörnchen. Der etwas dümmliche Holzfäller der eigentlich ein untalentierter Schauspieler und der Fahrer des Schnitzelmobils ist, war einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Aber was hat Großmutter zu verbergen und wer ist der Verantwortliche für die hinterhältigen Rezeptdiebstähle? Eine harte Nuss die Nicky Flippers da zu knacken hat…

Kritik

"Hoodwinked" läutet eine neue Generation des Animationsfilms ein – den Low-Budget, oder auch independent Animationsfilm. Bei einem vergleichsweise geringen Budget, spielte die Animationskomödie weltweit bisher schon mehr als 100 Millionen US-Dollar ein und war damit einer der Überraschungserfolge des Jahres. Durch erweiterte Zugangsmöglichkeiten zu den neuesten Technologien wird es auch kleineren Studios ermöglicht Animationsfilme zu realisieren. Vor einigen Jahren wäre dieses noch nicht möglich gewesen. Hochwertige Computeranimationen waren einfach viel zu teuer, so dass nur große Produktionsgesellschaften wie Disney oder später dann auch DreamWorks die Möglichkeiten hatten ansprechende Animationsfilme auf den Markt zu bringen. Heutzutage können mehr Filmemacher diejenige Technologie nutzen, die den Animationsfilm revolutioniert hat. Im vorliegenden Film arbeitete das Filmteam mit einem Animationsteam aus Manila, sowie mit einem indischen Team, das für die Lichteffekte verantwortlich war, zusammen.
Die Art der Animation hat mir persönlich jedoch nicht so gut gefallen, wie beispielsweise in den diversen Filmen von Disney oder DreamWorks. Sie erscheint trotz des Einsatzes der neuen Technologie nicht so ausgereift, wie bei den zuvor erwähnten Produktionen – beispielsweise werden die Haare meist nur durch eine kompakte unbewegliche Masse dargestellt. Rotkäppchens Design weist auch Einschläge der japanischen Manga-Figuren auf, was besonders an den übergroßen Augen deutlich wird.

Die Geschichte von Rotkäppchen und dem bösen Wolf ist Kindern weltweit bekannt. Wer kann sich nicht mehr daran erinnern wie er sie in der Kindheit vorgelesen bekam? Das kleine Rotkäppchen ist auf dem Weg zur kranken Großmutter um ihr Essen zu bringen und für sie zu sorgen und als sie ankommt liegt an Großmutters Stelle der große graue böse Wolf im Bett – das zumindest ist der normale Verlauf der Geschichte.
Aber in "Die Rotkäppchen-Verschwörung" ist das alles anders. Rotkäppchen ist kein kleines Mädchen mehr, sondern ein rebellischer Teenager. Sie träumt von der weiten Welt und will nicht mehr den Lieferanten für Großmutters Leckereien spielen, sondern den Wald eigentlich so schnell wie möglich verlassen. Und sie weiß sich im Gegensatz zur zarten Märchenfigur zu wehren, ist sie doch Preisträgerin eines Kampfsportwettbewerbs. Das bekommt nicht nur der Wolf zu spüren, doch auch sie wird ihren Meister finden – wer das sein wird, das wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten, dazu müsst ihr schon ins Kino gehen.
Der Charakter des Wolfes ist in dieser Variante der Erzählung auch vielschichtiger geworden. Er ist nicht mehr der klassische Bösewicht, sondern ein Enthüllungsreporter, der immer auf der Suche nach einer heißen Story ist. Doch wie weit würde er dafür gehen? Steckt er vielleicht doch am Ende hinter all den Diebstählen? Unterstützt wird er bei seiner Schnüffelei von seinem Assistenten und Fotographen Twitchy, ein völlig überdrehtes, viel zu schnell sprechendes und nach Kaffee süchtiges Eichhörnchen. Dieser Charakter hat mir persönlich am besten gefallen, da er immer wieder für lustige Momente im Film sorgt.
Dann wäre das noch die Figur des vertrottelten und nicht gerade sehr hellen Holzfällers, der,  wie sich herausstellt, eigentlich ein äußerst untalentierter, arbeitsloser Schauspieler und nebenberuflich der Fahrer des Schnitzelmobils ist. Ja, richtig gehört, ein Schnitzelmobil, ein im Wald umherfahrender Bus, der Schnitzel am stiel verkauft, und der Holzfäller trägt obendrein auch noch Lederhosen – sieht irgendwie nach einem kleinen Seitenhieb auf uns Deutsche aus, die im Ausland ja gern sehr klischeehaft als typisch bayerisch angesehen werden. Im Endeffekt ist der Holzfäller aber harmlos und einfach immer nur zur falschen Zeit am falschen Ort.
Bleibt noch die Großmutter, die wohl von allen klassischen Figuren die größte Wandlung vollzieht. Sie ist in der vorliegenden Version keinesfalls das arme gebrechliche Mütterchen, sondern ein Extrem-Sport-Junkie à la Triple X – und sie hat sogar drei "G’s" im Nacken tätowiert. Sie rast wie Vin Diesel eine verschneite Piste hinunter, nachdem sie per Handgranate eine Lawine ausgelöst hat, klettert ungesichert an Felsen herum wie Tom Cruise in "Mission: Impossible 2", hängt unter der Decke wie Spider-Man, und vollführt Stunts auf dem Skateboard und dem Fahrrad, die selbst einem Tony Hawk alle Ehre machen würden. Das alles hat sie äußerst geschickt vor Rotkäppchen geheim gehalten – hat sie etwa auch noch mehr zu verheimlichen?
Das ist das Rätsel, was Star-Ermittler Nicky Flippers, der der Gattung äußerst langbeiniger Frosch angehört, zu lösen hat. Nacheinander erzählen ihm die vier Hauptverdächtigen in bester "Die üblichen Verdächtigen" Manier ihre Geschichten und er muss herausfinden was die Wahrheit ist. Unterstützt wird er dabei von dem brummigen Polizei-Chief Grizzly, der, wie könnte es auch anders sein, ein Bär ist.

In der englischen Originalfassung leihen unter anderem Hollywoodgrößen wie Anne Hathaway, Glenn Close, James Belushi, Anthony Anderson, Chazz Palminteri, oder auch der Rapper X-Zibit den animierten Charakteren ihre Stimme. Für die deutsche Synchronfassung konnten unter anderem Sarah Kuttner, Hans Werner Olm oder auch Smudo gwonnen werden.

Die Regie des schrägen Animationsabenteuers übernahm das Brüderpaar Cory und Todd Edwards, die auch das Drehbuch dazu schrieben und sogar einige Songs zum Soundtrack beisteuerten. Tony Leech half den Beiden sowohl beim Verfassen des Scripts als auch bei der Durchführung der Regie. Leech übernahm zudem noch den Schnitt des Films.

Fazit: Ein Animationsspaß, der nicht nur jungen Zuschauern gefallen wird. Die technische Umsetzung hätte jedoch besser sein und auch der Spaßfaktor hätte ein wenig höher ausfallen können. Der Erfolg des Films spricht allerdings für sich und wird den großen Animationsstudios wohl einiges Kopfzerbrechen bereiten.

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