Verfasst von Thorsten Meiritz am 17.10.06 03:56:21 - 0 Kommentare

Jagdfieber

Open Season

Moviereporter-Bewertung:
  • 4.5/6 Sterne.
Leserwertung (2): 3.5 / 6

Land USA

Genre Abenteuer, Animation, Familie, Komödie

Laufzeit: 86

Jahr 2006

Webseite
Trailer

Kinostart: 09.11.2006
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Inhalt

Die Tiere schlagen zurück… - Sonys erster Animationsfilm verdreht die Realität auf urkomische Art und Weise.

Der große tapsige Grizzlybär Boog (Martin Lawrence), wurde als Baby von der Rangerin Beth (Debra Messing) gefunden und liebevoll aufgezogen. Fortan lebt er in ihrer Garage als "Haustier" und tritt in ihrer Wild-Life-Show in dem beschaulichen kleinen Städtchen Timberline auf. Es mangelt ihm an nichts und er lebt ein Leben ganz ohne Gefahren in einem für ihn wahren Schlaraffenland.
Doch das ändert sich alles schlagartig, als er dem klapprigen Hirsch Elliot (Ashton Kutcher) begegnet – gefesselt auf der Motorhaube des fanatischen Jägers Shaw (Gary Sinise) und mit einem abgebrochenen Ende des Geweihs macht er einen erbärmlichen Eindruck. Voller Mitleid befreit Boog Elliot aus seiner misslichen Lage, eine gute Tat mit Folgen.
Elliot folgt Boog bis nach Hause und reißt ihn mitten in der Nacht aus dem Schlaf. Zum Dank für seine Rettung will er nun seinerseits Boog befreien, bis er registriert, dass dieser freiwillig mit der Rangerin zusammenlebt. Trotzdem kann er ihn mit einem Schokoriegel zu einem nächtlichen Ausflug überreden, denn Schokolade wirkt auf Boog wie eine Droge. Zusammen brechen sie in einen Supermarkt ein und zerstören ihn in einem Vollrausch. Damit aber nicht genug versaut ihm Elliot auch noch einen seiner Auftritte, bei dem hinter der Bühne sprichwörtlich die Fetzen fliegen. Beth registriert, dass sie Boog nun endlich in die Freiheit entlassen muss. Kurzerhand betäubt sie die beiden Streithähne und setzt sie in der Wildnis aus.
Als Boog wieder erwacht trifft ihn annähernd der Schlag, seine Garage, sein Zuhause sein gemütliches Leben, alles ist Weg. Und dann ist da immer noch dieser nervige Hirsch an seiner Seite. Notgedrungen geht er aber einen Pakt mit ihm ein, denn Elliot verspricht ihm ihn wieder nach Hause zu führen. Für die beiden beginnt eine abenteuerliche Reise, auf der sie viele Waldbewohner kennen lernen. Es gibt jedoch ein Problem: die Jagdsaison wurde gerade eröffnet und besonders Shaw hat noch eine Rechnung mit den Beiden offen…

Kritik

"Jagdfieber" ist der erste Film des neu gegründeten Sony Pictures Animation-Studios. Der Film basiert auf den Comicvorlagen von Steve Moore und zeigt eine alternierende Wirklichkeit, worin die Tiere schlauer sind als die Menschen. In Szene gesetzt wurde "Open Season" von Jill Culton, Roger Allers und Anthony Stacchi. Zu Cultons bisherigen Credits zählen "Die Monster AG", "Das große Krabbeln" und auch "Toy Story". Zu Stacchis bisherigen Arbeiten gehört unter anderem "Antz" und Co-Regisseur Allers kann schon als Veteran auf diesem gebiet bezeichnet werden, war er doch bereits für "Der König der Löwen" tätig, der 1994 mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Der Humor im Film regt einfach zum Lachen und, treibt die Story aber auch stetig voran.
Nun ein Wort zur Animation. Dank einer neu entwickelten Software hat der Film den Look von traditionellen Animationsfilmen, der in eine 3D-Welt übertragen wurde, wodurch ihm ein gemalter Charakter verliehen wird. Die Animation ist aber keineswegs dabei auf der Strecke geblieben. Ganz im Gegenteil, die Felltextur der Tiere ist äußerst gut und realistisch gelungen. Ein Beispiel: Elliots Fell besteht aus etwa 3,5 Millionen einzelnen Haaren, die in Gruppen bewegt werden können, wobei aber jedes einzelne Haar verlagert und sich unabhängig von den anderen verhalten kann. Das Fell eines jeden Tieres wirkt hierbei jedoch stets unterschiedlich.

Der Film erzählt in erster Linie die lustige Geschichte zweier Figuren, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten: der große starke Grizzly-Bär Boog und der kleine dürre Hirsch Elliot, ein Verlierer, der verzweifelt auf der Suche nach neuen Freunden ist, nachdem er aus seiner Herde ausgestoßen wurde. Allerdings stellt sich heraus, dass Boog eher tapsig, sogar verletzlich ist und in der freien Natur überhaupt nicht zu Recht kommt. Er lebt ein bequemes Leben in der Garage der Rangerin Beth und wird von ihr Rund um die Uhr umsorgt – wie ein Haustier. Als er schließlich zwangsweise in der freien Natur leben muss kümmert er sich anfänglich nicht um die Schönheit des Waldes, für ihn ist er eher die Hölle bestehend aus spitzen Gegenständen, eiskaltem Wasser und bösartigen Tieren – der Trip ist für ihn wie ein miserabler Camping-Ausflug. Elliot hingegen macht hat zwar eine jämmerliche äußere Erscheinung, er ist jedoch auf seine Weise sehr gerissen, clever und zeitweise sogar manipulativ. Er drängt sich in Boogs Leben und macht es diesem zur Hölle, da er eine Reihe von Ereignissen herbeiführt, die Beth dazu veranlassen ihn auszusetzen. Nun müssen sich die Beiden besonders gegen Boogs Willen zusammentun, um ihren Weg nach Hause zu finden und mit den Gefahren der Natur fertig zu werden – die Zutaten für eine typische Buddy-Komödie.
Boog wird im Original von dem Top-Komiker Martin Lawrence gesprochen, der mit seiner tiefen Stimme dem riesigen Grizzly Leben einhaucht. In der deutschen Synchronisation übernimmt Thomas Heinze diesen Part. Elliot erhält seine Stimme in der Originalfassung von Ashton Kutcher, dessen Stimme und Komische Ader perfekt zu dem dünnen kleinen Hirsch und dessen sprunghaftem Charakter passt. In der deutschen Fassung ist Jürgen Vogel in dieser Rolle zu hören.

Auf ihrem Weg durch den Wald begegnen ihnen viele Tiere, die sich teilweise sehr merkwürdig verhalten. Da wäre zunächst ein Eichhörnchen mit schottischem Akzent namens McSquizzy, der Anführer einer Armee von Eichhörnchen, die mit Tannzapfen bewaffnet für Recht und Ordnung im Wald sorgt. Im weiteren Verlauf des Films spielt sich McSquizzy zum Freiheitskämpfer des Waldes auf – eine lustige Parallele zu dem schottischen Freiheitskämpfer William Wallace, bekannt aus "Braveheart". Danach treffen sie auf zwei Stinktierdamen die in der deutschen Synchronisation einen deutlich ausgeprägten Berliner-Akzent haben. Dann wären da noch zwei neurotische "französische" Enten, an denen selbst Woody Allen seine wahre Freude hätte, ein Biber, der als Leiter beim Bau eines Dammes in der Originalfassung den typischen New Yorker Arbeiterflair verbreitet, Elliots alte Herde unter der Führung des eingebildeten Alpha-Hirsches Ian, der auch das Reh Giselle angehört, Elliots Objekt der Begierde und viele süße kleine Hasen, die als Running-Gag immer wieder im Film "missbraucht" werden: mal dienen sie als Steinersatz und fliegen gegen eine Fensterscheibe, mal dienen sie als Handtuch und ein anderes Mal als Geschoss – aber keine Sorge, keinem Kaninchen wurde während der Dreharbeiten ein Haar gekrümmt. Sie alle müssen sich zusammentun als sie durch einen Dammbruch ins Tal hinab gespült werden und das ausgerechnet zur Jagdsaison. Sie müssen sich gegen die Jäger zur Wehr setzen und den Wald für sich behaupten.

Letztere werden von dem fanatischen Shaw angeführt, der im Laufe des Films immer paranoider wird und eine Verschwörung der Tiere gegen die Menschen wittert. Das muss der skrupellose Jäger natürlich unter allen Umständen verhindern, damit die "natürliche Ordnung" aufrechterhalten wird. Allerdings hat er nicht mit der Cleverness der Tiere gerechnet, die ihren Wald um jeden Preis verteidigen, so dass die Jägern ihr Blaues Wunder erleben.
Gary Sinise, bekannt aus vielen Filmen und aus der Fernsehserie "CSI: NY" spricht in der Originalfassung den verwirrten Jäger. Seine Aufnahmen fanden zumeist noch nach einem kompletten Drehtag am Set von "CSI" statt. Nachdem er den ganzen Tag forensische Beweise sichern und akribisch arbeiten musste, konnte er sich danach als Shaw regelrecht austoben, was ihm viel Spaß machte.
Die Rangerin Beth erhält ihre Stimme von Debra Messing, Star der US-Erfolgscomedy "Will & Grace"Alexandra Neldel stand hierfür in der Synchronfassung bereit.

Fazit: "Jagdfieber" ist eine perfekt animierte Komödie, die nicht nur Kindern gefallen wird, sondern auch Erwachsenen sicherlich jede Menge Spaß macht. Aber Achtung: Wilde Tiere.

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