Children of Men
Inhalt
Clive Owen in einer düsteren Zukunftsvision die zum Nachdenken anregtWir schreiben das Jahr 2027. Die Menschheit ist vom Aussterben bedroht, denn seit 18 Jahren wurden keine Kinder mehr geboren, da alle Frauen aus unerklärlichen Gründen unfruchtbar geworden sind. Die Folge ist weltweites Chaos und Anarchie. Nur Großbritannien konnte aufgrund seiner Insellage die rechtstaatliche Ordnung aufrechterhalten, jedoch auf Kosten der Demokratie, denn Unterdrückung und Überwachung sind an der Tagesordnung.
Aufgrund dieser Umstände wird Großbritannien zum Einwanderungsziel Nummer eins. Daher betreibt das Land eine rigorose Nulltoleranzpolitik gegenüber Einwanderern, dass heißt sie werden im ganzen Land aufgespürt, gejagt und in Lagern eingesperrt. Organisationen die sich gegen diese Zustände wehren und Einwanderern mit allen verfügbaren Mitteln helfen wollen sind als Terroristen gebrandmarkt.
Theo (Clive Owen) gehörte auch einst zu diesen Aktivisten. Nachdem jedoch sein Sohn starb ist er total abgestumpft und desillusioniert. Er hat einen stupiden Bürojob angenommen und ertränkt seinen Kummer in der Flasche. Einzig bei seinem guten Freund Jasper (Michael Caine) findet er Trost und Ablenkung.
Eines Tages wird er am helllichten Tag auf offener Straße entführt – von der terroristischen Gruppe, die von seiner Ex-Frau Julian (Julianne Moore) angeführt wird. Sie bittet ihn um Hilfe: er soll für eine Asylantin namens Kee (Clare-Hope Ashitey) einen Passierschein besorgen. Sie will aus Großbritannien fliehen und Schutz bei dem sagenumwobenen Human Project suchen. Auf ihrem Weg zur Küste werden sie allerdings Überfallen und Julian wird dabei tödlich verwundet. Auf der Flucht vor der Polizei finden sie Unterschlupf in einem sicheren Haus der Gruppe. Dort erfährt Theo endlich was hinter der ganzen Aktion steckt: Kee ist hochschwanger…
Kritik
Diese äußerst düstere Zukunftsvision basiert auf einem Roman des Bestseller-Autorin P.D. James. Die Menschheit scheint dem Untergang geweiht zu sein und beschleunigt diesen Vorgang vielerorts selbst. Ohne Aussicht auf eine Zukunft bricht die rechtstaatliche Ordnung zusammen, es herrscht Chaos und Anarchie in allen Ländern der Welt, bis auf Großbritannien. Hier konnte die Ordnung aufrechterhalten werden, aber dafür musste ein hoher Preis gezahlt werden, denn das Land wurde hermetisch abgeriegelt. Die Bürger werden überwacht und überall auf den Straßen ist die Staatsgewalt präsent. Einwanderer die in das einzige intakte Land der Erde einreisen möchten, werden rigoros abgewiesen. Diejenigen die es illegal versuchen werden überall gejagt und gefangen genommen. Sie werden dann in Internierungslagern an der Küste eingesperrt. Dort herrschen katastrophale Zustände: es ist schmutzig, überfüllt und die Hygiene ist denkbar schlecht. Man bekommt irgendwie den beklemmenden Eindruck von Konzentrationslagern im zweiten Weltkrieg vermittelt. In einer Szene werden einzelne Personen aus einem Bus gezerrt. Als dieser weiterfährt sieht man am Straßenrand zunächst Menschen die auf dem Boden knien, danach welche die sich ausziehen müssen und schließlich sieht man tote Menschen am Boden liegen, die von Tüchern bedeckt sind – es ist offensichtlich, dass Immigranten in den Lagern auch ermordet werden. Es herrscht Ausnahmezustand. Als es zu einem Aufstand der Einwanderer in einem der Lager kommt, wird dieser ohne Gnade von der britischen Armee blutig niedergeschlagen. Dabei entstehen regelrechte Kriegsszenen, die in punkto Realismus an Filme wie "Black Hawk Down" oder "Der Soldat James Ryan" erinnern. Kurz gesagt: bei diesen Szenen im Lager überkommt einen einfach eine unbehagliche Gänsehaut.
Der Film wurde von Alfonso Cuarón in Szene gesetzt, der zuvor für die Regie von Filmen wie beispielsweise "Y tu mamá también", oder "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" verantwortlich zeichnete. Cuarón schrieb auch das Drehbuch zum Film. Es gelingt ihm perfekt eine düstere Grundstimmung zu erzeugen. Dazu verwendet er überwiegend blasse, kalte Farben – vieles ist einfach Grau in Grau, trübe oder verraucht. Das wird besonders in den Lagerszenen deutlich. Hier kann man den Gestank, den Staub und den Dreck förmlich riechen. Im Übrigen ist Authentizität das Stichwort des Films. Dies betrifft zum einen natürlich die bereits erwähnten Kriegsszenen gegen Ende des Films, in denen man Clive Owen durch die Straßen des Lagers irren sieht, wobei er und durch seine Augen auch der Zuschauer die Gräueltaten des Krieges unbeschönigt und hautnah miterleben muss. Dabei gelingt es dem Regisseur diese Szene ohne einen einzigen Schnitt umzusetzen – das Ganze ähnelt phasenweise einer Dokumentation. Auch die Sequenz des Überfalls, bei der Theos Frau ermordet wird ist äußerst realistisch. Man fühlt sich als Zuschauer direkt in das Innere des Wagens versetzt und erlebt alles aus dieser Perspektive mit. Auch hier ist wiederum kein Schnitt erkennbar. Eine Szene treibt den Realismus des Films allerdings auf die Spitze: die Geburt von Kees Baby. Hier arbeitet der Regisseur ebenfalls ohne Schnitt und das verblüffende ist, dass man als Zuschauer die Geburt hautnah miterlebt und es handelt sich tatsächlich um ein echtes neugeborenes Baby. Man könnte tatsächlich denken, dass die Schauspielerin Clare-Hope Ashitey wirklich schwanger war und vor laufender Kamera ihr Baby zur Welt gebracht hat – mit Hilfe von Clive Owen.
Der Film hat allerdings leider auch die ein oder andere Schwäche. Im Film ist von Anfang an die Rede von einer unerklärlichen Unfruchtbarkeit aller Frauen, doch leider wird nie geklärt, was der wirkliche Grund dafür ist. Man kann nun spekulieren, ob es an genmanipulierter Nahrung, ob es an der Umweltverschmutzung, ob es an einem Virus oder sonstigem Krankheitserreger oder gar an einer bakteriellen Waffe liegt – den Spekulationen sind Tür und Tor geöffnet, aber im Endeffekt scheint die Menschheit selbst daran Schuld zu sein. Hierin liegt vielleicht auch eine der Messages des Films: wenn wir so weitermachen wie bisher sind wir dem Untergang geweiht! Der Film sendet also in gewisser Weise auch ein Warnsignal. Neben der ungeklärten Ursache für die Unfruchtbarkeit hat auch das Ende seine Schwächen, denn was aus der Menschheit wird bleibt unklar – sie kann ja schließlich nicht durch nur ein einziges Baby gerettet werden. Auch hier wird der Zuschauer zum Nachdenken animiert und kann sich sein eigenes Ende ausmalen. Eins steht jedoch fest: das Ende des Films verspricht Hoffnung, einen kleinen Lichtschimmer am Horizont. Das ist in meinen Augen auch die Hauptaussage des Films, denn trotz der düsteren Atmosphäre und der Gräueltaten besteht immer noch Hoffnung und diese sollte man niemals aufgeben.
Bei der Besetzung der männlichen Hauptrolle fiel die Wahl auf den britischen Schauspieler Clive Owen, dessen Karriere seit seiner überzeugenden Performance in "King Arthur" steil bergauf ging. Seine wohl bedachte Rollenauswahl ermöglicht es ihm in viele verschiedene Rollen zu schlüpfen. Diesmal spielt er den desillusionierten Anti-Helden Theo, der die Hoffnung auf Rettung eigentlich schon aufgegeben hat. Erst als er die schwangere Kee kennen lernt und sie beschützt bekommt sein Leben wieder einen Sinn. Er ist eigentlich ein ganz gewöhnlicher Typ, der in eine außergewöhnliche Situation gerät und wahre Größe zeigt. Eine lustige Begebenheit am Rande ist die Tatsache, dass Owen in weiten Teilen des Films nur mit Flip-Flops durch die Gegend läuft. Er versteht es seine Rolle auszufüllen, egal ob er den abgestumpften Trinker zu Anfang des Films mimt oder gegen Ende den heldenhaften Beschützer – seine Wandlungsfähigkeit ist einfach überzeugend.
Ihm zur Seite steht die erst 19 Jahre alte britische Newcomerin Clare-Hope Ashitey, die zuvor lediglich in dem Drama "Shooting Dogs" zu sehen war. Sie spielt die vielschichtige Immigrantin Kee, die zu Anfang des Films mürrisch und verschlossen auftritt. Im Verlauf des Films wird aber klar, dass sie eigentlich sehr verletzlich und durch ihre Schwangerschaft total verunsichert, hilflos und ängstlich ist. Dennoch hat ihr Charakter auch rebellische Züge, was nicht gerade die perfekte Vorstellung der Frau ist, die die Hoffnung der Menschheit in sich trägt. Nach und nach bauen Theo und Kee eine Vater-Tochter-Beziehung zueinander auf.
Michael Caine hat eine weitere wichtige Rolle im Film inne. Er spielt Jasper, den etwas spleenigen besten Freund von Theo. Jasper ist ein Rebell, der sich gegen das herrschende System auflehnt. Er ist ein alternder Hippie und ehemaliger politischer Karikaturist, der sein Leben und das seiner an den Rollstuhl gefesselten Frau durch den illegalen Verkauf von Cannabis finanziert. Er ist so etwas wie das moralische Zentrum des Films. In seinen Szenen gibt es eine gewisse Wärme, die im Leben der anderen Charaktere zu fehlen scheint. Er hat einfach noch nicht aufgegeben, sondern kämpft um diesen letzten Funken des Lebens.
In weiteren Nebenrollen sind auch Julianne Moore und Chiwetel Ejiofor zu sehen.
Fazit: "Children of Men" zeichnet eine äußerst düstere Zukunftsvision. Ein authentisches, visuell beklemmendes Drama, das zeitweise zu Gänsehaut der unangenehmeren Art führt und durch tolle Darsteller zu überzeugen weiß.
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Regisseur
Schauspieler
Clive Owen, Michael Caine, Julianne Moore, Chiwetel Ejiofor, Charlie Hunnam, Claire-Hope Ashitey, Pam Ferris, Danny Huston, Peter Mullan, Oana Pellea, Paul Sharma, Jacek Koman, Ilario Bisi-Pedro, Lucy Briers, Robert Dearle, Barnaby Edwards, Rogan Grant, Valerie Griffiths, Somi Guha, Philip Herbert, Milenka James, Jamie Kenna, Suzy Kewer, Michael Klesic, Goran Kostic, Francisco Labbe, Dhaffer L'Abidine, Maurice Lee, Denise Mack, Thorston Manderlay, Henry Martens, Martina Messing, Michael Norton, Caroline Lena Olsson, Bruno Ouvrard, Georgette Pallard, Faruk Pruti, Joy Richardson, Peter Ryder, Vidal Sancho, Tehmina Sunny, Ernesto Tomasini, Philippa Urquhart, Paul Warren, Ed Westwick, Juan Gabriel Yacuzzi, Ray Donn, Christopher Fosh, Arpad Godla, Forbes KB



Zoidberg / 01.07.2008 11:49:56
WAr jetzt nicht der beste Film, hat aber doch schon gute Szenen und realistische Endzeitgedanken. Clive Owen schafft es hier wirklich seine Schauspielerische Leistung zu zeigen denn die Rolle finde ich ist nicht einfach zu spielen.
4 Sternen
OldSnake / 01.07.2008 12:10:52
Super Film. Owen ist meiner Meinung nach ein wirkliches Talent.
6 Sternen
Gambit521 / 23.07.2008 03:24:44
hatte auch keine Erwartungen in diesen Film und wurde Positiv überrascht es lohnt sich diesen Film zu sehen auch nur wegen der Kameraführung
nicht bewertet