X-Men: Der letzte Widerstand
X-Men: The Last Stand
Inhalt
Die X-Men Reihe geht in die dritte Runde.Wir erinnern uns: Am Ende des zweiten Teils ist Jean Grey (Famke Jannsen) gestorben, weil sie ihre Freunde vor einer riesigen Wasserwelle beschützt hat. Zuvor wurden wir Zeuge wie sich ihre eigenen Telekinese-Kräfte gegen sie wendeten und Jean sie immer weniger kontrollieren konnte, was schießlich zu ihrem Tod führte.
Der dritte Film beginnt nun mit einem Rückblick; einem Besuch von Dr. Xavier und Magneto bei der jungen Jean Grey vor zwanzig Jahren. Damals noch vereint überreden beide den Teenager ihre Kräfte in den Dienst der X-Men zu stellen.
Wieder in der heutigen Zeit hat sich einiges verändert. Die X-Men sind mittlerweile nicht mehr die Verstoßenen und geächteten Mutanten sondern aktzeptierte Bürger.
Der Präsident der vereinigten Staaten handelt nicht mehr gegen sie, sondern mit ihnen, wie sich am Beispiel von Dr. Hank Mc Coy alias Beast (Kelsey Grammer) zeigt, der sogar eine Stellung im weißen Haus inne hat.
Wie fadenscheinig diese angebliche Aktzeptanz jedoch ist, beweist sich, als die Regierung ein Mittel findet, mit dem man die Mutanten „heilen“, also sie in „normale“ Menschen ohne Fähigkeiten verwandeln kann. Dieses Mittel in Gestalt des Jungen Leech (Cameron Bright) der auf der Gefängnisinsel Alcatraz gleichermaßen festgehalten als auch beschützt wird, soll allen Mutanten verabreicht werden, notfalls mit Gewalt. Sowohl die X-Men als auch die dunkle Schar um Magneto, die mittlerweile im Untergrund leben, sind alles andere als einverstanden mit diesem Plan. Sie wollen ihre Einzigartigkeit nicht aufgeben. Oder wie Storm so schön sagt: „Es gibt nichts zu heilen, weil nichts falsch bei uns ist“
Keiner ahnt jedoch dass schon bald ein noch viel größeres Problem auf Sie zukommen wird. Dieses Problem beginnt ganz harmlos mit einem trauernden Cyclops (James Marsden), der über den Verlust seiner Freundin Jean Grey nicht hinwegkommt. Um so weniger kann er es begreifen als sie plötzlich leibhaftig vor ihm steht.
Als wenig später Wolverine (Hugh Jackman) und Storm (Halle Berry) die bewusstlose Jean finden, ist sich Professor Xavier (Patrick Stewart) nicht sicher, ob dieses Wesen tatsächlich die Frau ist, die sie alle kennen und (besonders Wolverine) lieben, oder etwas ganz Anderes. Wie recht er mit seinen Überlegungen hat, wird sich schon bald auf verheerende Weise zeigen.
Kritik
AB HIER SPOILER-ALARM
Mit angehaltenem Atem habe ich auf den dritten Teil der „X-Men“-Saga gewartet. Die enttäuschende Nachricht dass Bryan Singer die Regie an „Rush Hour“ Regisseur Brett Rattner abgegeben hatte dämpfte meine Vorfreude schon ein klein wenig; das gebe ich offen zu. Wie kann es ein Neuling schaffen ein bereits etabliertes filmisches Universum spannend und würdevoll weiter zu führen, noch dazu wenn die beiden Vorgänger-Filme absolut von Singers wundervoller Regie-Arbeit geprägt waren.
Die Frage, die sich „X-Men“ Fans, so wie ich, in aller Welt stellten ist: „Gelingt es Brett Rattner die Bedenken der Fans in den Wind zu schlagen und eine erstklassige Fortsetzung abzuliefern, oder muss er sich Singer´s ersten beiden Teilen gegenüber geschlagen geben?
Diese Frage ist nun beantwortet. Aber diese Antwort ist alles andere als einfach.
Zwar hat Rattner nicht den Fehler gemacht, dem Film einen völlig anderen Stempel aufzudrücken, aber hier und da merkt man ihm doch das Fehlen von Bryan Singer als Regisseur an.
Der Handlungsstrang rund um Jean Grey's Verwandlung in „Phoenix“ ist mit Abstand der interessanteste und tragischste des ganzen Films und kann, für sich alleine genommen, mit den beiden Vorgängern locker mithalten. Gedankt werden muß in diesem Zusammenhang vor allem der fantastischen Famke Jannsen, die in ihren Szenen niemals „over the top“ agiert und die die innere Zerissenheit der Figur mal überlebensgroß und mal in kleinen Nuancen preis gibt.
Ihr gehören auch die zwei besten Szenen des Films: die Zerlegung eines kompletten Hauses, bei deren erschüttertem Ausgang mir der Atem stockte und der Schluss des finalen Kampfes, in dem Wolverine ein letztes Mal versucht die Macht des Monstrum Phoenix zu brechen.
Hugh Jackman überzeugt einmal mehr als Wolverine. Nachdem er im zweiten Teil auf der ständigen Suche nach seiner Vergangenheit war, ist es hier sein unbändiger Wille Jean zu retten, der ihn antreibt. Schon fast zum Kult geworden sind seine Onliner, die das Geschehen immer wieder auf ironische Art und Weise auflockern.
Halle Berry bekommt viel mehr Leinwandpräsenz als in den beiden vorigen Filmen eingeräumt und weiß sie effektiv zu nutzen. Ihre Storm ist wilder, entschlossener, kämpferischer und zielgerichteter denn je. Und man sieht sie endlich fliegen.
Im Gegensatz zu diesen drei großen Charakteren werden die Präsenzen der übrigen Rollen rapide verkürzt: Anna Paquin hat nur einen kleinen Auftritt als Rogue, in dem sie sich entscheidet das Heilmittel zu nehmen um ihren Freund Iceman berühren zu können ohne ihm Schaden zuzufügen. Rebecca Romijn (ohne Stamos) alias Mystique wird allzuschnell vom Mutanten in einen Menschen verwandelt und ist dann weg vom Fenster und auch Aaron Stanford als Pyro fungiert fast nur noch als Handlanger von Magneto. Ganz zu schweigen von James Marden, dessen Cyclops schneller verschwindet als man gucken kann.
Sir Ian McKellen als Magneto und James Stewart als Professor X geben erneut ein charismatisches Gespann ab, auch wenn Stewart den Film nach dem ersten Viertel verlässt McKellen gelingt es seiner Rolle in nur einer Szene eine völlig neue Seite abzugewinnen.
Kommen wir zu den neuen Mutanten: Beast, Kitty Pride (Ellen Page), Juggernaut (Vinnie Jones) und Angel (Ben Forster). Ihnen erlaubt das Drehbuch nur eine Handvoll Szenen, die jedoch noch nicht mal an der Oberfläche ihrer Charactere angesiedelt sind. Und obwohl Figuren wie Angel und Beast das Interesse des Publikums durchaus wecken (speziell von Angel hätte ich gerne mehr gesehen), bleiben sie leider zu stark im Hintergrund oder werden zu wenig eingesetzt um wirklich zu fesseln.
Die einzige Ausnahme ist Ellen Page, die eine aufgeweckte Kitty Pride abgibt und dank einer Nebenhandlung mit Ice Man genug Zeit zur Verfügung hat, um sich im Gedächtnis des Zuschauers zu halten.
Die Effekte des Films sind mit wenigen Ausnahmen erstklassig, besonders die Zerlegung der Golden Gate Bridge am Ende, die besagte Hauszerstörung und die Veränderung von Jean Grey in Phonix ist absoute „State of Art“ und höchst effektiv. Auch die zahlreichen Kämpfe der X-Men sind zielsicher choreographiert und verfehlen nie ihre Wirkung beim Publikum. Bei der finalen Schlacht schließlich wird gekämpft, geprügelt und geschlagen was das Zeug hält. Die „beste“ Kampfszene hat dabei Storm, die mit einem nie zuvor gesehen Effekt orkanartig durch die Luft wirbelt und ihre Gegner allesamt niederschlägt.
Das, was meiner Meinung nach im Film nicht so funktioniert ist die Sache mit der Heilung. Zwar wird die Geschichte des Jungen, der den Mutanten durch seine bloße Anwesenheit die Kräfte rauben kann, zwar gut vorbereitet, aber auf halber Strecke wird sie plötzlich außer Acht gelassen und nicht mehr weiter erzählt.
Lobenswert ist es, dass Rattner ähnlich wie Singer die Vergleiche zu unserer Realität hervorhebt. Das Heimittel gegen Mutationen kann man in unserer Welt gleichsetzen mit einem Heilmittel gegen Schwule. Die Frage ob Andersartige sich zur „Normalität“ entscheiden, wenn sie die Chance dazu hätten, knüpft an den intelligenten Gedanken der ersten beiden Teile an. Aber auch diese Denkanstöße werden auf halber Strecke liegengelassen.
Sehr schade fand ich es auch, dass das musikalische Leitthema von John Ottman, dem Komponisten der ersten beiden Filme, nur ein einziges Mal in einer veränderten Version erklang. Die Musik von John Powell hilft die Spannung und Emotionalität der Szenen zu begleiten, aber in Sachen Einprägsamkeit und Intensivität reicht sie nicht an die seines Vorgängers heran.
So ist der dritte Teil von X-Men ganz sicher keine Enttäuschung, es gibt Szenen die unvergesslich sind und Brett Ratner ist es besonders mit dem Phonix-Strang gelungen, die Geschichte aufregend und herzzerreißend weiter zu erzählen.
Betrachtet man den Film aber als Gesamtwerk werde ich das Gefühl nicht los, als ob die Geschichte etwas zu schnell erzählt worden ist und sich sowohl Rattner als auch die Drehbuchschreiber noch mehr Mühe mit den Figuren und ihren Beziehungen untereinander hätten geben müssen. Mit seinen 107 Minuten Länge ist „X-Men – Der letzte Wiederstand“ immerhin zwanzig Minuten kürzer als der zweite Teil und wahrscheinlich sind es genau diese Minuten die aus einem sehr guten Film einen grandiosen Film hätten machen können.
Fazit:
Ein würdiger Nachfolger mit tollen Darstellern und einer intelligenten und anrührenden Geschichte, auch wenn Brett Ratner's Film sich ein klein wenig unter dem Niveau der ersten beiden Singer-Fime bewegt.
Wichtig: Bis nach dem Abspann im Saal bleiben, denn es kommt noch eine Szene.
Jetzt kommentieren? / 2 Kommentare
Regisseur
Schauspieler
Hugh Jackman, Patrick Stewart, Ian McKellen, Famke Janssen, Halle Berry, James Marsden, Anna Paquin, Rebecca Romijn, Kelsey Grammer, Daniel Cudmore, Vinnie Jones, Ben Foster, Ellen Page, Olivia Williams, Bill Duke, Michael Murphy, Dania Ramirez
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Kaspian / 29.12.2007 22:39:27
Anfangs dachte ich mir..ou ou Rattner hätte meinem geliebten Superman wirklich gut getan...doch je länger der Film dauerte desto erleichterter war ich das Singer Superman machte.
Die Sache mit Cyclops, Jean Grey, Doc X sind einfach zu große Fehler. Klar alles ist nett anzusehn doch wie man das Leben der Charaktere zum Wohl des Drehbuchs verändert ist für einfach zu viel des guten.
nicht bewertet
Veremar / 01.01.2008 21:16:59
Ganz deiner Meinung, vieles am Film war falsch... Ich hatte nach den ersten beiden Teilenmehr erwartet...
4 Sternen