Verfasst von Frank Neumann am 13.01.06 18:10:54 - 0 Kommentare

Der Ewige Gärtner

The Constant Gardener

Moviereporter-Bewertung:
  • 6.0/6 Sterne.
Leserwertung (6): 4.83 / 6

Land Großbritannien

Genre Drama, Thriller

Laufzeit: 129

Jahr 2005

Webseite
Trailer

Kinostart: 12.01.2006
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Inhalt

Als seine Frau ermordet aufgefunden wird, begibt sich ein britischer Diplomat auf eine lebensgefährliche Suche nach der Wahrheit.

Manche Regisseure können glücklich sein, wenn sie es schaffen ein Meisterwerk zu inszenieren. Fernando Meirelles hat es geschafft nach „City of God“ ein Zweites abzuliefern. „Der ewige Gärtner“, basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von John le Carrè ist kein einfacher Film, aber ein verdammt Lohnenswerter.

Worum es geht:
Justin Quayle (Ralph Fiennes in seiner ersten Kinorolle seit 2002) ist ein angepasster, nicht allzu ambitionierter britischer Diplomat, dessen bester Freund und Kollege Sandy ihm gerade die schlimmste aller Nachrichten überbracht hat – Justin´s Frau Tessa (Rachel Weisz) wurde in Nordkenia brutal ermordert aufgefunden. Tatverdächtig ist ihr plötzlich verschwundener Kollege und Freund, der afrikanische Arzt Dr. Arnold Bluhm. Obwohl die britische Regierung Justin untersagt private Ermittlungen anzustellen, entscheidet er sich die Sache selber in die Hand zu nehmen und reist nach Kenia, wo er schon früher einmal mit Tessa gelebt hatte.
Dort erfährt er von den Plänen seiner Frau, eine internationale Verschwörung auffliegen zu lassen. Sie hatte rausgefunden dass die Pharmaindustrie arme Leute in Kenia ohne ihr Wissen als Versuchskaninchen für fragwürdige neue Medikamente benutzt. Mit den Fakten, dass tausende an den Folgen der Tests sterben könnten, wollte sie sich an die Öffentlichkeit wenden.
Je mehr Justin in Tessa´s Vergangenheit gräbt und seine Frau als einen Menschen erlebt, den er nie wirklich gekannt hat, um so ambitionierter und verbissener werden seine Pläne die Arbeit seiner Frau fortzuführen. Und somit erregt er schon bald die Aufmerksamkeit derer, die Tessa umbringen ließen. Hilfesuchend wendet sich Justin an seine Kollegen aus der britischen Regierung, nichtsahnend was für einen fatalen Fehler er damit begeht.

Kritik

Hintergrund:
Die Geschichte über die geheimen und illegalen Medikamententests in Afrika, die unter dem Deckmantel der Aids-Bekämpfung durchgeführt, werden ist von Autor John Le Carré frei erfunden. Aber dass er mit seiner Behauptung nicht allzu weit von der Wahrheit entfernt liegen könnte, zeigt der Fall des Schmerzmittels Vioxx, das vom Phamakonzern Merck vom Markt genommen werden musste weil es das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko dramatisch steigerte. Daraufhin hatte Ihnen ein Forscherteam der Universität Bern vorgeworfen, sie hätten schon seit Jahren von der Gefährlichkeit des Medikamentes gewusst und nichts unternommen.

Kritik:
Das größte Lob, dass man über den Film sagen kann ist, dass er absolut realistisch und echt daherkommt. Die Armut in Afrika und die Zustände dort werden in keinster Weise beschönigt und Regisseur Merseilles unternimmt noch nicht einmal den Versuch seinen Film massentauglich zu gestalten. In fast jeder Einstellung dominieren Handkameras und verwackelte Bilder, sodass man sich von seinen üblichen Sehgewohnheiten erst mal getrost verabschieden darf.
Mit Ralph Fiennes und Rachel Weisz hat Merseilles zwei Darsteller zur Hand, die sich aufopfernd und voller Wucht in ihre Rollen schmeißen. Fiennes verleiht Justin auf seiner Suche nach der Wahrheit eine stumme, aber stets sichtbare Verzweiflung am Rande der Selbstaufgabe und Weisz gibt als kämpferische Tessa die bisher beste Darstellung ihrer Karriere ab (und das obwohl sie nur in Rückblenden zu sehen ist)
Aber auch jenseits der Darsteller stimmt hier einfach alles. Regie und Kamera ergeben ein perfektes Team das sowohl die Schönheit als auch die Härte Afrikas kongenial einfangen. Gleichzeitig hat man als Zuschauer das Gefühl mitten im Geschehen zu sein und nicht nur als bloßer Augenzeuge zu fungieren.

Fazit:
Gerade weil sich Regisseur Mereilles nicht beim Publikumsgeschmack anbiedert, ist ihm damit ein kleines filmisches Juwel gelungen. Für mich einer der wichtigsten und besten Filme des Jahres.

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