Verfasst von Sebastian Stumbek am 25.01.06 08:36:47 - 3 Kommentare

Lord of War - Händler des Todes

Lord of War

Moviereporter-Bewertung:
  • 5.5/6 Sterne.
Leserwertung (16): 4.93 / 6

Land USA

Genre Action, Drama, Thriller

Laufzeit: 122

Jahr 2005

Webseite
Trailer

Kinostart: 16.02.2006
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Inhalt

Never go to war. Especially with yourself.
Andrew Niccol mit einem mutigen Film und einem brisantem Thema.

Der ukrainisch-stämmige Yuri Orlov (Nicolas Cage) macht schon früh im Einwandererviertel Little Odessa eine lukrative Entdeckung: Gegessen wird immer, getötet auch. Doch der Anfang ist schwer. Der mächtige Waffenhändler Simeon Weisz (Ian Holm) reagiert auf Orlovs Kooperationsangebot nur mit arroganter Herablassung. Ein Jahr später gelingt Orlov im Krisenherd Libanon dennoch der Durchbruch. Orlov landet zusammen mit seinem kleinen Bruder Vitali (Jared Leto) einen Per-Kilo-Verkauf der gebrauchten Ware und somit den ersten großen Deal. Schon bald beliefert er alle erdenklichen Streitkräfte, gleich welcher Gesinnung. Mit Yuris Erfolg steigt auch das Interesse des Interpol-Agenten Jack Valentine (Ethan Hawke) an seiner Person. Dazu hat er in dem Topmodel Ava Fontaine (Bridget Moynahan) die ideale Ehefrau gefunden, die angenehm wenig Fragen stellt. Bruder Vitali hingegen kommt mit dem dubiosen Erfolg weniger gut zurecht und flüchtet sich zunehmend in Drogen.
Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs beginnt Yuri, als weltweit mächtigster Waffenhändler, das richtig große Geld zu scheffeln. Und die ewigen neuen Kriegsherde in Afrika eröffnen Yuri stets neue Märkte. Warlords wie der liberianische Diktator Andre Baptiste (Eamonn Walker) und sein durchgeknallter Sohn Andre Jr. (Sammi Rotobi) gehören längst zu Yuris besten Kunden, die mit der gekauften Ware selbst die Kinder in ihrem Land ausrüsten. Doch dann fängt Yuris Glücksstern an zu sinken. Jack Valentine zieht das Netz um seinen größten Gegner immer fester zusammen und selbst seine Frau Ava beginnt, Yuris Reichtum zu hinterfragen und stellt ihn vor die Entscheidung: Geschäft oder Familie…

Kritik

Mit "Lord of War" hat Regisseur Andrew Niccol einen sehr mutigen und provokanten Film geschaffen. Kein US-Studio wollte den Film aufgrund des brisanten Stoffs vermarkten, so dass sich Niccol im Ausland nach Investoren umsehen musste und glücklicherweise welche fand. Und was er mit diesem Film geschaffen hat kann man durchaus als Volltreffer bezeichnen.

Der Film beginnt erst einmal mit einem wirklich beeindruckenden Vorspann. Zu sehen ist der vollständige Weg einer Gewehrkugel, von der Herstellung in der Fabrik, dem Export und schließlich ihrem Flug in den Kopf eines Jungens. Schnell wird klar welche Töne "Lord of War" anschlägt. Dass die harte Wahrheit dem Zuschauer schonungslos dargestellt wird. Der Film setzt sich von Anfang an sehr kritisch mit dem Waffengeschäft auseinander. Zu Beginn wird der Zuschauer mit Yuri Orlovs (Nicholas Cage) Aussage konfrontiert, dass derzeit 550 Millionen Schusswaffen auf der Erde kursieren – jeder Zwölfte Mensch besitzt also eine. Nun stellt sich einem Waffenlieferanten wie Orlov natürlich die Frage: Wie kann man die restlichen 11 Personen auch noch mit Waffen beliefern? Denn das Ausrüsten mit Waffen wäre ja nur das stillen eines menschlichen Bedürfnisses. In den Nachrichten wird täglich von Mord und Terror auf der Welt berichtet – Menschen können gar nicht anders als zu töten. Aber Wenn Orlov die Zeitungen durchblättert achtet er vielmehr auf die benutzen Waffen und ärgert sich, wenn es nicht seine waren. Ein Waffenhändler versucht eben kein Gewissen zu haben -  wie die Waffen eingesetzt werden muss jeder für sich selbst entscheiden, er ist nur zur Stelle um zu liefern. Und wen er damit beliefert ist dabei auch nicht wichtig: "I never sold to Osama Bin Laden. Not on any moral grounds. Back then, he was always bouncing checks".

Wenn die USA beispielsweise ein Kriegsgebiet verlässt, lässt sie einen Großteil ihrer Waffen dort. Denn sie zurückzubringen würde mehr kosten als einfach neue zu bestellen. In solchen Fällen sind Waffenhändler wie Yuri Orlov gleich zur Stelle, um die Vorräte billig aufzukaufen und woanders gewinnbringend zu verkaufen. Dass er dabei gegen zahlreiche Waffen-Embargos verstößt stört ihn dabei nicht sonderlich. Interpol ist zwar stets bemüht dagegen vorzugehen, im Grunde sind sie aber machtlos. Denn die Schuldigen sind nicht unbedingt die Waffenhändler selbst, sie sind nur die "necessary evil", sie handeln schließlich im Interesse der Regierungen, werden also von diesen gebraucht um ein Gleichgewicht aufrecht zu erhalten und somit auch von ihnen gedeckt. Wenn man einen Schuldigen sucht sollte man also bei den Regierungen selbst beginnen. Der Präsident der Vereinigten Staaten z.B. ist sogesehen der größte Waffenhändler der Welt. Verständlich also, wieso Niccol in den USA keinen Verleiher für den Film finden konnte. Aber die Kritik richtet sich nicht ausschließlich an die Vereinigten Staaten, sondern nimmt auch all die anderen beteiligten Regierungen ins Visier. "Aufgelockert" wird der Film in all seiner Kritik stets mit sehr schwarzem Humor bzw. viel Zynismus. Aber gerade durch diesen wird auch stets deutlich, wie ernst das Ganze eigentlich ist.

Schauspielerisch ist der Film auf oberstem Niveau. Nicholas Cage spielt Waffenhändler Yuri Orlov, dem es an Gewissen fehlt, wirklich perfekt. Anfangs zeigt er keinerlei Emotionen durch seine Mimik, durch einige tragische Ereignisse ändert er dies aber im Laufe des Films. Jared Leto, der schon in dem Meisterwerk "Requiem for a Dream" gezeigt hat, dass er ein großartiger Schauspieler ist, tut dies auch hier. Seine Rolle unterscheidet sich stark von der seines Bruders Yuri, da dieser eher eine negative Haltung gegenüber dem Waffenhandel einnimmt. Yuris Frau Ava (Bridget Moynahan), anfangs noch glückliches Topmodel,  zerbricht immer mehr an der Situation ihres Mannes und seines Handelns, was sie mehr als glaubhaft darstellt. In kleineren Nebenrollen sind noch Ethan Hawke als Interpol-Agent Jack Valentine und Ian Holm als Yuris größter Konkurrent im Waffengeschäft Simeon Weisz zu sehen – beide in wirklich beeindruckenden schauspielerischen Rollen.

Technisch gibt es an dem Film auch nichts auszusetzen. Es wurden schöne Drehorte mit beeindruckenden Einstellungen und erstklassigen Farbfiltern gewählt, die den Film deutlich von Anderen hervorheben. Andrew Niccol hat erstklassige Arbeit geleistet, um in seinem Film mit beeindruckenden Bildern zu protzen. Musikalisch ist Lord Of War zudem auch noch brillant: Der Soundtrack von Antonio Pinto ("City of God") könnte passender nicht sein, unterstreicht mit seinen melancholischen Klängen die Ernsthaftigkeit des Films und lässt diesen um einiges stärker wirken.

Fazit: "Lord Of War" darf sich schon jetzt als eines der Highlights dieses Jahres zählen. Denn wohin soll die Waffenpolitik und führen? Ein mutiger Film mit einem wichtigen Thema, mit dem man sich auseinandersetzen sollte, erstklassige Schauspieler und Regietechnisch auf höchstem Niveau – ein Film den man gesehen haben sollte.

"You know who’s going to inherit the earth? Arms Dealers. Because everyone else is too busy killing each other."

Jetzt kommentieren? / 3 Kommentare

  1. DocProc

    DocProc / 19.12.2007 15:13:59

    Ich find den Film Klasse, Nic Cage als Händler des Todes...eine echt gute Wahl


    6 Sternen

  2. Kaspian

    Kaspian / 19.12.2007 15:32:19

    Der Schluss hängt ein wenig der ersten sehr, sehr guten Hälfte hinterher.


    nicht bewertet

  3. Jaansen

    Jaansen / 04.02.2008 16:08:26

    einfach super film, bissl schade das er in amerika gefloppt hat, bzw. teilweise wurde er gar nicht erst ausgestrahlt, hätte evtl. vielen amerikanern mal die augen geöffnet...


    6 Sternen


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Lord of War - Händler des Todes (Lord of War)
Foto: 20th Century Fox of Germany

Regisseur

Andrew Niccol

Schauspieler

Nicolas Cage, Jared Leto, Ethan Hawke, Bridget Moynahan, Ian Holm, Yule Masiteng, Donald Sutherland, Dexter Nwanya, Jonathan Ave, Shake Tukhmanyan, Jean-Pierre Nshanian, Jared Burke, Eric Uys, David Shumbris, Stewart Morgan, Jasper Lenz, Kobus Marx, Stephan De Abreu, Jeremy Crutchley, Tanya Finch, Lize Jooste, Yaseen Abdullah, David Harman, Neil Tweddle, Prosper Hakiziman, Chi Zhang Yi, Sajad Khan, John Sferopoulos, Gamiet Peterson, Danie Struwig, Tony Caprari, Jack Niccol, Annelene Terblanche, Stanislav Majer, Yevgeni Lazarev, Zdenek Pechácek, Weston Cage, Larissa Bond, Sammi Rotibi, Gugulethu 'Gugu' Zulu, Debbie Jones, Mirriam Ngomani, Eamonn Walker, Tayo Oyekoya, Liya Kebede, Jasmine Burgess, Siyamthanda Ndlangalavu, Tanit Phoenix, Kutcha, Konstantin Egorov, Vadim Dobrin, Hlomla Dandala, Tony Kgoroge, Young Bakubas, Jerry Mofokeng, Mzwanele Jafta, Carlin April, Masisi Ndlumbini, Bupe Chanda, Sonni Chidiebere, Sydney Hall, Nalu Tripician, Akin Omotoso, Steve Ruge, Ali Mk, Mohamed Omar, Jean-Michel Richaud, Steve J. Termath, Patrick Walton Jr.

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