Verfasst von Haiko Kàcserik-Maczek am 19.11.05 03:11:05 - 0 Kommentare

Oliver Twist

Moviereporter-Bewertung:
  • 2.5/6 Sterne.
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Land Großbritannien, Tschechische Republik, Frankreich, Italien

Genre Drama, Familie

Laufzeit: 130

Jahr 2005

Webseite
Trailer

Kinostart: 22.12.2005
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Inhalt

Roman Polanski's Neuverfilmung des berümhten Charles Dickens Buches.

England, Mitte des 19. Jahrhunderts
Der junge Oliver Twist (Barney Clark) wächst in ärmlichsten Verhältnissen auf. Vom Waisenhaus wird er ins Armenhaus gebracht, wo er für die Krone Kinderarbeit verrichten muß. Zu Essen gibt es abends eine kleine Schüssel mit Haferbrei. Als er bei einem Totengräber in die Lehre gehen soll, gelingt ihm die Flucht nach London. Die 70 Meilen zur Metropole entpuppen sich als große Tortur und die Großstadt kann er nur ausgehungert in zerrissener Kleidung erreichen. Schnell nimmt sich Dodger (Harry Eden) sich seiner an. Er ist ein geschickter Taschendieb und besorgt dem erstaunten Oliver schnell ein Stück Brot. Dodger nimmt ihn mit zum alten Fagin (Ben Kingsley), der als Hehler eine Schar von Kindern als Taschendiebe für sich auf der Straße arbeiten läßt. Oliver genießt zunächst das Zusammensein mit den anderen Kindern, denn im Gegensatz zum Leben im Waisenhaus ist dieses Dasein erträglich. Der Obergauner Bill Sykes (Jamie Foreman) fordert mit Nachdruck seines zähnefletschenden Hundes Bull’s Eye, dass Oliver endlich 'arbeiteten' geht. Obwohl er gleich an seinem ersten Tag von der Polizei geschnappt wird, hat Oliver diesmal Glück. Der bestohlene Mr. Brownlow (Edward Hardwicke) nimmt den Jungen in seine Obhut. Dort lernt er zum ersten Mal Liebe und Geborgenheit kennen. Jedoch hat Oliver für Fagin und Sykes zuviel gesehen und die beiden befürchten, dass Oliver sie verraten könnte. Folglich machen sich die Schurken auf, um den Jungen zu suchen...

Kritik

Roman Polanski beendete seine Arbeit an dem preisgekrönten Drama "Der Pianist" im Jahre 2002. Danach wollte er ein ganz anderes Thema in Angriff nehmen und damit eine viel jüngere Zielgruppe erreichen. So wagte er sich mit seinen Produzentenpartnern Robert Benmussa und Alain Sarde an Dutzende Kinder- und Jugendbücher, bis schließlich Polanskis Frau ihn auf "Oliver Twist" brachte. Da die letzte große Verfilmung des Charles Dickens Roman, der 1837 seine Erstveröffentlichung hatte, im Jahre 1948 erschien, war die Zeit mehr als reif gewesen, den Stoff wieder auf die große Leinwand zu bringen.

Das zeitlose Märchen erzählt die Story eines kleinen Waisenjungen, der im London des 19. Jahrhunderts in die Fänge einer Bande von Taschendieben gerät. Nach langer Suche entschied sich Polanski den elfjährigen Barney Clark, der mit einem außergewöhnlichen Talent gesegnet ist, für die Titelrolle seiner 60 Mio. Dollar teuren "Oliver Twist"-Interpretation zu besetzen. Mit Ben Kingsley und Jamie Foreman konnte Polanski zwei weitere geniale und renommierte Schauspieler für sein Projekt gewinnen und engagieren. Das Team um "Oliver Twist" bestand zum größten Teil aus Mitgliedern des Teams, das uns "Der Pianist" brachte. So konnte Polanski auf den gleichen Kameramann, Produktionsdesigner, Schnittmeister und die gleiche Kostümbildnerin zurückgreifen.

Wie der oscarprämierte Drehbuchautor Ronald Harwood erklärte, lag die Schwierigkeit in der Umsetzung des Stoffes darin, die Romanvorlage so zu kürzen, das daraus ein zweistündiger Film entstehen konnte. Das Ende der Filmfassung ist weniger hart und die Geschichte setzt in dem Moment ein als Oliver das Arbeitshaus betritt bis zum Romanende; Nebenstränge wurden weggelassen. Der Film weist wie die Romanvorlage Anprangungen an die gesellschaftlichen Missstände auf. Vermutlich kann man in diesem Aspekt den Bezug auf die heutige Zeit ziehen, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht und der Rotstift des Sparens auch vor dem Bereich Soziales nicht mehr halt macht.

Beeindruckend waren die selbstschöpferisch gestalteten Außensets, die mit Liebe zum Detail ein viktorianisches London mit den engen Straßen, all dem Dreck und all den Menschen, die in den Hofeingängen kauerten, auf die Leinwand zauberte. Verantwortlich dafür kann sich der Produktionsdesigner Allan Starski zeichnen, der mit seinen Sets auf dem Außengelände der legendären Barrandov-Studios eine märchenhafte visuelle Aussagekraft erzeugen konnte. Es galt ein England in der Übergangszeit von der ländlichen Idylle zum Zeitalter der industriellen Revolution zu erzeugen, was beeindruckend gelang. Dazu kommen 800 Komparsen mit Kutschen und Pferden, die die Straßen belebten und einem förmlich den Gestank des Slums des Londoner Hafenviertels in die Nase steigen lässt und wenn die Szenerie zum Wohlstandsviertel Pentonville wechselt, spürt man buchstäblich die Kluft zwischen Arm und Reich, die damals herrschte.

Da ich "Oliver Twist" bedauerlicherweise nur von Erzählungen kenne, den Roman von Charles Dickens demnach leider Gottes noch nicht selbst gelesen habe, war ich vom Film ziemlich enttäuscht, denn ich stellte mir selbst den Oliver immer als schnellen Langfinger vor, der sich mit Stehlen durch das Leben kämpft. Mit diesen Hintergedanken sah ich den Film und verließ das Kino eher unbefriedigt. Einzig und allein beeindruckend war das Setting des Films.

In "Oliver Twist" geht es um einen Jungen, der sein Leben in Angriff nimmt, dabei schreckliche Abenteuer überstehen muß, fürchterliche Anklagen und Gefahren entgeht und am Ende triumphiert. Im Hintergrund das perfekte Bild Londons aus dem 19. Jahrhundert. Ein Kinofilm - nachdem man sicherlich mit gemischten Gefühlen aus dem Kino gehen dürfte und nach solch vollkommen gelungen Projekten wie "Der Pianist" hätte man vom Star-Regisseur definitiv mehr erwarten dürfen.


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