Alfie
Inhalt
Alfie - Single aus Überzeugung… doch was ist, wenn sich an die Überzeugung plötzlich Zweifel anschleichen? Wie reagiert Alfie, wenn er an einen Wendepunkt gelangt, wenn er, der die Vorzüge seines Lebens in so hohen Tönen lobt, mit einem Mal gar nicht mehr so sehr davon überzeugt ist, dass alles richtig läuft?Eines vorweg: der Film hatte ein Budget von rund 60 Mio. Dollar, hat aber in den USA nur ein mäßiges Einspielergebnis von nicht einmal 15 Mio. Dollar erreicht. Hat eine solche Tatsache etwas mit der Qualität eines Films zu tun?
Jude Law spielt einen Engländer, der in die Vereinigten Staaten von Amerika, genauer nach Manhattan, gezogen ist. Warum? Nun, er selbst schwärmt von den hübschen Frauen an jeder Ecke und prompt wird uns als Zuschauer ein Manhattan präsentiert, das scheinbar dem Ideal eines Modemagazins entsprungen ist. Wir erleben die Welt eines Singles, der sein ungebundenes, abwechslungsreiches Leben förmlich verehrt, es als ein Muss bezeichnet, um als Mann glücklich zu sein… wir erleben Alfies Welt.
Der Film ist von seinem Genre her oberflächlich schwer einzuordnen und man kommt auch erst nach einigen vergangenen Minuten zu der Erkenntnis, dass es sich um ein Drama handelt - oder handeln möchte. Der Zuschauer sieht durch die Augen des Protagonisten in eine von seinen Wünschen und Begierden entsprechend gefärbte Welt. Schnell erfahren wir nach welchem Motto der smarte, immerzu elegant gekleidete (Schuhe von Prada, Anzüge von Gucci… aber eine Wohnung im klassischen „Ökostil“), Alfie lebt - nach europäischem Vorbild wie er sagt: Wein, Weib und… tja, an dieser Stelle hört es im Grunde genommen schon auf, wobei Weib und Weib auch eine interessante Variante ist, so Alfie (doch die tatsächliche Konfrontation mit dieser Variante soll dann alles andere als interessant werden, eher rufschädigend, etwas, das einem wie Alfie natürlich so gar nicht gefallen sollte).
Wir erleben einen neuen, durchaus -nicht in jedem Film, aber eben manchmal- positiven roten Faden, nach dem der Film sich orientiert. Wie schon im Trailer angedeutet, wird die Handlung immer wieder von Monologen des Protagonisten unterbrochen, die uns vermitteln, was er in der Situation, in der er gerade steckt, denkt, wie er sich weiterhin verhalten wird, was er von anderen Figuren hält oder wir hören einfach nur einen möglichst coolen, lässigen, zum Charakter von Alfie passenden Spruch. Die Frage ist nur: verbirgt sich dahinter etwas anderes? Versucht dieser Bilderbuchmacho mit Stil eventuell etwas zu verbergen, steckt hinter seinem „Frei-wie-der-Vogel-Denken“ eine Sehnsucht, Angst, andere Begierde… was es auch immer sein mag, und nein, ich habe ihnen gerade nichts verraten, ebnet praktisch den dramatischen Weg, den der Film im Laufe der Zeit einnimmt.
Aber zu wenig.
Meiner Ansicht nach schafft es der Film durchaus Tiefen aufzuzeigen und findet diesen Weg zum Genre Drama auch, bleibt aber dabei dennoch auf einer gewissen Oberfläche. Das Eis ist dünn, ja, aber es bricht halt nicht. Gut, in manchen Situationen -und der Film liefert einige von diesen Momenten- muss man doch schlucken und die Risse, die Lücken in dem von Alfie so verherrlichten Leben erkennen… alles andere wäre natürlich auch ungenügend gewesen.
Besonders die angedeutete herzliche Beziehung zu dem Jungen einer seiner Frauen lässt hoffen, dass der Verstand von Alfie doch noch etwas anderes enthält als weibliche Rundungen und Dinge, die sie sich jetzt gern in ihrer Phantasie vorstellen können. Nun würde ein Zitat passen: „Aphro- ? Aphro- ? Aphrotitti“, so Alfie auf der Suche nach einer bedeutenden griechischen Statue, die er einmal gesehen hat.
Wie spielt Jude Law? Hierzu nur so viel: er passt, denke ich, exakt in die Rolle. In seiner Art zu sprechen und sich zu bewegen vielleicht ein wenig zu weiblich, aber im Endeffekt überzeugt er in dem überwiegend von der Mimik angeführten neuen Monologstil, der sich direkt an den Zuschauer richtet.
Alfie (2004) ist ein Remake des aus dem Jahr 1966 stammenden gleichnamigen Films, in dem Michael Caine die Hauptrolle übernommen hatte. Regie führte damals Lewis Gilbert (Alfie (1966)).
Kritik
Schauen sie sich diesen Film ruhig an, denn er ist gute Unterhaltung, mehr aber nicht. Erwarten sie keine Geschichte, die so weit unter die Haut geht, dass es sie auch unabhängig der nach einem Film logisch folgenden Gespräche noch beschäftigen wird.Jetzt kommentieren? / 4 Kommentare
Regisseur
Schauspieler
Jude Law, Renée Taylor, Jane Krakowski, Jeff Harding, Marisa Tomei, Kevin Rahm, Max Morris, Omar Epps, Nia Long, Gedde Watanabe, Jo Yang, Tara Summers, Katherine La Nasa, Claudette Mink



Veremar / 09.12.2007 14:23:56
Wie gesagt, man kann keine tiefgründige Geschichte erwarten, dennoch finde ich auch nicht dass es unbedingt gute Unterhaltung ist. Ich fand es eher ein bisschen langeweilig. Muss man nicht unbedingt gesehen haben.
nicht bewertet
ToniRevada / 23.12.2007 13:30:12
Der mit Abstand beste Film von Jude Law. Er wird leider immer nur auf sein gutes Aussehen reduziert. Das er mit der Rolle von Alfie nah an Michael Caine kommt, der 1966 diese Rolle brilliant umsetze, wird von den Damen und Herren Kritikern verschwiegen.
4 Sternen
Veremar / 23.12.2007 19:42:03
Ich finde wirklich nicht dass er an Michael Caines Interpretation rankommt, aber es ist wahrscheinlich nur Geschmackssache...
nicht bewertet
Kaspian / 23.12.2007 21:13:45
Mir hat weder die Version von Michael Caine (und der Film is sogar erst ab 18) noch die von Jude Law gefallen. Die neue Version hat allenfalls den Vorteil moderner zu wirken.
nicht bewertet