House of Flying Daggers
Shi mian mai fu
Inhalt
Wenn sie auch zu uns kommen, dann sind es meistens Filme mit einem gewissen Meisterwerk-Charakter. Der asiatische Filmmarkt ist im Kommen... oder längst präsent.Im Jahr 859, fast zweieinhalb Jahrhunderte nach ihrer Machtübernahme, ist der Verfall der Tang-Dynastie nicht mehr aufzuhalten. Unruhe herrscht im Großreich China. Eine mächtige Rebellenallianz, genannt das House of Flying Daggers, attackiert den unfähigen Kaiser und seine korrupte Regierung.
Weil die Untergrundbewegung immer größere Unterstützung beim Volk findet und auch trotz der Ermordung ihres letzten Anführers nicht an Stärke eingebüßt hat, erhalten die Polizisten Leo (Andy Lau Tak Wah) und Jin (Takeshi Kaneshiro) einen fast unlösbaren Auftrag. In nur zehn Tagen sollen sie den neuen Führer der Rebellen identifizieren und festnehmen. Verdächtig, ein Mitglied der Allianz und vielleicht sogar ihr Kopf, ist vor allem Mei (Zhang Ziyi), eine blinde Tänzerin im Luxusbordell Peony Pavillon. Um mehr über sie und die Rebellen zu erfahren, soll Jin nach einer fingierten Festnahme Mei befreien und ihr Vertrauen gewinnen.
Der Plan gelingt, doch auf der langen Flucht durch die Wälder geschieht Unvorhersehbares. Der Polizist und die vermeintliche Revolutionärin verlieben sich. Wie aufrichtig und stark dieses Gefühl ist, wird auf dramatische Weise auf die Probe gestellt.
Kritik
House of Flying Daggers gilt als indirekter Nachfolger von Hero, der sehr erfolgreich war und auch bei den Kritikern gut abgeschnitten hat. Ein anderes Beispiel exzellenter asiatischer Filmkunst wäre Tiger and Dragon (2004) von Regisseur Ang Lee. Tiger and Dragon gewann sogar den Oscar in der Kategorie Bester ausländischer Film. Yimou Zhang führte Regie bei Hero (2002) und drehte dann 2004 den absolut würdigen indirekten Nachfolger House of Flying Daggers (Originaltitel: Shi mian mai fu). Doch obwohl Hero auch rein finanziell ein Erfolg war, war Yimou Zhang selbst nicht wirklich zufrieden mit dem Film und versprach, dass House of Flying Daggers seine eigentliches Herzensprojekt sei.Gleich zu Beginn des Films bekommt der Zuschauer eine ordentlichen Vorgeschmack bester Kampfkunst aus Hong Kong - in Kombination mit Messern, Schwertern, Bogenschützen und so weiter... die Bandbreite des kämpferischen Genialität ist groß und es wird stets daran gedacht, jene Kämpfe mit so viel Ästhetik in der Umsetzung zu verbinden, dass es schlichtweg ein visueller Genuss ist, den Darstellern zuzusehen. Rein auf die spektakulären Kampfszenen bezogen ist der Film schon mal ein Highlight, doch das sind asiatische Fime dieser Art eigentlich immer. Ein Aspekt, auf den man sich verlassen kann, und der auch schon in Hero und Tiger and Dragon sehr gut zur Geltung kam.
Um bei der visuellen Komponente asiatischer Filmkunst zu verharren: nicht nur bezogen auf die Kampfsequenzen solcher Filme ist der rein optische Faktor in höchsten Tönen zu loben. Hero ist ein wunderbares Beispiel für die perfekte Verwendung und Umsetzung etlicher Farben, die spielerisch und technisch hochwertig für brillante Landschaftsaufnahmen sorgen. Auch House of Flying Daggers kann an dieser Stelle mithalten, verliert den internen Wettkampf gegenüber Hero aber ganz knapp. Und dennoch: es ist schon bemerkenswert schön, wenn allein der Endkampf in einer Winterlandschaft statt findet, die technisch kaum zu übertreffen ist. Aber auch die sattgrünen Waldaufnahmen und die Mischung aus intensiven herbstlich gelbgoldenen Farben ist ein visueller Hochgenuss.
Bleiben wir bei der Schönheit, bei der Ästhetik, die einen so hohen Stellenwert in asiatischen Filmen hat. Hierzu wäre vor allem auch die Anfangsszene zu erwähnen, in der die blinde Mei ihre Geschicklichkeit trotz ihrer Behinderung unter Beweis stellen soll und eine nahezu perfekte Darbietung liefert, die irgendwo zwischen Tanz und Kampfkunst anzusiedeln wäre.
Bezogen auf die Handlung liegen Hero und House of Flying Daggers auf einer ähnlich hohen Ebene, wobei die Geschichte in Hero noch ein wenig packender, ein wenig genialer erscheint. In House of Flying Daggers wird dem Zuschauer noch nebenan eine Liebesgeschichte geliefert,d ie in Ordnung ist, aber nicht wirklich herausragend. Dennoch, und das ist der positive Handlungsaspekt bei House of Flying Daggers, wird der Zuschauer immer wieder auf eine falsche Fährte geschickt, so dass der Film an einigen Stellen mit überraschenden Wendungen aufwarten kann. Also, an dieser Stelle auch ein Lob an Bin Wang und Feng Li, die für das Drehbuch zuständig waren.
Darstellerisch und Regietechnisch kannman nur sagen, dass alles vollkommen in Ordnung und darüber hinaus geht. Regisseur Yimou Zhang macht seine Sache erneut sehr gut, sorgt für wunderschöne Bilder und verzaubert den Zuschauer wie schon in Hero allein mit präzisen, schön zu beobachtenden Einstellungen. Aber auch die Darsteller fallen in keinster Weise und an keine Stelle negativ auf, allein die Figuren, man erkenne den Unterschied, handeln hier und da eventuell nicht ganz nachvollziehbar und so wird der Zuschauer im Normalfall vor allem hinsichtlich der bescheinigten Liebe durchaus skeptisch sein.
Noch einige Häppchen, die vielleicht ganz interessant sein könnten: Yimou Zhang hat die bekannte Opernsängerin Kathleen Battle für den Titelsong engagiert. Die wörtliche englische Übersetzung des Originaltitel Shi mian mai fu würde Ambushed from Ten Directions lauten. Mit der Szene in dem Bambus-Wald wollte der Regisseur einer Tradition chinesischer Martial-Arts-Filme treu bleiben. Um ihrer Rolle gerecht zu werden und einen Einblick zu bekommen wie es ist, blind zu sein, lebte Darstellerin Zhang Ziyi zwei Monate mit einem blinden Mädchen zusammen.
Die Frage, welcher der beiden Filme nun besser ist (Hero oder House of Flying Daggers), ist wirklich schwer zu beantworten. Visuell nehmen sich beide nicht viel, doch wenn man sich entscheiden müsste, dann würde wohl Hero einen Punkt mehr in diesem Bereich bekmmen. Auch in Sachen Handlung, wie in der Review bereits erwähnt, liegt Hero ein wenig über House of Flying Daggers. Fest steht jedoch, dass der Film richtig gut ist und nie langweilig wird, optisch fast einwandfrei ist und kämpferisch sowieso auf einem absolut hohen Level.


