Merry Christmas
Joyeux Noël
Inhalt
Ein Weihnachtsfilm mit einem typischen Weihnachtswunder, verpackt in einem Kriegsfilm mit Liebesgeschichte, das ist "Merry Christmas".Europa, Anfang des 20. Jahrhunderts.
Der erste Weltkrieg brach aus und Hunderttausende junge Männer aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland zogen in den Krieg, von dem alle dachten, dass er glorreich und abenteuerlich wäre. Doch sie sollten schon bald eines besseren belehrt werden.
Dezember, 1914. An der Westfront.
Schon seit Monaten liefern sich französische, britische und deutsche Truppen einen tödlichen Kampf. Auf allen Seiten gibt es viele Tote zu beklagen und nach der anfänglichen Kriegsbegeisterung folgte dem Irrsinn des Krieges die Müdigkeit. In allen Lagern gab es ausgelaugte Soldaten. Keiner wusste mehr genau, warum man im Schnee in den Schützengräben lag und sich gegenseitig abschlachtete. Alle wollten nur noch an Weihnachten zu ihren Familien und in Frieden leben. So auch der Berliner Tenor Nikolas Sprink (Benno Fürmann).
In der Heimat will sich die dänische Sopranisten Anna Sörensen (Diane
Krüger) ihren eigenen persönlichen Wunsch nach Frieden erfüllen, indem sie dem Kronprinz Wilhelm von Preußen (Thomas Schmauser) eine Bitte um einen Konzertabend in der Nähe der Westfront zukommen läßt, an dem auch ihr Geliebter, eben der Nikolas Sprink, teilnehmen soll. Sie schafft es gegen die Meinung der Kriegsführung anzukommen und findet beim Kronprinzen Gehör. Dieser stimmt dem Antrag zu.
Am Abend des Konzerts versucht Anna ihren Geliebten Nikolaus davon zu überzeugen, dass es besser wäre, sich von der Truppe zu entfernen und bei ihr zu bleiben, sie hätte einen kaiserlichen Passierschein, der ihnen dabei helfen könnte. Doch Nikolas will unbedingt zu seinen Kameraden an die Front zurück, er will sie nicht im Stich lassen und als Kollaborateur darstehen. Also beschliesst Anna mit ihm an die Front zu gehen, um dort mit seinen Kameraden Weihnachten feiern zu können.
Und da geschieht das Wunder: Irgendwie einigen sich die Soldaten auf einen inoffiziellen Waffenstillstand und als Nikolaus "Stille Nacht" anstimmt, antworten die Gegner nicht mit Gewehrfeuer sondern mit Beifall. Die Soldaten kommen langsam aus ihren Gefechtsständen und aus ihren Schützengräben hervor, Tannenbäume und Kerzen werden ins Niemansland gestellt. Die Soldaten, die sich noch bis vor kurzem bekriegten, tauschen Geschenke aus, spielen Fussball miteinander und begraben die gefallenen Kameraden.
Doch die Verbrüderung mit dem Freind lässt die Heeresführung auf allen Seiten umso härter darauf reagieren und macht diesem Augenblick der Ruhe und des Friedens schnell ein Ende.
Erst vier Jahre und elf millionen Tote später ist der Krieg zu Ende.
Kritik
"Merry Christmas" ist eine französisch-deutsch-englisch-belgische-rumänische Koproduktion und basiert auf wahren Begebenheiten. Die Idee zu diesem Stoff entnahm der noch weitgehend unbekannte französische Regisseur Christian Carion aus dem Buch "Batailles de Flandres et d'Artois 1914-1918" von Yves Buffetaut. Der aus dem Norden stammende Franzose war 1993 von einer ganz besonderen Passage des Buches fasziniert, die da lautet "Das unglaubliche Weihnachten von 1914", in der von der Verbrüderung der Feinde geschildert wird. Über ein Jahrzehnt später konnte er sein Projekt endlich realisieren und auf die grosse Leinwand bringen. Bei der Uraufführung im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes 2005 wurde der Film begeistert gefeiert."Merry Christmas" ist nicht nur ein weiterer Kriegsfilm oder ein weiteres Drama, der Film spiegelt natürlich den Irrsinn des Krieges wieder, zeigt jedoch ganz anders als seine Vorgänger wie "Der Soldat James Ryan" oder "Schindlers Liste" in beeindruckender Weise, dass eigentlich niemand den Krieg, hier der Erste Weltkrieg, wollte und dass die meisten Soldaten nach ein paar Wochen gar nicht mehr genau wussten, warum dieser überhaupt geführt wurde. Und das ein serbischer Nationalist irgendwann mal den österreichischen Thronfolger erschossen hatte, daran dachte erst reicht keiner mehr.
Im Mittelpunkt steht aber nicht der Krieg oder die Liebesbeziehung zwischen den Protagonisten Anna und Nikolaus, sondern die Musik, welche verbindet, nicht nur zwischen zwei Menschen, sondern zwischen Nationen, die sich vor einigen Stunden noch beschossen hatten. Alle haben ein gemeinsames Ziel und einen Herzenswunsch: Frieden. Dem Wahnwitz des Krieges musste ein Ende bereitet werden. Und obwohl viele Szenen unrealistisch rüberkommen sind sie so oder in abgewandelter Form tatsächlich passiert und das Ende beweist allemal, dass es sich so zugetragen haben kann, denn wieder einmal entschied nicht der kleine Mann über Frieden oder Leid, sondern die, die hunderte Kilometer von der Front in ihren warmen Sessel sassen, die Heeresführung.
Obendrein bietet der Film mit Diane Krüger, Benno Führmann, Guillaume Canet, Daniel Brühl und Cary Lewis eine europäische Starbesetzung, die sich sehen lässt.
Wer sich den Film anschauen möchte, sollte wirklich nicht zögern, sich die Originalfassung mit deutschen Untertiteln anzuschauen, denn wenn die Schauplätze zwischen den einzelnen Schützengräben hin und her wechseln, ist es nur zu schön einmal mehr mitanzusehen, dass die Franzosen auch französisch, die Schotten auch englisch und die Deutschen auch deutsch sprechen. Dies verleiht dem Film noch einen realistischeren Touch.
"Merry Christmas" ist ein Film über Menschlichkeit, Verbrüderung und Kameradschaft. Er handelt von der unsterblichen Liebe zwischen zwei Menschen in der grausamen Zeit des Krieges. Der Regisseur schafft es auf imponierender Weise seine Geschichte gleichzeitig empfindsam, warm und dennoch kalt und brutal zu erzählen. Ein großer europäischer Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte.
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Regisseur
Schauspieler
Benno Fürmann, Diane Kruger, Daniel Brühl, Guillaume Canet, Gary Lewis, Dany Boon, Tom Duncan, Alex Ferns, Suzanne Flon, Christopher Fulford, Mathias Herrmann, Robin Laing, Bernard Le Coq, Ian Richardson, Marc Robert, Steven Robertson, Michel Serrault, Friedemann Thiele, Johannes Richard Voelkel, Frank Witter


