Im Winter ein Jahr
Inhalt
Oscar-Preisträgerin Caroline Link ("Nirgendwo in Afrika", "Jenseits der Stille") greift auch in ihrem lange erwarteten vierten Film das Thema auf, das sie immer wieder aufs Neue beschäftigt: Familie und familiäre Wurzeln.Eliane Richter (Corinna Harfouch) bittet den Künstler Max Hollander (Josef Bierbichler), ein Porträt ihrer beiden Kinder zu malen, der 22-jährigen Lilli (Karoline Herfurth), einer talentierten Tanz-Studentin, und des 19-jährigen Alexander (Cyril Sjöström), der vor einem knappen Jahr tödlich verunglückt ist. Als Lilli, zunächst lustlos, zu Sitzungen im Studio des Malers erscheint, merkt dieser schnell, dass sie in großen emotionalen Schwierigkeiten steckt und er versucht, die ehemals tiefe Verbindung der Geschwister besser zu verstehen. Es entsteht eine vorsichtige Annäherung zwischen den beiden und das Psychogramm einer komplexen Familie. Am Ende hat das Bild der Geschwister wenig mit dem zu tun, was sich Eliane ursprünglich erhofft hat und kann gerade deshalb den Weg ebnen für einen neuen Anfang.
Kritik
Der Tod ist das Thema - vielmehr: das Leben der anderen nach diesem Tod, der schrecklicher und grausamer nicht sein könnte, falls eine Klassifikation in diesem Zusammenhang überhaupt gestattet ist: Ein Kind stirbt, ein junger Mann; er stirbt durch eigene Hand. Das Drama und Trauma einer betroffenen Familie, ihre rührenden, verzweifelten und meist hilflosen Bemühungen aus der emotionalen Schockstarre herauszukommen, um ein halbwegs normales Leben beginnen zu können - diese Herkulesaufgabe an Trauerarbeit schildert der Film "Im Winter ein Jahr" der deutschen Oscar-Preisträgerin Caroline Link, die, in diesem Winter, nach 5 Jahren Pause, ihr langerwartetes, filmisches follow up nach ihrem oscarprämierten "Nirgendwo in Afrika" präsentiert. Die Tragödie, von Link erstmals beim Filmfestival in Toronto im September vorgestellt, startet am 13.November (bezeichnenderweise)....denn: so voller Trauer, überfrachtet mit Problematiken aller Art, kommt dieser Arthouse - Film nach dem Roman "Aftermath" des Bostoner Autors Scott Campbell daher, daß man keinen passenderen Starttermin als jenen in der kalendarischen Todeszone zwischen Allerheiligen und Totensonntag hätte wählen können. Dabei trägt dieser Film großartige Botschaften in sich, nämlich die Überwindung von Trauer durch Solidarität und Freundschaft und die tröstliche Wirkung von Kunst. Doch diese ganz starken Leitmotive, die für diese instinktsichere Regisseurin bei der Drehbuch - Adaption des Romans zweifellos einen großen Reiz ausübten, verlieren sich und werden abgeschwächt in einem endlosen und unüberschaubaren Gewebe von Nebenschauplätzen. Eine konsequente Verschlankung der Handlung, eine klarere Konturierung der Charaktere durch eine mutige Zuweisung von Prioritäten und eine größere künstlerische Distanz zur Vorlage hätten diesem Film gutgetan.Dabei hat sich die Münchner Regisseurin - quasi aus der Not heraus - bereits ziemlich weit von der Romanvorlage entfernt, als sie die Story in und um München ansiedelte - nach jahrelangen, frustrierenden Verhandlungen mit amerikanischen Produzenten und Schauspielern. Das Projekt "Amerika-Debüt" ist also gescheitert, fürs erste. "Vielleicht drehe ich trotzdem irgendwann einen Film in Amerika", verrät Caroline Link, "Aber wahrscheinlich erst dann, wenn es keiner mehr von mir erwartet."
Nun also Bayern statt Boston - durchaus legitim, denn Tod und Trauer haben ihre Heimat überall.
Josef Bierbichler, der sensible Grantler, gibt den Maler Max Hollander, der eines Tages von einer gutsituierten Dame (Corinna Harfouch) den Auftrag bekommt, ein Porträt ihrer Kinder zu malen. Das Ungewöhnliche daran: Eins der Kinder, der Sohn, ist vor einem Jahr verstorben. Vor Max entfaltet sich das Drama einer zerrissenen Familie, deren individuelle Probleme vor dem Hintergrund eines unfaßbaren Todes, eines Suizids, schmerzhaft aufbrechen und sich ins Unerträgliche steigern. Max befindet sich nicht nur in einem schwierigen Arbeitsprozeß sondern plötzlich, sozusagen als eine Art unfreiwilliger Psychiater, inmitten einer schwierigen Beziehung zu einem Mitglied der Trauerfamilie, der blutjungen Musikerin und Tänzerin Lilli (Karoline Herfurth), Schwester des Toten. Am Ende gibt es Hoffnung auf Heilung der verletzten Seelen. Die Freundschaft mit Lilli gibt auch Max die Perspektive zur Überwindung eines eigenen Verlustes.
Die Berliner Schauspielerin Karoline Herfurth beweist hier wieder einmal mehr, daß sie zur ersten Garde der deutschen Nachwuchsschauspielerinnen gehört. Beeindruckend ihre Arbeit im "Parfum" - man wartet nun gespannt auf ihren Auftritt in "Der Vorleser" von Bernhard Schlink, in dem sie an der Seite von Kate Winslet agieren wird. Josef Bierbichler, das bayerische Mannsbild als sensiblen, zurückgenommenen homosexuellen Künstler zu besetzen - ein Wagnis. So manchem entlockte dies ein unverständliches Grinsen. Tatsächlich hat man ständig das Gefühl, daß Bierbichlers bayerisches Temperament mühsam gezügelt werden mußte, aber wer hätte das professioneller bewerkstelligen können als eine so erfahrene Regisseurin wie Caroline Link. Sie hat bewiesenermaßen das Händchen zur ebenso subtilen wie effektiven Führung von Schauspielern.
Ohne Zweifel gelingt Caroline Link in ihrem neuen Film eine berührende Schilderung einer ungewöhnlichen Trauerarbeit, in intensiven, ruhigen Bildern (erstklassig: Kamerafrau Bella Halben). Jenseits der Trauer - und dies ist das wirklich Attraktive an diesem Film - öffnet sich jedoch ein Füllhorn der Kunst: Tanz, Malerei, Musik! Die Münchner Maler - Entdeckung Florian Süssmayr hat exklusiv 5 Bilder für den Film gemalt. Der Münchner Komponist Martin Stock komponierte verschiedene Musicalnummern für "Alice im Wunderland", die von Ramses Sigl mit Studenten der Münchner Theaterakademie choreografiert wurden. Die Choreografin Birgitta Trommler erarbeitete mit Karoline Herfurth einen expressiven "Tanz-Ausbruch" zu "Signal to Noise" von Peter Gabriel.
Interessant übrigens die Anmerkungen von Karoline Herfurth zu ihren ebenso anstrengenden wie beglückenden künstlerischen Vorbereitungen zum Film in ihrem Blog auf ihrer Webseite (www.karoline-herfurth.de) - Lesenswertes aus erster Hand! Das Kinopublikum würde bestimmt mehr solcher intelligenter Blogs von Filmschaffenden goutieren - um wirklich Infos und Meinungen ungefiltert zu erhalten...
Der scheidende Vorstandsvorsitzende vom Verleih "Constantin", Fred Kogel, ordnete - interessanterweise - Caroline Links Film „Im Winter ein Jahr" der Kategorie "kommerzielles Arthouse" zu. Der Film ist tatsächlich ein bis unter die Dachziegeln vollgestopftes Haus der Kunst - ob er wirklich kommerziell erfolgreich sein wird, wird sich daran messen lassen, inwieweit die Zuschauer akzeptieren können, daß das Haus vor allem ein Trauerhaus ist.
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Regisseur
Schauspieler
Karoline Herfurth, Josef Bierbichler, Hanns Zischler, Misel Maticevic, Daniel Berini, Franz Dinda, Karin Boyd, Jacob Matschenz, Inka Friedrich, Hansa Czypionka, Tanja Frehse, Alina Freund, Paula Kalenberg, Philip Koestring, Filippo Kreindl, Konstantin Krisch, Matthias Kupfer, Thomas Schimon, Cyril Sjöström



Gambit / 12.11.2008 20:45:53
Karoline Herfurth <-soooooooooooooooooooo hübsch
nicht bewertet